Dienstag, 24. April 2018

Nachlese zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 3

Was im Zuge der diesjährigen Generalversammlung als Sturmlaufen - wie wiederholt nach aussen hin verlautbart wurde - von sogenannten Hardlinern wider den Vorstand und die Generalsekretäre am Goetheanum seinen Ausdruck fand, scheint mir tiefer betrachtet eine mehr als grobe Missdeutung wiederzugeben. Sturm ja, aber ein Zeiten-Sturm im Hinblick auf mehr Transparenz, nicht im eigentlichen Sinne ein Sturm gegen die beiden abgewählten Herren des Vorstandes, für deren Arbeit durchaus die ein oder anderen sachlich begründbaren Argumente und darüber hinaus auch Sympathien vorhanden waren.

Ich will mit der Einschätzung der Sachlage sogar soweit gehen, dass diese Generalversammlung nicht jenes Ende hätte nehmen müssen, wenn nicht derartig viele Transparenz-Mängel im Vorfeld und bei der Generalversammlung selbst zu Tage getreten wären. So ist die Abwahl letztlich als quasi Kollateralschaden eines zeitgeistigen Sturmlaufs zu sehen. Ein Umsturzversuch gewisser Hardliner, wie die Presse vollmundig meinte schreiben zu können, hat jedenfalls nicht stattgefunden.

Es ist heute einfach nicht mehr möglich an eine grössere Mitgliedschaft so „nichts sagend“ heranzutreten wie geschehen und das anscheinend selber gar nicht zu bemerken. Das Sensorium der Mitglieder für die Qualität des Gesagten in dieser Weise zu unterschätzen zeugt - und mir ist bewusst, dass dies hart klingt - einfach von Weltfremdheit und ist schlichtweg unprofessionell. Im Gespräch mit mir fremden Mitgliedern habe ich jedenfalls mehrfach ungefragt Rückmeldungen zu hören bekommen, die genau in diese Richtung deuteten.

Die nachhaltig wahrzunehmende immer wieder neu sich manifestierende Augenhöhe mit den Mitgliedern ist in dieser Gesellschaft verloren gegangen. Und dies nicht erst im Zuge dieser Generalversammlung, sondern schleichend schon sehr viel länger. Von einem gewissen Gesichtspunkt aus ist sie zeitgemäss auch nicht wirklich entwickelt worden. Die Abwahl war demgemäss ein Alarmzeichen, ein sehr dringliches Alarmzeichen sich über den Zustand dieser Gesellschaft deutlich anders und tiefer reichend Klarheit zu verschaffen. Mit anderen Worten sich Rechenschaft zu geben, was es eigentlich heisst in heutiger Zeit Vorstand einer Gesellschaft mit einer geistigen Aufgabe zu sein und dieses Amt auch spirituell aktiv ausfüllen zu wollen.

In der Einführung zur Aussprache fiel ein Satz, der mich aufhorchen liess. Das Wort vor der Generalversammlung zu ergreifen bedeute einen besonderen Ort zu betreten. In welcher Weise dies ein besonderer Ort sei wurde allerdings nicht gesagt. So will ich nach beinahe vierzig Jahren des Schweigens aus eigenem Erfahren heute etwas dazu sagen. In diesen Saal hinein zu sprechen kann als ein Herantreten an die Schwelle zum Geistigen hin erfahren werden. Wie das? In der Weise, dass, wie Rudolf Steiner das für den grundständig zu erneuernden Gemeinschaftskörper einer zukünftig geistesgegenwärtigen Anthroposophischen Gesellschaft nach der Weihnachtstagung benannt hat, alle eigenen Vorstellungen im Sprechen von diesem Ort her zu löschen seien. Ein innerer Feuerprozess müsse im Sprechen  gewissermassen als Oberton mitschwingen können. Auf eine andere Weise könne in tatsächlicher Repräsentanz der anthroposophischen Bewegung hier nicht gesprochen werden.

So streng hat das nach meinem in langen Jahren erarbeiteten Verständnis Rudolf Steiner benannt. Und dem Vorstand wie den Generalsekretären obliegt es dafür Zeugnis abzugeben, dass dieser innere Vorgang im Sprechen zu, wie noch mehr im Antworten auf Mitgliederfragen qualitativ wenigsten ansatzweise beispielhaft wirksam wird. Das ist das eigentlich spirituelle Geheimnis von Augenhöhe, ist die Kraft, die aus tatsächlicher Augenhöhe hervorgehen kann, die anthroposophisches Leben hervorbringt.

Mit anderen Worten: Das Sprechen vor der Generalversammlung kommt einem Gang nach Emaus gleich. Wo hier sprechend die Worte nicht deutlich bemüht so geformt werden, dass „der Dritte“ leise raumgreifend anwesend werden kann fehlt dieser Gesellschaft genau diejenige Dynamik in ihrer eigentätig zu entwickelnden Gestaltungskraft, die sie vor der heutigen Welt berechtigterweise als zeitgerecht modern dastehen lässt. Und eben hier beginnt die stets sich erneuernde Schwierigkeit des Stehens dieser Gesellschaft in Augenhöhe vor der Welt, bzw. des Stehens des Einzelnen in Augenhöhe „vor sich selbst.“ Das Stehen in unerschrockener Augenhöhe  vor sich selbst bereitet nämlich den Zugang für ein begleitend Inspiriert werden Können durch den Dritten im Dialog mit dem anderen Menschen, bzw. einer grösseren Gemeinschaft von Menschen innerlich vor.

Es geht also bei einem Sprechen von diesem Ort um das aufrechte Stehen im Ich, um ein aktiv unmittelbares Bezeugen seiner Kraft in innerem Gleichgewicht. Das wiederum kann Geistesgegenwart der nicht unbedingt einfachen Art herausfordern. Die Möglichkeiten hier die Augenhöhe zu sich selbst wie zur Gemeinschaft der Anzusprechenden zu verlieren sind vielfältig, insbesondere in einem freigegebenen Dialog zwischen Sprecher von vorne und Sprechenden von der Saalseite her. Es geht grundständig ans Eingemachte des Ego in der eigenen Seele der Menschen auf beiden Seiten während eines derartigen Dialogprozesses. Darin liegt aber auch die stets neue Bewährung einer spirituell ausgerichteten Gemeinschaft, inwieweit sie sich entwickelnd vorankommt, bzw. sie durch mangelnde Geistesgegenwart in die Stagnation abgedrängt wird.

Das Stehen im Ich ist über ein ideelles Anschauen desselben hinaus und jenseits verbaler, auch anthroposophischer Abstraktionen des Verstandesdenkens vom Grund her nämlich mit dem Erfahren eigener seelischer Nacktheit, die auch nur über eine kleinere Wegstrecke auszuhalten einigen Mut erfordert, verbunden. Die Winkelzüge des Ego diese Nacktheit bei sich selber zu verbergen, bzw. die Möglichkeit bei Dialogpartnern den Sturz in diese Nacktheit zu übersehen sind gross, geht es doch um sehr subtile seelische Vorgänge, die erst einer reiferen seelischen Beobachtung zugänglich und von daher handhabbar werden. Es ist eben etwas ganz anderes vom Ich zu reden oder dieses zu leben und aus dieser Haltung heraus ein anderes keimenden Ich zu schützen. Der Schutz des Ich aber ist die grösste Aufgabe eines spirituell wirkenden Vorstandes am Goetheanum.

Auch hier ist im besinnend Nachgang dieser Generalversammlung selbstklärend für „alle Beteiligten“ in freier Weise zu prüfen welche Missgeschicke diesbezüglich geschehen sind. Es geht also heute um Missgeschicke, die sich allzu leicht unbemerkt einschleichen, wenn die Zurückdrängung des Leibes, von der Rudolf Steiner in seiner Philosophie der Freiheit schreibt nicht gelingt. Möglicherweise deshalb nicht gelingen konnte, weil dieses Forschungsfeld, das bis heute in meinen Augen zu wenig praktisch nachvollzogen, bzw. in seiner ganzen Tragweite forschend hinterfragt und seiner Bedeutung gemäss weiter geführt wurde. Mit der Folge, dass die Entflechtung von Astralleib und Ätherleib, die an die Zurückdrängung des Leibes eng gekoppelt ist im sozialen Raum der Anthroposophischen Gesellschaft zu wenig als heilende Kraft dualer Konfliktfelder erkannt und demgemäss entwickelt werden konnte.

Von der Seite der inneren Bewegung der Zurückdrängung des Leibes her betrachtet kann innerhalb sozialer Prozesse sogar gesagt werden, dass das Gelingen bzw. Nichtgelingen der Zurückdrängung des Leibes nicht wenig Bedeutung dafür hat inwieweit die Anthroposophische Bewegung verduftet oder eine Möglichkeit findet zu einer zeitgerechten Metamorphose im sozialen Raum hin zu finden. Als selbstverständlich bestehend kann sie in meinen Augen jedenfalls nicht betrachtet werden, ist sie doch an die repräsentative Ichtätigkeit von Menschen gebunden. An eine Ichtätigkeit, die auch den Drachen in seine Schranken zu weisen vermag, der in der Bemühung um die Zurückdrängung des Leibes ebenfalls innerlich sein Unwesen zeigen kann. Der Einzelne, der im grossen Goetheanum Saal sprechend vor die Mitglieder dieser Gesellschaft tritt wird auf die eine oder andere Weise immer auch auf den werdende Leib der Anthroposophischen Bewegung einwirken, je nach dem wie wach er von seinem Ich her ist. Der einführende Sprecher zur Aussprache der diesjährigen Generalversammlung hatte also allen Grund auf diesen besonderen Ort hinzuweisen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 24.04.2018

Sonntag, 1. April 2018

Nachlese zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 2

https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/03/mr-spock-und-andere-auerirdische-im.html?showComment=1522594502250#c85736339182235385

Ingrid H. Mittwoch, 28. März 2018 um 00:31:00 MESZ

Lieber Bernhard Albrecht,


auch von mir vielen Dank für Deine Schilderungen!



Soviel ich verstanden habe, ist einer der schwerwiegenden Gründe die „prekäre finanzielle Schlagseite“, zu deren Überwindung noch keine Strategie gefunden werden konnte. 
Waren dafür nicht die übrigen Vorstandsmitglieder genauso verantwortlich? Schatzmeister war doch Justus Wittich…


Und was mag es zu bedeuten haben, daß Frieder Sprich, der ja ein paar Tage vor der Generalversammlung im Nachrichtenblatt der IEA eindringlich vor einer Bestätigung Mackays und von Platos gewarnt hatte, nicht mehr (wie noch bis vor ganz kurzem) Assistent des Schatzmeisters ist? 
Bisher war Frieder Sprich Leiter der Finanzabteilung, jetzt scheint die Finanzabteilung keinen Leiter mehr zu haben...


Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. 

Insbesondere, ob diese Nicht-Bestätigung, wie Du zu erwarten scheinst, einen „moderneren Stil“ für die Zukunft bedeutet, oder ob im Gegenteil (wie Ton und bobby ja schon angedeutet haben) die beiden Abgewählten der Mehrheit der Anwesenden eher zu „modern“ waren...

(Und: es würde mich sehr interessieren, warum Du nicht mit abgestimmt hast…)


Gute Nacht!
 Ingrid

@ Ingrid

Nicht abgestimmt habe ich, weil ich aus terminlichen Gründen erst in letzter Minute mich freischaufeln konnte wenigstens den Ausspracheteil der Generalversammlung zu besuchen. Mehr war nicht möglich. Mir hat die Möglichkeit hier ein wenig tiefer wahrnehmen zu können schon gereicht. Die ganze Angelegenheit ist nämlich, unabhängig von welcher Art der Abstimmung auch immer, sehr viel komplexer als es auf den ersten oder auch zweiten Blick hin erscheint. Da musst Du schon persönlich „langatmig dynamisch“ in einzelne gegenwärtig und früher sich bereits abzeichnende Bewegungsmuster bereit sein einzutauchen, um allmählich zu einem vielleicht tieferen Verständnis vorzudringen.
Was Frieder Sprich betrifft, so ist er altersgemäss in Rente gegangen und hat im Vorfeld seines Abgangs die Gelegenheit genutzt noch einmal seinem Herzen Luft zu verschaffen. Ich frage mich bei einem derartigen Vorgehen: Wie schwer muss ein Mensch vorausgehend von diversen internen Vorgängen betroffen worden sein, dass er sich seinen Abgang so beschwert. Verdankt wird ihm dies Tun wohl kaum. Die Würdigung einer gegenüber der offiziellen Sichtweise anders lautenden Auffassung zu internen Vorgängen im Goetheanum war jedenfalls aus meiner Erfahrung heraus in den letzten Jahrzehnten keine besonders gepflegte Eigenschaft der jeweils Verantwortlichen.
Nach aussen Tod schweigen und nach innen möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Den „Burghof kehren“ und weiter wie gehabt, das ist der Ausdruck einer tief sitzenden Angst angesichts der Aufgabe, um die es hier im Grund geht, für die es eigentlich mutig einzustehen gelte. Dass dem so ist, das ist nicht zu verurteilen, muss vielmehr bis in die eigene Seele hinein erst einmal „erlebend“ angeschaut und verstanden werden. Anders sind aus meiner Sicht heraus keine Lösungen zu finden. Denn: Die Zeiten dual Konflikte auszutragen sind vorbei, auch wenn das Verständnis dahin gehend über den Keimzustand hinaus noch nicht sehr weit vorgedrungen ist.
Schaue ich mir das an, was über die Generalversammlung in „Anthroposophie weltweit“ zu lesen ist, dann ist die Botschaft aus dem Mitgliederkreis dieser Generalversammlung „nicht“ angekommen, dass es dabei um eine sehr dringliche Anmahnung von mehr Transparenz ging. Die Goetheanum Leitung versteht immer noch nicht, dass der Mündigkeit-Zug der Mitglieder deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Es wird formal berichtet, nicht qualitativ in die Tiefe gehend. Es wird nur das gesagt, was die Vereinssatzung zwingend vorschreibt, nicht aber das, wozu ein Freies Geistesleben einem ichhaft still und leise mutig aufruft.
So ist zu erwarten, dass das, was die Presse berichtet, dass bei dieser Generalversammlung die Hardliner unter den Anthroposophen die Gunst der Stunde zu einer „Art Putsch“ genutzt hätten dem verbleibenden Vorstand stillschweigend entgegen kommen wird. Dass dem nicht so war interessiert dabei wenig, entscheidend ist das Bild, dass dadurch in die Öffentlichkeit hinein als Wirklichkeit suggeriert wurde und mit dem sich verklausuliert weiter nach innen hin gut operieren lässt. Die Sachlage wird dahingehend verdreht werden, dass fürderhin alles getan werden müsse, dass der eigentliche Mitgliederwille nicht mehr so verkürzt werden könne.
Von daher würde es mich nicht wundern, wenn es im Herbst zu einer ausserordentlichen Generalversammlung käme, welche über die Mitwirkung aller Mitglieder, also auch derjenigen, die jeweils nicht zur Generalversammlung anreisen könnten eine entsprechende Satzungsänderung zur Abstimmung brächte. Nur erscheint es mir sehr naiv zu sein damit das Problem lösen zu wollen. Wir werden sehen.
Die bei dieser Generalversammlung deutlicher in den Vordergrund getretene Haltung bezüglich einer Transparenz auf Augenhöhe zwischen Vorstand und Mitgliedern wird damit nicht auszubremsen sein. Die Dampfventile einer Menschengruppierung können mit noch so vielen Reparatur Massnahmen nicht dauerhaft verschlossen werden. Ganz im Sinne von Stefan Birkholz (Montag, 19. März 2018 um 13:22:00 MEZ) kann ich meinerseits nur unterstreichen, weitere Instrumentalisierungen und Legendenbildungen werden einer spirituell aktiv gelebten Anthroposophie nur immer deutlicher zum Durchbruch verhelfen. Dazu ist keine wie auch immer geartete Revolution vonnöten. Zeitgerechte Evolution folgt ihren eigenen Gesetzen.

