Sonntag, 26. Januar 2025

Eine Nuss zum Knacken (Fortsetzung des vorausgehenden Beitrages)

„Ich will Ihnen eine Nuss mit harter Schale anbieten“ - so meine Überschrift zu meinem Essay weiter oben. In dem ich das hervorhebend erneut wiederhole, frage ich mich, haben Sie Fin Frck und Herr Klinke das tatsächlich gelesen und auch vorurteilslos verstanden. Mit Begriffen lässt sich nicht spielen, sie wollen ergriffen und begriffen sein und das bedeutet in ihre Tiefe eindringen zu wollen. Fragend - im Sinne des Sokrates - sich bis auf deren Grund „besonnen“ vortasten zu wollen. Wen es mir wirklich um Dialog, um Teilhabe an der Auflösung von Konfliktfeldern geht, dann ist dies kein Schiessbuden Event.

Dann kann ich nicht aus dem Revolverhalfter heraus so schnell einmal „behaupten“ ich hätte in meinem Beitrag einer Gleichstellung von Musik und Anthroposophie das Wort geredet. Das können Sie so nicht verifizieren, denn es bedeutete z.B. in diesem Zusammenhang dann mit These und Antithese argumentativ hervorzutreten. Gleiches gilt für Ihre Behauptung ich hätte nichts Entscheidendes über die Unvereinbarkeit von „Problemen und systemisch“ gesagt. Das habe ich, nur konnten oder wollten Sie sich darauf nicht tiefer lauschend einlassen.

Das Wort ist in meinen Augen nämlich ein höchst sensibles Klanggebilde. Da liegen mitunter viele Bedeutungswelten übereinander geschichtet nahe beieinander. Und damit auch die Möglichkeit von Illusion und Fata Morgana für die eigene Verständnisbildung. Dem Sagen eines anderen Menschen in der Antwort an ihn Umdeutungen seiner Worte an den Kopf zu werfen ist nicht Dialog förderlich. Sachlichkeit muss die Leitlinie sein.

Dialog gründet auf Besonnenheit im Antworten. Und nicht im beliebigen Reingrätschen oder zwischen die Beine jaulend mit dem Saxofon zum wievielten Mal das immer wieder Gleiche zu fordern, ich/wir hier sollten einmal dieses oder jenes googeln. Ich bin jedenfalls kein Dummkopf. Um glaubhaft von Simulation und Aufarbeitung sprechen zu können, muss ich da nicht stilbildend durch eigenes Beispiel vorangehen? 

Und um noch deutlicher zu werden. Ist Bewusstseinsbildung nicht das Zeit Thema schlechthin? Ich/Sie, wir hier alle sind auf dieser Facebook Seite „miteinander“ in einer Zeitgenossenschaft verbunden, also gefordert an der Fortentwicklung des eigenen Bewusstseins zu arbeiten. Es gibt Opfer von Waldorf Gewalt, die so umfassend davon betroffen waren, dass sie mehr als 30 Jahre mit der Aufarbeitung zu ringen hatten. Ich kann hier nicht über den Kopf der Beteiligen davon berichten. Will es auch nicht. Ich kann nur immer und immer wieder meinen Hut vor soviel Mut ziehen. Aber nach allem, was ich über Herrn Klinkes Erfahrungen mit seinen Kindern weis, sage ich, er würde erblassen, wenn er diese Geschichten zu Gehör bekäme. 

Abschliessend merke ich daher nur an, dass ich auch sehr gerne meinen Hut vor Herrn Klinke ziehen würde, wenn er auch nur anfänglich bemerken könnte, wieviel  Verständnis und Weite des Geistes ihm hier von vielen, vielen Seiten bisher entgegengebracht worden ist. Herr Klinke treten Sie etwas kürzer und beenden Sie ihre fort und fort dauernden jazzenden Soloeinlagen. Sie sind nicht das Orchester hier. Sie sind nur einer von vielen Orchester Mitgliedern, die an der notwendigen Bewusstseinsbildung unserer Zeit arbeiten.

