Dienstag, 9. Oktober 2018

Das wirksame Ich

Lieber Roland Wiese. Deine Frage nach dem wirksamen Ich, mit einigen unmittelbar damit vielfältig verbundenen ineinander fliessenden Aspekten, will ich gerne aufnehmen. Fliessend, ja fliessend, denn das wirksame Ich ist ein permanent im Fluss sich Ausdrückendes. Damit scheint es nicht fassbar zu sein und ist es doch. Jedenfalls für Menschen die keine Scheu davor haben von Augenblick zu Augenblick in eigenes Verändern hineinzuspringen. Das Ich steht nämlich nicht. Niemals. Selbst wenn es vordergründig betrachtet einmal so erscheint.

Im Ich stehend bin ich immer in Bewegung und von daher gesehen in der einen oder anderen Weise wirksam. Und weil das so ist erhöht das die eigene Verantwortung ungemein, wie auf der anderen Seite dem wirksamen Ich, still eingebunden in dieses Fliessgeschehen auf seinen immer wieder holperigen Pfaden jederzeit Lösungen an die Hand gereicht werden, solange es wach genug ist sich die eigene Wirksamkeit nicht abschneiden zu lassen. Solange es also schnell wieder aufzustehen bereit ist, wenn es einmal eingeknickt sein sollte.

Das Ich lebt in und durch sein Wirksam-Sein.
Das wirksame Ich bewegt sich in einer beständigen Gleichgewichtsbildung zwischen Nähe und Distanz. Es fordert demnach heraus, wie es gleicherweise sich auch begleitend im Hintergrund zu halten weiss. Innerhalb dieser beiden Grundbewegungen hält es sich in einer individuell eigen gefärbten Präsenz, einer Präsenz, die nicht unbedingt als solche wahrgenommen werden muss. Das Ich in seiner vertieften Wirksamkeit „führt“ auch nicht, weil es heute darauf ankommt, dass die Iche in einem breiteren Spektrum ihr Wirksamwerden zu einem von ihnen bestimmten Zeitpunkt selbständig ergreifen. Das wirksame Ich fördert also die Selbstermächtigung einer Vielzahl individuell unterschiedlicher Ich-Gebärden, ist bestrebt in den Ich-Du Beziehungen das Erwachen für die Wirksamkeit je eigener Ichkraft zum Durchbruch zu verhelfen durch sein eigenes beispielhaftes Tun.

Soweit so gut. Doch zu dem oben Gesagten ist noch anderes unter die Lupe zu nehmen, um die Wirksamkeit des Ich in und bei sich, sowie innerhalb seiner sozialen Prozessverläufe immer besser verstehen und von daher individuell handhaben zu können. Ich will an dieser Stelle deshalb einen Blick auf den Grund-Prozessverlauf zwischen Mann und Frau riskieren und diesen etwas näher betrachten, da ihm in meinen Augen eine entscheidende Bedeutung innerhalb existentiell gleichgewichtigen aufeinander Bezogen-Seins zukommt den Geburtsprozess der Ich Wirksamkeit zu gestalten.

Wenn ich davon ausgehe, dass die männliche Begegnungsart mit der Welt eine eher anschauende Betrachtung umfasst, was sehr viel mehr als eine bloss intellektuell verstandesmässige Hinwendung zur Welt beinhaltet, die der Frau eine erlebende Begegnungsweise in sich birgt, was keineswegs auf ein bloss emotionales Erleben zu reduzieren ist, sondern in einem innerlich ausgeglichenen Selbstverhältnis erlebende Präsenz pur ist und von daher sich nicht selten schnellläufiger als die anschauende Denkweise des Mannes darstellt. Wenn diese beiden so unterschiedlichen Herangehensweisen an die Welt im wechselseitigen Begegnen zu einem je eigenen inneren Ausgleich gelangen können, dann öffnet sich damit die Quelle zeitgemässer und geistesgegenwärtiger Ich-Wirksamkeit.

Diesen inneren Ausgleich des männlichen und weiblichen Pols in einem jeden Menschen, sowie in den sozialen Beziehungen von Mann und Frau untereinander zu Wege zu bringen ist in meinen Augen die wesentliche Bewusstseinsherausforderung unserer Zeit. Sie ist vor dem Hintergrund der Philosophie der Freiheit her gesehen die Hauptaufgabe, die sich der praktischen Anwendung der seelischen Beobachtung im inneren Umgang mit der Zurückdrängung des Leibes stellt.

Zurückdrängung des Leibes (1) bedeutet tiefer betrachtet die Entflechtung von Ätherleib und Astralleib auf den Weg zu bringen, denn diese beiden Prozessebenen und ihre damit verbundenen Kräftebewegungen sind es, welche uns das grundständige Bewusstsein für unseren Leib vermitteln. Unser Leib kann uns nämlich so lange tiefere Bewusstseinsebenen verschleiern, wie wir Automatismen in unserem Erfahren nicht näher treten, sie zurückdrängen um zu einem originären Umgang mit diesen Prozessverläufen hinzufinden. Die „seelische Beobachtung“ ist von daher gesehen basisbildend für jegliche Form von Geist-Erfahren, zumindest was ihr Zeitgemäss-Sein betrifft.

Denn die Automatismen unseres Erfahrens nicht oder unzureichend ins Auge zu nehmen hat zur Folge, dass wir von unserem praktischen Handhaben her weiter in einem dualen Weltverständnis hängen bleiben. Wir schauen etwas als Wirklichkeit an, was aber von seiner Grundkonsistenz her nur aus einem schöpferischen Prozess, aus dem Wirksamwerden des Ich hervorgehen kann. Es stellt sich hier also die Frage welches tatsächliche Verständnis von Wirklichkeit wir haben.

Ist es ein Wirklichkeitsverständnis, das als ein Erwirktes aus umfänglich eigentätig gesetzten Denkschritten hervorgeht oder ist es ein Ego zentriertes, weitgehend abstraktes Bilder-Bewusstsein aus den Archiven des Unterbewusstseins und seiner dort abgelagerten vergangenheitsbezogenen Vorstellungsbildungen. Das wirksame Ich hingegen geht immer aus der Überwindung des Ego-Bewusstseins hervor. Ich Wirksamkeit wird von daher evident insoweit die entwicklungsbedingt zunächst notwendig permanent wirksamen Ego oder Selbstbild Übertragungen auf die Sinn-Felder eigenen Erfahren einer immer bewussteren Überprüfung in der seelischen Beobachtung unterzogen werden.

Ohne Zweifel sind in diesem Zusammenhang noch viele Detailfragen zu klären. Eines ist und bleibt dabei aber gewiss, denn anders sind diese Fragen nicht aufzulösen: Schwing Dich auf „Dein Reitpferd“ und mach Dich selbständig von allem und jedem. Steh zu Dir in allen Deinen dunklen und hellen Bewusstseinsprozessen und ermächtige Dich zum Herrn über Dein zu bildendes Bewusstseinshaus, werde also wirksam aus Deinem Ich heraus.

Bernhard Albrecht Hartmann

(1)  Zur Zurückdrängung des Leibes ist von mir noch einiges mehr unter folgendem Link zu finden:
     https://ich-quelle.blogspot.com/2018/02/pneumatischer-organismus-und.html

Freitag, 28. September 2018

Nachtrag

Aus Anlass eines Kommentars auf dem Blog von Roland Wiese von Reto Andrea Salvodelli
will ich meinem bisherigen Sagen zu Karl Ballmer und der Frage nach dem wirklichen Ich diesen Nachtrag hinzufügen.

„Ich weiss wohl, was Ballmer seinem Kollegen mitteilen wollte. Aber da er es nicht gesagt hat, sondern sich – wie auch sonst so oft – provokativ abgekürzt zu äussern beliebte, ist dasjenige, was Sinn machen würde, in seiner Äusserung doch nicht drin. Ich meine, die vermeintlich vergangene zentrale Frage der „Erkenntnistheorie“ (Steiners): „Was ist das Erkennen?“ geht nicht durch Überspringung ihrer selbständigen Vertiefung – d.h. erkenntnispraktischen Beantwortung – in die Frage „Wer ist das Erkennen?“ über. Für Ballmer blieb „Erkenntnistheorie“ immer Theorie. Das stachelte ihn dazu an, mit dem Hammer zu philosophieren, wofür er, posthum, von etlichen allgemeine Bewunderung erfahren hat.“

Reto Andrea Savoldelli

Ach Reto Andrea …
Das Lauschen scheint nicht unbedingt Deinem praktischen Sinnen nahe zu liegen. Das anschauende innere Abstand-Nehmen … und von daher die Sachzusammenhänge, das Wort, Karl Balmer aus sich sprechen zu lassen … ohne das aufprägende Überstülpen eigenen Vermeinens, sprich das untergründig Mitschwingen Lassen von unreflektierten Kurzschlüssen  über wie Karl Ballmer im Verständnis gewisser Zeitgenossen „angeblich war“. Nach meinem übenden Umgang mit Erkenntnistheorie gehören solcherart Fingerübungen mit seelischen Beobachtungen unter anderem zum Grundbestand praktischer Vermittlung einer Erkenntnistheorie.
Karl Ballmer war kein einfacher Zeitgenosse, für eher empfindungshafte Weggenossen mitunter geradezu eine schreckhafte Herausforderung. Seine unterschwellige Zen-Gebärde in seiner verkürzten Wortwahl vielleicht auch für den einen oder anderen bedrohlich.
„Stell Dich auf Deine eigenen Füsse“ leuchtete durch nahezu all sein Tun auf. Darin war er unbequem, galt in gewissen Kreisen als Querkopf ohne Taktgefühl für andere Daseinsweisen. Dass er damit aber nur sich selbst über alle Widerstände hinweg treu blieb, die Fackel einsamer Ich-Herrschaft hochhielt, dahin reicht bis heute nur das Verständnis ganz weniger Menschen. Ich wage hier zu sagen, dass seine tiefere Bedeutung für die praktische Seite der Erkenntnistheorie in Zukunft erst noch wirkkräftig zu enthüllen sein wird.
Aus dem tieferen Umgang mit seinem Bildwerk kann jedoch schon heute hervorgehen, dass Karl Ballmer geradezu rigoros in der Art war, was er sich in jedem Pinselstrich seines malerischen Arbeitens an äusserster Bewusstheit abverlangte und auferlegte. Sich vor die weisse Leinwand setzend rang er bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus stundenlang und das über Wochen hinweg immer wieder mit der puren weissen Leinwand oder auch einigen wenigen gesetzten Pinselstrichen, … bis jegliche perspektivische Vorstellung über ein Bildgestalten sich von innen her aufzulösen begann und er ganz in den Erfahrungsraum seines eigenen Sehorgans, seiner denkenden schöpferischen Sehkraft (1) eintreten konnte. Imagination aus dem Hintergrund aufgelöster Perspektive „schüchtern“ im malerischen Tun in Erscheinung treten konnte.
Die gewissermassen vibrierenden Inn- und Umräume vieler seiner scheinbaren auf ein Äusserstes hin reduzierten flächigen Bildelemente können einem abstrakten Bildbetrachter daher nicht anders als verborgen bleiben. Das Bildschaffen von Karl Ballmer zu verstehen, dazu gehört eine grosse innere Regsamkeit, bzw. sehr, sehr viel Unvoreingenommenheit und Offenheit. oder wie es Peter Suter sagt: „Mit unerschrockener Direktheit wird hier eine Einladung formuliert, die Enge konventioneller Erkenntnis zu überwinden.“ (2)
Karl Ballmer lebt und bezeugt in der Art seines künstlerischen Schaffens das „was Erkennen ist, wer der Erkennende“ im Erkennen ist. Er ist darin streng, wie gleicherweise milde. (3)



(1)    Karl Balmer: „Drei Vorträge über Kunst,“ Verlag Fornasella, CH-6863 Besazio,      
         2. Auflage 1996 Seite 29
(2)    Peter Suter in: Karl Ballmer Kopf und Herz, Aargauer Kunsthaus, Aarau /
         Ernst Barlach Haus, Hamburg,
         Verlag Scheidegger und Spiess AG Zürich 2016, Seite 139
(3)    Thomas Hunkeler über Samuel Beckett begegnet Karl Ballmer in: dito, Seite 133