Bernhard Albrecht



Nachlese zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1

https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/03/mr-spock-und-andere-auerirdische-im.html?showComment=1522594502250#c85736339182235385

Michael Eggert Dienstag, 27. März 2018 um 16:18:00 MESZ
Danke für dieses Stimmungsbild aus einer revolutionären GV. Dank auch für die komplexe Schilderung, die es verbietet, für das Geschehen zu einfache Ursachen anzunehmen. Es fällt wirklich viel zusammen, wobei letztlich fraglich erscheint, in ausgerechnet Mackay und von Plato für die Probleme wirklich verantwortlich zu machen sind. Aber nun ist es so geschehen, und es bleibt zu hoffen, dass im Folgenden tatsächlich eine Sanierung mit Augenmaß, Transparenz und Fingerspitzengefühl gelingt. Vermutlich ist die Botschaft angekommen.


@ Michel Eggert

Die Botschaft ist angekommen. Gleichzeitig aber auch ein grosses Erschrecken. Freiheit wird einem nicht geschenkt, sie hat ihren Preis. Sie will wertschätzend erarbeitet sein - gemeinsam von sich mit in die Verantwortung stellenden Mitgliedern ebenso, wie vom Vorstand, Hochschulkollegium und Generalsekretären.
Ob sich alle Mitglieder, die sich für die Abwahl entschieden haben ihrer damit verbundenen tiefer reichenden Verantwortung schon bewusst sind, das will ich dahingestellt sein lassen. Die kommenden Geschehnisse wird eine Bewusstheit in dieser Richtung allseitig aus meiner Sicht mehr und mehr einfordern, das ist zu erwarten. Du kannst nicht eine Zäsur einleiten und dich dann wieder zurücklehnen und „die da oben“ machen lassen und gegebenenfalls nur wieder Einspruch erheben. Das geht vor dem Bewusstsein der gegenwärtigen Zeit, dem tiefer reichenden Ernstnehmen dessen, was mit dieser Generalversammlung geschehen ist einfach nicht mehr. Schon allein deswegen, weil sie mit Ita Wegmann und Elisabeth Vreede verbunden war, was heisst, der Geist dieser beiden Frauen ist wieder zu beleben, wenn ihre Rehabilitierung nicht nur eine formale abstrakte Fingerübung gewesen sein soll.
Der neue Vorstand wird nicht umhinkommen sich diesbezüglich zu erklären. Inwiefern diese Dimension der Rehabilitation schon wirklich gesehen wurde, das wird sich dabei weisen. Jedenfalls wird sie nach und nach ins Auge gefasst werden müssen, wenn sie weiter geistgemäss voran gebracht, wenn dem gewachsenen Mitgliederbewusstsein Rechnung getragen werden will und die finanzielle Schieflage wieder ins Lot kommen soll. Gewiss kein leichtes Unternehmen.
Es erscheint mir zudem gegenüber Paul Mackay und Bodo von Plato ein sachlich unbedingt gebotener Ausdruck von Fairness zu sein, dass die beiden Männer im Zuge dieser Abstimmung nicht als Sündenböcke für die finanzielle Schieflage der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in die Wüste geschickt werden. Eine Verantwortlichkeit haben sie, aber tiefer betrachtet nicht in dem Sinne, wie sie ihnen gegenwärtig zugesprochen wird.
Im Falle einer finanziellen Schieflage mit parallel laufender weitgehender Erschöpfung der Rücklagen eines Unternehmens muss, so Gesprächsanmerkungen in meinem Umkreis, über die notwendig gebotenen Finanztransaktionen hinaus die Frage nach der Fähigkeit zur Mehrwert Bildung dieser Gesellschaft gestellt werden. Haben die Mitglieder dieser Gesellschaft noch ein tiefer greifendes schöpferisches Potential, das Mehrwert bildend wirksam werden kann? Das ist die entscheidende Frage, denn „Geldflüsse“ sind an eine fortlaufende Mehrwert Bildung gebunden. Geld und Geist stehen in einem Wechselverhältnis zueinander.

Bernhard Albrecht

Dienstag, 27. März 2018

Einige Anmerkungen zur Aussprache der Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft während der Generalversammlung 2018

Ich war lediglich bei der Aussprache über die verschiedenen Anträge zugegen, bei der Abstimmung darüber hingegen nicht mehr. Wundern tut mich das Ergebnis der Einzelabstimmung aber überhaupt nicht. Im Vorlauf dieser Abstimmung haben sich so viele Transparenz Unterschlagungen gezeigt, dass bildlich gesprochen die Balken im Goetheanum nur so knackten. Anspruch und Wirklichkeit, alte Welt und neues keimendes Bewusstsein sind aufeinander geprallt (nicht revoltierend, sondern in einer Haltung, die sich einfach nicht mehr „wegkehren“ liess - das muss hier deutlich angemerkt werden) und bis zuletzt sind die Zeichen der Zeit nicht gesehen worden.
Sich verstecken hinter Empfehlungen der Generalsekretäre der Ländergesellschaften (mit Ausnahme der schweizerischen Generalsekretäre, die keine Empfehlung zur Verlängerung des Vorstandsmandates dieser beiden Herren abgeben wollten) ist einfach kein wirklich moderner Stil. Dazu ein Pseudorechenschaftsbericht, der nicht einmal persönlich, sondern stellvertretend durch den niederländischen Generalsekretär vorgetragen kaum anders als verschleiernd intransparent verstanden werden konnte. Keine wirklich nachvollziehbare Strategie, wie diese prekäre finanzielle Schlagseite der AAG. zu überwinden sei. Bei einem derartigen Vorgehen kann ein ernsthafter Betrachter des Geschehens einfach nur zu dem Schluss gelangen: Sie haben geerntet, was sie gesät.
Geerntet haben sie die Folgen ihrer inneren Einstellung gegenüber der Mitgliedschaft, die unabhängig von diesen beiden Herren als Erbe im Amt schon bis in die endsechziger/Anfang-siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreicht, wo sie erstmals in Unmutsäusserungen offen zu Tage trat und die untergründig vermutlich noch sehr viel weiter zurückzuverfolgen ist. Wieder bildhaft gesprochen: Du kannst die Mitglieder nicht wie einen Haufen gackernder Hühner nach dem Standpunkt auserwählter Hähne vom „Misthaufen“ her regieren. Das muss irgendwann einmal in die Hose gehen.
Du kannst Mitglieder nicht damit aushebeln, dass behauptet wird über geistige Belange könne nicht abgestimmt werden, wenn genauer hingesehen das Leben eine ganz andere Sprache spricht. Mit einem derartigen Vorgehen wird lediglich Ideologie unversöhnlich gegen Kommunikation in Stellung gebracht.
Das Leben zeigt nämlich, dass über geistige Belange durchaus abgestimmt werden kann und zwar in einem wertschätzenden Wettstreit der Argumente. Jeder Dialog ist im Grunde ein „sich Abstimmen“ im Hinblick auf die sachlich stichhaltigere Argumentationslinie. Natürlich kann niemand in einem solchen Prozess die andere Seite dazu verpflichten der jeweils eigenen Argumentationslinie zu folgen, denn hier setzt die Ich-Verantwortung dafür ein in Folge dann auch einzustehen für das, wofür sich jeweils entschieden wird. Das wäre dann Ausdruck eines lebendigen Freien Geisteslebens.
Ob mit der Entscheidung Bodo von Plato und Paul Mackay nicht für weitere sieben Jahre in ihrem Vorstandsamt zu bestätigen die Situation am Goetheanum besser wird, das bezweifle ich. Intern werden sehr wahrscheinlich die Tore der „AAG.-Burg,“ wie es Schmidt Brabant schon 1975 programmatisch (nur wenige Wochen vor seiner Wahl in den Vorstand) verkündet hatte noch mehr schützend abgeriegelt werden. Im Aussen der Mitgliedschaft aber wird sich neues bilden. Rudolf Steiner hat es schmerzhaft voraus gesehen. Zwei Bewusstseinshaltungen innerhalb der AAG werden sich voneinander trennen und miteinander ringend letztlich die Öffnung für ein neues Mysterien-Bewusstsein heraufführen.
Ein guter Freund von mir hat in diesem Zusammenhang gesprächsweise angemerkt, dass es schon bemerkenswert sei, wie der Ausschluss von Ita Wegmann und Elisabeth Vreede 1935 und deren Rehabilitierung heute mit der Verweigerung der Neubestätigung im Vorstandsamt von Bodo von Plato und Paul Mackay bei dieser Generalversammlung synchron gelaufen seien (ein in Stellvertretung Einstehen dieser beiden Herren für damaliges Unrecht). Er sah es wie eine Umkehrung der Verhältnisse. 1935 den Beginn einer Abschottung der AAG. durch eine wie er meinte „klerikale“ Bewegung und 2018 mit der Rehabilitierung von Elisabeth Vreede und Ita Wegmann eine nicht mehr zu unterdrückende Bewegung zu Aufbruch und Erneuerung.
Ich erwiderte ihm darauf ja, das kannst Du so sehen. Nur das mit „klerikal“ passt für 1934/35 noch nicht wirklich, wenn es auch im Hintergrund schon (empfindungshaft) an die Pforten pochte. Wirklich klerikal wurde es erst mit Rudolf Grosse (positiv, wenn auch zur Vergangenheit hin gepolt) und Hagen Biesantz (negativ, magisch und zwingend gepolt). Mit Paul Mackay kommt dann eine Individualität mit starkem Willen nach aussen, aber nach innen verborgen ängstlich sich anpassend zum Zuge, während von Plato mehr den Typus des offen für gegenwärtige Tendenzen eintretenden Menschen repräsentiert, der aber die Ich-Kontur dafür nicht so recht zur Reife zu bringen wusste. Er schleicht durch die Lande mit einiger Anerkennung ohne individuelle geistige Führungskraft entwickeln zu können.
So sind die beiden am Ende über ihre eigene ursprüngliche Initiative, die bis anhin lebenslängliche Vorstandsberufung alle sieben Jahre erneut bestätigen lassen zu müssen gestolpert. Sie hätten sich zwar gegenseitig gut in die Hände gearbeitet und schienen von daher für die Mehrheit der Generalsekretäre für weitere sieben Jahre unverzichtbar zu sein, nur - fehlte beiden die jeweils individuell verankerte dynamische Mitte, die vor dem seit dem Ableben Rudolf Steiners hintergründig gewachsenen Bewusstsein in der Mitgliedschaft und welthaft überhaupt, sich glaubhaft für eine weitere Amtsperiode vertreten zu können.
Geradezu tragisch ist die Haltung der Generalsekretäre, die in ihrer Empfehlung für das Verlängern des Vorstandsmandats wiederholt auf den tragenden Teamgeist dieser beiden Männer innerhalb der gemeinsamen Vorstandsarbeit meinten hinweisen zu müssen. Nur lässt sich bildhaft eine Gemeinschaft mit spirituellem Vermächtnis heute nicht mehr aus einem „seelischen Team-Suppen-Bewusstsein“ heraus führen.
Dazu braucht es sehr viel individuellen Mut und innere Standfestigkeit in der Argumentation nach innen gegenüber den eigenen Vorstandskollegen, sowie den Generalsekretären, wie auch nach aussen nach der Seite der Mitglieder hin. Wer zu spät kommt den bestraft das Leben, das „Leben“ und nicht , wie aus subjektiven Entsetzen heraus durchaus als Stimmung entstehen könnte, dass eine unsachlich agierende Minderheit innerhalb der Mitgliedschaft revoltierend die Gunst der Stunde zu einem Umsturz wider den Willen einer grossen nicht anwesenden Mehrheit der Mitglieder genutzt habe.
Das Gegenteil war nämlich der Fall. Initiative zu wirklicher Kommunikation hat sich gezeigt. Und diese hat während der Aussprache der Generalversammlung im Wesentlichen konstruktiv wirken können und dürfen, wenn ich kleinere Verdrängungsversuche seitens der Versammlungsleitung nicht hoch hängen will. Fairerweise muss nämlich hier gesagt werden, dass der Versammlungsleiter sich am Ende der Aussprache für einige seiner Missgeschicke entschuldigt hat. Die Aufgabe war wirklich nicht leicht. Für den weiteren Fortgang der Auseinandersetzung ist von daher nicht gefragt ein aus eventueller Bestürzung Mauern, sondern im Gegenteil ein aufeinander Zugehen. Nicht gefragt ist ein die jeweilige andere Seite auf diese oder jene Weise Verdächtigen oder mit Unterstellungen Bombardieren. Notwendig scheint mir vielmehr ein inneres Ausforschen und Bearbeiten eigener Trigger Punkte, welche mich innerlich dahingehend abdrängen wollen unreflektiert und unsachlich dieses oder jenes Argument zu zerfleddern, bzw. in Gegenübertragungen von mir zu stossen. Also Bewusstheit und noch einmal Bewusstheit.

Bernhard Albrecht Hartmann

Dienstag, 20. März 2018

Dialogische Herausforderungen 2/2018

https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/03/burghard-schildt-versuch-eines.html
Bernhard AlbrechtSamstag, 17. März 2018 um 20:01:00 MEZ

Das mit dem Sonne untergehen, das ist schon so eine Sache - so ein Prozess will ich gar nicht sagen - denn da hängt unversehens zu viel emotionaler Teer im eigenen Getriebe, der das Sonne Untergehen auf alle nur mögliche Weise behindert. Und diesbezüglich im eiligen Kopf-Wegdrehen auf den jeweils anderen Menschen zu blicken, das macht das eigene Sonnenrad noch lange nicht flott und lässt es gegen seinen Sonnenuntergang rollen. Keck vorgetragene wortreich hämische Hilfsbereitschaft ist hier demnach keine Option.

Burghard beschreibt es sehr treffend: „Und da es sich dabei, laut Steiner, um ein Geist-Erleben handelt, daher kann zudem gesagt werden: Geist-Erinnern und Geist-Besinnen.“

Burghard weist mit seinem Sagen auf drei Punkte. Geist-Erleben, Geist-Erinnern und Geist-Besinnen. Angeschaut: Inwieweit hat hier Geist-Erleben stattgefunden und wenn in welcher inneren Ausrichtung? Ego zentriert oder darüber hinaus reichend? Das wäre bei gutem Willen also erst einmal zu überprüfen. Was sich vordergründig gezeigt hat, das weist eher in die Richtung: Schraube von der eigenen Ölwanne lösen und Altöl ablassen, alle denkbaren Regeln zur Vermeidung von Innwelt Verschmutzungen ausser acht lassend.

Punkt zwei: Geist-Erinnern. Hier geht es um ein genaues und tiefer reichendes Anschauen dessen was mir sagend entgegen tritt. Und im Anschauen, gewissermassen in seiner inneren Gegenbewegung um eine Überprüfung (Geist-Erinnern) meiner Vorstellungen, inwieweit sie wenigstens teilweise passgenau an das anschauend Erfasste tatsächlich anknüpfen. Ein auf eine monistisch/nonduale Art ausgerichteter Dialog Beitrag fusst auf einem möglichst exakten Geist-Erinnern. Ansonsten sind emotionale Kampfszenen unvermeidlich. 

Das ist eben die grosse Täuschung: Wir leben nicht im Krieg gegeneinander, sondern sehen uns in zum Teil hoch komplexe Verfilzungen unseres eigenen Selbst verwickelt. Die Zündstoffe, die dort am Wirken sind tragen wir anstatt sie innerlich für uns aufzuarbeiten mehr oder weniger selbst verdrängend oder aggressiv nach aussen. 

Das wiederum verhindert die Entfaltung von Punkt drei nach Burghard. Wir berauben uns der Möglichkeit aus dem Besinnen heraus zu Lösungen im Umgang mit- und untereinander zu gelangen. Der eigene Blick wird von eigenen und fremden emotionalen Schwaden soweit getrübt, das im zueinander Sagen sachliche Verbindungen nur schwer, wenn überhaupt noch geknüpft werden können, wenigstens über mehrere Dialogstationen hinweg. Wir reden aneinander vorbei, wo durchaus mehr Gemeinsamkeiten gefunden werden könnten.



Bernhard Albrecht

Anonym Samstag, 17. März 2018 um 22:18:00 MEZ

@Bernhard



Danke für deine Interpretation des Burghard-Textes. Finde ich gut, dass du dir die Mühe gemacht hast, ist ein Klassiker geworden quasi. Ich denke, in dem Text liegt sicher noch Spielraum für andere Interpretationen... 


Zu deiner subjektiven Wertung: 

Kecke hämische Hilfsbereitschaft (?) usw. usf. Auch da hast du relativ viel Zeit, Mühe und Wort reingepackt insgesamt.

Und fast scheint es, dass deine Antipathie für 'kecke Hilfsbereitschaft' (so DEINE Interpretation) und vieles andere aus der Einleitung, so groß ist, dass es sich unterschwellig wie so ein abschreckendes Übel, durch deinen ganzen übrigens Text zieht.. so scheint es...