Bewusstsein kann nur von innen wachsen und demgemäss nicht eingefordert werden. Sie erwächst aus dem Lauschen. Zeigen Sie mehr lauschendes Einfühlungsvermögen in die Gangweisen der Menschen mit denen Sie es, wo immer auch zu tun haben. Sie werden staunen welche Schätze Ihnen dadurch im Laufe der Zeit vor die Füsse gelegt werden.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 26.01.2025

Dienstag, 21. Januar 2025

Eine Nuss mit harter Schale

Ich will Ihnen (Herr Klinke) eine Nuss mit harter Schale zum Knacken anbieten. Sie stellen zwei Begriffe nebeneinander, also in einen unmittelbaren Zusammenhang miteinander, die in der Art wie Sie es tun so nicht nebeneinander stehen können.

„Probleme“ haben immer einen individuellen Hintergrund. Um von „Problemen mit systhemischen Charakterzügen“ zu sprechen bedarf es umfassend differenzierter Kenntnisse, die mit Verlaub Sie bisher in meinen Augen nicht offengelegt haben. Wieviele Waldorfschulen von den weltweit gegenwärtig ca. 1200 Schulen kennen Sie aus eigener Anschauung, mit wie vielen Lehrern haben sie „nachhaltig substantielle“ Gespräche geführt? Kennen Sie persönlich - und nicht nur vom Hörensagen - ein Duzend Waldorfschulen in ihren inneren Strukturen auch nur annähernd?  

1200 Schulen mit einmal angenommen durchschnittlich 15 Lehrern pro  Schule - also 18 000 sehr persönlichen Entwicklungswegen und demgemäss unterschiedlich weit und tief reichenden Lebenserfahrungen. 18 000 Lehrpersonen mit einer zumindest grundständigen wissenschaftlichen Ausbildung. Und Sie als Musiker, sehe ich das richtig (?), Sie würden das System Waldorfschule am liebsten total zerlegen wollen? Wie weit reicht Ihr pädagogisches Verständnis - von Können will ich dabei ja noch gar nicht sprechen? Ich würde jedenfalls nicht einmal im Traum daran denken ein Orchester so an die Wand fahren zu wollen wie Sie mit Ihrem systhemisch hochgetunten Reden glauben Kritik über „der Waldorfschule“ von Ihrem Aussageduktus her pauschal glauben ausschütten zu können.

Und damit wir uns richtig verstehen, ich will hier die Waldorfschule als Ganzes nicht in Schutz nehmen. Ich kenne sie aus der Sicht von 19 Jahren Berufserfahrung an vier Schulen in all ihren Mängeln denke ich recht gut. 

Gespräche … : Damit Gespräche überhaupt in eine gewisse Tiefe hinein in Gang kommen können bedarf es da nicht des Respekts? Des unvoreingenommenen Respekts vor der Arbeitsweise des Kollegen - auch und gerade dann, wenn ich mit dessen Vorgehensweise nicht übereinstimmen kann. Denn es kommt nicht darauf an, wie ich zu dessen Vorgehensweise stehe, sondern ob ich mir ein sachliches Verständnis davon bereit war zu bilden. Und die Möglichkeit zu einem derartigen Verständnis gelangen zu können erwächst aus der Aufmerksamkeit im rechten Augenblick geeignete Fragen stellen zu können, die den Blickwinkel auf die problematische Sachlage erweitern können, den Blickwinkel über alle Seiten der am Gespräch beteiligten Personen hinweg. Die bei diesen Gesprächspartnern die Bereitschaft für eigene Selbstkritik öffnen können, gerade weil Sie sich nicht persönlich angegriffen fühlen müssen. 

Können Sie Herr Klinke Selbstkritik bei sich üben ohne dass es bei ihnen zu inneren Ausweichmanövern kommt? Wenn es in sozialen Auseinandersetzungen um Selbstkritik geht, dann sind Mängel in dieser Richtung allseitig zu suchen, denn die Fähigkeit sich vor den eigenen Spiegel der Wahrheit zu stellen ist heute „allerorts“ für jeden Menschen, eine Herausforderung der sich in sozialen Prozessen bewegt. Schon allein der Umstand, dass ich bei einem Gang durch die Fussgängerzone einer Stadt meine Aufmerksamkeit nicht genügend bei mir halten kann macht es - dieses oder jenes dabei sehend - möglich, dass mich wie aus dem Nichts Vorurteile bestürmen. Herr Klinke gibt dieser Umstand für Sie nicht Anlass etwas weniger laut die eigene Kritikschleuder zu handhaben und dafür mehr Selbstbesinnung dazwischen zu schieben? Redlichkeit zu üben in sozialen Belangen ist ein schwieriger Weg.