Mittwoch, 26. September 2018

Die Frage nach dem wirklichen Ich - 3.Teil

https://rolandwiese.com/2018/08/27/das-wirkliche-ich/comment-page-1/#comment-30

Lieber Roland Wiese
Du hast mir unmerklich(?) eine deutliche Vorlage für die nachfolgende dritte, wiederum nur skizzenhafte Ausarbeitung meines Essays zur Frage nach dem wirklichen Ich geliefert. Die 2. Frage im 2. Teil dieser Essay-Reihe (Was ist unter dem historischen Auftreten des wirklichen Ich zu verstehen?) könnte nach dem vorausgehend Gesagten nunmehr auch lauten: Von der innerlich erfassten Bewegung zu dem Augenblick des historischen Auftreten des wirklichen Ich.
Du sagst, das Ereignis des Ich sei heute der einzelne konkrete Mensch. In meinen Augen ist hier nachzufragen: Wie kommt dieses Ereignis genau zustande? Wie stellt es sich in der seelischen Beobachtung dar, wie zeigt es sich konkret? Bitte nimm dies nicht als eine Attacke gegen Dich persönlich, Hegel hin oder her. Wir leben hier und heute und sind gegenüber damals mit einer vertieften Bewusstseinsmöglichkeit ausgestattet. Und dieser Umstand verträgt es nicht in der forschenden Frage nach dem Ich aus der „Man-Perspektive“ sich mit der Frage nach dem Ich auseinanderzusetzen. Ich ist immer konkret, so wie Konfrontation mit sich selbst eben nur unmittelbar und konkret sein kann.
Und wenn dieser Vorgang nicht auch weh tut, dann bin ich nicht wirklich an der Sache dran. Berührung, Selbstberührung kann nicht ohne Schmerz abgehen, sie muss mitunter auch weh tun, denn wenn nicht, bewege ich mich dann nicht zu sehr im abstrakt Allgemeinen mit dieser Frage? Eine schmerzfreie Geburt gibt es schlichtweg einfach nicht.
Versuche ich mich auch nur ein wenig auf diesen Geburtsprozess innerlich anschauend hinzubewegen, heisst das dann nicht mich auf Unwägbares, Unbekanntes, auf einen Prozess in Neulande hinein einzulassen? Geburt, Neulande … hinübergehen von einem Noch-Nicht in bisher nicht betretene Gefilde? Geistige Geburt. Was hat es damit auf sich? Kann so ein Vorgang beschrieben werden, bzw. kann ich einem derartigen Ereignen überhaupt annähernd begegnen und wenn ja, welche Prozesse kann ich dabei forschend ins Auge nehmen um mich eines derartigen Erleben zu vergewissern? Gibt es ein existentielles Momentum, einen Dreh- und Angelpunkt, innerhalb dessen Durchgang sich Ich Geburt vollzieht, mir Ich Geburt gegenwärtig wird?
Ich Geburt und das Fragen des Sokrates:
Mein Fragen an Sokrates. Inwiefern rüttelt Sokrates mit dem Satz: „Ich weiss, dass ich nicht weiss“ … von heute her gesehen an der Pforte dieses Ich-Werde-Prozesses? Sind in gewissem Sinne vielleicht der Gang über den Schwebebalken innerhalb der fragenden Auseinandersetzung mit diesem Satz und die inneren Erfahrungen, die sich dabei einstellen können die geeignete Vorbereitung für diesen Prozess?
Schwebebalken: Das Loslassen des bisherigen Verständnisses eines Sachverhaltes, einer zu Vergangenheit hin bezogenen Weltsicht, nimmt sie tiefer darauf hingeschaut nicht etwas von dem festen Boden unter meinen Füssen weg, auf dem ich bis anhin stand? Zumindest dann, wenn ich dabei in die Willensbewegung des Vorwärtsgehens innerlich mit hinein gehe. Diesen Umstand verdeckt allerdings die heute allgemein verbreitete abstrakte Weltsicht auf die Belange meines Denkens. Geist-Berührung findet dabei eher nicht statt und demgemäss kann auch der innere Vorgang eventuell tatsächlicher Geist-Berührung, eines Geist-Erfahren auch nicht in Worte gefasst werden. Ich denke und werde mir dabei der tiefer gelegenen Prozessschichten und Prozessdynamik nicht bewusst, die dabei mit im Spiel stehen.
Der abstrakte, „Man“ operierende Intellekt ist ein eifrig beflissener, ein fleissiger bemühter Geist-Arbeiter. Nur, kann er in solcherart Tun dem Geist „in Tateinheit,“ also unmittelbar begegnen? Geist-Berührung sehe ich noch nicht als Geist-Begegnung an. Sie tritt nämlich wie von aussen an mich heran. Ich, dem sie widerfährt, dem sie gleichsam angetragen wird, bin in diesem Geschehen nicht voll aktiver Teilhaber. Ich empfange ein Geschenk. Meinem Geist-Bemühen webt sich etwas ein und flüstert mir zu, wach auf, werde aktiv und stelle Dich auf Deine ureigenen Füsse. Ich-Sein erfahren kannst Du nur aus der Selbstkonfrontation auf Deinen eigenen Grund hin. Steh also auf, nimm Dein Bett unter den Arm, sprich, straffe Deinen Leib in „Zurückdrängung“ - wider allen vermeintlichen Schmerz - der sich Dir dabei in den Weg stellen mag und gehe.
Dazu gehört einiges an Selbstvertrauen und viel, viel Mut. Der Schritt auf den Schwebebalken des „ich weiss, dass ich nicht weiss“ hinaus ist ein gewaltiger. Hier … im Bewusstsein nicht nur irgendwelcher Unzulänglichkeiten, sondern Deiner gesamten bemüht verdeckt gehaltenen Hinfälligkeiten Dein eigenes Gleichgewicht zu wahren, darin wird Deine Ich-Gegenwärtigkeit mehr und mehr historisch. In der unverblendeten Selbstkritik wird seelische Beobachtung real … und wirst Du mit den Worten von Karl Balmer in einem Buchtitel (1) von ihm zum Vollzieher: „der Macher bin ich, den Schöpfer empfange Ich.“ Ich entfalte aus der Erfahrung werdenden Willenskraft den Logos, das Wort in mir, lasse es als Ich in die Welt treten.
Wie aber werde ich des Wortes, das vom Weltengrund her (ein Wort Rudolf Steiners) mich anspricht, gewahr. Der Weltengrund ist heute nichts Überweltlich, Übersinnliches mehr, weist nicht mehr auf eine irgendwie geartete Transzendenz hin. Er tritt mir vielmehr in jedem Augenblick meines Lebens durch das Du entgegen. Sein Raum ist in den Armen des Du geborgen und öffnet sich, so ich darauf hin schauen will. Ich das Du insoweit also nicht mehr als ein duales Gegenüber ansehe, sondern als den Botschafter, den Überbringer der Karma Aufgaben des Ich-Werdens, in die hinein ich erwachen will.
Doch gerade hier scheitern Ich - Du Begegnungen immer wieder. Es kommt tendenziell eher zu einem Auseinandergehen, bestenfalls einem Nebeneinander Hergehen anstatt eines Aufeinander Zugehen. Das Erwachen aneinander im Erfassen der wechselseitigen Du-Botschaften in einem wachsenden Bewusstheit der Prozesse auf die es ankommt, geschieht eher rudimentär in die notwendige Tiefe hinein. Mithin kommt es auch nicht zu einem wesentlichen Voranschreiten im eigenen Ich-Werden. Etwas anders angeschaut, Ich-Werden ist ein recht holperiger Prozess.
Warum? Weil wir in diesem Prozess uns allermeist zu sehr auf das jeweiliges Gegenüber fixieren, anstatt dass wir konsequent in die Beobachtung nehmen, was ich im Spiegel des Denkens des Du in mir beobachte, was auf mich leise hin- oder zurückweisend in meinem Denken erscheint. Streng genommen kann ich, was das jeweilige Du in Persona betrifft erst dann wirklich erfassen, wenn ich zuvor dessen Botschaft an mich vertieft zur Kenntnis nehmen konnte. Der andere Mensch ist mir Schicksalsbote, ist mir Überbringer meiner Karma-Aufgabe. Das, was Rudolf Steiner seinerzeit für die Menschheit neu begonnen hat zu enthüllen findet seinen Fortgang durch das Du.
Was bedeutet, dass ich im Vollzug der Integration dessen, was mir der andere Mensch als Botschaft übermittelt ich mein Selbstbild zu korrigieren habe. Selbstbild Korrektur ist also der eigentliche Hintergrund dessen, was Rudolf Steiner mit den Worten „alle Vorstellungen müssen verbrannt werden“ nach der Weihnachtstagung 1923/24 von den Menschen einfordert, die den Grundstock dieser neuen Anthroposophischen Gesellschaft zukünftig bilden wollen.
Ein Vorgang, der sehr schmerzlich ist, wenn ich konsequent immer wieder neu an seine Umsetzung herantrete. Es ist der innere Kampf gegen die Zargen und blitzschnellen Lasso-Würfe des Ego im Gewande unbemerkt bleibender selbstüberheblicher Subjektivismen, es ist der formalistisch getarnte Starrsinn einer versteckten Angst vermeintliche wissenschaftliche Reputation einzubüssen, wenn der sogenannten Objektivität  dem Vermeinen nach nicht Genüge getan wird. Nur: Was sind Subjektivität und Objektivität, wenn dem Erkenntnis bildenden Willen im Denken nicht aufmerksame Beobachtung gezollt wird?
Wie denn? Kann Wille unserer herkömmlichen Erfahrung nach überhaupt gegriffen werden oder beziehe ich mich da auf ein letztlich dunkles, exakt nicht fassbares Ereignen? Der Erkenntnis bildende Wille, ein Phänomen im Nirgendwo? Nirgendwo? Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel versucht in seinem Buch: „Der Blick von Nirgendwo“ (2)(3) diesen Weg zwischen Skylla und Charyptis hindurch in grosser Offenheit zu finden.
Diesen Blick einnehmen zu wollen oder gar zu können scheint in sich widersinnig zu sein. Doch Prozessdenken wie ich es hier anstosse setzt genau diese Bereitschaft voraus. Sich von Anhaftungen jeglicher Art zu befreien und in diesem „abstrakt undenkbaren“ Bewegungsmodus einzufinden. Es setzt voraus wirklichen Mut zu zeigen und das Nichts als modale höchst virulente Erfahrung verstehen zu lernen und in ihr in fortlaufender Gleichgewichtsbildung dynamisch Einsitz zu nehmen. Hellt sich das Nichts auf, befreit sich das Ich.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 26.09.2018


(1)  Karl Balmer, „DER MACHER BIN ICH, DEN SCHÖPFER EMPFANGE ICH,“        
      Verlag Fornasella CH-6863 Besazio, 3. Auflage 2007
(2)  Thomas Nagel: „Der Blick von Nirgendwo,“ Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, STW 2035

Donnerstag, 13. September 2018

Die Frage nach dem wirklichen Ich - 2.Teil

„Bedeutet „Wissenschaft“ das System der Begriffe, die von einem obersten Begriff (etwa „Gott“) zusammengefasst werden, so bedeutet das historische Auftreten des wirklichen Ich für die „Wissenschaft“ die Notwendigkeit, das System der Begriffe zu verwandeln in ein System der Iche.“ (Karl Ballmer) (1)

Vor dem Hintergrund dieser Aussage von Karl Ballmer will ich meinen vorangegangenen Ausführungen zu diesem Thema eine Fortsetzung folgen lassen. Dabei sind drei Aussageelemente zu untersuchen ohne dabei auf eine abschliessende Klärung hinzielen zu wollen. Untereinander besteht zwischen diesen drei Elementen nämlich ein Zusammenhang, der auf Entwicklungslinien hinweist, die wiederum in sich so dynamisch sind, dass ihnen nur nach und nach forschend in geeigneten Beschreibungen näher getreten werden kann. Diese drei zu betrachtenden Elemente sind:
1. Unter welchem obersten Begriff müsste heute das System der Begriffe                           
    zusammengefasst werden?
2. Was ist unter dem historischen Auftreten des wirklichen Ich zu verstehen?
3. Inwiefern könnte es notwendig sein das System der Begriffe in ein System der Iche zu verwandeln? 
Die Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten, denn welchem obersten Begriff könnte die Wissenschaft heute angesichts der Öffnung des Denkens nach allen Seiten hin noch für das System der Begriffe zu einer verbindlichen Anerkennung verhelfen. Die weltanschaulich religiösen Bünde auf der ganzen Welt verfügen nicht mehr über eine Autorität, die sie in die Lage versetzte einen derartigen Begriff durch und durch authentisch vertreten zu können. Der Begriff „Gott“ scheidet also aus. Nicht ganz ohne jeden Grund scheint Karl Ballmer bereits vor ca. 80 Jahren diesen Begriff in Klammern gesetzt zu haben - mit einem indirekten leisen Fragen?

Nun Ballmer hat seine Fragen im Hinblick auf die Hierarchie der Begriffe, er hat sie seit seiner Begegnung mit Rudolf Steiner und er ringt von daher damit, was Erkennen sei. Ein selbständiger Denker eben, ohne jedwede Tendenz zur Überhöhung der oder Anhaftung an eine sogenannte Meistergestalt. Nach innen wie nach aussen durch und durch kritisch - selbstkritisch ausgerichtet. Eine Haltung, die in der Nachfolge dieser Persönlichkeit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft und ihren Untergruppen alles andere als selbstverständlich war und ist.

Sich derartig selbständig in eine geistige Nachfolge hineinzustellen macht ihn, mit Verlaub gesagt, zu einer „Marke“ unter vielen, die Rudolf Steiner (möglicherweise unbemerkt) nur als Schild vor sich hertragen. Er „lebt“ das womit er diesbezüglich ringt durch alle Höhen und Tiefen hindurch und so kann sein künstlerisches Werk als ein Weg innerer Wandlungen gelesen werden. Unbequem für so manche seiner Zeitgenossen, aber ganz im Sinne Rudolf Steiners, wonach Anthroposophie Leben „von innen heraus“ werden will.

Bewegung von innen heraus. Das verlangt ein Ausbremsen, ein Zurücknehmen und Verwandeln von Vorstellungen, die innerlich unbeobachtet schnell geneigt sind sich über Fliessgründe des Erfahrens zu legen und diese in eine Erstarrung der Abstraktion hineinzutreiben. Bewegung … von innen also. Was ist das? Und … von wo genau geht diese Bewegung aus. Was ist ihr Ort, von dem aus sie bewegt sich in Bewegung setzt? In Bewegung gesetzt wird? In Bewegung gesetzt von wem? Wer setzt hier von wo, von welchem Ort aus in Bewegung? Ort? Ein Punkt wo? Ort … ein Punkt im Raum? Raum, Innenraum; Raum, in dem Bewegung generiert wird?

Raum, was ist das? Ist Raum für mich eine reale innere Erfahrung? Na klar, … wirklich? Oder nur Vorstellung. Oben unten rechts links vorne hinten zusammengefasst … ja zusammengefasst und bis zum geht nicht mehr in den verschiedensten Konstellationen wiederholend gebraucht ergeben eine Vorstellung von Raum. Wieviel von dieser Vorstellung ist aber für mich wirklich erfahrungsbasiert? 

Raum, Ort erfahrungsbasiert? Jetzt wird es, so ich bemüht bin hier weiter selbstkritisch vorzugehen, jetzt weht mich etwas an, von dem her sich mir der Eindruck vermittelt der Boden auf dem ich stehe kann Dir nicht mehr als gesichert gelten. Das sogenannte „überkommene“ Raumempfinden wirkt verstörend auf Dich zurück. Rechts links oben unten … geben keinen sicheren Halt mehr. Der Boden fest gefügter Vorstellungen von dem was ist … oder sollte ich besser sagen von dem, was meine Vorstellung von Wirklichkeit war fängt ganz leise zu schwanken an. Raum ist … wird mir, wenn ich den inneren Wegen des Erfahrens hier weiter folge zu einem fliessenden Etwas. Ein Etwas?

Bevor ich hier jedoch weiter zu gehen versuche will ich den bisher eingenommenen Blickwinkel noch  für einen kurzen Moment etwas erweitern. Erweitern dahingehend, dass ich Sie werte Leser auffordere sich Vorstellungen ihrer Wahl, die Sie durch ihr Leben begleiten nur für einen Augenblick ein klein wenig näher unter die Lupe nehmen. Vorstellungen z.B. über einen Menschen, der unmittelbar neben ihnen lebt, bzw. mit dem Sie Tag für Tag an ihrer Arbeitsstelle zu tun haben. Was wissen Sie tiefer betrachtet … wirklich über diesen Menschen?