Sicher ist nicht alles nach Schema F gelaufen, aber meine Meinung habe ich gerne kundgetan, muss da aber jetzt nicht weiter drauf rumreiten, gibt wichtigeres. Ich habe da andere Ansprüche..


Aber du, wie sagte Steiner einmal, sinngemäß: 
Ein weiser Mensch schaut alle Seiten an.

Jedenfalls so begann es hier, ganz sachlich, ganz keck und hilfsbereit:

"Hey, im falschen Beitrag gelandet? 
Verschwörungstheorien?"


und das kam u.a. dabei heraus gen Ende: 

"Vollkornkleie-Vollbart im Gesicht. Der "gute Hirte" spricht. Damit kannste Deine selbstmitleidenden Herz-Jesu Drachen in Anthropo-Tantistan beeindrucken. Ein kleiner St. Michaelischer. Anderen Menschen aber schadet Deine Ignoarrogänserige Elitität, Du egoloser Heiliger Du! Troll Dir heimwärts, Engelchen. Ehe Dir welche an die geflügelte Wäsche gehn."


Da bekommt man schon Angst, gell Bernhard. Aber vielleicht hat dich diese Äußerung ja auch gefreut, so ganz im Stillen? Denn kein Mensch ist ein Superheld und Häme kann viele Gesichter haben...




Das scheint dir aus gewissen Gründen wichtig zu sein, so dass du recht geschickt lavierend dein eigenes Kopfwegdrehen, quasi auch vor dir selbst verborgen hast.


@ Anonym Samstag, 17. März 2018 um 22:18:00 MEZ

Mein Kommentar eine Interpretation von Burghards Text? Das würde ich als zu hoch gegriffen ansehen. Allenfalls habe ich einem kleinen Wellenspiel aus seiner Flussbetrachtung etwas hervorgehobene Aufmerksamkeit gezollt, habe das dynamische Leuchten von einigen Edelsteinen unter einem gewissen Blickwinkel in die Sichtbarkeit gerückt.
Mit einem in sich fliessenden Denken liesse sich da noch einiges mehr hervorholen. Das aber hiesse bereit zu sein sich der Grundhaltung des Geist-Erlebens im Denken zu vergewissern und alle, wirklich alle Vorstellungen (wie Rudolf Steiner nach der Weihnachtstagung 1923/24 für diejenigen Menschen hervorhob, welche den Grundstock dieser neuen Gesellschaft bilden wollen) mit jedem seiner inneren seelischen Beobachtungsschritte immer mehr hinter sich zu lassen, was im Hinblick auf die Sprache bedeutete in das Reich „des ich weis, dass ich nichts weis“ konkret einzutreten.
Auf welcher tatsächlichen Sachgrundlage und … darüber innerlich noch ein Stück hinaus greifend, mit welchem Recht sinnen wir einem anderen Menschen an seine Aussagen seien z.B. von (auch nur scheinbarer) Antipathie tief durchwachsen? Was tun wir da eigentlich, ohne unserem Vermeinen tiefer auf den Grund zu gehen? Mit welcher Art wie beiläufiger Wirklichkeitsverdrehung gehen wir da unbemerkt um, zaubern aus unserem Nähkästchen mal diese, mal jene uns jeweils genehme Fata Morgana, um den Schorf über unseren möglicherweise eigenen inneren Wunden und den damit verbundenen Schmerz gar nicht erst aufkommen zu lassen? Welche unserer Illusionen halten wir damit am Leben, bzw. erzeugen diese sogar neu ohne sie unter der Lupe der seelischen Beobachtung tiefer zu bearbeiten?
Warum hindern wir uns nur so, beinahe möchte ich sagen so überwach daran unser Hineingehen in den inneren Sonnenuntergang, in die Nacht des „Nichtwissens“ zu verhindern? Warum ist es so schwer unserer eigenen Menschlichkeit in die Augen zu schauen und von daher ein schöpferisches Mitgefühl für das Weg Schreiten des jeweils anderen Menschen zu entwickeln. Oder war Rudolf Steiner ein „Depp,“ wenn er in diesem Zusammenhang von wechselseitiger Initiative zu innerer Umkehr sprach? Ganz nebenbei gesagt, die Konsequenzen seines Sagen ein wenig verdeutlichend! …

Manchmal erscheint es mir fast so, als ob es in verschiedenen Dialogansätzen um das Erringen einer Goldmedaille im andere Menschen  von ihren Standbeinen zu fegen ginge. Nur, anderen Menschen so lange auf den Kopf zu klopfen bis sie etwas kapieren, was „mir“ zwingend geboten erscheint, das ist vergebliche Liebesmühe. Aus meiner Sicht so lange, wie ich nicht selber einen Ansatz zu eigener innerer Verwandlung in einen Dialogprozess meinerseits leise mit einbringe. Initiative dreht ein Ding!

Bernhard Albrecht

Anonym Dienstag, 20. März 2018 um 19:51:00 MEZ

Bernhard, du hast so deinen Fokus...
Zu "Initiative dreht ein Ding!" Ja, da ist was dran, das kann passieren. Und sicherlich hat sich "das Ding" hier auch aus den unterschiedlichsten Gründen doch noch gedreht...ist doch schön...
                                                                        
Bernhard Albrecht Dienstag, 20. März 2018 um 23:05:00 MEZ

Jede kleinste Drehung ist wichtig und hat mitunter Wirkungen, die unterschwellig sehr viel weiter reichen. Ein springender Stein ...
 Gute Nacht.

 Bernhard Albrecht

Montag, 12. März 2018

Naturbeobachtung u n d seelische Beobachtung

Er sitzt in der Spitze einer vom Sturm schief gestellten und arg zerflederten hohen Tanne - der Wanderfalke, seit Stunden. Streifen des Mondlichtes zwischen den Wolken lassen seine Augen immer wieder einmal kurz im Dunkeln wie aufblitzen. Nicht eingezogen sein Kopf, sondern aufgerichtet, blicken seine Augen das Ufer des Sees entlang, bewegungslos. Hätte ich ihn nicht selbst anlanden gesehen, ein späterer Beobachter könnte dort wo er jetzt sitzt eine Sturm gebogene Astanomalie sehen.
Da, wie aus dem Nichts schiesst er nach vorne und dann beinahe senkrecht nach unten, nimmt etwas aus dem Ufersand auf und kehrt wieder auf seinen Aussichtspunkt zurück. Ein Schlagen seiner Flügel, ein kurzes kräftiges Hacken mit seinem Schnabel zwischen seine Füsse. Einige Kleinteile fliegen durch die Luft, den Rest verschlingt er beinahe in Sekundenschnelle. Dann wieder Ruhe, als ob nichts geschehen wäre. Die Luft scheint wie geschwängert von seinem Jagd - Greifen.
Der Falke lebt in und durch das Greifen. Sein Gleitflug, wie sein Sturzflug sind fliessende Greifbewegungen. Zentriert in sich ruht er beständig im Zentrum greifender Bewegung. Auch wenn er nur auf einer Astgabel sitzt. Er verfügt in der nachhaltigen Beobachtung über eine schier endlose Ausdauer in Ruhe, wie im Flug. Selbst wenn keine äussere Bewegung mehr an ihm festzustellen ist, ruht er nicht. Auch seine Ruhe ist verdichtete, dynamische Bewegung.
Von daher umfasst er den Begriff Freiheit viel tiefer als beinahe jeder Mensch. Seine greifenden Bewegungen sind fliessende Manifestationen gelebter Freiheit.
Sitzt Du dem Falken in einer echten Falken-Schulung gegenüber und Du kannst irgendwann einmal fliessend seinem Blick standhalten, dann kannst Du bemerken, dass er einzig und allein darauf wartet, dass Du im inneren Durchgang durch seine Augen Deine Freiheit findest.
Wenn die Menschheit überleben will, dann, so meine Sicht, wird sie sich erneut darauf einlassen  müssen diese Kräfte zu entwickeln. Fliessendes Greifen, fliessender Begriffsfluss.




Samstag, 10. März 2018

Dialogische Herausforderungen 1/2018

https://egoistenblog.blogspot.ch/2017/12/rudolf-steiner-die-mahatmas-und-die.html#comments
Stephan Birkholz Samstag, 30. Dezember 2017 um 08:08:00 MEZ

Kern des Kultus ist also nicht die Transformation, die Metamorphose, die Verwandlung, sondern das Kaschieren, das Überdecken von Schwächen und Unzulänglichkeiten...

Bernhard Albrecht Dienstag, 9. Januar 2018 um 23:11:00 MEZ

@ Stephan Birkholz (30.12.2017 um 08:00 MEZ)
und wer sich sonst noch „betroffen“ oder angesprochen fühlen mag.



Ja, Wenn Du selber nicht im Kern Wohnung nehmen kannst und willst, weil Du … wie der Teufel das Weihwasser zu fürchten scheinst, anstatt in der seelischen Beobachtung die Orientierung aus Deinem inneren Dilemma zu suchen und zu finden, dann kannst Du das nur „so“ sehen. Ich kann ganz gut nachempfinden wie behämmert „Du“ Dich da fühlen musst, Du … in Deinen inneren Fluchten in den Zynismus - der Dämmerung des falschen Bewusstseins, wie es Peter Sloterdijk nennt (Kritik der zynischen Vernunft, Edition Suhrkamp 1099).

Sloterdijk - eine Möglichkeit gewisse Entgleisungen des eigenen Schulungsweges, die Verzerrungen des Selbstbildes auf diesem Weg ganz für sich zu identifizieren (und nur für sich, denn es gibt keine zwei sich auch nur annähernd einander gleichenden Verzerrungen), sie innerlich sich vor Augen zu führen und in ihren unterschiedlichen dynamischen Schichten zu reflektieren (wie es Michael am 02.01.2018 um 13:40 MEZ weiter unten hier in einem Kommentar anregt). Ganz leise innere Selbstdekonstruktion zu betreiben um einer tatsächlichen Willensdynamisierung willen. Die Selbstdekonstruktion der eigenen Ego-Fallen auf den ersten Rang unserer (mich eingeschlossen) jeweiligen TO-DO-Liste fortlaufend immer wieder neu zu stellen.
 
Tiefer betrachtet hat Selbstdekonstruktion durchaus nämlich etwas mit einer kultischen Handlung zu tun. Dass wir dies heute in der Regel nicht auf Anhieb so sehen können, das ist unter anderem die Folge unserer Vorstellungsverkrustungen, in die uns unser gegenwärtig weitgehend wirtschaftlich/staatlich gelenktes Bildungssystem geführt hat, ist die Folge der damit einher gehenden Ego-Panzerungen (auch spirituellen), in die wir uns, mehr als uns dies meist bewusst ist, verfangen haben.
 Das zentrale Geschehen einer kultischen Handlung aber fusst Kultur und Zeit übergreifend seit jeher durchweg auf einem Opferakt. 
Weil wir das vergessen haben, deshalb wird hier vielleicht immer wieder soviel aneinander vorbei geredet, über einander her gefallen und wechselseitig einander unterstellt. Wir haben verlernt konsequent und uneingeschränkt vom jeweils anderen Menschen her zu denken. In Anlehnung an Rilke können wir einfach nicht „lassen,“ den anderen Menschen so lassen wie er in seiner Einzigartigkeit eben ist … und noch weniger mit Burghard 05.01.2018 um 20:24 MEZ „innehalten,“ um in uns so hinein zu lauschen, dass das Vorgeburtliche in uns hörbar werden kann.

Beinahe hundert Jahre nach Rudolf Steiners Tod können wir offenbar immer noch nicht wirklich begreifen, dass die Mehrzahl der Gedanken, die uns der jeweilig andere Mensch hier entgegen trägt Schöpfungen des Vorgeburtlichen aus einer Zeit nach Rudolf Steiners Tod sind. Wir wollen nicht sehen, dass diese Gedanken in unser Denken zu integrieren erst die Erfüllung unserer eigenen vorgeburtlichen Entschlüsse ermöglichen kann. 
Dass gerade das, was uns auf ein Erstes hin widerstrebt in unserem Denken integrierend zu verarbeiten Karma auflösen kann anstatt es weiter zu verfestigen und zu verwirren. Gegensätze als Herausforderung, um aneinander zu wachsen.
 Was heisst das für die Geisteswissenschaft. Ich frage mich diesbezüglich seit mehr als 40 Jahren: Wie würde Rudolf Steiner heute denken?

Geisteswissenschaft verkommt entweder zu einer Persiflage ihrer selbst oder wird in individueller Verantwortung dynamisiert, wird Leben. Und das bedeutet die beständige Überprüfung unseres eigenen Denkens auf etwaige Verfestigungen hin, die uns daran hindern Gedanken eines anderen Menschen in unserem Denken dynamisch zu integrieren, anstatt sie vorschnell abzuweisen oder gar der Lächerlichkeit preiszugeben. 
Der Weg eines jeden Menschen ist einzigartig und als solcher zu achten. Und von daher ist zu fragen, ist mein Sagen hilfreich für ihn, wie gleicherweise für mich. In eine derartige Frage hineinzugehen kann sehr beschämend sein. Doch ich denke mittlerweile, dass Selbstdekonstruktion erst dann eine tiefer greifende Wirklichkeit jenseits eigener Ego-Fallsüchte zu bilden vermag, wenn genau dies geschieht. 

Damit kämen wir in meinen Augen auf den Kern einer möglichen Transformation und Metamorphose, die von niemandem anderen als von mir und jedem anderen, der es so sehen kann und will, ausgehen kann. Es ist nicht meine Aufgabe einen anderen Menschen ändern zu wollen. Dies zu verinnerlichen führt in meinen Augen über den Dualismus hinaus in echte Dialoge hinein.



Bernhard Albrecht


Stephan Birkholz Mittwoch, 10. Januar 2018 um 01:56:00 MEZ

@Bernhard Albrecht


Ich habe meine Wohnung im Kern längst bezogen, 
während Du offensichtlich noch bei irgend welchen Hilfsanthroposophen zur Untermiete wohnst. 
// 
Lies einfach nochmal den Text oben, dann schnallst Du vielleicht auch, wo hier der Hammer hängt.



Bernhard Albrecht Mittwoch, 10. Januar 2018 um 14:07:00 MEZ

Stephan, wer so auf den "eigenen(?)" Hammer verweisen muss und zugleich mir nichts anderes zu sagen weiss, als dass ich "offensichtlich" bei irgendwelchen Hilfsanthroposophen zur Untermiete wohne, der erweckt in mir die Frage, wie weit er dem "Innehalten" in sich schon wirklich auf die Spur gekommen ist. Lächel ... und nichts für ungut.



Bernhard Albrecht

Stephan Birkholz Mittwoch, 10. Januar 2018 um 22:25:00 MEZ

Herr Albrecht,

Ihr ganzer Sermon auf meine fehlenden Zugangsmöglichkeiten zum geistigen Kern der Dinge zeigt mir eben, dass Ihre ganze mentale Struktur nach diesem hier im Beitrag hinlänglich behandelten Totschag-Hammerargument getaktet ist:

 „Theosophists ended up with classic no-win logic: “if you had reached enlightenment, you would agree – therefore if you do not agree, clearly you have not yet reached enlightenment.”

 
Mit Ihren anderen Ausführungen kann ich ja ganz gut leben, aber aus ihren eigenen zarten Geistesbemühungen heraus über Beschränkungen anderer Zeitgenossen zu philosophieren, ist eben nichts als der typische Anfängerfehler derjenigen, die in der geistigen Welt gerade etwas das Blinzeln anfangen...