Wer sich mit sozialen Prozessen nachhaltiger hat vertraut machen können, der kann wissen, dass Kritik, zumal mit Emotion gepaart selten verfängt, d.h. zu einer nachhaltigen Korrektur führt. Abwehr kommt weit eher zum Zuge, verbunden mit dem Rückzug hinter dogmatisch „verbrämte“ Schutzbehauptungen oder gar ein Oben/Unten Gehabe zwischen Lehrern und Eltern - was natürlich erzürnen muss. Und am Ende kann niemand mehr mit der je anderen Seite sprechen. Mediation kommt in einer derartigen Lage dann oft zu spät und kann allenfalls nur noch Teile der aufgebrachten Elternschaft wieder sachlich befrieden und in einer regelmässigen - wie allseitig geübten Offenheit füreinander die Weiterarbeit ermöglichen.

Rudolf Steiner hat seine Aussagen zur Pädagogik nicht als Programm vermittelt, das damit einzuhalten ist, er hat seine diesbezüglichen Aussagen an jede einzelne Lehrperson gerichtet und diese damit auf einen individuellen Entwicklungsweg, auf eine je eigene Forschungsreise gerufen. Und wer sich diesem seinem freilassenden Ansinnen stellen wollte, der konnte dabei erfahren, ja nicht selten dramatisch erfahren das Stehen an Abgründen des Niemandslandes. Das Durchgerüttelt Werden von der allseits fliessenden Kraft des Nichts, die nur durch das mutige Eingeständnis, dass ich weis, dass ich nichts weis (Sokrates) fragile innere Haltegeschehnisse im Augenblicklichen schaffen konnte. Panda rei …

Dass dies zunächst keine Reise für jedermann sein konnte, das war von Anfang an klar. Ich selber bin ohne offizielles Waldorf - Lehrer Patent diesen Weg gegangen und habe durch mein Bemühen eine ganze Reihe von Menschen kennenlernen dürfen, die in diesem Sinne eigene Forschungsergebnisse zusammentragen durften. Das vermittelte mir das berechtigte Wissen, dass die Waldorfpädagogik weiterleben wird - auch dann, wenn es ihnen gelingen sollte sie hier und heute auszurotten.

Leicht ist es mit der Steinschleuder auf Mängel zu zielen, die schlichtweg nicht zu übersehen sind und von daher nicht unter den Tisch gekehrt werden dürfen. Weit schwerer ist es hingegen das eigene Denken zu vertiefen und weiter zu entwickeln. „Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn Du denkst du denkst, denkst Du nur Du denkst“ (Erich Kästner?). Nun Herr Klinke - sind Sie zur Selbstkonfrontation bereit und damit zur Entwicklung einer echten Kritikfähigkeit? Ich/Sie können andere Menschen - selbst mit nachhaltigem Geballere - nicht auf einen Weg erhöhter Kritikfähigkeit hinführen. Dazu bedarf es lebensnaher Beispiele von Menschen, die vorangehen. Könnten Sie sich aus ernster Selbstbesinnung heraus dazu entschliessen? Können Sie auch nur zaghaft daran denken sich auf einen derartigen Mut-Weg einzulassen, also die Steine, die heute allenthalben Entwicklung hemmend landauf landab herumliegen vorurteilslos durch eigene innere Anstrengungen mithelfen beiseite zu schaffen?

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine echte wissenschaftliche Haltung. Thomas Metzinger, zwischenzeitlich emeritierter Gehirnforscher von internationalem Rang hat als bisher letzten philosophischen Werkstattbericht das Buch „Der Elefant und die Blinden“(1) veröffentlicht (nach unter anderem seinem Bestseller „Der Ego Tunnel“). Darin sind erstmals 500 meditative Erfahrungsberichte reinen Bewusstseins aus der ganzen Welt zur Darstellung gelangt. Für den heutigen Wissenschaftsbetrieb ein mehr als mutiges Unternehmen. Dem scheinbar Unwägbaren sich forschend annähern, das ist der Weg in das Zeitalter  der „Bewusstseinskultur hinein.“ Es ist Ihre Entscheidung ob Sie das scheinbar Unwägbare in der Waldorfpädagogik weiter eher verdammen oder ob Sie über alle Fehler hinweg zu einem tiefer reichenden Verständnis forschend sich auf den Weg machen wollen. Das Denken will weiter entwickelt werden - übersubjektiv. Alles andere wäre ein Beleidigung von Kant, Rudolf Steiner und Thomas Metzinger, wäre ein Rückschritt hinter das Wissenschaftsverständnis der Aufklärung, das unvollendet heute seiner Vollendung harrt. Entwicklung fusst auf Selbsterkenntnis(2). Ohne die Bereitschaft zur Selbsterkenntnis kann Selbstkritik nicht gedeihen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 21.01.2025