Wenn Ihnen heute etwas an diesem Menschen auffällt, was sie gestern an ihm noch nicht bemerken konnten, wenn sie ein stets neues Interesse für diesen Menschen in sich wach halten können, seinen Lebensbewegungen über Alltagsgewohnheiten hinaus folgen, kurz, ein Rätselhaftes von ihm ausgehend immer wieder einmal zu entdecken vermögen, dann lebt aus meiner Sicht in Ihnen ein offener Fragegeist und nicht so sehr das heute so verbreitete Infrage- Stellen, der schnell das eigene Denken in Beschlag nehmende Vorbehalt gegenüber diesem oder jenem … oder die Trägheit des Gewohnten.

Wer nicht oder zu wenig kleine oder grosse Begebenheiten seines Alltags fragend zu begleiten weiss, der kann auch nicht jenen Fliessgrund des Erfahrens in sich öffnen von dem ich oben sprach. Begriffe tragen vielschichtig fliessend zu Erfahrendes in und mit sich. Sie … sind der Quellgrund des Lebens. Bewegung, die ich, die Sie bereit sind zu induzieren öffnen … Tore in Neulande hinein. Die Lemniskate umschliesst, fasst alle Begriffe in einer unendlichen, in einer stets neuen, frei induzierten Bewegung in sich.

In der Hierarchie der Begriffe steht die Bewegung heute an oberster Stelle, weil der Wille im Denken erneut erwacht. Der Wille, der nach Aristoteles vom Denken niemals hätte getrennt werden dürfen. In der geübten seelischen Beobachtung gewinnt er an Kraft und sprengt die Abstraktionen im Denken. Das Gott-Siegel ist gebrochen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 13.09.2018

(1)   Karl Ballmer - Kopf und Herz, Verlag Scheidegger und Spiess AG Zürich 2016,
        daselbst: Ballmers ursprüngliche Einsicht von Ulrich Kaiser S.136

Dienstag, 11. September 2018

Fragment 2/2018

Die dynamischen Flächen-Strömungen anzuschauender Resonanzgeschehnisse bergen in ihren sich spiegelnden Tiefen, Schichtungen von Zeiten übergreifender Bedeutung. Zwischen Ich und Du wölbt sich hier eine Schwelle in Bewegung, die allen Mut sie zu überschreiten einfordert. Der so bezeichnete dynamische Schwellen-Ort kennt kein Vorher und Nachher, denn andernfalls gibt es kein Erfahren des Überschreiten.
Erfahren wird nämlich erst dann zu einer tatsächlich inneren Befindlichkeit, sofern sie aus der Bewegung heraus und im erlebenden Einsitz Nehmen in der Bewegung geschieht. Erfahrung ohne diese Bewegung ist Illusion, ist Vorstellung von etwas, das so nicht existiert.
Ein Denken ohne ein so geartetes inneres Erfahren ist abstrakt, wandert durch Denkräume ohne den Geist, der in seinen Abstraktionen gleichsam erstorben ist auch nur entfernt berührt zu haben.  Der Wille des Menschen dämmert in einer Art Schlafzustand vor sich hin.

Bernhard Albrecht

Mittwoch, 5. September 2018

Ich - Karl Ballmer - Die Frage geht weiter - 1.Teil

In dem Katalog Kopf und Herz, der anlässlich einer großen Ausstellung des Malers Karl Ballmer (1891-1958) 2016 erschienen ist findet sich ein schöner Beitrag von Ulrich Kaiser: ‚Ballmers ursprüngliche Einsicht‘. In diesem Beitrag habe ich eine interessante Stelle zum Ich gefunden. Karl Ballmer schreibt an seinen Freund Friedrich Widmer: „Ein "allgemeines Ich" ist Begriff, denn ein Begriff ist ja stets ein "Allgemeines." Das Wirkliche Ich ist aber nicht im Sinne eines Allgemeinen, sondern ist Individualität, Einzigmaligkeit. Bedeutet "Wissenschaft" das System der Begriffe, die von einem obersten Begriff (etwa "Gott" ) zusammengefasst werden, so bedeutet das historische Auftreten des wirklichen Ich für die Wissenschaft die Notwendigkeit, das System der Begriffe zu verwandeln in ein System der Iche. Also wenn z.B. bislang der Baum erkannt war, wenn der "Begriff" des Baumes festgestellt ist, so wäre jetzt nur fortan zu fragen: in wiefern ist der Baum Ich. Oder wenn bislang die erkenntnistheoretische Grundfrage lauten dürfte:"Was ist das Erkennen," so hätte auf dem Boden der neuen Tatsachen zu lauten:"Wer ist das Erkennen"“ (S. 136)(1)

Das wirkliche Ich. Umweht nicht schon diese Überschrift in dem Blog Beitrag von Roland Wiese ein gewisser Hauch von Absurdität. In einer Zeit, in der wir tagtäglich viele Male das Wort „Ich“ gebrauchen - was tue ich da, wenn ich nach dem wirklichen Ich frage? Genauer betrachtet muss das doch heissen, dass ich wenn ich „Ich“ sage nicht in meinem Ich gegenwärtig bin, denn ansonsten müsste ich nicht nach dem wirklichen Ich fragen. Autsch … das lässt mich jetzt auf dem Boden auf dem ich stehe schon etwas schwanken. Wenn nicht, dann … und das tut, so ich in meinem augenblicklichen Bemühen mir gegenüber konsequent ehrlich voranschreite richtig weh, stehe ich mit der Aussage dieser Überschrift (das wirkliche Ich) tatsächlich nicht im Ich. Ich bewege mich im Allgemeinen, sinniere gewissermassen vom Dach der Welt aus in meinem (gemeinhin unbemerkt) dual ausgerichteten intellektuellen Räsonieren über ein zu Begreifendes, das ich in Tateinheit nicht begreife, wenn ich im gleichen Atemzug in dem ich es begreifen will nicht der „inneren Bewegung“ mich in seelischer Beobachtung beobachtend annähern kann, was ich da genau zu begreifen suche.

Denn: Über das Ich kann nicht gedacht werden. Ich kann nur aus dem Ich heraus denken. Doch um diese Art zu denken innerlich auf den Weg zu bringen muss ich ich mich zunächst meines Willens vergegenwärtigen. Und dies bedeutet sich ein Tun innerlich abzuringen, das gegen die vorherrschende Gewohnheit anzugehen hat. Denken als Prozess-Erfahrung.

Hier geht es also um ein Umstülpen in meinem Verhältnis zur Welt, was heisst: Ich muss in das Verwirklichen dessen, was ich zu verstehen trachte unmittelbar eintreten. Ich kann es nicht mehr, wie bis anhin von aussen als irgendwie Unbeteiligter einfach nur in abstrakten Bilderfolgen ohne tatsächlichen Erfahrungsbezug wie automatisiert mir zur Kenntnis bringen. Ich erschaffe vielmehr im beobachtenden Inne-Werden meiner begreifenden inneren Bewegungen, meines beständigen Begriffe Umschmelzen im jeweiligen Erfassen dessen was ist, Wirklichkeit. Ich erfasse mich selbst, erhelle mich in meinem Ich-Sein mehr und mehr, erfahre mich als Ich. Die Aussage „das wirkliche Ich“ beinhaltet also eine Erfahrung inneren sich Bewegens oder sie verweist auf ein "Noch Nicht," verharrt in einem Allgemeinen, das seiner Verwirklichung im Vergegenwärtigen seiner Bewegungen an den jeweiligen Tatsachen noch harrt. Individualität ist ein fort und fort  sich Bildendes und kein Status.

Dem gemäss ist die Ich-Du Begegnung, wo auch immer sie geschieht eine in ihren Untergründen immer sehr Ernste. Das wird auf den ersten Blick so nicht gesehen und das ist auch gut so. Karl Ballmer aber beunruhigt die Frage nach dem Ich in seinem Bildwerk vielerorts mehr als in seinem Sagen an seinen Freund Friedrich Widmer, denn da bekommt es, wenn auch eine mitunter verhüllte, darüber hinaus aber eine geradezu dynamische Farbigkeit. Einem vertieften Kunstbetrachten tun sich Abgründe auf und innere Erschütterungen des Erfahrens können sichtbar werden. Balmer stellt sich vor den Augen des stillen Betrachters in einem nachgerade erratischen inneren künstlerischen Ringen „seinen Ich-Erfahrungen.“ Wenn du soweit in die Betrachtung seiner Bilder hineingehen willst macht das betroffen und erzeugt Respekt vor soviel Ehrlichkeit sich selber gegenüber.

Die Ich-Du Begegnung auf den zweiten oder dritten Blick. Sie ist eine Herausforderung, denn sie impliziert ein durch das Du Angerufen Werden, was heisst verändere dich, wenn Du ersthaft „Ich“ werden willst. Denn: Im Ich-Sagen oder Dich als Ich fühlen bist Du zumeist sehr viel weniger Ich als Du zu sein vermeinst. Warum: Weil im Ich-Sagen Du weit häufiger, als Du geneigt bist dies vor Dir zuzugeben Du Dein Ego verbirgst.

Das Ich ist in seiner Entwicklung auf ein gegenwärtiges Erfahren seiner selbst nämlich eine Symbiose mit dem Ego eingegangen. Eine notwendige Symbiose, weil das Ich als innere Krafterfahrung in Bewegung eine derartige Herausforderung darstellt, dass es über lange Zeit zunächst die Möglichkeit braucht in einen Schutzraum gleichsam wie zurück kehren zu können und diesen bietet ihm eben das Ego. Das Ego kann von daher als die Gebärmutter des Ich betrachtet werden. Im Ego wächst das Ich heran bis es kraftvoll genug ist um sich zu lösen und zu verselbständigen, sprich im wahrsten Sinne des Wortes in der Lage ist in seiner individualisierenden Kraft vor die Welt hintreten zu können. Gerade in spirituellen Zusammenhängen wird dieser Tatbestand heute nicht selten übersehen. "Man" fühlt sich berufen über andere Menschen das Haupt zu erheben.

Mit Karl Ballmer gesprochen ist „Einzigmaligkeit“ jedoch eine schwer zu verdauende Erfahrung und alles andere als eine Glockenturm Weisheit, die zu verkünden ist, so Du Dich als tatsächliches Ich über ein allgemeines Räsonieren hinaus überhaupt dafür öffnen kannst und willst. Einzigmaligkeit ist eine Erfahrung, die alles, wirklich alles von Dir einfordert. Bist Du willens die Vorstellungsverschleierungen von diesem Wort zu lösen, so tut sich dahinter ein Erfahren auf, das Dich nicht nur einmalig, sondern immer wieder erschauern lässt. Vom Ich sprechen und das Ich als ein in Bewegung sich selbst Erschaffendes erfahren, dazwischen liegt solange ein Abgrund wie es Dir an dynamischer Kraft in Deinem inneren Wirklichkeit bildenden Bewegen auf Deine langsam sich erweiternde Ich-Gegenwärtigkeit hin noch fehlen mag.

Als die Essenz des Forschen von Aristoteles über den Aktus kann in seiner Metaphysik angesehen werden, dass der Wille nicht vom Denken getrennt werden dürfe. Genau das ist in der geistigen Entwicklung nach ihm aber geschehen. Der Wille hat sich vom Denken getrennt. Das Denken hat sich in einer Art abstrahiert, dass der in ihm waltende Wille gemeinhin als nicht mehr zugänglich erscheint. Und genau dieser Umstand ist es, der heute die Frage nach dem wirklichen Ich aufwirft. Was Aristoteles in seiner Metaphysik in  seinen Ausführungen zum Aktus als Träger zukünftig zu erringender Ich-Gegenwärtigkeit wie verborgen hat ist nunmehr in Tateinheit einzulösen. Die Gegenwärtigkeit des Ich im Denken. Das Denken als zu erfahrende innere Willenshandlung oder mit Wilfrid Jaensch gesagt: Geisteswissenschaft muss Geisteswillenschaft werden (2), (3). Noch anders gesagt: Wenn die indirekte Frage nach dem Ich nicht nur in der heute üblichen Weise auf einer allgemeinen Begriffsebene gestellt festhaltend weiter verweilen soll, sondern als eine existentiell zu erforschende Daseinsfrage sich darstellen will dann geht es dabei um eine Dynamisierung des Willens (4). Diese Dynamisierung mehr und mehr zur Darstellung zu bringen ist die vielleicht grösste Herausforderung heute, wenn es um die Frage nach dem wirklichen Ich geht.

Das Ich als die sich selbst greifende, sich fliessend beständig wandelnde Entität des Seins schlechthin zu verstehen, als den Gestaltfaktor der das sogenannte Übersinnliche in fortlaufender Vertiefung zur Seinserfahrung werden lassen könnte, das wäre „die“ erweiterte Aufgabe, die ein sich selbst zu gegenwärtigen Erfahrung bringendes Ich in die eigene Seinserfahrung zu implementieren hätte. Ein Denken, welches das Übersinnliche nicht praktisch konkrete Seinserfahrung werden lassen kann ist in meinen Augen nämlich eine Verzerrung dessen was es sein kann.

„Die Welt ist die Gesamtheit der von mir hervorgebrachten Tatsachen …“ (5)(Original Ludwig Wittgenstein Traktat 1 - 1.21) oder meine Version davon: Die Welt ist die Gesamtheit der von mir tätig hervorgebrachten Tat-Sachen. Die Welt ist durch Tat-Sachen bestimmt, Tatsachen, die als Bewusstseinsprozesse in mir aktiviert, sich allesamt als tätig von mir hervorgebrachte Tat-Sachen zeigen (Traktate 1.1 und 1.11). Was hier vom gegenwärtigen offen oder verborgen in Abbildern denkenden Denken her noch zu tun, an Bewusstheit im Umgang mit dem Denken noch zu erringen ist, dabei kann einem in innerer Anschauung schon schwindlig werden. Von daher wäre es an der Zeit für echte Gespräche unter in ihrem Denken modern ausgerichteten Platonikern und Aristotelikern, denn nur gemeinsam scheint mir diese Herausforderung zu meistern zu sein.

© Bernhard Albrecht Hartmann 05.09.2018

(1)  Textstelle entnommen aus: 
       Orginalquelle: Karl Ballmer - Kopf und Herz, 
       Verlag Scheidegger und Spiess AG Zürich 2016
       siehe zum Thema auch:
       und mehr poetisch in: 
(2)  http://enzyklika.blogspot.com/    daselbst unter 30.04.2015     
(4)  https://ich-quelle.blogspot.com/2017/09/den-willen-dynamisieren_97.html
(5)  Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus.                                                                 
       Die zitierten Traktate beziehen sich auf meinem unter (3) genannten Blog-Beitrag.          


Montag, 25. Juni 2018

Was ist so schwer, dass ich es nicht ändern kann?