@ Stephan

Hhm. … Wenn Du meiner anfängerhaften Erfahrung nach, lächel, so starke Wortbildungen auf mich meinst von der Leine lassen zu müssen, was verdeckst Du damit im Gegenzug eventuell in Dir? Du meinst den Hammer aus dem Sack holen zu müssen ohne, wie mir scheint in eine ernsthaft fragende Haltung meinem Sagen, samt vielfachen sich überlagernden internen Vernetzungen gegenüber einzutreten, was meinem Dafürhalten nach für ein auch nur anfängliches Verstehen unerlässlich erscheint. Eine etwas andere Auffassung so vom Platz zu fegen … ich weiss nicht …?
Und damit wir uns richtig verstehen, ich  f r a g e  das nur, sage nicht, dass das auch so ist (weil es mich zudem auch garnicht interessiert). Vielmehr gebe Dir damit nur die Gelegenheit zu Willensdynamisierung über das bisher Erreichte hinaus, so Du daran wirklich (weiter?) ein Interesse haben solltest, wie Du vor nicht langer Zeit mir gegenüber einmal kommentierend angemerkt hast.
Und was Dein englischsprachiges Zitat betrifft, so geht seine Gedankenführung in meinen Augen vollkommen an dem Verständnis von Logik vorbei, das Aristoteles ursprünglich seiner Logik zugrunde gelegt wissen wollte. Das wird in einer zukünftigen Aristoteles Renaissance  wohl noch Gegenstand so mancher Untersuchungen auf der Grundlage differenzierter seelischer Beobachtungen werden.
Auch wenn Du es nicht für möglich hältst, Aristoteles hatte keinerlei Interesse an einem derartigen Umgang mit Erleuchtung. Sein zentrales Forschungsfeld war der „aktus,“ der dynamisierte Wille und nicht irgendwelche verdeckte Sensationen von Erleuchtung jedweder Art. Schon gar nicht eine Form von Erleuchtung als Beweisgrundlage um richtig oder falsch im Denken zu unterscheiden, bzw. darüber zu entscheiden. Sein Forschen und Handeln richtete sich allein auf die Begründung und stete Erweiterung einer neuartigen Weise zu denken.
Und weil ich das für mich in langen Untersuchungen identifiziert habe, kann ich nur mit der Schulter zucken, wenn Du es für notwendig erachtest auf mein anfängerhaftes Blinzeln in Bezug auf die geistige Welt abzuheben. Wenn das „sogenannte“ Übersinnliche sich nicht in einem Denken innerhalb seelischer Beobachtungen sprachlich ausdrücken lässt ohne jedweden Verweis auf Übersinnliches, dann - kurz und bündig gesagt - taugt das Denken nicht. Mein Weg ist der der seelischen Beobachtung in stetig zu erweiternden  Willensdynamisierungen. Und damit werde ich bis an mein Lebensende (und darüber hinaus) ein Anfänger bleiben.
Du musst mir gegenüber also nicht empört ins „Sie“ zurückfallen und mich in der Anrede „Herr Hartmann“ titulieren. Du musst mein Sagen auch nicht als „Sermon“ qualifizieren wenn Du damit einen eigenen Status indirekt meinst hervorheben zu müssen. Zwischen sachlich ansprechen und  dem Ziehen des Totschlag Hammer Argumentes besteht in meinen Augen ein grosser Unterschied.
Wozu dies alles also, wenn ich es nicht als meine Aufgabe sehe einen anderen Menschen (Dich) zu ändern. Zu dieser meiner Grundhaltung passt das Schwingen des Totschlag Hammers nämlich genauer besehen überhaupt nicht. Nichts ist also in dieser Richtung getaktet. Sollte ich Dir in irgendeiner Weise auf die Zehen getreten sein, dann muss ich mich deswegen bei Dir nicht entschuldigen. Warum nicht? Wenn Du willst, so überlasse ich das gerne Dir. … (Ich denke  hier jedenfalls, dass mein übergrosses Zutrauen eine spezifische Willensdynamisierung mit Bedachtsamkeit ab- und aufzufangen nicht der Entschuldigung bedarf).
Was gegenwärtig also bleibt ist, dass sich unserer beider Wege nicht (noch nicht) treffen können. Ich für meinen Teil akzeptiere das und werde mich entsprechend verhalten. Also keinen „Häuserkampf.“ (https://wege-der-befreiung.blogspot.ch/2017/11/hauserkampf.html) Zudem vollziehen sich die in meinen Augen wesentlichen Prozesse eines Kultus der Transformation ohnehin im Schweigen.
Ich grüsse Dich,

Bernhard Albrecht


Lieber Herr Albrecht (*),
Sie haben unseren Dialog damit begonnen, mir Beschränkungen in meiner geistigen Reichweite zu unterstellen: 
Ja, Wenn Du selber nicht im Kern Wohnung nehmen kannst und willst, weil Du … wie der Teufel das Weihwasser zu fürchten scheinst, anstatt in der seelischen Beobachtung die Orientierung aus Deinem inneren Dilemma zu suchen und zu finden, dann kannst Du das nur „so“ sehen. Ich kann ganz gut nachempfinden wie behämmert „Du“ Dich da fühlen musst, Du … in Deinen inneren Fluchten in den Zynismus - der Dämmerung des falschen Bewusstseins, wie es Peter Sloterdijk nennt (Kritik der zynischen Vernunft, Edition Suhrkamp 1099).

Und zwar exakt unter Anwendung der oben besprochenen Schwachmaten-Logik:

If you had reached enlightenment, you would agree – therefore if you do not agree, clearly you have not yet reached enlightenment

Und jetzt tanzen Sie mich mit Aristoteles an, nur weil ich Ihnen diesbezüglich den Stöpsel gezogen habe - also bitte!
Stephan Birkholz

(*) [Die Sie-Form verwende ich immer, wenn ich mich von Leuten 'angetanzt' fühle, die mich unter Umgehung jeglicher Argumente von etwas überzeugen wollen]

  • Hopfen und Malz verloren. Ein ewiger Spötter wird niemals anders können! 
  • @Hopfen

    Wenn du erleuchtet wärst, so würdest du wissen, dass ich nicht spotte - so lange du aber meinst ich würde spotten, bist du offensichtlich noch nicht erleuchtet...

  • @ Erleuchteter,

    Wenn du nicht spotten würdest, würdest du wissen, dass du nicht erleuchtet bist!

  • Wie bereits gesagt: Ich führe keine Häuserkämpfe, siehe: https://wege-der-befreiung.blogspot.ch/2017/11/hauserkampf.html

    Bernhard Albrecht

  • Ich führe auch keine Häuserkämpfe, ich lege mir nur ein paar Sandsäcke vor die Haustüre, wenn der Abwasserkanal über seine Ufer tritt...

  • Montag, 26. Februar 2018

    Hagiographie

    Eine Antwort auf zwei Kommentare zu meinem Beitrag. "Den Irrtum verwandeln"
    https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/02/friedrich-benesch-nationalsozialist.html?showComment=1519646278567#c2634013363375082818

    „Wir wissen das, aber mancher ist von seiner hagiographischen Sichtweise so abhängig, wie der starke Raucher von seinen Kippen.“

    Die seelische Beobachtung gleicht in mancher Hinsicht einem Brunnen mit unendlich vielen Klangräumen. Vieles bleibt verborgen, wenn sich Ohr und Auge dafür nicht aufschliessen können. Ich könnte auch sagen, ein jeder Mensch trägt in sich einen derartigen Brunnen mit einem schwer auszulotenden Grund. Sich angesichts dieses Grundes den Mut immer wieder neu abzuringen für das Erreichen des nächsten „Jenseits-Ufers“ ist schwer. Tändelnd auf der Mauer zu sitzen und im „Wir-Ton“ zu munkeln über hagiographische Attitüden angesichts derartigen Bemühens, ich weis nicht, für mich klingt das respektlos und zudem naiv gegenüber eigenen, anscheinend nicht hinterfragten Vorstellungsverklebungen. Aber die Geschichte vom Splitter in den Augen anderer Menschen und dem Balken vor der eigenen Sicht ist ja so alt wie es Menschen gibt.
    Damit ist nicht der Verharmlosung von Irrtümern das Wort geredet sondern nur leise an die Würde des Menschen erinnert. Meine Art des Umgangs mit Irrtümern umzugehen kann nicht die Gangart eines anderen Menschen sein damit umzugehen. Niemals. Dieser Weg ist immer ein individuell zu verantwortender und für das Reden über das Wie von Irrtumsbewältigung anderer Menschen bleibt am Ende nur das Schweigen, wenn die eigene Würde dabei nicht unversehens ins Kannibalische abgleiten soll. Der öffentliche laute und noch mehr der leise Hashtag zwischen den Zeilen und die damit anscheinend weitgehend unbemerkt bleibende Lust hinter vorgehaltener notwendiger sachlicher Aufklärung, die eigene Selbstkritik geht damit verloren. Und damit gerät auch das letztlich Unantastbare der menschlichen Würde vollkommen aus dem Auge.
    Auf unbefriedigende soziale Verhältnisse lässt sich indirekt nur einwirken über die Umwandlung eigener innerer Zustände. Was ich aussen sehe und meine vollmundig kritisieren zu können wird die Welt um kein Jota verändern können. Ein wirklich griffiger Beitrag kann in meinen Augen hier, jenseits der zweifelsfrei notwendigen „sachlichen“ Aufklärung nur die eigene Selbstkritik mit den daraus abzuleitenden Konsequenzen liefern. Eben erwachen am anderen Menschen. Und … den eigenen vorgeburtlichen Entschlüssen im Erwachen bereit sein in die Augen zu schauen. Das wiederum ist alles andere als leicht und kann und wird immer wieder schnell einmal bei Seite geschoben. Wir leben eben gegenwärtig nicht gerade in einer Zeit, die bereit ist sich für die leisen Töne im eigenen Inneren zu öffnen. Sie werden sang- und klanglos einfach kurzgeschlossen weil es eben äusserst unbequem ist die eigene Willensdynamisierung an die Hand zu nehmen.
    Nach meinem Kenntnisstand war die letzte Lebenszeit von Friedrich Benesch von einer durch ihn weitgehend verborgen gehaltenen tiefen Einsamkeit überschattet. Er wusste darum, dass der Umgang mit seinem mitunter erratischen Wesensausdruck für manche gefühligen Ausdrucksweisen in seinem Umfeld, bzw. unter Menschen, die ihn noch besuchten, nicht einfach war. Doch er war wie er war und blieb sich selber treu - eine Herausforderung für viele andere Menschen zu sein, von den Anfängen in Jugendjahren bis zu seinem Lebensende.

    „… aber mancher ist von seiner hagiographischen Sichtweise so abhängig, wie der starke Raucher von seinen Kippen.“ Kann ich das wirklich illusionsfrei wissen? Und wenn, was wären die Voraussetzungen für ein Erfahren ohne Vorstellungsverklebungen?

    Bernhard Albrecht

    Freitag, 23. Februar 2018

    Den Irrtum verwandeln

    «Denn die wirkliche Wahrheit ist nicht die Wahrheit, sondern der überwundene Irrtum».

    Ich kannte Friedrich Benesch, aus mancherlei persönlichen Gesprächen und bin ihm, seinen Vorträgen lauschend, im Kreise vieler junger Menschen an verschiedenen Orten über Jahre hinweg immer wieder begegnet. Er war ein Meister der pointierten leisen Wortbetonungen, die sich für den, der ein Ohr dafür hatte dann überraschend weit in ihrer Bedeutung und Tragweite öffnen konnten, ohne dass er selbst dazu grosse Erläuterungen hinzufügen musste. Er ging auf seine Art immer hautnah an der Kimme der Worte und Gedanken Netzwerke entlang, die er sich für seine Vorträge zum Thema gewählt hatte. Und gerade das konnte unter seinen Zuhörern ein Gefühl für ihre eigene innere Freiheit wecken und in Folge Begeisterung hervorbringen.
    Graniten sein Denken, ja. Doch da war noch etwas anderes, das dem inneren Anschauen sich nicht unbedingt zeigte. Ein Feuer, das um seine Zügelung und innere Führung mit grosser Disziplin rang. Benesch war ein starker Raucher, aber keiner aus Lust oder ausgefranster Gewohnheit heraus. Er benutzte unter anderem das Rauchen, um sein Feuer in den Klüften seiner kräftigen physischen Gestalt abschirmend bändigen zu können. Wie schwer ihm das auch werden konnte, das trat nicht oft und wenn überhaupt nur ganz leise in Erscheinung.
    Den Kopf in die linke Hand gestützt, den Körper leicht nach links und hinten geneigt, so konnte er in der Runde junger Menschen in seinem Lehnstuhl sitzen. Ein leises, nach innen gewandtes Lächeln, so, als ob er dort etwas bewachte, verbunden mit einem Flor von Schmerz, bevor er seinen Falken gleichen Blick wieder voller Interesse auf die jungen Menschen um sich herum richtete. Einfach unauffällige Präsenz in Person.
    Einmal erzählte er wie nebenbei von seiner dramatischen Flucht mit den Bewohnern von Birk aus Siebenbürgen. Ein Kette von Ereignissen, aus dem sich eine heldenhafte Vita stricken liesse. Doch er lenkte dabei den Blick, als er den Flüchtlingstreck als Anführer kurz entschlossen eine Brücke im Galopp nehmen lies, die schon unter Beschuss stand und die kurz danach in sich zusammen brach auf ein ganz anderes Ereignen. Grau im Gesicht, die Pupillen seiner Augen wie arretiert auf ein bestimmtes Nacherleben gerichtet, lies er mich an dem Ineinander Fallen von Vergangenheit und Zukunft in diesem dramatischen Augenblick teilhaben. Danach verlies er die Runde der jungen Menschen, was er meiner Erfahrung nach in einer Seminarpause niemals vorher getan hatte.
    Erst Jahre später begriff ich wie viel mehr noch mit diesem Geschehen verbunden war. Was in esoterischen Kreisen heute oft so gerne vermarktet wird, der eindringliche Verweis auf das Hier und Jetzt kann zu einem intellektuellen Fallstrick werden, wenn nicht das Dahinter in ihm … bewegt in Bewegung … innerlich gefasst wird.
    Friedrich Benesch hat seine nationalsozialistische Vergangenheit an entscheidender Stelle offenbar nicht aufgedeckt. Er hat aber die Verwandlung seines Irrtums durch tausend Tage nachfolgenden Alltags in einer nicht alltäglichen Präsenz vor aller Augen, die das sehen wollten, unauffällig vorgelebt. - Seine Art von Freiheit nicht nur zu sprechen, sondern diese auch zu leben.

    „Denn die wirkliche Wahrheit ist nicht die Wahrheit, sondern der überwundene Irrtum“
    https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/02/friedrich-benesch-nationalsozialist.html?showComment=1519390543203#c1615849764438047754

    Sonntag, 18. Februar 2018

    Pneumatischer Organismus und "Zurückdrängung des Leibes"

    Einige weiterführenden Gedanken zu Mieke Mosmullers Blogeintrag vom 31.01.2018:
    Geistleib, Ätherleib oder Astralleib … Ein philosophischer Versuch von Immanuel Hermann Fichte
    https://www.miekemosmuller.com/de/blog/geistleib-atherleib-oder-astralleib-ein-philosophischer-versuch-von-immanuel-hermann-fichte?comment_Show=1