(1)  Thomas Metzinger der Elefant und die Blinden - Auf dem Weg zu einer Kultur der Bewusstheit,            

       Berlin Verlag in der Piper GmbH, Berlin/München 2023

(2)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/ich-karl-balmer-die-frage-geht-weiter.html

(3)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-eine.html

(4)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-3teil.html

(5)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/10/das-wirksame-ich.html

       Und weitere Essays 

Sonntag, 12. Januar 2025

Krankheit - eine schwierige Auseinandersetzung

Ist es Dummheit sich angesichts einer eigenen Krankheit in einer sehr individuellen Weise mit dem Gesamtkomplex dieser Erkrankung auseinanderzusetzen? Ist es unverantwortlich gegenüber einer sich als Mehrheit generierenden Anzahl von Menschen, die in diesem Zusammenhang zu  anderen Auffassungen und damit Vorgehensweisen gelangt sind abzusetzen und und seinen Weg selbstverantwortlich zu gehen? Ich, wir sind als individuelle Menschen in einem Prozess der Kompetenzerweiterung auf mehr Bewusstseinsbildung hin unterwegs. Und dazu sind eigene Wege der Erfahrung mehr als notwendig, denn das Leben besteht aus dem Zusammenführen unterschiedlichster Erfahrungen aufeinander zu und genauso auch wieder voneinander weg. Ohne unterschiedliche Erfahrungsverarbeitung gibt es keine Entwicklung.

Die leise oder offene Diffamierung von Menschen, nicht selten ein probates Mittel unterschiedlicher Sichtweisen, sind sie nicht letztlich Freiheit zersetzend und weil nicht selten Angst unerkannt mit im Spiel ein Angriff auch auf die menschliche Würde? Facebook wird damit heute in Nachfolge des mittelalterlichen Prangers in meinen Augen mit höchster Brisanz zu dem Verantwortungsforum schlechthin. Ich kann viel sagen, aber kann ich auch all mein so Gesagtes bis in die Tiefen hinein verantworten? Weis ich was ich weis und bin damit innerlich angebunden an die wissenschaftlichen Urväter Sokrates, Plato und Aristoteles unserer Zeit? Oder tappe ich einfach so durch die Lande um mein Vermeinen unter die Leute zu bringen? … Nicht immer redlich, weil in meinem Sagen in der Rück - „Sicht auf mich“ zu wenig geankert in eigener Selbsterkenntnis und Selbstverantwortung. 

Von Wissenschaft zu reden ist das eine, sie in der eigenen Haltung aber auch zu repräsentieren etwas gänzlich anderes. Wissenschaft basiert nämlich auf zwei Säulen: Respekt vor unterschiedlichen Forschungsansätzen und Redlichkeit im Hinterfragen bis auf den Grund, was die Bereitschaft einschliesst in diesem Zusammenhang auch das Nirgendwo, das in sich und durch sich fliessende Niemandsland stetiger Bewegung zu betreten, die Furchtlosigkeit zu üben in Bewusstseinsverantwortung allein bei sich. Wer hier auch nur zu ein klein wenig Innehalten bereit ist, der erfährt wie schwer ein solches Unterfangen zu tragen ist. 

Nun denn, warum ich das hier sage ist: Ich habe seit April 2021 einen sogenannten Mantelzellen - Lymphom Krebs. Das hatte eine intensive Chemotherapie und im Oktober 2024 eine CarT -  Zellen  Lymphom Transplantationsinfusion zur Folge. Die Aufarbeitung meiner Grenzerfahrungen in diesem Zusammenhang veranlassen mich in der mir noch verbleibenden Zeit, von der ich gegenwärtig nicht sagen kann wieviel das noch sein wird, mich noch stärker der Durchdringung von Vorstellungsbildung und  fortlaufender Auflösung aller Vorstellungen im Sinne der Philosophie der Freiheit Rudolf Steiners zu widmen. Dieser Prozess markiert den Bewusstseinswandel vor dem Ich und jeder Mensch heute stehen ihn in individueller Weise zu vollziehen, denn das Wirklichkeitsverständnis verändert sich unter unseren Füssen fortlaufend, so ich es wage über meinen eigenen augenblickshaften Vorstellungshorizont hinauszusteigen - in einer geradezu bestürzenden Weise. 