Anmerkungen zur Aufarbeitung der Folgen der Generalversammlung der AAG 2018
                                         an Hand des 4. Briefes an die Mitglieder.
http://www.goetheanum.org/aag/generalversammlung-2018/vierter-brief-an-die-mitglieder-mitte-juni-2018/

Auf das erste Lesen hin vermittelt dieser Mitgliederbrief ein erhebliches Tätig-Sein der Verantwortlichen hinter den Kulissen. Anscheinend hat die Goetheanum-Leitung nach dem so nicht erwarteten Ausgang der Generalversammlung eine Betriebsberater-Firma aufgeboten, in der alle internen Abläufe einer genauen Überprüfung unterzogen wurden, um organisatorische Lecks und systemische blinde Flecken aufzuspüren. Das lässt den Eindruck aufkommen: wir als Goetheanum-Leitung nehmen euch - die Mitglieder - ernst und wollen alles tun, um die beanstandeten Mängel an Transparenz in der Kommunikation zu beheben. Und in der Tat scheint sich einiges zu ändern innerhalb der internen Abläufe der Zusammenarbeit am Goetheanum – d.h. der aktuellen Kenntnis von einander - was die Mitarbeiter und die Goetheanum-Leitung wechselseitig jeweils tun. Dies betrifft auch die sachbezogenen Verantwortlichkeiten, die deutlich an Kontur hinzugewinnen. Es entstehen transparentere Strukturen, Strukturen, die Sicherheit vermitteln und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen sich bestreben. So die Ansage.

Erstaunen stellt sich bei mir allerdings ein, wenn ich in diesem Brief an die Mitglieder lese, „dass dem Vorstand insbesondere die Pflege der inzwischen zu einer Weltgesellschaft angewachsenen Anthroposophischen Gesellschaft obliegt.“
Weltgesellschaft: Ist dies nicht ein Zustand der AAG, der so schon mindestens ein halbes Jahrhundert besteht? Warum also sieht sich die Goetheanum-Leitung jetzt veranlasst, ein besonderes Auge gerade darauf zu lenken?
Und Pflege: Hat nicht Rudolf Steiner die Pflege der Anthroposophie als die herausragende Aufgabe der Mitglieder und des Vorstandes der AAG bezeichnet? Warum also gerade nach dieser Generalversammlung beinahe schlagwortartig wieder die Hinwendung auf diese Aufgabe?

Versuche ich mich ein wenig an die Geschehnisse hinter den Kulissen der gegenwärtigen um Neuordnung bemühten Vorgänge am Goetheanum lauschend heranzutasten, dann wird in mir die eine Frage immer lauter: Wird hier das Scheitern in Bezug auf die individuelle Verantwortung, die Pflege der Anthroposophie wirkkräftig ins Leben hinein zu tragen, nicht erneut verschleiernd behandelt? Und dies gerade anlässlich des Umstandes, dass bei dieser Generalversammlung die Rehabilitierung von Ita Wegmann und Elisabeth Vreede anstand.
Wird im Nachgang dieser Generalversammlung - und der verbreitet erschrocken in sich und um sich herum zur Kenntnis zu nehmenden Gedanken und Emotionen - etwa wieder einmal Geschäftigkeit zu sehr in den Vordergrund gespielt und damit möglicherweise Wesentliches nicht gesehen? 
Denn andernfalls: Hätte der Mitgliederbrief dann nicht noch mehr Offenheit in der Kommunikation vertragen, hätte die Augenhöhe zu den Mitgliedern an Stelle des "wir bringen das schon wieder in Ordnung" nicht tiefer greifend die individuelle Verantwortung des Einzelnen wie der Gemeinschaft als Ganzes für das Scheitern benennen müssen?
Das Bewusstsein für den inneren lebendigen Ausdruck im gesprochenen Wort - seine individuelle Lebensgebärde - anstelle des sich Verbergens hinter dem „Wir“ ist in den letzten 50 Jahren unter den Mitgliedern erheblich angewachsen und damit auch die Mitverantwortung. Dies hier so deutlich anzumerken fällt mir alles andere als leicht.
Dieses Scheitern nicht klarer zu benennen, ist in meinen Augen nämlich das grösste Manko, warum die verschiedenen Krisensituationen in der Geschichte der AAG bis heute im Untergrund weiter schwären und von Zeit zu Zeit sich immer wieder einmal auf die eine oder andere Weise neu entzünden. Es geht und ging bei all diesen Vorkommnissen letztlich immer um das Eingeständnis der individuellen Verantwortung einer jeden der miteinander im Konflikt sich befindenden Personen, gleich auf welcher Seite im Konfliktfeld diese Person auch steht oder stand.
Es geht darum: inwieweit habe ich der Pflege der Anthroposophie meinerseits nicht genügend Rechnung tragen können? Habe ich anderen möglichen Sichtweisen in inneren Erwägungen zur Sache genügend Raum eingeräumt? Oder habe ich etwa die andere Seite stillschweigend für aus meiner Sicht bestehende Mängel allzu schnell in Haftung genommen, ohne offen den Mut aufzubringen, für eigenes Versagen einzustehen?

Warum dies: Weil der so geartete michaelische Mut auf eigene blinde Flecken hinzuschauen in seiner Folge Bilde-Kräfte freisetzt, die in Selbsterkenntnis-Prozessen gleichsam kompostiertes Seelen-Material still in ein Verhalten umwandeln, auf dessen Grundlage im weiteren Verlauf dann von Fall zu Fall Lösungen für ein miteinander Weitergehen zu finden sind. Dass in dieser Hinsicht andere spirituelle Bestrebungen heute mitunter fortgeschrittener agieren, als dies bei nicht wenigen Anlässen innerhalb der AAG geschieht - auch ein Eingeständnis in dieser Richtung - könnte angesichts der Vorkommnisse um die diesjährige Generalversammlung am Ende einen Kraftzuwachs für die weitere Arbeit innerhalb der AAG nach sich ziehen. Zumindest könnte das Hinblicken darauf eigene dogmatische Festlegungen sichtbarer werden lassen und damit ihrer zeitnotwendigen Auflösung zuführen.
Radikales Aufwachen also aus einer Vielzahl unter dem Deckel gehaltener Illusionen. Mit Goethe gesagt: „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“
Im Sinne Rudolf Steiners gesagt: nicht die Verwaltung des „Kulturerbes“, sprich des hinterlassenen Wortschaffens ist die Aufgabe unter „Hochschulperspektive,“ sondern der Erwerb einer in sich dynamischen michaelischen Haltung, welche für Mitglieder und Leitung im Sprechen zueinander erfahrbar werden kann. Also ins Leben gebrachte Anthroposophie. Die mittlerweile vergleichsweise wie automatisierte Sukzession auf Rudolf Steiner wäre also zu hinterfragen.
Und: Diese Anthroposophische Gesellschaft kann ihr Fortleben nur insoweit immer neu begründen und daraus Mehrwert schöpfen - sprich weiterhin finanzielle Mittel für sich in einem genügenden Umfang sicherstellen - als sie in ihren Mitgliedern und insbesondere in ihrer Leitung sich auf ein individuelles, im jeweiligen Lebensaugenblick zu gründendes Verwirklichen der Pflege der Anthroposophie zu stützen weiss. Mithin: alles Vorstellen über Anthroposophie ist zu verbrennen. Wenn Krisen zukünftig vorausgreifend gegriffen und bewältigt werden wollen, dann geht es um ein tätiges Hervorbringen von Anthroposophie im jeweiligen Lebensaugenblick.
Was bedeutet das: Sprechen und Denken in der Gegenwärtigkeit der Schwelle   zur geistigen Welt. Denn was Rudolf Steiner als Schwelle benannte und beschrieb, das ist unter mittlerweile nicht wenigen jüngeren Menschen unmittelbares Empfinden und Erfahren. Wer lauschend genauer hinschauen will, der erfährt es unmittelbar. Auf der Stirne einander sich begegnender Menschen steht wechselseitig heute vermehrt geschrieben: Erkenne Dich selbst. Und wo das nicht „beherzigt“ wird, dort kann es immer weniger zu tatsächlich menschlichen Begegnungen kommen, und krisenhafte Konflikte bauen sich unvermeidbar auf.
Die seelische Beobachtung ist heute als sozialgestalterisches Element gefragt. Aber genau diese von Rudolf Steiner seiner Philosophie der Freiheit zugrunde gelegte Methode ist vielleicht die am wenigsten geübte in der Pflege anthroposophischen Lebens.
Angewandt auf die verschiedenen vergangenen und gegenwärtigen Konfliktfelder kann sie deutlich machen, dass sämtliche Konflikte ein grundlegendes Muster in sich tragen. Sie sind, bei aller Verschiedenheit in der Ausgangslage, Produkte dual ausgerichteter Sichtweisen, einer mehr oder weniger weit und tief reichenden Vorstellungsverhaftung im Umgang von Mensch zu Mensch.
Vorstellungen aber - werden sie nicht beständig reflektiert immer wieder einer von innen her tätig zu bildenden Erneuerung unterzogen - haben es so an sich, zu Barrieren vor der Schwelle zu werden und ein begleitendes Empfinden zu verstärken: "Wir sind noch nicht so weit, die Schwelle zum unmittelbaren Erfahren des Geistes zu überschreiten." Sie verführen, je länger sie unverändert sich erhalten können, zu Schläfrigkeit und Mutlosigkeit, anstatt einer michaelischen Wachheit für den anthroposophisch zu gestaltenden Lebensaugenblick zum Durchbruch zu verhelfen. Und sie verleiten von dort her voraussehbar zu Kampfverhalten um die Oberhoheit der jeweils eigenen allein für richtig gehaltenen Vorstellungsperspektive.
Wer das bei sich nicht zu ändern weiss, „den bestraft das Leben.“

© Bernhard Albrecht Hartmann

Freitag, 15. Juni 2018

Notwendig aber unbequem ... Ein bewusst n i c h t akademisch gehaltener Gesprächseinwurf

Na, ist es nicht schön mit der eigenen Schnauze im Dreck zu wühlen, … am besten im Dreck Anderer. Das ist doch tröstlich, denn dann kannst Du Dir eine kleine Weile das Aufräumen im eigenen Augias-Stall vergessen machen.
Doch dort aufräumen, das ist das herausragende und meiner Auffassung nach für keinen von uns allen heute zu umgehende Zeiterfordernis.
Aus der paradigmatisch dualistisch ausgerichteten Perspektive … über die Schwelle … in die nonduale sphärische Bewegungsdynamik. Kein Spaziergang ins Paradies, sondern ein verantwortlich selbstgeführter Weg durch die beständige Gegenwart des Geistes in einem jeden Lebensaugenblick.
Der Paradigmenwechsel, der heute ansteht, ist der einer Dynamisierung des Willens aus der allgegenwärtigen Abstraktion heraus. Bewegung aber lässt sich nicht paradigmatisieren, sie will getan sein, also von innen her selbsttätig hervorgebracht werden.
Ein neues Denken also, eine neue Art und Weise zu denken. Über die in sich zusammenstürzenden Wände von Subjektivität und Objektivität hinaus in die unmittelbare Erfahrung. Erfahrung als beständiges Selbstkorrektiv.
Erfahrung als inhärenter Ausdruck Ich geführter Vernunft in beständiger Bewegung. Seelische Beobachtung als dynamisierter Vernunftausdruck auf gelebte Präsenz hin.
Pardon, das war zuletzt nun doch wieder etwas akademisch. Akademisch mit allerdings geöffneten Fenstern und ohne Angst auf zu erobernde Neulande hin.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 15.06.2018

Donnerstag, 7. Juni 2018

Dialogische Herausforderungen 2/2017

https://egoistenblog.blogspot.ch/2017/11/bobby-selbstfindung-in-einer-scheinwelt.html?showComment=1512308496497#c8070770001430957228

Bobby Samstag, 18. November 2017 um 06:47:00 MEZ
Mischa, 

Ich danke für Deine Worte. Sie berühren einem und sie legen genau offen um was es hier geht: Fehlgeleitetes Denken. Denken wo der inneren Kompass in Bezug auf Wahrheit, moralische Orientierung und menschliche Empathie komplett abhanden gekommen ist. Es geht nicht darum irgendjemand in irgendeiner Ecke zu stellen, das ist der bekannte Vorwurf der auch hier, wie immer wieder, im Raum gestellt wird. In dieser Ecke stellen Menschen die so denken sich ohnehin ohne fremdes Zutun, vielleicht sogar ohne es zu merken. Sie sehen das alles nur als eine zielgerichtete Aktion hartnäckiger Gegner der Anthroposophie Rudolf Steiners. Eine angebliche Gegnerschaft, feindlich, bedrohlich und als von außen wirkend angenommen. Auch hier die Fehlleitung im Denken, durch negative Projektion wird gerade das praktiziert was an den "Feinden" kritisiert und dämonisiert wird: Die Bedrohung wirkt, meistens nicht erkannt oder zumindest nicht eingestanden, im eigenen Denken und einmal gesetzt, bleibt der "Anker" drin im Kopf wo das Gift seine betäubende Wirkung immer weiter entfalten kann. Das gilt es leider festzustellen. Die wirkliche Feinde gegen die Menschlichkeit, sie wirken überall und verbreiten ihre giftiges Cocktail unentwegt. Nebenbei: Das gilt auch für unseren selbsternannten "Friedensforscher". 

Die wirkliche Feinde gegen die Menschlichkeit, sie verbreiten das Gift der Wahrheitsverstellung im Denken, das Gift des Hasses in der Mitmenschlichkeit und das Gift der Brutalität im Handeln. So werden die wirklichen Kriege, sogar die toxischen Kriege, unserer Gegenwart geführt. Auch mit den Mitteln hybrider Kriegsführung auf dem Schauplatz der menschlichen Seele und im sozialen Geschehen der Gesellschaft. Im Kleinen und im Großen. Weltweit und mit voller Absicht angezettelt verursachen sie Orientierungslosigkeit im Denken und ein betäubendes Gefühl der Ohnmacht. Auch ihr "Anker" soll tief drin liegen, in den Köpfen der Menschen, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. Diese Feinde nicht zu erkennen, zu verharmlosen oder sogar zu umarmen ist nicht nur äußerst naiv sondern vor allem verhängnisvoll und eine Bedrohung für die Zukunft der Freiheit. Die Wirksamkeit der Kriegsstrategie ist offensichtlich. Um festzustellen wo und wie die Kriege der Gegenwart geführt werden, braucht es nun wirklich kein Verschwörungsdenken. Die selbsternannten "Friedensforschern" der Neuzeit dagegen, sie etablieren sich gewollt und ungewollt als fünfter Kolonne russischer imperialistischen Politik des Kremls, sie bedienen sich hemmungslos Strategien bösartigsten Verschwörungsmythen.