    Die zusammenfassenden Verweise auf einige wesentliche Passagen von Immanuel Hermann Fichtes „Anthropologie“ machen in verschiedener Hinsicht nachdenklich. Zum einen über den versteckten Zusammenhang von Vorstellen und Täuschung, den Fichte durchschaut, ohne, wie viele seiner Zeitgenossen, darüber innerlich zu stolpern. Das Vorstellen, das die Anschauung dessen was ist (das tatsächliche Wirken von Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff) verschleiert, noch bevor diese Anschauung gelingt.
    Doch gelingt Anschauung nicht erst, wenn ein aktives  Anschauen dessen was ist, mithin ein in Wirklichkeit erschaffen desselben, den Boden dafür bereitet? Warum aber sollte das so sein? Weil Wirklichkeit nicht per se ist? Weil Wirklichkeit aus der aktiven Teilhabe, sowie der inneren Überschau über die Prozessabläufe des Anzuschauenden im Denken hervorgeht? Das jedoch würde heissen, dass Wirklichkeit aus dem individuell dynamisierten Willen in eigenständiger Selbstverantwortung hervorzubringen ist.
    Demzufolge wäre der nicht durchschaute Prozess des Vorstellen unverblendet durchdacht dann also die Grundlage für die materialistische Weltanschauung, in der Abbilder die unvollendet bleibende Anschauung dessen was ist überlagern. Was heisst: Dass damit ein Schein von Erfahrung entsteht, der tatsächlich aber keine wirkliche Erfahrung beinhaltet, weil dieser Erfahrung kein Anschauen zugrunde liegt.
    In der Folge hat dies nicht geringe Auswirkungen auch auf das individuelle Darinnenstehen in einer wie auch immer gearteten eigenen und im besonderen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Pointiert gesagt: Wo Geisteswissenschaft nicht über das hinaus gelebt wird, was Rudolf Steiner zu ihrer Entwicklung einmal gesagt hat, wo Vorstellungen im eigenen Willen auf innere Anschauungen hin nicht dynamisiert werden, dort kann ein Freies Geistesleben sich nicht entfalten, ein Begegnen von Mensch zu Mensch wechselseitig wachstumsförderlich nicht wirklich ereignen.
    Es wird unerkannt zu einer täuschenden Fata Morgana. Immanuel Hermann Fichte ist also nicht nur auf eine heute vergessene Weise wissenschaftlich hochaktuell, er ist es darüberhinaus auch in Bezug auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse im weitesten Sinne des Wortes. Seine innere Anschauung von dem, was den Leib letztlich konstituiert, das lässt nämlich auf gesellschaftliche Verhältnisse bezogen, seine Lehre vom pneumatischen Organismus in ganz neuem Lichte erscheinen. Wie steht es um das Kraftwirken in diesem pneumatischen Organismus und welche Kraft kann dieses Kraftwirken, das „Pneuma“ in ihm zur Entfaltung bringen? Was sind gewissermassen die Bedingungen, welche die dynamische Kraft des „Pneuma“ einer Menschen Gemeinschaft im wechselseitigen Austausch individueller ein- und ausströmender Kräfte bildend zum Fliessen bringen kann?
    Ohne auf den Songtext von Helene Fischer „Atemlos“ näher eingehen zu wollen trifft der Titel dieses Songs genau den Nerv des Gemeinschaftsempfindens unserer Zeit. Wir sind in unserem einander Begegnen, bzw. Nicht-Begegnen mehr atemlos als wir uns das eingestehen wollen und können. Schon eine gleichsam nebensächliche Begegnung unter Menschen kann bei einer näheren Bemühung um Anschauung dessen was da geschieht diese Atemlosigkeit blosslegen.
    Sie ist da, weil Kommunikation anstrengend ist, weil sie, wie wir durchaus wissen, zumindest aber versteckt spüren einen tiefer greifenden Willen einfordert, wir aber in der Regel dieser Anstrengung schlichtweg ausweichen. So breitet sich über derartige Geschehnisse fein zerstäubte, nichts sagende Atemlosigkeit, im schlimmsten Fall sogar der Atem unendlicher Verletztheit aus. Diese wiederum zieht leise das Gefühl der Vergeblichkeit und in Folge einer Leere nach sich, bzw. am Ende sogar eine schleichend progressive Depression. Von daher gesehen kann Depression als die Krankheit bezeichnet werden, die letztlich aus einem wechselseitigen Nicht-Einlösen von menschlicher Begegnung hervorgeht.
    Was aber führt uns auf den Pfad Begegnung immer und immer wieder nicht oder doch nur unvollständig, d.h. nicht tief genug einzulösen. Unser jeweiliges Verhältnis von Nähe und Distanz zum anderen Menschen nicht mehr zu hinterfragen. Es ist die Angst dabei die eigene Bodenhaftung zu verlieren. Es ist die Angst vor den Konsequenzen, die eine tiefer gehende Bemühung um Anschauung dessen, was im Begegnen geschieht, einfordern könnte. Es ist die Angst vor dem unumgänglichen Neuwerden, das einer jeden Begegnung vom Grunde her anhaftet. Es ist die Angst dieser Angst zu begegnen. Es ist die Angst davor sich dabei in einer Weise in die Augen schauen zu müssen, welche die Selbstillusion bisherig eigener Selbstsicht sprengen könnte.
    Angst ist also das Grundthema von Begegnung. Und diese Angst will im Sinne der Philosophie der Freiheit zurückgedrängt, nicht (wie zum Beispiel durch Zynismus oder Kanzel Rederei) verdrängt sein, damit in dem frei werdenden inneren Erlebensraum dasjenige angeschaut werden kann, was durch die Worte des jeweilig anderen Menschen im Begegnen tatsächlich zu mir spricht, frei von durch mich übergestülpten Abbildern, frei von damit einhergehenden Vorstellungsverklebungen.
    Auf was kann uns nun aber das durch den pneumatischen Organismus wirkende „Pneuma“ aus heutiger Sicht hinweisen? - Atemlosigkeit versus schöpferischer Atem des Pneuma. Was spricht durch das Pneuma, wenn aktiv ausgerichtete innere Anschauung auf das Geschehen den Boden dazu bereitet? Was kann in diesen inneren Raum der Anschauung sprechend vernommen werden, wenn dieser Raum durch das, was Rudolf Steiner so rätselhaft die „Zurückdrängung des Leibes“ nennt, geöffnet werden kann? Zurückdrängung ein in erster Linie nicht körperlicher Prozess, sondern ein Prozess der Entflechtung von ätherischen und astralen Dynamiken, mit physiologisch körperlichen Folgewirkungen in Form innerer Verdunkelung und Schläfrigkeit, einer Art innerer Muskelkater des eigenen Willen, der überwunden, im Verlauf des übenden Umgangs mit der seelischen Beobachtung  sich in eine innere Präsenz wandeln kann.
    Seelische Beobachtung: Wenn durch sie die Überschau der in der Seele ereignishaften geistigen Prozesse sich dem erwachenden inneren Auge nach und nach erschliesst, was kann dann Sprache dem inneren Ohr und Auge erfahrbar werden lassen. Wessen Sprache: Die Sprache der Vorgeburt. Ich wiederhole, die Sprache der Vorgeburt, denn sie ist im konkret irdischen Ablauf des Denkens unabweisbar angekommen. In der Sprache des jeweiligen Du spricht sie und kann dort vernommen werden, wenn die ätherisch und astralen Prozesse in der Seele entwirrt werden.
    Sie, die Sprache der Vorgeburt ist angekommen im ganz alltäglichen Sprechen des Du, also auch im Sprechen von Passant zu Passant unter einander wildfremden Menschen. Ich kann hören die Sprache der Vorgeburt, wenn ich in der Seele die ineinander laufenden Prozesse von Äther- und Astralleib zu ordnen verstehe. Wenn ich dem Ego, das durch vorschnelles Vermeinen das Hinein-Hören in das Sagen des Du immer wieder zu blockieren sucht, in meiner wachsenden Wachheit gewissermassen den Weg abschneide. Ich-Präsenz aufbaue wider die Selbstgefälligkeit des Ego und seine subtile Selbstverliebtheit in die jeweils eigene Sicht der Dinge. Ich alles daran setze, dass das Ego einer tieferen Begegnung mit dem Du nicht länger mehr ausweichen kann. Mit anderen Worten das Ego seine Platzhalter Stellung zu Gunsten des Ich räumt.
    Die Sprache der Vorgeburt, was ist gemeint. Es ist der beständig leise und deshalb so leicht überhörbare innere Anruf, was durch mich zu verändern sei, damit Begegnung, ein wechselseitig tieferes Hineinwachsen in die eigene Menschlichkeit gelingt. Das Gespräch oder anders ausgedrückt, die zum Leben erweckte Kategorie der Relation des Aristoteles ist mithin das Feld der Karma Auflösung. Gelebte Relation wiederum bringt das Pneuma im pneumatischen Organismus zum Fliessen, der nicht nur auf den je individuellen Menschen begrenzt ist, sondern über diesen hinaus am Leib sich entwickelnder Menschlichkeit mit baut. Was aber wäre in den bedrängenden Niedergangserscheinungen unserer Zeit wichtiger, als dabei mit Hand anzulegen. Im Augenkontakt zum Beispiel mit der Kassiererin an einer Supermarktkasse. Die Entmystifizierung des Karma Gedanken hinein in das alltägliche Leben, in die Liebe zum Kleinen. Ein konkret praktisches Anknüpfen auch an Immanuel Hermann Fichte im Hier und Jetzt, indem auf derartigen Wegen der pneumatische Leib mehr und mehr zum Leben erweckt, in die bewusste innere Anschauung und damit individuelle Erfahrung angehoben wird.

    Bernhard Albrecht Hartmann


    Mittwoch, 6. Dezember 2017

    Dialogische Herausforderungen /1 - 2017

    Eine Antwort auf Anonym 30.11.2017 um 12:45 MEZ
    https://egoistenblog.blogspot.ch/2017/11/ralf-sonnenberg-vergangenheit-die-nicht.html?showComment=1512042321527#c5603489302077417728

    Wenn Sie meinen dafür stehen zu können mit dem Habitus der Wissenschaftlichkeit die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners aus gegenwärtigen, gewiss nicht immer durchweg sachlichen geführten, aber nichts desto Trotz geführt in dem mutigen Ringen Klarheit für sich zu finden, was aus der Sicht von heute innerhalb zunehmender Verschleierungen und Verkleisterungen die Kernaussage und Kernaufgabe der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners sei, wenn Sie meinen sie aus diesen Auseinandersetzungen, diesem Ringen um Erkenntnis bis in die existentiell eigenen Willenstiefen hinein herausführen zu können, dann irren Sie sich. Was Sie herausführen ist ein toter Korpus, denn Sie trennen den Namen Rudolf Steiners von der Geisteswissenschaft. Ich bezeichne ein derartiges Unterfangen schlicht und einfach als einen Schachzug offener Rückführung in die kurialen Hallen einer fürsorglichen grauen Omnipotenz. Verbunden mit der indirekten Kernaussage: Wir vergeben das Imprimatur für das, was in Bezug auf die Geisteswissenschaft zukünftig als wissenschaftlich zu gelten hat.
    Tiefer kann in meinen Augen Geisteswissenschaft im Sinne Rudolf Steiners nicht missverstanden, um nicht zu sagen verzerrt werden. Und das alles vollmundig in sonor einlullender Tonlage. Respekt, sehr gekonnt, aber dennoch durchschaubar.
    Doch das eigentlich entlarvende Ihres Tuns zeigt sich daran, Sie tun was sie tun anonym, ohne den Mut im eigenen Namen zu sprechen, ohne die auch äusserlich sichtbare Anbindung an den eigenen tatsächlichen Namen, die eigene von daher individualisierte, von jeglicher Verschleierung freie Verantwortung. Grau, grau grau …
    Rudolf Steiner hat ja nicht aus engen persönlichen Ambitionen heraus davon gesprochen die anthroposophische Geisteswissenschaft dürfe nicht von seinem Namen getrennt werden. Warum also dann? Er hat es getan, weil „seine Zeugenschaft für die reale Erfahrung der geistigen Welt“ nicht von dieser Wissenschaft getrennt werden dürfe. Darum ginge es ihm. Und Geisteswissenschaft in diesem Sinne wird sich nur weiter entwickeln, wenn sich Zeugen finden, die in diesem Sinne wissenschaftlich arbeiten, mit eigenem Namen ihre Zeugenschaft bezeugen.
    Was Sie tun werter Anonym: Sie galvanisieren die Geisteswissenschaft in eine noch tiefere Schicht der Abstraktion hinein, als sie über das jahrzehntelange Exegetisieren von Steiner Aussagen bisher schon gelangt ist.

    Bernhard Albrecht Hartmann

    Die Antwort von Anonym
    Donnerstag, 30. November 2017 um 19:04:00 MEZ

    
Vielen Dank für den Versuch einer Analyse meiner Standpunkte und Anthroposophie-Interpretation. Die schon mehrfach kritisierte Anonymität sehe ich als notwendiges Mittel, den in diesem blog bei Meinungsverschiedenheit leider üblichen und nicht selten weit unter die Gürtellinie gehenden persönlichen Angriffen etwas weniger Spielraum und Projektionsflächen zu gewähren, die in sachlichen Auseinandersetzungen ja auch keine Rolle spielen sollten.


    Außerdem missverstehen Sie mich gründlich. Gerade ich habe immer wieder kundgetan, dass ich jede Anmaßung zu diktieren, was an der Geisteswissenschaft richtig oder unrichtig ist, zutiefst verabscheue. 

    Warum behaupten Sie dann, ich würde so quasi das Imprimatur beanspruchen, ich würde für mich beanspruchen zu definieren "was in Bezug auf die Geisteswissenschaft zukünftig als wissenschaftlich zu gelten hat" ? Alles was sich als Wissenschaft bezeichnet, ist bis zu seiner Widerlegung als Wissenschaft anzusehen.


    Sehen Sie es doch einmal so, ich trenne nicht die Anthroposophie von Steiners Namen, ich trenne sie sehr wohl aber von seiner Person.

    Ich spreche mich gegen die Denigrierung der Person Steiner aus, was hier leider im Übermaß betrieben wird. Warum und aus welchen Motiven , hatte ich schon ausführlich begründet.


    Heutige Anthroposophie kann nur dasjenige von Rudolf Steiner Mitgeteilte sein, das sich heute auch sinn- und gewinnbringend im geistigen Sinne einsetzen lässt. Wer also Steiner persönlich angreift, zum Beispiel als Antisemiten oder Rassisten, verfolgt damit das Ziel durch den damit suggerierten Zusammenhang seiner Person mit der Anthroposophie, gegen den ich mich vehement ausspreche, auch den Ruf und die Wirkungsmöglichkeiten der Anthroposphie selbst negativ zu beeinträchtigen.

    Meine Erwiderung
    Samstag 2.12.2017 um 13:56/13:57 MEZ

    Werter Anonym, wenn sie meinen ich hätte ihre Aussagen einer Analyse unterworfen, so irren Sie sich gründlich. Was ich getan habe ist, ich habe in Ihr Sagen vertieft hinein gelauscht und aus den Klangräumen Ihrer Worte, den Ober- und Zwischentönen, die dabei an mein Ohr gelangt sind in meinen Worten einen Klangspiegel vor Ihren Augen aufgezogen, der ihnen die freie Möglichkeit vor Augen führt in diesen dynamisierten Klangräumen sich selber tiefer erkennend wahrnehmen zu können, wenn Sie das wollen. Doch wie es aussieht haben Sie auf Ihrem Lebensweg allem Anschein nach keine Vorsorge ausgelassen ein Verhältnis zur Anthroposophie aufzubauen, das sich auf nicht wenige aussen und innen Standpunkte stützt.
    Nun haben es aber Standpunkte (das Stehen auf einem Punkt) so an sich, das Sie von dort her nur einen sehr begrenzte Sicht auf das hin erlangen können, was Sie in Ihre Betrachtung rücken, also in unserem Falle die Anthroposophie. Im Heilpädagogischen Kurs spricht Steiner von der Notwendigkeit ein Tänzer zu werden. Ich will hier dieses: „Werden Sie wie ein Tänzer“ einmal auf das Verstehen-Können von Anthroposophie beziehen und sagen, ohne eine hohe, eine sehr hohe innere Beweglichkeit im Denken „und“ Erleben zu entwickeln kann das Wesen Anthroposophie nicht erfasst werden.
    Standpunkte sind zudem meist sehr tief beeinflusst von dem Selbstbild, das ein jeder Mensch durch sein Leben trägt, gewissermassen - um es bildhaft auszudrücken - als seinen Monteuranzug, auf dem alle Risse, Öl- und Schmierflecken usw. abgebildet sind, die er mit anderen Menschen schicksalhaft noch in der einen oder anderen Weise abzuklären hat. Wenn dann innerhalb seiner sozialen Begegnungen seine Schicksalsgenossen im Vorbeigehen aneinander von dem einen oder anderen Flecken wie getriggert darauf reagieren, dann hat das nicht unbedingt etwas mit negativer Projektion zu tun, sondern in erster Linie mit einem vielleicht sogar schmerzhaften Impuls dasjenige erinnernd (Geisterinnern!) innerlich heraufzuholen, was es noch zu bereinigen gilt. Hiergegen wehrt sich nun das eigene Selbstbild vehement, fühlt sich vielleicht so gar beschmutzt ohne zu bemerken, dass der Schmutz bereits tief in seine Bekleidung eingewoben vorhanden ist und es „nicht die Anderen sind,“ die dieses Kleid beschmutzen.
    Damit habe ich „eine“ wesentliche Dynamik sozialer Interaktionen aus der seelischen Beobachtung heraus skizziert. Es gibt noch andere. Doch diese wesentliche Linie will zuerst bearbeitet sein, bevor aus meiner Sicht heraus ein fruchtbarer Umgang mit anderen Dynamiken möglich wird. Andernfalls kommt einem eine latente, vom Selbstbild gesteuerte Überheblichkeit allzu leicht in die Quere und treibt soziale Interaktionen an Abgründe heran und über diese hinweg. Die Geschichte der grossen und kleineren Konflikte innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft bietet hierfür mehr als ausreichendes Anschauungsmaterial.
    Was Sie über die Angriffe auf Rudolf Steiner sagen, dazu will ich vorderhand nur dieses erwidern. Diese Angriffe auf Rudolf Steiner sind die Folge starker Defizite innerhalb der Anthroposophenschaft genau das untereinander zu bearbeiten, was ich Ihnen oben als Dynamik aus der seelischen Beobachtung heraus skizziert habe. Wäre dieses umfassender geschehen, so hätte sich damit auch gegenüber der Öffentlichkeit eine andere Sprache herausbilden können darauf einzutreten. So aber wird nicht wenig verdeckt ideologisch argumentiert, verharmlost, zugedeckt, gerechtfertigt und wer weiss was sonst noch. Die Probleme hier sind also in erster Linie hausgemacht und kommen nicht in dem Umfang von aussen wie es den Anschein hat. Wenn Sie tiefer hinschauen, können Sie auch von einer Sogwirkung im Hinblick auf gleichsam schwarze Löcher innerhalb der sozialen Abläufe in der Anthroposophenschaft sprechen. Kein inneres Tun oder nicht Tun bleibt ohne Aussenwirkung.
    Abschliessend noch dieses: Ich habe nicht behauptet „Sie“ würden quasi das Imprimatur beanspruchen, „was in Bezug auf die Geisteswissenschaft zukünftig als wissenschaftlich zu gelten hat.“ Da Sie sich aber in Ihrem Sagen gerne nicht nur als Verteidiger Ihres Verständnisses von Anthroposophie darstellen, sondern auch auf eine unterschwellige Art gleichsam auch als Sprecher einer nicht näher umrissenen Gruppe anderer Menschen hat das Imprimatur oder besser gesagt  die „Haltung zu einem Imprimatur“ möglicherweise auch etwas mit Ihnen zu tun. Doch die möglichen tieferen Zusammenhänge mit Ihnen gesprächsweise zu bearbeiten, das ist nicht meine Aufgabe. Wenn Sie den oben skizzierten Weg gehen wollen, dann werden Sie es früher oder später schon selber herausfinden.