Die verdrängte In - Welt -  Krise tritt allenthalben überdeutlich zu Tage, während wir in zahlreichen 100 Jahre Feiern „vermeinen“ Rudolf Steiner würdig zu gedenken anstatt uns zu fragen, wo habe ich versagt in Vorstellungsüberwindungen konsequent mich ins Niemandsland, in das Nirgendwo hineinzustellen und in den Kräfte Turbulenzen, die dabei auftreten meine Standfestigkeit zu üben. Es gibt keinen Abgrund, nicht einmal eine Schwelle zwischen dieser Welt - dem ihm durch uns zeitlich begrenzt eingeprägten Wirklichkeitsverständnis - und der sogenannten geistigen Welt. Alles durchdringt sich gegenseitig, ist jeder Zeit präsent. Nur meine aufrechte Haltung und wenn Sie sich hier hinterfragen wollen, in dem Sie sich in ihrem Alltag mit einer umfassenderen Redlichkeit bewegten, kann die von uns erzeugten illusionären Vorstellungen von den Bildern, die Rudolf Steiner benutzte um die grössere Ganzheit aufzuzeigen abziehen. Erwachen am anderen Menschen.

Erwachen am anderen Menschen ist keine schöne Geschichte, sie ist unser aller individuell zu erfahrendes Ereignis, wenn wir dazu nur wirkkräftig uns die Hand in kleinen Gesten umfassender reichen könnten als uns auf die vielfältigste Weise beständig offen oder verdeckt immer wieder abwertend bis geradezu feindlich abzugrenzen, um nicht zu sagen anzugiften oder gar ein Bein zu stellen. Ich/Wir sind Teil des Geschehens, das um uns stattfindet und damit auch mitverantwortlich für das was dort geschieht - wenn dieses uns auch überhaupt nicht gefallen mag. Wir sind mitverantwortlich.

Wir sind mitverantwortlich. Ich will also zur Sache kommen, zur Sache - mit der ausdrücklichen Betonung damit Niemanden hier persönlich attackieren zu wollen. Doch zu einer im Wortsinn redlichen Betrachtung der Sachlage ist ohne „die fragende Rück“ - Sicht auf mich selbst nicht mehr zu gelangen, wenn ich den Chaos-Kräften der heute allenthalben vor unser aller Haustüren herumlungernden Illusionen und Troll-Attacken nicht in die Arme laufen will. Ich sage es ausdrücklich: Niemand ist diesbezüglich vor Attacken gefeit, der die Redlichkeit bis auf den fliessenden Grund in sich nicht bereit ist zu üben. Und das wird und muss weh tun. Wo dieses nicht Erlebnis wird fehlt es schlichtweg an der genügend tief greifenden Redlichkeit im fragenden Umgang auf diesen seinen eigenen Grund hin.

Das „Raumschiff Anthroposophie“ will und muss landen und in wie weit das geschieht liegt verantwortlich „in eines jeden Hand,“ der dieses Raumschiff jemals für eine kurze oder längere Reise genutzt hat. Es ist an der Zeit. Mit dem 100. Todestag von Rudolf Steiner läuft aus meiner Sicht dessen sogenannte Verantwortlichkeit für jedes Missgeschick in der Umsetzung von Anthroposophie ab. Kritiker wie Befürworter seiner Gedanken sind herausgefordert ein sehr viel „Mehr“ an sachlicher wissenschaftlicher Verantwortlichkeit als bis anhin zu Tage zu fördern. Aristoteles und Kant lassen grüssen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 12.01.2025





Samstag, 29. Juni 2024

Der Ruf von Johannes dem Täufer in heutiger Zeit

 „Siehe, ich sende meinen Gesandten vor Dir her,“…

Wer ist der Gesandte, wer ist der jeweils Gesandte in dem Leben von den Menschen unseres Alltagsumfeldes? Wer??? Und … warum erblicke ich, wir hier den Gesandten auf unseren Wegen durch das Leben so selten „unmittelbar“ oder erinnern uns oft erst viel später, auch zu spät daran, welche Chance uns da das Leben in den Weg gespielt hat mit dem für bedeutungslos gehaltenen Menschen, der uns z.B. in der Fussgängerzone für einen winzigen Moment angelächelt hat.