"…Diese systematische ‘Methoden der Hypnose‘ sind also nicht Teil einer (selektiv vergrösserten) anglo-amerikanischen Verschwörung, sondern sind russische imperialistische Politik…“

@ Bobby (18.11.2017, 6:47: MEZ) und überhaupt, sowie Mischa
Die „sogenannten“ Feinde sind nicht aussen, bedrohen oder verführen mich nicht mittels „scheinbarer“ Verschwörungstheorien - dies alles ist nur Teil der grossen Illusion, die mich tagtäglich, meist sehr gezielt zu umgarnen versucht. Und das Einfallstor für derlei Geschehnisse ist die negative Projektion, das U n - Denken.
Dass U n - Denken, das Nicht - gedacht - Haben, die Müllverklappung eigener Faulschlämme in Form von vergangenheitsbezogenen Vorstellungsgebilden, sprich „Vor - Urteilen“ und unterschiedlich gelagerten Verschleierungsbedürfnissen. Die nicht-dynamisierte Willenshaltung im inneren Hineingehen in die „Denkbewegung“ eines anderen Menschen. Kurz gesagt, das duale Aufeinander-Losgehen, das sich innerlich verfestigend gegeneinander in Position bringen, dies alles begünstigt letztendlich das Verschwörungsdenken.
Verschwörungsdenken scheint mir die Nebelkanone zu sein, die immer dann in Anschlag gebracht wird, wenn es eigentlich um eine sachgerecht denkend aufzubereitende Analyse von Zusammenhängen geht, die allen an der Aufarbeitung derartiger Sachzusammenhänge Beteiligten auf die eine oder andere Weise weh tun muss.
Bewusstseinsbildung tut weh. Um diesen Schmerz zu umgehen ist Verschwörungsdenken unter Mächtigen „und“ Ohnmächtigen ein probates Mittel.

Bernhard Albrecht

bobby Donnerstag, 30. November 2017 um 19:44:00 MEZ

@ Bernhard Albrecht


Ich danke für die anregenden Gedanken.

 Angst statt Vertrauen:

 Vertrauen in die innere Urteilskraft des Denkens, ihre befreiende und reinigende Wirkung auf die menschliche Seele, ihr moralischer Einfluss auf die Kräfte der Persönlichkeit im Sinne menschlicher Empathie. 

Freies Denken macht das Wesentliche erlebbar statt das Unwesentliche. Sie führt zum Wesenhaften statt zum Unwesenhaften und letztendlich zur Wahrhaftigkeit statt zur Unwahrhaftigkeit. Die Erfahrung des Denkens. Wesentlich in der Essenz, wesenhaft in der erlebte Tätigkeit und wahrhaftig in der inneren Suche. Das schafft Vertrauen in die Möglichkeiten der menschlichen Identität, erkanntes und erlebtes Vertrauen dass dringend erforderlich sein wird.

 Wie anders das Verschwörungsdenken. Auch eine Form des Denkens (des "Un-Denkens"), sie gründet auf und bedient sich der Angst und führt zu einem vorgefertigten Scheinweltbild einfacher Erklärungen voller "Feinde" und Vorurteile auf der Grundlage dunkler Suggestionen und macht dabei vor allem unfrei. Suggestiv und verführerisch wirkt Verschwörungsdenken in den Köpfen der Menschen und versucht Menschen zu binden. In einer Welt voller Unsicherheiten. 

Wir erleben heute, wie vor hundert Jahre, eine unsichere Welt im Umbruch mit den damit verbundenen Ängsten. Wirtschaftlich, sozial, aber vor allem in der geistigen Orientierung. Damals waren es die industriellen Revolution und ihre weitreichenden Folgen, Kapitalismus, Marxismus, Faschismus, Imperialismus und letztendlich die beiden Weltkriege, die das Weltgefüge, die Menschen und das Weltbild der Menschen zerstört haben.

 Heute gesellt sich zu den Folgen der industriellen Revolution die digitale Revolution und ist dabei eine mindestens genau so große Herausforderung wie damals. Ihre Folgen im Wirtschaftlichen, im Sozialen und im Geistigen dürften noch gravierender sein. Das zeigt sich und es wird sich immer mehr zeigen. Und dieses Mal wirklich weltweit. Nichts ist mehr wie es war, alles wird in Frage gestellt. Neue Wege, nach innen und nach außen, müssen gefunden werden. Eine immense Aufgabe für die Menschheit als Ganzes, die Gefahren aber auch Möglichkeiten zur Freiheit scheinen unendlich, enorm auch die Widerstände dagegen. Nationalismus, Isolationismus, die Egoismen vergangener völkischen Identitäten, sie drohen widerhergestellt zu werden. Gruppen-Egoismen statt Verantwortung für eine gemeinsame Welt der Menschen. Nur ein Bewusstsein für die Welt als Ganzes und für die frei gedachte soziale Verantwortung einer Weltgemeinschaft dürfte die einzige Antwort sein auf die gewaltigen Herausforderungen der Gegenwart. In der Tat, auch wenn das manchmal schmerzvoll sein wird. 

Die heutige russische Imperialmacht des Kremls, sie ist gegenwärtig das einzig wirkliche Imperium. Weltweit ein Musterbeispiel in ihrer beispiellosen und äußerst aggressiven und zutiefst zerstörerischen Manifestation manipulativer Fakenews und Verschwörungsmythen. 

Aber auch die Wiederbelebung Inhalte antiquarischer, kriegsverhafteter Glaubens einer seit 100 Jahre überlieferte "Geisteswissenschaft" theosophischen Ursprungs, sie wird heute nicht ohne Grund von verschwörungstheoretischen Kreisen, auch russischer Prägung, geradezu umarmt, dürfte dabei wenig hilfreich sein. Im Gegenteil. In Eintracht mit den Imperialintentionen könnten sie sich als ein äußerst explosives Gemisch erweisen. Als negative Projektion ihres Verschwörungsdenkens.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Fragment 1/2018

Das Denken, wenn es denn ein wirkkräftiges Denken und nicht nur eine mehr oder weniger kunstvolles Aneinander-Reihen von Vorstellungen, ohne klaren eigenen inneren Erfahrungsbezug ist, mithin letztendlich numinosen Abstraktionen verhaftet bleibt - ein derartiges Denken ist und wird für den so Denkenden, wie den Leser von daraus hervorgehenden Denkereignissen zu einer existentiellen Herausforderung. Denken als innere Peripatetik, als dynamischer Prozess in der eigenen Erfahrung. Aristoteles modern.
Ein Denken dieser Art zu entwickeln erscheint mir zeitnotwendig und für eine moderne wissenschaftliche Ausdrucksweise der Ausweg aus dem Turmverlies der Abstraktionen zu sein. Ausweg in einen erweiterten philosophischen Realismus, eine neuartige Verknüpfungserfahrung, ein prozesshaftes Durchdringen von Welt tragenden Sinnfeldern.

© Bernhard Albrecht, 30.05.2018

Dienstag, 15. Mai 2018

Dialogische Herausforderungen 4/2018

https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/04/nachlese-zur-generalversammlung-der.html#comments
Ingrid H. Freitag, 27. April 2018 um 10:12:00 MESZ

Lieber Bernhard Albrecht, herzlichen Dank für diese Nachlese!


Zum bisher entstandenen Eindruck des „Sturmlaufens der Hardliner“ siehe den Bericht in der Zeitschrift info3.
 Zum äußerlichen Geschehen siehe das Dossier zur Generalversammlung 2018 auf der website des Goetheanum (inklusive das den teilnehmenden Mitgliedern zur Verfügung stehende Rosa Heft mit u.a. Tagesordnung, Finanz- und Revisionsbericht).


Ton Majoor Freitag, 27. April 2018 um 18:01:00 MESZ

Der AG-Vorstand spricht jetzt von einer ‘Krise‘. 
Die Ansprachen Mackays und von Platos enthielten durchaus einen inneren Feuer- (resp. Licht-) Prozess, 
z.B. von Platos Schlusswort: “… ich bedauere, dass es dem grössten Teil der Weltgesellschaft nicht möglich ist, an einer Entscheidung … teilzunehmen ...“.
Es ist ein öffentlicher, schweizerisch-italienischer Wahlbetrug, darauf kommt es an. 


Auch der absurd-konservative Antrag 9 ist angenommen ‘indem bei jedem Erscheinen der Wochenschrift mindestens eine ganze Seite mit Rudolf Steiners Wortlaut aus seinem umfangreichen anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Werk in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› zu einem gewählten Thema abgedruckt und eventuell kommentiert wird. | Eckhart Dönges, Bern (CH)‘.

Ingrid H. Freitag, 4. Mai 2018 um 15:36:00 MESZ

Wie schon an anderer Stelle erörtert, sehe ich in dieser Abstimmung keinen Wahlbetrug - ich möchte das daher auch hier nicht so unkommentiert stehenlassen.
 Siehe dazu meine Antworten hier und hier.

 Als eine Möglichkeit des inneren Feuer- resp. Licht-Prozesses würde ich vor allem das von Bernhard Albrecht in diesem Artikel geschilderte »Stehen im Ich« sehen...



bobby Samstag, 5. Mai 2018 um 13:22:00 MESZ

Das könne man so "…nicht stehenlassen…". 

Ein vielsagender Satz. Zeigt vor allem aber, dass gewisse Anthroposophen immer noch nicht fähig sind, auch nicht dazu bereit sind, aus Fehler zu lernen. Damals nicht, 1935, und heute ebenso wenig. Die Vorgänge um den Ausschluss von Wegman und Vreede waren Unrecht. Die heutigen, um die sogenannten "demokratischen" Entscheidungsprozesse, die betrügerischen Manipulationen einer Wahl, sind es auch. 

Es zeigt auch peinlichst wie verkümmert das Bewusstsein und das Verständnis für demokratische Prozesse, wie groß die Verachtung für Prinzipien des Rechtes und der Rechtsstaatlichkeit ist dieser in Teilen urkonservativen Anthroposophischen Gesellschaft und manchen seiner Gesinnungspolizisten. Auch in der Gegenwart.

 
Die Rehabilitation der damaligen Personen, sie war nach über 80 Jahre ohnehin fragwürdig, sie wird ersetzt durch neues Unrecht und sie wird dadurch, aber nicht nur dadurch, vollends zur Makulatur. Von Bereinigung durch einen Lernprozess aus den Fehlern der eigenen Vergangenheit ist keine Spur erkennbar. 
Fehlanzeige gilt nach wie vor bei der Selbstreflexion, hier im Beitrag genannt das "aufrechte Stehen im Ich". Sie beinhaltet gerade auch das Eingestehen von eigener Schuld, auch von persönlicher Schuld, als erster Schritt zur Verarbeitung und inneren Bereinigung. 


Stattdessen Vorurteile noch und nöcher. Der vergangenheits-behaftete Glauben an Verschwörungswelten ist ungebrochen. Die Schuldigen sind, wie immer, die gegnerischen Mächte, die dämonischen Mächte, die sich der Menschen auf Erden bedienen gegen die Anthroposophie. So sehen es auch die Putschführer der Konservativen identitärer Prägung. 

In dieser Hinsicht hat der Satz von Michael Butter, Professor für Amerikanistik an der Universität Tübingen, durchaus eine gewisse Berechtigung:

"…Verschwörungstheoretiker haben ein Weltbild, das zutiefst anthroposophisch daherkommt, daher rührt die Verbindung zur Esoterik…"


Marcus Schneider, der in diesen Tagen vielgescholtene Leiter des Basler Paracelsus-Zweiges der anthroposophischen Gesellschaft, gehört neuerdings zu den ausdrücklichen Befürwortern des Buches "Nichts ist wie es scheint – Über Verschwörungstheorien" von Butter. Er meint sogar, in eklatanten Widerspruch zu seinen bisherigen Äußerungen, zu den Verschwörungspropheten "seiner" Tagung ("Terror, Lüge und Wahrheit") Daniele Ganser, Elias Davidson, Thomas Meyer und Ken Jebsen: 

Das Statement des Marcus Schneiders

"…Diese Spinner (Daniele Ganser, Elias Davidson, Thomas Meyer, Ken Jebsen) sollen nur in die volle Öffentlichkeit treten, das ist doch viel besser, als wenn sie irgendwo in "schrägen" Medien unter sich bleiben!..."


Die Logik dieses unglaublichen und aufsehen-erregenden Statements ist kaum nachvollziehbar. Noch seltsamer aber ist die Metamorphose des Marcus Schneiders, die sonderbare Verwandlung seiner Gesinnung. Schriftlich will er aber nicht Stellung nehmen zu seiner ebenso überraschenden wie markanten Äußerung. 
Ist die fragwürdige Gedankenakrobatik von Herr Schneider doch nur ein großes Missgeschick? Vielleicht ist er sogar die Versuchungen der gegnerischen Mächte unterlegen, die sich der Menschen auf Erden bedienen die sich gegen die Anthroposophie verschworen haben. Hat er sich von ihnen sogar "die Butter vom Brot nehmen lassen"!

 Es wäre die kulminative Verwirklichung der Prophetie "Nichts ist wie es scheint"…

(Für weitere Einzelheiten siehe auch die Antworte der vorangegangenen Diskussion zum Beitrag an anderer Stelle.)

Ton Majoor Samstag, 5. Mai 2018 um 15:02:00 MESZ

Die lokalen, extra schweizerischen Mitglieder (300 oder 400) folgten scheinbar den legalistischen Weg von Wahlbeeinflussung (aus Rechtskonservatismus, aus schweizerischen Nationalismus?). Es ist nicht Wahlbetrug oder Wahlfälschung im rechtlichen Sinne, sondern in moralischer Ansicht (sowie zwei Verwaltungsfunktionen in einer Person). 


You cannot put a Fire out—
A Thing that can ignite
-Can go, itself, without a Fan—
Upon the slowest Night—

You cannot fold a Flood—
And put it in a Drawer—
Because the Winds would find it out—
And tell your Cedar Floor—

(Emily Dickinson)

Ingrid H. Sonntag, 6. Mai 2018 um 00:06:00 MESZ
@ bobby: 

Das könne man so "…nicht stehenlassen…".


Ein vielsagender Satz.«

:-) Vor allem ein unvollständig zitierter Satz. 
Ich habe Tons Kommentar schließlich stehen gelassen und nicht etwa gelöscht.
Ich wollte ihn nur nicht unkommentiert stehenlassen, um nicht den Eindruck zu erwecken, bei dem, was er sagt, handle es sich um eine unumstrittene Tatsache. 
Schließlich bleibt nach unserer Diskussion im anderen thread nicht einmal Ton selbst bei seiner früheren Behauptung, es habe einen Wahlbetrug (im rechtlichen Sinne) gegeben.