    Bernhard Albrecht Hartmann

    Montag, 23. Oktober 2017

    Nachtgedanken

    Der Flügelschlag als zarter Ausdruck eines Geschöpfes wie dem des Schmetterling weist auf das so schwer dynamisch zu findende und noch mehr zu haltende Gleichgewicht hin, mit den Fühlern des Interesses, einer beständig neu anlandenden Fühl- und Erlebnis Bereitschaft, wie gleicherweise innerlich getakteten Haltung gegenüber dem Fremden Weltoffenheit zu leben. Die Schatten der Verdächtigung und des Vor-Urteils sind allgegenwärtig. Unvermittelt verführen sie zu Übertragungen eines Vermeinens, dem eine differenziert ausgelotete Sachgrundlage mitunter fehlt, bzw. die auf die Schnelle hin nicht um-sichtig weit genug beigezogen wird und gegenüber dem anderen Menschen achtsam seinen Ausdruck findet.
    Die Freiheitswege der Menschen um mich herum und ihre inneren Such- und Erfahrungswege sind eben  s e h r  anders ausgerichtet und von daher zu durchleben als meine Wege. Dies zu sehen, zuzulassen und auszuhalten, was eine sachliche Stellungnahme nicht ausschliesst, fällt in den Bereich der heute immer umfassender notwendig werdenden Klärung von Resonanzprozessen. Dual ausgetragen enden sie nicht selten unbefriedigend. Nach innen vertieft und durch zahlreich mögliche Filter des eigenen „erkenne Dich selbst“ geleitet können sie zu einer Keimkraft tatsächlich gelebten Freien Geisteslebens werden.
    Der Schmetterling lebt uns die Möglichkeit dieser Berge versetzenden Kraft, die zu entwickelnde dynamische innere Haltung einer immer umfassenderen Präsenz, unscheinbar leise vor. Substanziell geankert in mir schafft diese Haltung Verbindung unter den Menschen.


    Montag, 18. September 2017

    Den Willen dynamisieren

                                          
                                                        Den Willen dynamisieren I

                                                                                          
                            „Das, was den Gegenstand schwer verständlich macht ist … nicht, 
                               dass irgendeine besondere Instruktion … zu seinem Verständnis  
                             erforderlich wäre, sondern der Gegensatz zwischen dem Verstehen 
                           des Gegenstandes und dem, was die meisten Menschen sehen wollen. 
                       Dadurch kann gerade das Naheliegendste am allerschwersten verstanden 
                          werden. Nicht eine Schwierigkeit des Verstandes, sondern des Willens 
                                               ist zu überwinden." Ludwig Wittgenstein (1)




                              Einige Anmerkungen zu Inhalt und Umkreis des Vorwortes 

                     von Eckhart Förster im Band 2 der Steiner Kritischen Ausgabe (SKA)


    Eckhart Förster spricht in seinem Vorwort zu Steiner Kritischen Ausgabe Band 2 etwas aus, das nach meiner Kenntnis vor ihm noch niemand aus dem Umkreis der universitären Wissenschaft so benannt hat. „Ohne den bereitwilligen Versuch, ein solches sich selbst erzeugendes Denken im Sinne Steiners selbst auszubilden, wird sich über dessen Wirklichkeit nichts entscheiden lassen (2).“
    Damit sind aus meiner Sicht, unabhängig davon in welchem Umfang und auf welche Weise es zu solchen Selbstversuchen kommt, bzw. bereits vorhandene Ansätze dazu einer akademisch wissenschaftlichen Würdigung unterzogen werden nicht wenige Auseinandersetzungen zu erwarten. Die Selbstbindung des abstrakten Denkens ist nämlich nicht so einfach aufzulösen. Und das betrifft keineswegs alleine die  akademische Wissenschaft, sondern auch und nicht weniger „anthroposophische“ Kreise und deren  Umgang mit dem Denken. Unbefangen angeschaut scheint es mir bei der Selbstanalyse des abstrakten Denkens primär um eine Vorstellungs-Befangenheit, um nicht zu sagen Vorstellungs-Blindheit bezüglich des Willens und der Art und Weise seiner Entwicklung  innerhalb des je eigenen Denkens zu gehen.
    Ob der "Spielball" von Eckhart Förster aufgegriffen wird, ist in meinen Augen weniger an eine noch weiter anhaltende Vorurteilslage in Bezug auf Rudolf Steiner gebunden, als vielmehr an das methodische Paradigma des Umgangs mit dem Denken in wissenschaftlichen, wie auch in anthroposophischen Zusammenhängen und von da her bis in die Alltagswelt hinein. „Das unbeobachtete  Element unseres gewöhnlichen Geisteslebens“ (3) scheint heute noch mehr dem Beobachten entschwunden zu sein als zu Lebzeiten von Rudolf Steiner. Auf die Spitze hin formuliert bedeutet das in meinen Augen, das Denken hat sich in der Abstraktheit seiner Begriffe möglicherweise etwas zu weit selbst verloren. 
    Von daher sind die Hemmnisse das eigene Denken gewissermassen in seiner grundständigen Ausrichtung umstellen zu müssen, um es auf eine Ebene des sich selbst Erfahren zu führen, erheblich. Es entspricht der Art und Weise einer langen Wissenschaftstradition, dass das Denken nach aussen gerichtet wird. Das aber führt dazu, dass im Interesse einer Objektivierung eines von sich selbst absehenden Denkens, dieses abstrahierende Denken vorrangig die dunklen Flecken im Denken des jeweiligen Gegenübers sucht und von dort her untersucht.
    Ein allem Sprechen vorauseilender, bzw. dieses begleitend, erlebender Bezug zum eigenen Denken und seinen Schattenspielen scheint auf Grund der Abstraktheit desselben immer schwerer erreichbar zu sein. Und das bedeutet, so der Anschein, eine Betrachtung des eigenen Denkens in Bezug auf die Wesensebene des Wortes, mit dem umgegangen wird, ist immer schwerer innerlich zu bewerkstelligen. Ein Abgrund tut sich auf und zwischen den Worten, den miteinander sprechenden Menschen, breitet sich unscheinbar das Absurde in willkürlichen Faktizität-Ansprüchen aus.
    Von der Wesensebene des Wortes zu sprechen erscheint im heutigen Wissenschaftsumkreis gewagt zu sein. Das abstrakte Wort gilt als das allein Objektive, das wissenschaftliche Untersuchungen begleiten kann und darf. Anders könne Wissenschaftlichkeit nicht gewährleistet werden.
    Wenn ich darüber sinne wie dieser Umstand verstehend zu verorten sei, so denke ich dabei an Kant. An Kant und sein Ansinnen „der Philosophie erstmalig den Status einer Wissenschaft zu verschaffen (4).“ Dazu wie nebenbei angemerkt: Auch Rudolf Steiner wollte nichts weniger als das. Er suchte die Geisteswissenschaft in einem durch sich selbst erfahrbaren Denken zu gründen und - scheiterte wie Kant.
    Diese Art der Gegenüberstellung mag den einen oder anderen Denker irritieren, ihm vielleicht sogar unzulässig erscheinen. Ich denke hier jedoch: Können wir nicht wenigstens für einige Augenblicke versuchen von der ritualisierten Denkweise des üblichen Wissenschaftsdenkens Abstand zu nehmen, sowie einer sich vor sich selbst verschleiernden anthroposophischen Exegeten Denkweise in Bezug auf Rudolf Steiner? Und wollen wir nicht wenigstens versuchen wie von einem Aussenstandpunkt unbefangen diesen möglichen Tatbestand zu betrachten? Geben wir uns doch den Freiraum zu einem tastenden Betrachtung und Überschau zu gelangen, ohne die Angst damit sogleich bisher uns geltende Grenzen zu überschreiten, bzw. uns aus gutem Grund geltende Prinzipien und Treue Haltungen zum Wanken zu bringen oder sie gar zu verraten. Sind Kant und Steiner in ihrem jeweiligen Ansinnen gescheitert? Sich Fragen zu stellen, ohne damit beidseitig ein vermeintliches Sakrileg zu verletzen?
    Für Kant, den Begründer der klassischen Transzendentalen Philosophie, war das Ich eine bloss logisch formale Identitätsbestimmung der Vernunft. Es bezeichnete den Gedanken eines Gegenstand konstituierenden Bewusstseins vor jeder Erfahrung, mithin die formale Struktur, welche eine vernünftige Ordnung der Welt mittels des Denkens grundständig überhaupt erst ermöglichen sollte. Dieses Ich war auf Logik gebaut, nicht auf Anschauung, nicht auf erfahrungsbasiertem Wissen und schon garnicht auf Bewusstsein-Gegenwärtigkeit im inneren Tun. Es war und ist nach wie vor ein abstrakter Quellcode der Denkmöglichkeit. Für Kant blieb das Denken damit ein letztlich ungelöstes Koan.
    Dem gegenüber suchte Steiner mit seiner Philosophie der Freiheit und den beiden Grundschriften, die dieser vorausgingen umrisshaft einen Weg zu eröffnen, die Abstraktheit zu überwinden, in die Kant das Denken noch kleiden musste, weil er „Erfahrung“ nicht anders als zeitbedingt nach aussen gerichtet denkend verstehen konnte. Er veranlagte die Philosophie der Freiheit als einen Willensweg, der im inneren Nachvollzug dieses Gedankenweges, wie in darüber hinausgehenden eigenen Untersuchungen - die Willensbewegung, konsequent immer wieder aufgenommen und verfolgt - das Denken nur immer deutlicher in die eigene innere anschauende Erfahrung erheben kann. Denkwille als selbstinduzierte Setzung des Ich im Denkblick (5).
    Eckhart Förster hat in seinem Vorwort unversehens eine Türe aufgestossen und damit unübersehbar ein weites, wie gleicherweise hoch komplexes Forschungsfeld eröffnet. Wird dieser Spielball  tiefer gehend aufgenommen, so sind zweifelsohne mannigfaltige Kontroversen zu erwarten. In einem bisher eher marginal betriebenen Umgang mit den wesentlichen Intentionen Rudolf Steiners in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung könnte das zu einer langsamen Kehrtwende führen. Eckhart Förster hat mit leisen Tönen einen „bereitwilligen Versuch, (von Seiten der Wissenschaft sachlich angemahnt) ein … selbst erzeugendes Denken … selbst auszubilden.“
    So wie aussen, so auch innen, gewissermassen als notwendige Fortsetzung und Ergänzung einer vor langer Zeit begonnenen Aufklärung, an der Kant einen grossen Anteil hat, was bedeutet die nach aussen hin gerichtete geschärfte Beobachtungskraft umzukehren auf eine nach innen hin nicht weniger differenziert auszubildende Beobachtungsfähigkeit. Wird diesbezüglich der Forderung Kants gefolgt alles auf Erfahrung zu gründen hiesse das, den Denkwegen nicht nur abstrakt zu folgen, sondern eine die Abstraktion durchdringende Reflexionsfähigkeit, zu einer dynamischen Beobachtung innerer Willensprozesse hin zu erweitern, … wenigstens für den, der wagt versuchsweise gewohnte Bahnen zu verlassen und „Selbstkritik“  über das bisherige Mass hinaus auf sein eigenes Tun hin grenzöffnend zuzulassen.
    Eckhart Förster scheint mit seinem vorsichtigen Herantasten an das Wie des Denkens Rudolf Steiners über eigene Selbstversuche zur Selbstvergewisserung eines sich selbst erzeugenden Denkens zu gelangen, jenseits  von Polemiken das Forschungsvorhaben Rudolf Steiners, wie dieser es in seinem Untertitel zu seiner Philosophie der Freiheit: „Seelische Beobachtungsresultate  n a c h  naturwissenschaftlicher Methode“ sich selber und der Nachwelt als  > Forschungsprojekt <  vor Augen gesetzt hat, für die universitäre Forschung gewissermassen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.
    Das bedeutet, so ich das „als ein Nachgeborener“ ernst nehme, sich, wie ein Fremder (6) und wie von aussen aufgefordert zu sehen, in ein derartiges Forschungsprojekt erlebend hineinzustellen. Ich sagte es ja schon, es sind Fragen zu stellen, Fragen, Fragen und noch einmal Fragen. Und ich sehe das wirklich ganz konkret so. Wer sich davor scheut, im Angesicht bestimmter Gedanken, nicht immer und immer wieder sich einmal die Augen zu reiben, um den Blick wie durch die Nebel eigener Vorstellungen hindurch bringen zu können, ihn von darüber abgelagerten Spinnweben zu befreien, der wird den eigenen Willen nicht dynamisieren können.
    Fragen sind nämlich wie Keime, aus denen dynamisierte Willenskraft wachsen kann. Und dies wiederum macht es dort, wo Kant und Rudolf Steiner und andere auf ihren Wegen in ein zu erweiterndes Bewusstsein hinein Fragen ausgestreut, bzw. offen gelassen haben, diese überhaupt erst zu sehen, damit ich als Nachfahre sie mutig aufgreife, sie in mir weiter entwickle, anstatt mich hinter Kant und Steiner mit dem Finger einer ritualisierten Deutungshoheit in Vorstellungen zu verstecken. Es bedeutet „den Prinzen in sich“ auf die Reise zu schicken durch die Dornen-Landschaften eigener Vorstellungsverstrickungen und in damit einher gehender wachsender eigener Willenskraft die jungfräulich weibliche Weisheitskraft  Dornröschens in der eigenen Seele zu erwecken.
    Unter einem anderen Blickwinkel gesagt bedeutet es, es wird von Kant her gesehen keine „erstmalig wirklich wahrheitsfähige Philosophie“ geben und durch sie zu einer Kulmination im Denken kommen, wenn Kants Erfahrungsbegriff nicht auf von ihm gesetzte Ausschlüsse von Erfahrung hin tiefer untersucht wird. In meinen Augen ist Kants Projekt einer „erstmaligen Philosophie“ in den Anfängen hängen geblieben und - weiter virulent einer Lösung harrend. Dass die Welt einen erweiterten inneren Erfahrungszugang zum Denken braucht kann heute noch mehr als zu Kants Zeiten einem jeden sichtbar werden, der bereit ist an ihn letztlich nur selbst schützenden Scheuklappen innerlich zu rütteln.
    Ich will es einmal so anschauen, Kant hat durch seine Art der Begriffsmeditation in seinem Werk  eine nicht hoch genug zu schätzende Vorarbeit auf die noch ungeborene „erstmalige Philosophie“ (6) geleistet, die nach dem bahnbrechenden Werk von Eckhart Förster in ihrer Art noch weiter wissenschaftlich heraus zu arbeiten wäre. Er hat und musste in evolutionärer Folgerichtigkeit die Begriffe in seiner  Transzendental-Philosophie um des Erringen der  Freiheit im Selbstbewusstsein willen (seelisch beobachtet im Sinne Rudolf Steiners) in eine Art innere Lähmung versetzen. Die Abstraktion als Kunstgriff, um das Denken vor den Gefahren der Selbstillusion zu schützen, um ein durch sich selbst zu stabilisierendes Selbstbewusstsein hervorbringen zu können. Sollte „diese erstmalige Philosophie“ einmal tatsächlich in Erscheinung treten, dann wäre das der grosse zu würdigende Beitrag Kants.
    Die Abstraktion als verdichtete Kraftgebärde eines im eigenen Bewusstsein zu umfassenden und zu lenkenden Denkblicks. Die Abstraktion als innerer Kraft-Umkehrpunkt in das Erfahren eigener Willensdynamik hinein. Die Abstraktion als Übergang  vom Stehen in der Kraft (Ver-Stand) in die immer bewusstere Teilhabe mit den Kräftebewegungen dieser Welt auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. Die Abstraktion aber auch als fortlaufend tiefer um sich greifendes Gefahrenmoment einer unterschwelliger Angst den Boden unter den Füssen zu verlieren und sich in einem substanzlosen Nichts zu verlieren. Die Abstraktion, weil nicht bewältigt - in ihrer Kraftgebärde erfahrend erschlossen - als subjektseitige Abwehrfalle sich in eigenen Vorstellungswelten und damit einher gehenden Wirklichkeitsverschleierungen wechselnd abzukapseln oder zu verlieren. Die Abstraktion, „bildhaft,“ als Schwellengebirge vor dem möglichen Übergang in ein Bewusstsein, das diesen Namen verdient, weil selbsttätig erzeugt, bzw. hervorgebracht.
    Damit berühren diese Ausführungen unausweichlich ein in meinen Augen hoch problematisches Selbstverständnis bestimmter anthroposophischer Kreise in ihrem Verhältnis zu Rudolf Steiner. Kann ein „Überhöhen“ der Persönlichkeit Rudolf Steiners hilfreich sein für die vertiefende Entwicklung seiner Intentionen? Kann ein indirekt gläubiges Aufschauen zu seiner Person ein selbsttätiges Denken wirklich unterstützen und voranbringen? Ist es so, dass Menschen, die sich dem Werk dieses Mannes zugeneigt sehen tatsächlich seinem Namen verbunden bleiben - im Sinne der Aussage Rudolf Steiners, dass sein Werk nicht von seinem Namen getrennt werden dürfe? Gibt es eine Art des Umgangs mit dem Werk Rudolf Steiners, die nicht mit seinem Namen kompatibel wäre und demgemäss zu einer Trennung des Namens Rudolf Steiners von seinem Werk führen könnte? Wer befindet über eine Verbindung/Trennung von Werk und Namen oder geschieht das in einem Prozess unscheinbar fliessend - wie nebenbei - und liegt damit in der Verantwortung eines jeden Einzelnen sich dessen bewusst zu werden und gegebenenfalls gegensteuernd darauf Einfluss zu nehmen?
    Kurz zusammengefasst, hat die eigene Art mit diesem Werk zu arbeiten Einfluss auf diesen Prozess? Was ist das Kernstück von Rudolf Steiners Werkschaffen? … Das Denken selbsttätig hervorbringen zu lernen. … Wenn dem so ist, welche Konsequenzen leiten sich von daher für jeden Einzelnen ab, der sich Rudolf Steiner zugeneigt erlebt?
    Das eigene Arbeiten auf ein selbsttätiges Denken hin auszurichten und zu vertiefen, um die Verbindung von Rudolf Steiners Werk mit seinem Namen zu stützen  —  wenn ich genau hinschaue, ist hier nichts in Stein gemeisselt.
    Am Anfang eines Selbsttätigen Denkens und dem aus diesem hervorgehenden sich dynamisierenden Willen steht in meinen Augen die Selbstkritik. Sie öffnet aus meiner Erfahrung heraus die Quellen eigener selbsttätiger Kraft und fördert das innere Überschauen-Können und dynamische Erfassen, Durchdringen und gebändigte Integrieren von Willensprozessen im Hinblick auf eine über das Verstandesdenken hinaus reichende Bewusstheit.