Wer ist also der Gesandte in dem Leben eines jeden von uns unter den Augen des Johannes des Täufers? Es ist das Du, das Dir jeweils bei dieser oder jener Gelegenheit in den Weg tritt. Es ist konkreter gesagt genau immer jenes Du, das Dich in Deinen Vorurteil-Anhaftungen offen oder still auf die eine oder andere Weise herausfordert. Es ist das Du das Dich herausfordert  w e i t e r  zu denken, vom Gesichtspunkt des anderen Menschen also, vom Du das Dir eben jetzt gegenüber steht das Thema denkend zu durchdringen das zwischen euch steht und die eigene Sichtweise zurückzustellen. Das Dich bittet, ja bittet in die Stille einzukehren und zu verstehen, wirklich zu     v e r s t e h e n was diesen Menschen bewegt, was nicht heisst Du müsstest damit Deine eigenen Gedanken zu dem Problemkomplex entsorgen. Nein, es bedeutet zu verstehen ohne Beimengungen oder Verfremdungen durch Deine eigenen Gedanken.

Wo die Stille nicht einkehren kann und darf, dort kann der Kyrios, der Christus oder auch der Meister von Emaus nicht zwischen die Menschen treten, um mit seinem Segen zu heilen. Dort kann der Erzengel Michael nicht die Metanoia Taufe bewirken, um über das Ego hinaus das Ich als schöpferischen Kraftquell mit einem jeden Menschen zu verbinden. Kann das Ich, aus den Banden seiner Ego-Vorstellungen befreit, nicht auf die Reise seiner Selbstverantwortung gehen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 29.06.2024

Dienstag, 25. Juni 2024

Denken ist ... ein Facebook Kommentar

Etwas verspätet will ich mich nun doch noch in den hier laufenden Denkprozess entlang der Philosophie der Freiheit einbringen. Ich springe mitten hinein und frage ist das so, dass ich zuerst einen Standpunkt ausserhalb meiner Aktivität einnehmen muss, wenn ich meine Gedanken „über“ den Tisch „und“ den Tisch beobachten möchte. Ist das so? Oder lasse ich mich da aus Gewohnheit von der grundständigen Befangenheit einfangen - Ich und Welt als meine nicht weiter mehr zu hinterfragende Dualität Erfahrung in meinem von Logik folgerichtig geleiteten Erleben unbesehen zu billigen. Ist mein vielleicht allzu leicht hingenommenes Abgleiten in die Dualität näher betrachtet nicht eine Folge - und jetzt segle ich wirklich hart vor dem Wind - von Denkfaulheit? Von ungenügender Achtsamkeit auf qualitativ tiefere Erfahrungsdimensionen des Denkens? 

Denken kann nicht inhaltlich gedacht werden. Denken ist in sich durch und durch Prozessgeschehen. Und als Prozessgeschehen offen, offen und noch einmal offen und damit nicht im gleichen Augenblick auf irgendwelche Inhalte zu beziehen. Denken ist in sich ein Blicken, ist Blickgeschehen mit dem tieferen Auge, dem Horus-Auge um es bildhaft auszudrücken. Denken ist pure Tätigkeit und solange ich nicht zu einer derartigen „Erfahrung“ gelangen kann denke ich kurz und bündig gesagt einfach nicht wirklich. Ich gaukele durch „Vorstellungen,“ die mir weiter nichts vermitteln als den blossen Schein von Wirklichkeit.

Deshalb auch die „Brandaufforderung“ von Rudolf Steiner im Zuge der Weihnachtstagung 1923 alle, wirklich alle Vorstellungen zu verbrennen, wenn sich „geistige Augen“ öffnen können sollen auf die sich notwendig zu erneuernden Beziehungen der Menschen, was auch heisst Denkhaltungen untereinander. Die geistige Welt liegt vor unser aller Augen offen zutage, ich,  wir müssen uns nur wirklich tätig in Gang bringen, was heisst unsere so weit reichenden Ego-Sicherheitsbande hinter uns lassen, sie abstreifen, abstreifen, abstreifen … 

Denken hat mit Gedanken Auffädeln, mit Gedanken einander zu und untereinander umordnen nichts zu tun. Denken ist kein puristischer Vorgang sogenannten reinen Denkens. Damit würde ich neben der Dualität Falle nur in eine weitere Abstraktionsfalle hineinlaufen, in die seinerzeit schon Kant sich verfangen hat mit seinem Konstrukt des „Ding an sich.“ Dem Ding an sich mit der Folge, dass er das Ich in seinem Dornröschenschlaf belassen hat. Was die weitere Folge auslöste, dass heute Subjektivismen aller Art nur so um sich greifen können und Verschwörungserzählungen nach freiem Belieben auslösen. Zeugen eines in sich gleichsam abschmierenden Denkens.