@ Ton

Statt über schweizerische Verschwörungen und Wahlbeeinflussungen zu spekulieren, halte ich mich lieber an die Berichte der Menschen, die dabei waren, wie Bernhard Albrecht und ein mir persönlich Bekannter, der es ähnlich wie B.A. schildert – und der zwar mit dem Ergebnis ganz einig ist, mit dem Vorgang aber überhaupt nicht. Dieser Bekannte schrieb mir auch noch: »Immerhin sind wohl ausnahmslos alle aufgestanden, als die beiden sich verneigten. «

Und Sebastian Jüngel schreibt (in „Anthroposophie Weltweit“):
 »Ein Teilnehmer, mit dem ich mich austauschte, hatte den Eindruck, dass die Gründe für oder gegen die Bestätigung recht verschieden liegen, also keineswegs einfach zwei homogene Parteiungen gegeneinander standen. Ich führe dies an, weil ich die Gefahren einer Legendenbildung und einer Stigmatisierung sehe und mich das Drama Andorra des Schweizers Max Frisch davor warnt, andere in eine Rolle zu drängen.
«

Gute Nacht!
 Ingrid

Bernhard Albrecht Sonntag, 6. Mai 2018 um 15:43:00 MESZ
@ Bobby Samstag 5.Mai 2018 um 13:22:00 MESZ



Könnte es sein, dass Du, die von Dir selbst so hoch gehängte Sachlichkeit hier deutlich überschreitest, indem Du in meinen Augen nicht gerade wenig an unterschwellig sich ereifernder Emotion Deinem Sagen beimengst, was Du möglicherweise noch gar nicht bemerkt hast? Könnte es sein, in den inneren Abstand zu Dir tretend, dass dies so ist? 

Ich habe in früheren Jahren meines Lebens ein juristisches Studium absolviert und habe von daher, auch wenn ich die Juristerei nach einiger Zeit hinter mir gelassen habe nach meinem Dafürhalten von da her immer noch genügend Übersicht über die faktisch justitiabel verwertbaren Prozesse in dem vorliegenden Zusammenhang. 

Und: Wie ich schon einmal kommentierend anmerkte, meinst Du wirklich die Aussage von Herrn Wittich nicht für Dich strenger zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass es keine juristisch verwertbaren Handhaben gäbe die Abwahl anzufechten? Kannst Du wirklich nicht sehen, dass der Vorstand der AAG sich nach dieser Wahlschlappe nicht juristisch hat beraten lassen, ob die Abwahl eventuell angefochten werden könne? Meinst Du wirklich die Herren und Damen dieses Gremiums wären nicht umgehend initiativ geworden, wenn das juristisch betrachtet erfolgversprechend gewesen wäre? 

Und last not least, kannst Du nicht sehen, dass durch Deine Art der Vermengung von Sachlichkeit und streckenweiser unterschwellig nicht zu übersehender Emotion, Du unmerklich an einer Legendenbildung mitstrickst, die kurz davor steht als drachenhafte Verschwörung aus dem Ei zu schlüpfen? Das kann doch wirklich nicht Dein Ansinnen sein, oder?
 
Ich hätte Dir noch einiges mehr zu sagen, aber wegen anderer Verpflichtungen muss ich das vorläufig zurückstellen. 
Nichts für ungut.


Bernhard Albrecht

Stephan Birkholz Sonntag, 6. Mai 2018 um 16:18:00 MESZ

Bobby, so klingt es, wenn ein willensdynamischer Gesinnungspolizist zum Ausdruck bringen möchte, dass man die Klappe halten soll, weil ansonsten zu viel Unruhe im Waldorfhort entstehe...



Bernhard Albrecht Sonntag, 6. Mai 2018 um 16:48:00 MESZ

Du weisst das, dass das nicht sachlich ist, was Du da von Dir gibst? Schmutz kippe, sprich Unterstellugen auf "ein Fragen zu kippen, das ist einem demokratischen Prozess sicher nicht förderlich, noch weniger einem "freien" Geistesleben.
 Über den Gesinnungspolizisten kann ich nur lächeln ...


Bernhard Albrecht

Michael Eggert Sonntag, 6. Mai 2018 um 17:16:00 MESZ

Das vollständige Auseinanderfallen von Handeln und gleichzeitiger Distanzierung vonseiten Herrn Schneiders hat schon einen erklärungsbedürftigen, wenn nicht putinesken Charakter. Es wäre in der Tat wünschenswert, dass er sich erklärte. Wie das Kasperletheater am Goetheanum weiter geht, wird man ja dann im Juni sehen. Trotz aller eifrigen Erklärungen und Beteuerungen ist ein Machtkampf der Traditionalisten zu erwarten. Ich lasse mich gerne überraschen.

Stephan Birkholz Sonntag, 6. Mai 2018 um 18:56:00 MESZ

Doch, Bernhard, das ist sachlich (Stichwort 'antanzen')!

 Anthroposophische Anleitung zur Nullargument-Diskussion:


1. Man fahre seine (möglichst akademischen, noch besser MIT DOKTOR) Qualifikationen auf - DIE DÜRFEN RUHIG aus der Jugend stammen ('als ich noch ein junger Dachs war' kommt immer gut).

2. Man setzte den 'könnte es nicht auch ganz anders sein' - Hebel so an, dass im Gegenüber Unbehagen und universelle Selbstzweifel entstehen. Dann texte man so viel Blindtext auf den Hebel, bis die Hebelwirkung dem aus der Anthroposophie herausgefallenen unmissverständlich klar macht, dass es sinnvoller ist, im Geltungsbereich der Waschmaschine zu bleiben.

 Und das Schlussmantram der magischen Beschwörung: 
'Selbst, wenn Du recht haben solltest, so wollen wir doch alle nicht, dass beim Unbedarften Missverständnisse entstehen oder gar noch das Drachenei kaputt geht - ODER? '

Bring Argumente, Bernhard - alles andere ist Anthropology!

Stephan Birkholz Sonntag, 6. Mai 2018 um 18:59:00 MESZ

...oder aber echte 'Willensdynamik' (diesen Deinen Ansatz finde ich nämlich wirklich interessant), aber kein seichtes Glattbürsten.

Bernhard Albrecht Freitag, 11. Mai 2018 um 16:08:00 MESZ

Ob Stichwort antanzen etwas mit Sachlichkeit zu tun hat oder eher in Richtung eines Irrlichter Tanzes geht, bei der Du Dir zudem aus meiner Sicht genau jene Willensdynamik abgräbst, die Du Deinen Worten nach interessant findest, das will ich, so Du magst, Deinen weiteren seelischen Beobachtungen zur Untersuchung anheimgestellt sein lassen. Schnellschüsse, wie die von Dir geübten, sehe ich jedenfalls nicht für förderlich an eine tiefere Willensdynamik zu entwickeln, an der ich jedenfalls weiter arbeite.
 
Bei der Willensdynamik, auf die ich verschiedentlich "argumentativ" immer wieder verwiesen habe, geht es es zudem in erster Linie um eine grundlegend veränderte innere Haltung, die dem eigenen Sprechen im Argumentieren zugrunde gelegt wird. Ohne eine vorausgehende Verständigung mit sich selbst kann sich die von mir angesprochene Willensdynamik im eigenen Denken nämlich nicht entfalten. 
Der intellektuelle Schlagabtausch ist nicht das Feld dieser Willensdynamik. Verstandesdenken und Denken aus seelischer Beobachtung heraus sind zwei völlig verschiedene Prozesse.
 Bevor Du also Provokationspfürze wie "seichtes Glattbürsten" und ähnliches weiter von Dir gibst, setz Dich lieber hin und fasse in einem kurzen Essay zusammen, was Du unter "echter Willensdynamik" verstehst. 
Provokationtrompeterei gehört nicht dazu. 
Ich grüsse Dich,


Bernhard Albrecht

Stephan Birkholz Samstag, 12. Mai 2018 um 00:53:00 MESZ
@Bernhard


Bitte, mein ESSAY über WILLENSDYNAMIK:

 Verstandesdenken und Denken aus seelischer Beobachtung heraus sind zwei völlig verschiedene Prozesse.
 Und derjenige, der die Verbindung zwischen dem Verstandesdenken und der seelischen Beobachtung nicht herzustellen vermag, versucht sich, seine dadurch brachliegende Willenstätigkeit zu einer 'willensdynamischen' Rettungsinsel aufzublasen, um durch die Suggestionsvokabel 'Dynamik' wenigstens die Illusion von Fortbewegung zu generieren....

Stephan Birkholz Samstag, 12. Mai 2018 um 01:05:00 MESZ

...
Oder aber der Versuch, durch Anwendung des freien, dynamischen Willens, das Verstandesdenken durch die Ergebnisse der seelischen Beobachtung zu verwandeln und andersherum die Trugbilder der seelischen Beobachtung durch die Anwendung das Verstandesdenkens zu eliminieren und als solche zu durchschauen...

Bernhard Albrecht Montag, 14. Mai 2018 um 13:38:00 MESZ
@ Stephan



Schön, schön …
Du hegst also die Auffassung die Trugbilder „meiner“ seelischen Beobachtung durch die Anwendung „deines“ Verstandesdenkens eliminieren zu müssen, sprich: „Ich, Stephan durchschaue, dass Bernhard in seinem Sagen seine brachliegende Willenstätigkeit sich zu einer „willensdynamische“ Rettungsinsel aufbläst, um durch die Suggestionsvokabel „Dynamik“ sich wenigstens die Illusion von Fortbewegung generieren zu können.“ Habe ich Dein Sagen damit richtig wiedergegeben? 


Weisst Du Stephan, aufmischen ist zwischendurch ja ein netter, ja mitunter auch ein befreiender Spielzug. Wird derartiges Tun aber zu einer stetig wiederkehrenden, voraussehbaren Masche, dann verkümmert die Brillanz so eines Spielzuges …
 Denn „vor“ dem, was Du so brillant aus Dir heraus setzt, siehst Du Dich selber im Spiegel meines Denkens. Wie … ? Das herausfinden kannst nur Du. 

Ob ich recht habe in meinem Sagen oder nicht, darum geht es nämlich überhaupt nicht. Mithin auch nicht um eine schlaue Erwiderung. Derartiges Pingpong Verhalten gehört in die Kiste vergangener dualer Schatten Boxkämpfe. Heute geht es allein darum, ob und wieviel an Selbstkritik der Einzelne „in jeder Lebenssituation“ bereit ist zu sich zu nehmen und innerlich zu verwandeln. 
Es geht also um „gelebtes“ Interesse füreinander.
 Es geht nicht um frivoles Herabwürdigen des anderen Menschen oder brillantes Hinwegschreiten über ihn. Es geht „nur“ darum, was habe ich Dir zu sagen und was hast Du mir zu sagen und das „erlebende Zulassen“ der dazu gehörenden Selbstkritik in einem jeden von uns beiden. 
An dem: Du musst Dein Leben ändern, kann heute keiner, Du nicht und ich nicht vorüber gehen. 
Und zwar im Minutentakt nicht. Das ist, a u s  d e m  L e b e n  zu  schaffende  Wissenschaft, ist Lebenswissenschaft.


Bernhard Albrecht

Stephan Birkholz Montag, 14. Mai 2018 um 16:36:00 MESZ 

Bernhard, mein ESSAY entsprang meinen ureigenen Erfahrungen mit der blindwütigen Dynamik des Willens; Du musst Dich nicht gleich ertappt fühlen, wenn Du Dich darin wiederfindest. 

Bernhard Albrecht Montag, 14. Mai 2018 um 21:19:00 MESZ 

Das freut mich.
Ja die Dynamik des Willens kann blindwütig über Dich/mich herfallen. Sie kann aber auch sanft schleichend durch eine Hintertür sich an Dich/mich heranschleichen. Sie kann selbst im klaren Denken unscheinbar wie unter dem Teppich liegen. Sie kann von überall her an Dich/mich herantreten.
Es ist die Vermengung von Astralität und Ätherkraft durch Dich/mich in Dir/mir, die das jeweilige Antlitz des Drachen in Dir/mir formt. Oft vielköpfig sich wandelnd von Augenblick zu Augenblick und mich innerhalb eines Satz aus dem inneren Gleichgewicht werfend, den ich gerade ausspreche oder versuche in die Tastatur meines Computers zu tippen.
Der moderne Michaelskampf ist ein Kampf zwischen Ich und Du um das Erwachen aneinander. Und das Interesse füreinander über das hinaus, was Du /ich in einem bestimmten Augenblick für richtig oder falsch halten oder auch nur angemessen im Sagen an dieser Stelle ist der Schutz dafür, dass wir im Ringen miteinander nicht straucheln. Je unterschiedlicher in einem bestimmten Zeitenmoment meine Auffassung im Vergleich zu der meines Gegenübers sein mag, um so höher muss der Einsatz für das jeweilige Interesse meines Gegenübers sein.

Bernhard Albrecht

Samstag, 5. Mai 2018

Dialogische Herausforderungen 3/2018

https://egoistenblog.blogspot.ch/2018/04/was-uns-verbindet.html

Was uns verbindet

Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen. Die qualitative Ebene ist immer schwer zu greifen und noch schwerer zu formulieren. Zu bemerken ist, dass trotz ernsthafter Bemühungen standardisierte Vokabeln, Formeln und Phrasen sich gegenüber einem qualitativeren Sagen in den Vordergrund drängen. Die tatsächliche Erfahrung jedoch - die immer eine esoterische, d.h. mehrschichtige Qualität hat -, ja jegliche Erfahrung kann nur durch sprachschöpferische Aktivität ausgedrückt werden. Man kann nicht wirklich zurück greifen auf die Sprache und die Vorstellungen der Vergangenheit, wenn man mit Wirklichkeit konfrontiert ist - oder anders ausgedrückt: Das Jetzt fügt sich nicht in die sprachlichen Muster, die vergangen sind, und das sind sie notwendigerweise immer. Sprache beschreibt stets etwas, was bereits Konvention geworden ist. Aber auch das Denken und die Vorstellungen sind durch Sprache, Konvention und innere Kontextualisierung geprägt, durch die Geschichte eigener Erfahrung und deren Interpretation, durch einen reifen Erinnerungsleib voller gesammelter, geordneter und auch geschönter Geschichten, die so tun, als gäbe es eine zusammenhängende biografische Geschichte, die das Bild dieser meiner Person trägt. Aber auch das sind Geschichten, die eigentlich Vergangenheit sind; die aber, sobald man sie zu betrachten versucht, ein Eigenleben entwickeln; sie greifen nach einem, verwickeln einen, lassen einen in Scham, in vergangenes Glück, in stille Wünsche abgleiten, bis man sich in der alten Geschichte so verstrickt hat, dass sie das betrachtende Ich und jegliche Aufmerksamkeit verschlingt.