                                                     Den Willen dynamisieren II

     
                                          Am Wegesrand steht eine Rose. Welch schöne Rose!
                                         Wir stellen es fest und gehen weiter. Immer gehen wir weiter.
                                                                  Wir haben verlernt zu verweilen.
                                   Doch nur im horchenden Verweilen kann uns das Zeitlose in der Zeit,
                                 das WESEN begegnen, das in und jenseits der Rose und aller Dinge ist.
       
                                                                     Karlfried Graf Dürkheim (7)

                                                     

    Am Anfang eines Selbsttätigen Denkens und dem aus diesem hervorgehenden sich dynamisierenden Willen steht in meinen Augen die Selbstkritik. Sie öffnet aus meiner Erfahrung heraus die Quellen eigener selbsttätiger Kraft und fördert das innere Überschauen-Können und dynamische Erfassen, Durchdringen und gebändigte Integrieren von Willensprozessen im Hinblick auf eine über das Verstandesdenken hinaus reichende Bewusstheit.
    Demzufolge ist Kritik über andere Menschen auszuschütten ohne eine vorauseilende, mindestens aber parallel einzubindende Selbstkritik, wie gleicherweise grundständige Wertschätzung des fremden Denken kontraproduktiv. Ohne echte Teilhabe am wechselseitig fremden Denken ist eine konstruktive Fortführung von Denkansätzen im Felde auszutauschender seelischer Beobachtungen nicht möglich. Der Sturz in die Dualität folgt auf dem Fuss und lässt damit  allzu schnell ein Kampffeld entstehen, auf dem quasi mit Rammböcken aufgefahrene wechselseitig vorgebrachte Vorstellungen über den jeweils anderen Menschen Nebelgefechte nach sich ziehen, anstatt dass sie auf einem Weg der Verständigung bestrebt sind an gemeinsamen Problemlösungen - also weniger gegeneinander als vermehrt miteinander - zu arbeiten.
    Die Spannungsverhältnisse, die dabei im eigenen Innenleben auftreten können sind nicht zu unterschätzen. Bei der Erweiterung des Erfahrungsraumes von einer klassisch naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise - mit dem beigeordneten wissenschaftlichen Verständnis Erfahrung sei aussenbezogen zu bearbeiten und nur so wissenschaftlich anzuerkennen - um Bewusstseins-Erfahrungsräume, die seelisch beobachtbar sein sollen, müssen verstandesgeleitete Vorstellungskomplexe in Abwehrfront gehen. Dies ist eine natürliche Reaktion auf ein unterschwelliges Erfahren der Boden unter den eigenen Füssen entzieht sich mir hier und jetzt leise. Dieses Erfahren öffnet, was … übersehen werden kann, den Horizont auf die eigentliche Frage nach dem michaelischen Mut, der aus dem Erfahren dieser Schwellensituation allein zu entfalten ist.
    Konnte bei Erscheinen der Philosophie der Freiheit der Untertitel dieses Buches auf die damalige Wissenschaftswelt noch wie ein Giftpfeil wirken, der nichts anderes als ein Ablehnen von Rudolf Steiners Ansinnens nach sich ziehen musste und zwar eine von der Sache her im Wesentlichen ungeprüftes Abweisen der tatsächlich von ihm vorgebrachten wissenschaftlichen Intention. Mit dieser Haltung wurde nicht einmal in Erwägung gezogen seine Grundaussagen gewissermassen als Hypothesen in wissenschaftlich Untersuchungen versuchsweise näher zu treten, was doch eigentlich zum Grundinventar wissenschaftlicher Auseinandersetzung gehört. Das zeigt nur, dass sie nicht wirklich verstanden wurden, bzw. welche grosse innere Hürde das abstrakte Denken samt seinem Selbstverständnis darstellt, das einem Verstehen von Rudolf Steiners wissenschaftlicher Intention im Wege zu stehen scheint. Womit wir wieder bei dem leisen, zu Beginn dieses Beitrags bereits angeführten, Anmahnen Eckhart Försters wären: „Ohne den bereitwilligen Versuch, ein solches sich selbst erzeugendes Denken im Sinne Steiners selbst auszubilden, wird sich über dessen Wirklichkeit nichts entscheiden lassen.“
    Der Tatbestand von heute ist nun der, dass sich in den letzten einhundert Jahren das abstrakte wissenschaftliche Denken sogar noch weiter verstärkt hat. Der praktische Problem-Lösungsdruck, der in Folge dieser Art zu denken sich immer deutlicher einstellt, weil allem Anschein nach in vielen Bereichen Probleme vermehrt nur noch verschoben oder zugedeckt werden können, wird im Tagesgeschäft von Mainstream Verlautbarungen, hinter vielfältigen Expertenäusserungen für den, der tiefer hinein hört dabei immer wieder deutlich. Kurz gesagt, es lässt sich nicht mehr verbergen und das erzeugt im sozialen Raum lähmende, wie gleicherweise eruptive Prozesse aus, die immer weniger zur Seite gewischt werden können.
    Der Eindruck, das wissenschaftliche Denken könnte sich heute in einer selbst erzeugten Abstraktionsfalle verfangen haben, folge ich diesbezüglich etwa den Denkwegen von Thomas Nagel in seinem Buch: „Geist und Kosmos“ (8) oder dem Aufsatz von Holm Tetens: „Der Naturalismus, das metaphysische Vorurteil unserer Zeit?“ (9) ist aus meiner Sicht nicht mehr so einfach von der Hand zu weisen. Es wäre aber grundfalsch vor diesem Hintergrund sagen zu wollen, die Philosophie der Freiheit Rudolf Steiners böte die Lösung für das bezeichnete Problem heutigen wissenschaftlichen Denkens.
    Rudolf Steiner hat mit diesem Buch seinen eigenen Denkweg nachgezeichnet und damit auf eine „grundständig zu verändernde Haltung,“ auf eine gegenüber dem abstrakten Denken deutlich auf Erfahrung oder innere Anschauung der dabei sich vollziehenden Prozesse verwiesen. Die Art und Weise des sich im Denken Bewegen ist nicht weniger von Bedeutung als die Gegenstände des Denkens, bzw. die sie der Möglichkeit nach ausdeutenden Begriffe. Er hat für die Wirkgeschichte dieses Buches einen Rahmen von 500 Jahren benannt, wohl wissend, dass sich der von ihm ansatzweise beschriebene Umgang mit dem Denken eine lange Zeit brauchen würde sich zu entwickeln.
    Zudem ist es ein Dilemma von Pionieren im Allgemeinen und hier in Sonderheit von Rudolf Steiner, dass er den gesamten Umfang des von ihm mit seiner Philosophie der Freiheit neu betretenen Forschungsfeldes nicht von Anfang an auch nur annähernd umfassend beschreibend dokumentieren konnte. Pioniere auf einem derartig komplexen Forschungsfeld sind auf Nachfolger angewiesen, die bereit sind  sich ihrerseits auf einen inneren Forschungsweg zu begeben, den Weg ein „sich selbst erzeugendes Denkens auszubilden“ und dieses in Folge dann tiefer zu untersuchen.
    Leider greift Christian Clement diesen Aspekt in seiner Einleitung zu SKA Band 2 nicht wirklich auf. Er umkreist skizzenhaft die Denkwege Rudolf Steiners von den verschiedensten Seiten her ohne auf dessen methodischen Ansatz der seelischen Beobachtung kritisch einzugehen und verbleibt so - im Wesentlichen - in einer  philologischen Textdokumentation. Was eine eigene Thesen und Hypothesenbildung in Bezug auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner betrifft, darin hält er sich bedeckt. In meinen Augen hätte es seine Arbeit die Grundschriften Rudolf Steiners kritisch editiert herauszugeben gut vertragen wenigstens ansatzweise hinweisend deutlich zu machen, unter welchen Gesichtspunkten eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner heute tiefer greifend beginnen könnte, wie sie angesichts der gegenwärtigen Befindlichkeit des Denkens in Wissenschaft und gesellschaftlichen Zusammenhängen verschiedenster Art in meinen Augen mehr als überfällig ist geführt zu werden.
    So bleibt er bedauerlicherweise hinter dem oben genannten leisen, aber nichts desto trotz mutigen Hinweis  Eckhart Försters zurück. Aber vielleicht kann sich Eckhart Förster nach seiner Arbeit über die 25 Jahre der Philosophie (10) in einer weiter gehenden Betrachtung dazu aufgefordert sehen zukünftig den wissenschaftlichen Dialog mit Rudolf Steiner von seiner Seite vertiefend aufzugreifen. Es könnte sich als fruchtbar herausstellen den von Kant so benannten „Beginn der Philosophie“ innerhalb dessen philosophischer Erörterungen dahingehend erneut und weitergehend ins Auge zu fassen, dass eben diesen Beginn bei Kant Rudolf Steiner in seiner Philosophie der Freiheit erneut aufgegriffen hat. Weiter könnte zu Tage treten, dass Rudolf Steiner mit dieser „ersten Skizze“ ein bis dahin nicht ins Auge gefasstes, ein auf diese Ausgangslage hin zu erweiterndes Forschungsfeld zur weiteren Bearbeitung eröffnet und der Wissenschaft hinterlassen hat. Ein Forschungsfeld, das nicht nur das „Was,“ sondern gleicherweise das „Wie“ des Denkens ins Auge zu nehmen hätte - gewissermassen als einen Versuch eine über das abstrakte Denken hinausreichende erweiterte innere Haltung und daraus hervorgehend innere Anschauung in Bezug auf den Umgang mit dem eigenen Denken zu dokumentieren.
    Gewiss, ein Verständnis von der Methode der seelischen Beobachtung, wie sie Rudolf Steiner nicht nur im Untertitel, sondern durchweg untergründig seiner ganzen Philosophie der Freiheit in meinen Augen dynamisch unterlegt ist nicht so ganz einfach heraus zu arbeiten, denn Rudolf Steiner beschreibt diese Methode selber nicht direkt, d.h. als eine gleichsam kopierbare Konstrukt-Schablone. Er geht in seiner Philosophie der Freiheit einen Weg und der fragend offene Nachvollzug dieses Weges erhellt schrittweise die zu Grunde liegende Methode der seelischen Beobachtung. Genau so wie das Befragen eigener Gedankenwege, samt ihren individuell sehr unterschiedlich zugreifenden und zu bändigenden inneren Wirkfaktoren in einem fortgeschritteneren Stadium vertiefter Selbstkritik zu immer klareren Begriffen, sprich einer inneren Anschauung derselben im Denken führt.
    Mit dieser Anschauung geht ein wachsendes Erfahren der inneren Bewegungen des Denkens im Umgang mit Begriffen einher. Was Wille ist erhellt sich auf eine gänzlich neue Weise. Es kann sich aus meiner Sicht darüber hinaus auch die Möglichkeit des Zugriffs auf die innere Erfahrung eines subjektfreien Denkens über den Denkblick einstellen, der im Zuge eines dynamischen, durch Selbstkritik befreiten eigenen Denkens gleichsam als Steuerorgan der Denkprozesse in Erscheinung tritt.
    Zu erwarten ist in meinen Augen, dass alles, wirklich alles zukünftig auf eigene Erfahrungen im Denken gegründet werden kann und von daher wissenschaftlich zu erforschen sein wird. Und das bedeutet auch, dass nicht wie noch vor 100 Jahren weiter hilfsweise „von einer übersinnlichen Welt gesprochen werden muss,“ da diese als Kraftgestalt im eigenen Denken wirksam anwesend so lange schlummert, bis das Denken sich dynamisch weit genug entfaltet hat, dass sie einsehbar wird. Nichts mehr ist und bleibt okkult, alles tritt unmittelbar und nondual im eigenen Denken zu seiner Zeit in Erscheinung, sofern der Wille im eigenen Denken dahingehend aktiviert werden kann und bewegt in Bewegung eine neue Dimension des Seins sich öffnet.
    Auf Aristoteles geht die Peripatetik, zumindest in der stringenten Anwendung derselben zurück, Denken und Sprechen im Schreiten, Denken und Sprechen in und aus der Bewegung hervor. Von was sprach Aristoteles also, wenn er in seinen Vorlesungen denkend und sprechend vor seinen Schülern auf- und abschritt? Er erzählte ihnen von seinem inneren Forschen in eben diesem Augenblick, während er zu ihnen sprach. Wer sich auf Selbstversuche die Peripatetik  innerlich auszuforschen einlässt, der kann entdecken, dass er mit etwas Übung seine Gedanken immer flüssiger aus dem Augenblick schreitend lernt zu entwickeln und ein vorgefertigtes Sprechkonzept auf diese Weise hinter sich lassen kann. Die praktische Peripatetik führt das Denken in seine Gegenwärtigkeit, begleitet es an die Grenzen des Wissens und insofern es willensdynamisch aktiviert wird über diese hinaus.
    Aristoteles berichtete seinen Schülern also von seinem inneren Grenzgang entlang des Nichtwissens; mit den Worten des Sokrates, wie sie von Platon übermittelt wurden von seiner Art des: „Ich weiss, dass ich nicht weiss.“ Aristoteles schritt, wenn er sprach demzufolge entlang des Ursprungs im Denken, vermittelte die Ursprünglichkeit der Bewegung im Denken und was von daher in Erscheinung treten kann.
    Er erzählte ihnen, dass „er“ sie nichts lehren könne. Nur aufzeigen, was von ihnen gefunden werden könne, das sei ihm möglich, wenn sie ihrerseits, wie er an die Grenzen des „ich weiss, dass ich nicht weiss,“ sich vorwagten. Im Zusammenschluss mit der stetig fliessenden Bewegung des Denkens würde von daher erfahrbar werden, was in diesem ihren ureigenen forschenden biographischen Augenblick zu erfahren möglich sei. Das sei das innere Geheimnis des „Aktus,“ in dessen Umfeld er so einiges forschend einer ersten Klärung zugeführt habe. Er könne ihnen nur die von ihm weiter entwickelte Fragetechnik des Sokrates ans Herz legen und sie ermuntern in Selbstversuchen niemals in einem über ihn hinaus gehenden Erforschen innerer Bewegungen nachzulassen. Der Wille dürfe unter keinen Umständen vom Denken getrennt werden.
    Der Wille wird als Bewegung erst in dem Masse greifbar, wie eine unmittelbare Annäherung an ein „Erleben“ des „ich weiss, dass ich nicht weiss“ tatsächlich erfolgt. Eine Vorstellung vom Inhalt dieser Aussage, selbst so etwas wie eine Art Empfindung davon, das lehrt die Erfahrung im vertieften Ringen um Annäherung an die Tatsächlichkeit des "ich weiss, dass ich nicht weiss“ sind nicht selbsterklärend. Das Denken als Bewegung, als Willensstrom, wird erst in diesen Grenzbereichen, wenn Grenzen sich auflösen und der Forschende dennoch weitergeht wirklich erfahrbar und ist in der Isolierung, dem fliessenden immer neuen Fokussieren auf nichts als den Willen hin, gelinde gesagt, nicht einfach zu verarbeiten.
    Wer sich hierher vorwagt, der weiss aus eigenem Erfahren, dass er Katarakt artige innere Erfahrungs-Abbrüche wie auch unvermittelte Stürze zu überwinden und zu verdauen hat. Die fliessende Bewegung ist eine Erfahrungsweise, die blinde Flecken in dem solchermassen Erfahrung Suchenden sehr schmerzhaft sichtbar machen. Entsprechend stark umdrängen Ego-Spiele dieses Klärungsfeld um eine tatsächliche Begegnung und innere Verbindung im Denken mit dem zum jeweiligen Forschungsaspekt gehörenden Willensanteilen.
    Einen modernen Vertreter und ausgezeichneten Logiker, der in meinen Augen auf eine hintergründig keimhafte Art und Weise über die Kimme des Abstrakten Denkens auf ein Prozesshaftes im Denken hinzuschauen scheint (siehe unten unter 1.1 … Gesamtheit der  T a t s a c h e n,  nicht der Dinge) sehe ich in Ludwig Wittgenstein. Wenn er selbst in seiner auf strenge Form hin ausgerichteten Sprache dies auch wie verhüllt (11). In meinen Augen zeigt sich hier die alte Bruchlinie, welche die Logik schon bald nach Aristoteles immer deutlicher durchzieht - die langsame Trennung von Form und formbildender Kraft, mit anderen Worten die Trennung des Willens vom Denken. Was in der Peripatetik des Aristoteles noch präsent war, verliert sich in der Folgezeit mehr und mehr und endet schliesslich in der Abstraktion.
    Dem Wortstamm nach kommt Logik von Logos. Bis zu Aristoteles hin waren die Menschen noch mehr oder weniger verbunden mit den Logos-Kräften. Heute können wir auf diese Art von Verbindung nicht mehr zugreifen. Wir müssen neue Wege suchen. Wege, die der modernen Wissenschaft zugänglich sind. Übersetze ich „Logos-Kräfte“ in moderner Sprache mit „Struktur bildende Kräfte,“ so könnte das ein Ansatz für eine zeitgerechte wissenschaftliche Forschungsinitiative sein. Herbert Witzenmann hat in dieser Richtung weisend die Skizze einer  Strukturphänomenologie (12) vorgelegt und Johannes Wagemann hat mit seiner Dissertation „Gehirn und menschliches Bewusstsein“ (13) diesen Ansatz in einer bemerkenswerten Weise wissenschaftlich bearbeitet. Leider haben beide Arbeiten in SKA 2 keinen Eingang mehr gefunden, denn sie hätten das Format an so prominenter Stelle benannt zu werden und in weiteren wissenschaftlichen Aufsätzen aufgegriffen und fortgeführt zu werden. Nicht zuletzt auch als ein Beispiel wie wissenschaftlich forschender Geist aus anthroposophischem Hintergrund heraus sich mit klassisch akademischer Wissenschaft fruchtbar verbinden lässt.
    Schliessen will ich dieses Essay mit einer Anregung an die Leser den Anfang des Tractatus logico-philosophicus  einmal in einer von mir prozesshaft bearbeiteten Version zu betrachten und daran ein vielleicht sogar erstmaliges Gefühl für den Willen in der  Sprache zu entwickeln. Ich selber will mich dazu an dieser Stelle weiterer Kommentierungen enthalten:
        