Ja, man muss regelrecht Stärke entwickeln vor der Kraft der eigenen Erinnerung. Man dachte, die Geschichten seien etwas wie ein abgelegter Film- aber berührt man die Oberfläche der eigenen Erzählung, erhebt sie sich, erwacht zu Leben und reißt eventuell nicht nur irgendwelche Wunden auf: Vielleicht sind es die Gespenster, die im Dunkeln kauern, die, um derentwillen man der geworden ist, der man ist- um die man eine seelische Insel gebaut hat, eine Burg, für die man gepflanzt, gesät, geackert hat, für die man vielleicht ein anständiger Mensch geworden ist, für die man geglaubt, für die man einen Beruf ergriffen oder für die man ein Vermögen angehäuft hat. Nun liegen die inneren Geister im Untergrund und reißen das Maul auf, und die eigene Welt stürzt auf sie ein.

Diese Dinge kann man nicht umgehen, wenn man „spirituell“ arbeitet. Es ist eigentlich eine Position der Stärke, der Souveränität, aus der man das seelische Gesamtbild, die biografische Struktur anschauen und das aushalten kann, dass dann auch die Brüche sichtbar werden, die Unaufrichtigkeit, das, was wie eine treibende Kraft, aber als Wunde und Schwäche, zugleich konstituiert und destabilisiert. Man muss das nicht moralisieren, mystifizieren oder mit christlicher oder anderer religiöser Begrifflichkeit überziehen; die menschliche Zwitterhaftigkeit zwischen biologisch- biografischer Erzählung und einem bewussten, aktiven Betrachter und Gestalter bedient solche Widersprüche; es ist kein individuelles Drama, oder eben doch, weil jegliche individuelle Geschichte ein solches Drama enthält. Die „Erlösung“ kann nur in dem aktiven Betrachter, in der bewussten Entität liegen, der das Drama entwirrt, sich der Geschichte, der Irrtümer und Verwirrung stellt, aber sich eben auch aus der Determination befreit. Die Souveränität im persönlichen Drama klärt die Angelegenheit und relativiert sie damit auch. Die konstruktiven Kräfte haben eine nicht mehr nur persönliche Note - zumindest nicht in dem Sinne, dass man in das eigene Drama verwickelt und von ihm getrieben wird. Aber es ist auch nicht etwas, was man ab- und weglegen könnte. Es ist eher so, dass die Kräfte, die das persönliche Trauma bindet, frei werden, und zur Verfügung stehen- als Bewusstseinkräfte, als Möglichkeit zur reinen Gegenwärtigkeit, als Möglichkeiten in der sozialen Gestaltung. So bindend die innere Wunde und die biografischen Gespenster waren, so unendlich ist die Entfaltung der vorher gebundenen Kräfte; die Entfaltung ist wie der Schnittpunkt einer kosmischen Energie- und Erkenntnisquelle. Die magische Bindung, der seelische Pflock, sie enthalten zugleich den heilenden Wendepunkt. Das ist eben die Maja, die große Illusion: Dass es kein Entkommen aus dem inneren Drama gäbe.

Einer der wenigen anthroposophischen Autoren, der diese wirklich spirituell- allgemein-gültigen und vielschichtigen Themen bearbeitet, ist Karsten Massei. Auch in seinem neuesten Buch, „Erde und Mensch. Was uns verbindet“, geht er in aphoristischen Betrachtungen nicht nur auf das innere Drama, sondern auch auf das Verhältnis zur Natur und auf das Leben nach dem Tod ein. Der innere Wendepunkt klingt bei ihm so: „Durchaus ist eine innere Kraft nötig, um auszuhalten, was passiert, wenn ich mich den Bildern meines Lebens überlasse. Es kann leicht geschehen, dass ich übermannt werde von Erinnerungen, dass dadurch ein Nacherleben beginnt, das für mich schwer zu ertragen ist. Ich stürze dann in die Erlebnisse ab, vor denen ich mich bisher wohlweislich zu schützen wusste.“ (S. 132) Das „Licht der eigenen Aufmerksamkeit“ hellt eben auch das auf, was eben diese Aufmerksamkeit in Beschlag zu nehmen vermag, dem man schwer standhalten, ja das man kaum erkennen kann, obwohl es für andere Menschen vielleicht ganz offensichtlich ist. Für einen selbst ist es ein blinder Fleck im Auge.

Und zugleich, in dieser Blindheit und Schwäche, gilt eben auch das, was Massei als das eigentliche Wesen der bewussten Entität beschreibt: „Das Ich ist der Name, den man sich selbst gibt; aber es ist mehr, es ist die Kraft, aus der unsere Individualität hervorgeht, und es ist noch mehr: es ist das Wesen, in dem sich unser höheres Wesen, unser göttliches Selbst äußert. Wir sind unserer Natur nach geistige Wesen, eigentlich Götter. Im Ich, seinem für uns zwiespältigen Wesen, seiner Flüchtigkeit und Macht, offenbart sich unsere göttliche Natur.“ (S. 126)

Bei Karsten Massei sieht man in seinen über die letzten Jahren erschienenen Büchern eine immer weiter gehende Öffnung. Zuerst klang er wie ein hellsichtiger Heiler, der sich ganz den Pflanzenkräften und elementaren Wesen widmen will. Das scheint auch tatsächlich die Ebene zu sein, auf der Massei seinen Zugang findet. Aber von da aus widmet er sich dem Menschen und Schicksal in einem immer umfassenderen Sinne. In vieler Hinsicht trifft er dabei auf allgemein gültige Punkte, die für jeden spirituell interessierten und arbeitenden Menschen von Interesse sind - die Sprachbilder (Imaginationen), in denen sich Massei sich ausdrückt, erhalten eine Transparenz und Tiefe, die sich von Buch zu Buch steigert. Er wird damit zu einem der wenigen echten zeitgenössischen spirituellen Lehrer aus anthroposophischem Zusammenhang.

© Michael Eggert April 29 2018
____
Karsten Massei, Erde und Mensch. Was uns verbindet, Basel 2018
Website Karsten Masseis

Kommentare:
Anonym Montag, 30. April 2018 um 09:34:00 MESZ

"Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen".

Exakt so ist es. Es ist auch nicht nur leichter, es kann entlasten und Spannungen abbauen: Im Anprangern blickt man auf die Anderen, auf deren Fehler und Schwächen, man muss die eigenen Schattenseiten nicht anschauen. Es entsteht auch ein vermehrtes "Wir-Gefühl" und Überlegenheitsgefühl. Bringt zudem auch mehr Klicks, Likes und Aufmerksamkeit.

Jostein Sæther Donnerstag, 3. Mai 2018 um 10:03:00 MESZ

Wenn ich den folgenden Satz als verallgemeinernd aus dem Pronomen »man« geschrieben lese, ist er für mich nicht selbstverständlich, selbsterklärend, ich meine: er behauptet etwas Allgemein-gültiges, was ich nicht so bejahen kann: 
»Natürlich ist es leichter, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, als tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen.«
Ich würde eine solche Aussage differenzieren, zu einer Ich-Botschaft umwandeln und dann neu überlegen, wie ich ein ähnlicher Satz formulieren würde. Für mich würde er so aussehen:
»Manchmal überfällt mir die Neigung, anzuprangern und Fehlentwicklungen zu konstatieren, aber, wenn ich mir bewusst werde, dass es für meinen Kontrahenten und die Sache, das Thema besser ist, tatsächlich selbst qualitative, relevante, konstruktive Beiträge zum Dialog zu verfassen, dann überlege ich, wie ich dies demnächst tun kann.«
Ich erlebe, dass du hier, Michael, im Verhältnis zum Autor Karsten Massei, gerade dies getan hast: einen qualitativen, relevanten, konstruktiven Beitrag zum Dialog geschrieben hast! 
Würde dies jedes Mal geschehen, wenn Autoren und Kommentatoren etwas online posten, wäre der Dialog zu spirituellen Themen und Erfahrungen fortschrittlicher, als er heute noch ist. Dann bräuchten wir keine spirituellen Lehrer auch im anthroposophischen Zusammenhang nicht. Denn der Dialog wirft ein erquickliches Licht in unsere Biographien hinein, die auch die geistige Welt nicht geben kann. Egal wie eingeweiht ein Geistesforscher sein würde, in der geistigen Welt findet er die Qualität einer menschlichen Dialoggemeinschaft nicht. Sie ist ein sinnlich-geistiges Phänomen, nach dem die Hierarchien lechzen! 
Meine einzige Kritik ist, dass ich das »man» gänzlich weglassen würde, um zu schauen, welches Pronomen dann relevant wäre. Ich fühle mich mit dem »man› nicht angesprochen und lese bei solchen Texten selten zu Ende. Ich war gerade auf der Website der Zeitschrift »Die Drei« und las die Gratisaufsätze. Auch da häuft sich das Verwenden des »man« in den Himmel hinauf, aber dieser wendet sich davon ab! 


Michael Eggert Donnerstag, 3. Mai 2018 um 12:02:00 MESZ


Lieber Jostein, Du hast sehr recht, die Neigung zur Verallgemeinerung ist auch ein Versuch, die eigene Meinung mit Tarnfarbe zu versehen. Es kann ein aggressiver Akt sein, der Versuch, ein Stück öffentliche Meinung zu besetzen. Dennoch bin ich mit Dir einer Meinung, dass es Anlässe zur Auseinandersetzung, aber auch solche gibt, die auf reiner Konstruktivität beruhen. Man muss eben immer sehen, inwieweit man noch dialogisch produziert, den Dialog behindert, monologisiert oder gar aggressiv manipuliert. Insgesamt hat das Netz dazu geführt, dass der aggressive Monolog grassiert. Aber es gibt in der Szene, die wir hier betrachten, auch insgesamt nicht so viele erfreuliche Erscheinungen- erfreulich insofern, dass man bei einem Autor eine kontinuierliche Entwicklung betrachten, ja ihr von Buch zu Buch folgen kann. Meist erlebt man bestenfalls eine Mühle der immer gleichen Meinungen, oft eine elaborierte Sprache, selten reale Originalität. All das erlebe ich bei Massei- und zwar so, dass sowohl der allgemein interessierte Leser als auch der Praktizierende (und zwar aus jedweder Schule) Gewinn ziehen kann, Einblicke nimmt, tiefe Imaginationen verarbeiten und auf sich wirken lassen kann. Das ist einfach auch tröstlich für alte Anthroposophen, dass es doch auch wieder tatsächlich spirituell relevante Autoren gibt.



Bernhard Albrecht Donnerstag, 3. Mai 2018 um 14:28:00 MESZ

@ Jostein und Michael



Ja genau so sehe ich es auch, der Himmel wendet sich ab gegenüber Deklinationen wie „wenn man dieses oder jenes in die Wege leiten würde dann …“ und so weiter. Es geschieht nichts, solange „ich“ nicht konstruktiv wertschätzend meine Hand dazu reiche. Der Himmel ist heute um ein Vieles näher an die Erde heran gerückt, als noch zu Rudolf Steiners Lebzeiten. Die Schwelle der geistigen Welt zieht sich mitten durch die Dialog-Zwischenräume von Mensch zu Mensch. „Reagiere“ ich hier kommentierend „halbbatzig“ kann die geistige Welt nicht helfend unterstützen. Die Frage geht also an mich zurück: Kann ich nicht ein Mehr an moralischer Phantasie im konkreten Fall aus mir heraus setzen, um den gegebenen Dialogansatz konstruktiver fortzusetzen? Ist für mich nicht mehr Durchatmen angesagt bevor ich antworte, mehr Hinschauen auf verborgene Triggern-Punkte bei mir, als dem anderen Menschen, salopp gesagt die Fresse zu polieren, weil er mir „scheinbar“ völlig unangemessen auf die Füsse getreten ist oder in seiner Auffassung völlig neben der Spur liegt? 
Ich jedenfalls habe bei mir in solchen Augenblicken des Innehalten immer wieder feststellen dürfen, dass es an mir liegt Selbstverwandlungen, sprich „Karma Bereinigungen“ ganz im Alltäglichen in die Gänge zu bringen und nicht zu glauben mein jeweiliges Gegenüber für etwas in die Haftung nehmen zu können, was tiefer betrachtet allein meine Sache ist tätig umzusetzen. Immer wieder war und ist mir der andere Mensch (oft auch unwissentlich) nur Bote gewesen für etwas, das jetzt einfach dran war genauer unter die Lupe meiner seelischen Beobachtung zu nehmen.
Es ist eines von Ätherleib und Astralleib zu reden und ein anderes in solchen, vielleicht auch schwierigen Dialogmomenten sich daran zu „erinnern“ und selber innerlich auf die Pirsch zu legen in seelischen Beobachtungen das eine oder andere Geschehen einmal forschend abzufragen, sprich sein eigenes Äther- und Astralleib Gestrüpp in seelischen Beobachtungen durchzukämmen.
 Ich kenne Karsten Massei bisher noch nicht, will dies aber nachholen. Vielen Dank für den wertvollen Hinweis.

Bernhard Albrecht


Anonym Donnerstag, 3. Mai 2018 um 18:39:00 MESZ

"Egal wie eingeweiht ein Geistesforscher sein würde, in der geistigen Welt findet er die Qualität einer menschlichen Dialoggemeinschaft nicht. Sie ist ein sinnlich-geistiges Phänomen, nach dem die Hierarchien lechzen! "

Dem kann man zustimmen, vorausgesetzt, dass der Artikel über Massei exemplarisch oder beispielhaft für diesen Blog stehen würde. Tut er aber nicht. Auf diesem Blog geht es eben gerade nicht um das "Was uns verbindet" sondern um zahlreiche Variationen zum Thema "Was uns trennt". Seit Jahren.

 Die heutigen Anthroposophen (häufig auch Steiner selbst) werden hier meistens dargestellt als mystische Schwärmer und/oder rechtspopulistische Verschwörer. Dass es noch zahlreiche positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung gibt (u.a. zu finden auf www. anthroposophische-meditation.org) ist hier grundsätzlich kein Thema. Mag daher sein, dass ganz andere Wesen nach dem lechzen, was hier passiert.



Jostein Sæther Donnerstag, 3. Mai 2018 um 19:17:00 MESZ

@ Anonym


Mit anonymen Kommentatoren führe ich erfahrungsgemäß keine Gespräche. Warum bist du denn hier anonym und habe nicht ein digitales Profil schon längsten gemacht, der dich als Person irgendwie mit einem Foto kennzeichnet? So dass ich dich auch mit deinem Namen im Internet anderswo wiedergefunden werden kann? Sind wir denn nicht beide mit Anthroposophie als Grundstein im Herzen unterwegs? Ich jedenfalls bin es, und dann versuche ich in jedem Fall immer so aufzutreten, wie es Bernhard Albrecht Albrecht es hier oben beschrieben hat. 
Ich würde mich freuen, bei den AnonyMusen, die hier im Blog häufig schreiben, bald mit menschlichen Gesichtern zu erblicken.
 Lieber Michael, deshalb fordere ich dich auf, den Kommentarzugriff in den Einstellungen auf »Registrierte Nutzer – einschließlich OpenID« zu ändern. Was hat denn diese Anonymität mit ehrlicher Dialog zu tun? 
»Dass es noch zahlreiche positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung gibt (u.a. zu finden auf www. anthroposophische-meditation.org) ist hier grundsätzlich kein Thema.«
 Gerade wird so etwas unter einem Beitrag geschrieben, in dem gerade »positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung« – jedenfalls kommt ein Autor hier vor – sehr positiv bewertet: »Bei Karsten Massei sieht man in seinen über die letzten Jahren erschienenen Büchern eine immer weiter gehende Öffnung.«


Jostein Sæther Donnerstag, 3. Mai 2018 um 19:19:00 MESZ

Soll heißen: …anderswo wiederfinden könnte?



Michael Eggert Donnerstag, 3. Mai 2018 um 19:41:00 MESZ


Lieber Jostein, das Anonyme ist und bleibt ein Teil der Freiheit, den der egoistische Blog bietet. Das ist Teil der Einstellung, solange es nicht zum Monolog oder zu Rechtsverstößen kommt. Es führt auch zu einer gewissen Lebendigkeit, vor allem, weil man sich über das Blog selbst auslassen kann 😉. Man kann an eine gewisse Verbindlichkeit der Kommentatoren appellieren, natürlich. Aber wer es schätzt, anonym zu bleiben, sollte die Freiheit dazu auch haben und behalten.



Anonym Donnerstag, 3. Mai 2018 um 19:58:00 MESZ

@ Jostein


Ich habe Dir auf Facebook geantwortet.



Bernhard Albrecht Donnerstag, 3. Mai 2018 um 20:36:00 MESZ


Wie schade! Ohne es anscheinend selber zu bemerken setzt Anonym (oben 18:39 MEZ) hier seinerseits ein deutliches Zeichen der Trennung. Warum nicht hier antworten? Sind auf dem Egoisten Blog wirklich nur Menschen unterwegs, die allesamt nur Trennendes im Auge haben? Die anscheinend unterschwellige Angst sich hier mit Beelzebub zu verbrüdern, was für einen "echten Anthroposophen" natürlich nicht gehen kann trägt in meinen Augen mitunter beinahe schon manische Züge an sich. Da kann ich nur sagen, je mehr ich diesen Kräften ausweiche, umso mehr haben sie mich am Wickel. Auf der Keule, dass "alle" Kommentatoren hier nur Trennendes im Sinne hätten sitzen sie zu Hauff - jedenfalls für den, der darauf hinschauen mag.


Bernhard Albrecht



Stephan Birkholz Donnerstag, 3. Mai 2018 um 20:42:00 MESZ

Trennung ist doch kein Problem, wenn man an Türen arbeitet. 
Wirklich schlimm ist nur die hermetische Unzugänglichkeit des Abgetrennten...



Bernhard Albrecht Donnerstag, 3. Mai 2018 um 22:48:00 MESZ


Zwei Nachfragen

Hm ... wenn "man" an Türen arbeitet ...
Kann ein "man" an einer wirklichen Türe arbeiten oder arbeitet es vielleicht dann nur an einer illusionierten Tür? Und: In welcher Richtung schielst Du, wenn Du von hermetischer Unzugänglichkeit sprichst?

Eine gute Nacht Dir,



Bernhard Albrecht



Anonym Freitag, 4. Mai 2018 um 06:09:00 MESZ


"Gerade wird so etwas unter einem Beitrag geschrieben, in dem gerade »positive Entwicklungen, interessante Autoren innerhalb der anthrop. Bewegung« – jedenfalls kommt ein Autor hier vor – sehr positiv bewertet"



@ Jostein


Wie schon oben dargestellt: Der Artikel über Massei ist "erfreulich", aber eben eine Ausnahme, eigentlich passt er überhaupt nicht zur ideellen Ausrichtung des Blogs. Sieht man u.a. auch daran, dass es vor Deiner Intervention keine inhaltlichen Kommentare zu dem Artikel gab. Ich gehe also weiter davon aus, dass jubilierende Chöre der Hierarchien im virtuellen Umkreis des Egoblogs eher nicht zu finden sind.



Stephan Birkholz Freitag, 4. Mai 2018 um 07:45:00 MESZ


Ob Türen entstehen, hängt von beiden Seiten ab; der 'hermetische Verschluss' findet dabei eigentlich immer von Innen gegen die Außenwelt statt. Idealer Weise sollte man eine sogenannte 'Klöndor' einbauen - für Leute, die eintreten wollen, lässt sie sich ganz öffnen, für Menschen, die nur monodirektional ihr Nicht- Einverstanden-Sein loswerden wollen, lässt sich oben eine Klappe öffnen, wo man dem Beschwerdeführer freundlich entgegen lächeln kann...



Anonym Freitag, 4. Mai 2018 um 09:49:00 MESZ


Letztendlich hängt es auch von der Verarbeitung des Lacks ab (Danke, wichtiges Thema)

www.haus.de/modernisieren/tueren-selber-lackieren-schritt-fuer-schritt



Bernhard Albrecht Freitag, 4. Mai 2018 um 11:52:00 MESZ

@ Stephan


Ist das so, dass der hermetische Verschluss "(eigentlich) "immer" von innen gegen die Aussenwelt" stattfindet? Ich sehe in diesem Zusammenhang fragend z.B. die tatsächliche Aussenwelt "und" im eigenen Innenraum einen Prozess einer Aussensetzung innerhalb des eigenen Innenraums, von etwas also, das nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Aussen korrelieren muss. Vorstellungen haben diese Eigenart, dass sie eher selten mit dem Aussen so korrelieren wie sie dem inneren Vermeinen nach gesetzt werden. An das Anderssein kommt das Vorstellen nicht heran weil es den Prozess tatsächlichen Erlebens ausschliesst. Jedenfalls kann dies die eigene Selbsterforschung erschliessen.
 Ich halte meinerseits nichts von monodirektionalen Spielzügen. Das Fragen, Fragen , das Befragen und erneut Befragen, das innere Umkreisen und erneut Befragen usw. liegt mir näher. Hier komme ich immer wieder zu überraschenden Einsichten und Durchsichten ... wenn ich mir die Zeit dafür gebe. Und meinerseits gebe ich mir dieses Ausatmen und Durchatmen immer wieder. Die Welt, innen wie aussen wird farbiger, das jedenfalls ist meine Erfahrung.
 So, jetzt aber genug. Ich gehe mal klönen, eine alte Frau im Haus besuchen, deren Mann vor kurzem verstorben ist.



Bernhard Albrecht



Jostein Sæther Donnerstag, 3. Mai 2018 um 20:18:00 MESZ

Ich respektiere deine Einstellung, Michael, und kann verstehen, dass dadurch eine gewisse spielerische und impulsive Art entsteht! Für mich ist es eher ein Hindernis und ich gehe meistens alle diese Kommentare vorbei. 
Für mich hat Anonymität jedoch nichts mit Freiheit zu tun. Ich sehe hier die Gefahr, dass seelische Tendenzen ausgelebt werden, die sich dem Ich entziehen will. Die Lebendigkeit des offenkundigen, ehrlichen, angstfreien und sich selbst bekanntmachenden Ich finde ich interessanter als die untergründige Spitzfindigkeit und das intellektualistische Jonglieren des Astralleibs. 
Ich kann mich doch genauso gut und vielleicht noch besser »über das Blog selbst auslassen«, wenn nachvollzogen wird, wer ich bin. Im Zeitalter der Selfies, verstehe ich diesen Anonymitätswahn nicht!


Stephan Birkholz Donnerstag, 3. Mai 2018 um 20:38:00 MESZ


Der 'Anonyme' hat nicht Angst, sich vor der Umwelt zu seinen Anschauungen zu bekennen, er hat Panik davor, sich vor sich selbst zu seinen Ansichten bekennen zu müssen.
 Die Vorstellung, das eigene Gedankengut zu lesen und als Urheber den eigenen Namen darüber lesen zu müssen, schreckt ihn furchtbar.
 Dieses nicht ich, sondern der kleine Stänkerer in mir bietet ihm da eine Sandbox, eine Virtual-Machine für seine spielerische Auseinandersetzung mit den eigenen Blickwinkeln.
 An den Rollen- und Versteckspielchen eines Heinz Fleischmann (und seinen parallelen persönlichen Nachrichten auf Facebook) kann man das sehr schön exemplarisch beobachten...


Bernhard Albrecht Donnerstag, 3. Mai 2018 um 20:47:00 MESZ


Ja Jostein, da stimme ich Dir zu. Auch wenn ich gewisse Gedankengänge, die einen anonym bleiben wollenden Menschen bewegen nachvollziehen kann. Dieser scheint mir eben noch unterwegs zu sein "das Fürchten noch lernen zu müssen." Mit dem Ich, mit einer Repräsentation von Anthroposophischer Hochschule ist Anonymität in meinen Augen jedenfalls nicht zu vereinbaren. Da geht es um bis an die Wurzel gehende Zeugenschaft.



Bernhard Albrecht

…….

Anonym Freitag, 4. Mai 2018 um 06:28:00 MESZ

Die entscheidende Frage wurde bisher noch nicht gestellt: Wie steht Massei eigentlich zu Ganser und Putin?

Bernhard Albrecht Freitag, 4. Mai 2018 um 10:33:00 MESZ

Ja freilich, als ob es hier auf diesem Blog "nur" um diese eine entscheidende Frage ginge?



Bernhard Albrecht

Anonym Freitag, 4. Mai 2018 um 11:15:00 MESZ

"Nicht zu vergessen die Akasha-Chronik, in der sowieso alles ewig aufgezeichnet bleibt…"

Auch wenn's mit einem gewissen Lächeln gesagt wurde, das klingt aber doch irgendwie nach Drohung und erinnert mich an die Angstmacherei im Religionsunterricht in der Grundschule. Das analoge "Gott sieht alles" hat doch schon sehr lange Zeit Generationen geprägt.....



Bernhard Albrecht Freitag, 4. Mai 2018 um 12:33:00 MESZ

Nun, das mit der Angstmacherei im Religionsunterricht, das kenne ich auch. Die Akasha-Chronik ist aber alles andere als so ein Angstgebilde. Sie ist, so es Dir gelingt in der eigenen Selbsterforschung immer aufrechter Dir selber in die Augen schauen zu können, ein Kraftnetzwerk starker Mutkräfte die eigene Entwicklung an die Hand zu nehmen. Sie ist also kein Ort, wo alle unsere Sünden abgelegt sind, gewissermassen als beständig drohendes Damoklesschwert schrecklicher Bestrafungen über unserem Kopf. Das wäre die Deutung klerikaler Angsthasen.
 In der Akasha-Chronik sind vielmehr alle unsere eigenen Entschlüsse abgelegt unvollendete Entwicklungen wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Die Akasha-Chronik ist kein Ort im Irgendwo, sie ragt heute, so wir unsere Augen wirklich öffnen wollen in alle unsere Sozialbezüge und Dialogräume herein und ruft uns leise zu dieser oder jener Entwicklungsfortsetzung auf.



Bernhard Albrecht

Ingrid H. Freitag, 4. Mai 2018 um 13:03:00 MESZ

Mein Hinweis auf die Akasha-Chronik war nicht als Drohung gemeint.
Derjenige, der alles sieht, ist ja nicht in erster Linie ein Strafender. 
Und die „Aufzeichnungen“ der Akasha-Chronik befinden sich, wie Bernhard Albrecht ja schon gesagt hat (danke), nicht an einem Gerichtshof irgendwo dort draußen, sondern diese „Chronik“ liegt in jedem einzelnen von uns - wenn auch nicht immer klar bewußt.

 Das Bewußtsein „Gott sieht alles“ hat unter anderem dazu geführt, daß Deckenfresken wunderbar genau ausgeführt wurden, obwohl der Künstler davon ausgehen mußte, daß niemand sie von unten so genau würde sehen können.

Ich denke auch an Rilkes Gedicht über den Archaïschen Torso Apollos, dessen letzte Zeilen lauten: 
» … denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. / Du mußt dein Leben ändern.« 

Unter Anthropotanten, so dachte ich jedenfalls bisher, haben Rudolf Steiners Mitteilungen doch einiges Gewicht. 
Zum Beispiel auch seine Schilderungen des nachtodlichen Lebens, über das rückläufige Wieder-Erleben unserer Erlebnisse hier auf Erden; allerdings werden wir dann, sagt Steiner, sozusagen die andere Hälfte erleben, also die Auswirkungen all dessen, was wir getan, gesagt oder unterlassen haben, auf unsere Umwelt… 
Man könnte denjenigen, der alles sieht, auch als unser „Gewissen“ bezeichnen; und den Menschen, der aus einem solchen Bewußtsein heraus handelt, als „gewissenhaft“.

Stephan Birkholz Freitag, 4. Mai 2018 um 13:47:00 MESZ

'Richten' ist wohl sinnvoller mit (wieder) zurecht-richten, aufrichten etc. als mit 'hin-richten' zu verknüpfen...

Bernhard Albrecht Freitag, 4. Mai 2018 um 17:14:00 MESZ

Apollo



Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, 

darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, 

in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, 



sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug

der Brust dich blenden, und im leisen Drehen

der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen

zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz

unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle; 



und bräche nicht aus allen seinen Rändern 

aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, 

die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern. 




Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil (1908) 

von Rainer Maria Rilke



@ Ingrid

» … denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. / Du mußt dein Leben ändern.« 



Nackt steht dieser Torso vor Dir … und ohne Kopf. Entblösst von aller Vorstellung schaut er Dich an. Er schaut Dich an, so als ob er spräche. Das ist der Mensch, nachdem er sich von allen Vorstellungen befreit, sich aller Abschirmungen entledigt hat. Nackt, im Ich stehend. Das ist der Mensch. Das bist Du, wenn Du ohne wenn und aber Dich Dir selber gegenüber stellst. Wenn Du Dein Akasha aus den Händen des Du entgegen nimmst. Mutvoll.



Bernhard Albrecht