         Das Original:
         1         „Die Welt ist alles, was der Fall ist.
         1.1      Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.
         1.11    Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind.
         1.12    Denn, die Gesamtheit der Tatsachen bestimmt, was der Fall ist und auch, was alles
                    nicht der Fall ist.
         1.13    Die Tatsachen im logischen Raum sind die Welt.
         1.2      Die Welt zerfällt in Tatsachen.
         1.21    Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles übrige gleich bleiben.
         2         Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
         2.01    Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen).
         2.011  Es ist dem Ding wesentlich, der Bestandteil eines Sachverhaltes sein zu können.
         2.012  In der Logik ist nichts zufällig: Wenn das Ding im Sachverhalt vorkommen kann, so
                    muss die Möglichkeit des Sachverhaltes im Ding bereits präjudiziert sein.
         2.013  Jedes Ding ist, gleichsam, in einem Raume möglicher Sachverhalte. Diesen Raum
                    kann ich mir leer denken, nicht aber das Ding ohne den Raum.“ … (14)
        
        Meine Version:
        1          Die Welt ist alles, was im Bewusstsein in Erscheinung tritt.
        1.1       Die Welt ist die Gesamtheit der von mir tätig hervorgebrachten Tat-Sachen.
        1.11     Die Welt ist durch Tat-Sachen bestimmt, Tatsachen, die als Bewusstsein-Prozesse in
                    mir aktiviert, sich allesamt als tätig von mir hervorgebrachte Tat-Sachen zeigen.    .
        1.12     Denn die Gesamtheit dessen was tätig hervorgebracht bestimmt, was der Fall ist
                    und auch, was nicht der Fall ist, weil nicht selbsttätig hervorgebracht.
        1.13     Die Tat-Sachen, d.h. das was der Fall ist, ist tätig hervorzubringender 
                    Bewusstseinsprozess und der Ausdruck immanenten Universalien-Geschehens
                    im Prozessraum des Logos der Welt.
        1.2       Die Welt zerfällt und ersteht in Tat-Sachen, im selbsttätigen Dekomponieren und
                    tätigen Hervorbringen derselben in Bewusstseinsprozessen.
        1.21     Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein, weil tätig hervorgebracht           
                    oder nicht und alles übrige gleich bleiben, weil nicht von Bewusstsein erfasst.
        2          Was der Fall ist, die Tat-Sache, ist wie aus dieser eigentätig
                    Sachverhalte hervorgehen.
        2.01     Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Prozesssequenzen, die in geistigen und
                    materiellen Gegenständen Form annehmen.
        2.011   Es ist dem Ding wesentlich ein in eine spezifische Form verdichter Bestandteil,                                     eine prozessgelenkte Ausrichtung eines 
                    sachgeleiteten Bewusstseinsprozesses sein zu können.
        2.012   In einer der Abstraktheit enthobenen Logik, mithin dem    
                    fliessenden Niederschlag der Logos- bzw. Struktur gebenden
                    Kräfte ist nichts zufällig.  Alles ist mit allem                                                         
                    in beständigen Kräfteverbindungen verbunden
                    und in diesen als Kraftpotenz der Möglichkeit nach enthalten.
                    sachgeleitete Prozess-Ausrichtungen präjudizieren ein mehr oder weniger
                    breites Spektrum von Sachverhalten, die in entsprechenden
                    Formen sich als Ding ausdrücken.
        2.013   Jedes Ding als in die Form geronnener Ausdruck einer sachgeleiteten 
                    Prozessausrichtung konstituiert sich in Bewusstseinsprozessen als zumindest
                    vorübergehende Raumgebärde in bestimmten Sachverhalten. Dieser Potentialraum
                    ist im Denkblick, der dynamisch seiner selbst bewussten Kraftmitte, dem
                    Steuerungsorgan des Denkens erfahrend zu verorten, ist bestimmungslos und kann
                    damit in sich als leer oder reine Potenz erfahren werden. …

    Ob gegen die Auffassung von Ludwig Wittgenstein (15) in der Zukunft vielleicht doch einmal davon gesprochen werden kann, der Wille könne der Träger des Ethischen sein, muss gegenwärtig in meinen Augen offen bleiben.  Ich weiss, das kann als verhaltene Kritik gedeutet werden. Hat nicht Rudolf Steiner in seiner Philosophie der Freiheit vom ethischen Individualismus gesprochen? Gewiss doch. Inwieweit dieser ethische Individualismus im Einzelfall eingelöst, eben das ist die Frage? Für mich besteht die Quintessenz der Philosophie der Freiheit, als einem Willensbuch durch und durch, darin, dass der durch dieses Buch auszulösenden Selbstkritik auch innerlich standgehalten werden kann. Wie soll das gehen? Eben dadurch, dass dieses Buch nicht inhaltsbezogen gelesen wird.  Dynamisch ist dieses Buch zu lesen, als beständiger Begleiter durch meinen Alltag, indem ich mich in selbst aktualisierten seelischen Beobachtungen herausfordere mein Tun und Lassen unter die Lupe zu nehmen, um auf diese Weise mehr tatsächlichen Kontakt zu meinem Denken zu bekommen. Das mündet dann in Folge gewissermassen in einem inneren Umstülpen des eigenen Erkenntnisverhaltens, lässt mich meine je soziale Umwelt mit anderen Augen sehen und meine Verantwortlichkeiten aus einer so geweiteten Sicht neu bestimmen. Bündig gesagt, die seelische Beobachtung als fortlaufende Alltagsübung entwickelt die Fähigkeit eines gelebten ethischen Individualismus. Mit ihm wiederum kann ich, in Verbindung mit Ludwig Wittgenstein, auf eine moderne Weise selbstbestimmt bestimmen, „was der Fall ist.“
    In einer Zeit der >fake news<  und  >bad comments<, die Menschen und deren Biographien von einem Augenblick auf den anderen unter Umständen nachhaltig schädigen und sogar zerstören können, ist da eine neue Sicht auf das Denken nicht mehr als dringlich geboten? Mit was gehe ich da eigentlich um, wenn ich denke und wie steht es um meine Verantwortung, wann immer ich denke? Ist Denken etwas, das ich einfach so beiläufig und beliebig freisetzen kann oder erzeuge ich damit unter Umständen weitreichende  und schwerwiegende Wirkungen? Warum hat Rudolf Steiner so eindringlich darauf verwiesen, dass alle Vorstellungen zu verbrennen seien? Warum hat er dies zuletzt sogar damit in Verbindung gebracht, dass  den Grundstock der von Weihnachten 1923 her neu zu schaffenden Gesellschaft nur Menschen bilden könnten, die genau dies zu tun bereit seien? Alles sei mit Leben zu erfüllen, mit einem zu befreienden Willen aus ethischem Individualismus heraus. Und heute beinahe 100 Jahre danach? In meinen Augen ist Denken und Bewusstheit die alles entscheidende Frage.
    Kant legt den Finger auf den Punkt, es geht um nichts weniger, als um die Willenskonfigurierung von Philosophie gegründet auf Erfahrung. In dieser Beziehung hat er seinerzeit auch gegen Swedenborg einen Damm errichtet, einen Damm gegen jede Art von „visionärem Zauber“ auch heute. Mit Ludwig Wittgenstein gesagt, geht es um das, was Tat - Sache ist, was als Wille durch mich in Wirkung versetzt und nicht um „ein Träumen in als ob Vorstellungen“ eines Seins-Zustandes, der nicht ist, weil nicht selbsttätig hervorgebracht.  Es geht darum Kant und Steiner als Zen-Meister einer je eigenen Gegenwärtigkeit zu sehen, die über die Zeit hinweg einander zuarbeiten „Ungeborenheit“ in ein verdichtet/fliessendes Jetzt hinein anzustossen (16) und um einen zeitgemässen offenen, wie allseits wertschätzenden Dialog im zutiefst sokratischen Sinn.

    Bernhard Albrecht Hartmann


    (1)   Ludwig Wittgenstein - Ein Reader: Das Wesen der Philosophie S. 315,                                                     Reclams Universal Bibliothek Nr.9470, Druckauflage 2011
    (2)   Steiner Kritische Ausgabe  (SKA) 2, Frommann-Holzboog Verlag Stuttgart-Bad Cannstatt
            2016, daselbst Vorwort von Eckhart Förster S. XVI
    (3)   SKA 2, Die Philosophie der Freiheit - Das Denken im Dienste der Weltauffassung, S.103
    (4)   Eckhart Förster: Die 25 Jahre der Philosophie, Vittorio Klostermann Verlag Frankfurt a.M.,
            2. Auflage 2012, S. 185.
    (5)   siehe hierzu die Untersuchungen von Herbert Witzenmann in: Intuition und Beobachtung
           Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1977 und 1978
    (6)   SKA 7, Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten, Innere Ruhe
    (7)   Karlfried Graf Dürckheim, Ton der Stille S. 44, N.F. Weitz Verlag, Aachen 1986
    (8)   siehe Thomas Nagel: Geist und Kosmos, Suhrkamp Verlag Berlin, 5. Auflage 2014
    (9)  siehe Information Philosophie: Die Zeitschrift, die über Philosophie informiert, 03/2013                          Teten Holms: Der Naturalismus, das metaphysische Vorurteil unserer Zeit, S. 8 - 17
    (10) Eckhart Förster dito S.14
    (11) Ludwig Wittgenstein, dito  Tractatus logico-philosophicus S. 45 Traktate 6.54 und 7
    (12) siehe Herbert Witzenmann: Strukturphänomenologie, Gideon Spicker Verlag
            Dornach 1983
    (13) siehe Johannes Wagemann: Gehirn und menschliches Bewusstsein, Neuromythos und
            Strukturphänomenologie, Shaker Verlag, Aachen 2010
    (14) Ludwig Wittgenstein, dito S. 9, Traktate 1 - 2.013
    (15) Ludwig Wittgenstein, dito Tractatus logico-philosophicus S. 43 Traktat 6.423   
    (16) https://egoistenblog.blogspot.ch/2017/08/zen-meister-bankei-und-rudolf-steiner.html
    (17) https://wege-der-befreiung.blogspot.ch/2017/08/glockengelaut.html#comment-form
    (18) Nike von Samothrake, Paris Louvre