Denken ist seiner Essenz nach dem Verbrennen aller Vorstellungen die Entscheidung zum Gang über das Wasser und damit das Gehen über beständig schwankendem Grund.  Denken bedeutet bereit zu sein durch das Nichts zu gehen mit der nicht genug zu vertiefende Frage, weis ich das ich nicht weis oder weis ich was ich weis? … Ohne in der Nachfolge des Sokrates den Giftbecher zu leeren, die eigenen Ego Anteile in Denkbemühungen unter den Menschen zu sich zu nehmen, sie schlucken zu wollen kann ein über den Verstand hinaus gehendes Denken in Bewusstheit nicht Wirklichkeit werden.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 25.06.2024

Donnerstag, 16. Mai 2024

Ein etwas anderer Blick auf die gegenwärtige weltpolitische Konfliktlage um Israel und seine Verbündeten

Ist das so, die politischen Linien der Verwerfung zwischen den Völkern in Ost und West als Blutlinien der Unterwerfung unter den US-Imperialismus zu betrachten >Yeshayahu Ben-Aharon<, ist damit möglicherweise nicht eine grobe Vereinfachung verbunden? 

Erinnern wir uns an den Auszug des Volkes Israel unter der Führung des Moses aus Ägypten als Befreiung von imperialer Macht. War das im Blick auf eine Unzahl von Wiederholungen der Befreiung des jüdischen Volkes aus den verschiedensten Umklammerungen im Laufe der Geschichte von heute her betrachtet alles was Moses tief innen vor Augen stand, als er sich mit seinem Volk auf diesen Weg der Befreiung begab? Sicher, das Joch des Pharaos abzuschütteln war das Ziel, aber dynamisch durch die Geschichte betrachtet, konnte es das alleinige Ziel von Moses gewesen sein das im Raum stand?

Schauen wir uns die heutige Situation des Staates Israel an. Israel ist - auch wenn das nicht gefallen mag - ein imperialer Staat unter dem Schutz der Amerikaner. Die Vorfahren der heutigen Bürger Israels flüchteten seinerzeit vor dem Joch der imperialen Macht, das der Pharao über sie „unerbittlich“ verhängt hatte, sie flüchteten in der neueren geschichtlichen Zeit vor dem Terror Nazi-Deutschlands und …, was haben sie, bzw. alle diejenigen, die mit diesem Volk eine wie auch immer geartete Geschichte eingegangen sind daraus gelernt? 

Ein halbherziger Beistand der Deutschen und Amerikaner aus einer je unterschiedlichen Staatsräson heraus, eine „zumeist tief verborgen ungeliebte“ scheinbare Beistandspflicht einem imperialen Partner gegenüber? Warum nur diese Halbherzigkeit? Muss das hier nicht tiefer hinterfragt werden? Und Israel selbst: Hat es die ganze Botschaft des Moses wirklich bis in seine Tiefen hinein verstanden … und umgesetzt? Hat der Israeli und der Deutsche die innere Konfrontation mit den sehr alten wie den neueren Traumata wirklich in Ganzheit gesucht und ist daselbst dem reinigenden Schmerz - ohne Flucht in die Opferumkehr - begegnet und von daher berechtigt(?) Beistand (von Amerika) allseits einzufordern, bzw. von Deutschland wie selbstverständlich jegliche moralische Unterstützung zu erwarten?  

Versuchen wir uns noch tiefer an das heranzutasten was im Untergrund das bisher Nicht-Aufgelöste dieses Konfliktes die Staatsfindung Israels anhaltend begleitet. Israel lebt unter dem Joch seiner selbst geschaffenen imperialen Macht, mithin in der Umkehrung des ehedem ägyptischen Joches nunmehr von oben nach unten. Ist diese in sich gekehrte Wiederholung das Ziel seiner Befreiung gewesen, hat es mit dieser Umkehrung der Verhältnisse in seiner Staatsfindung das erreicht, was mit seinem ursprünglichen Auszug aus Ägypten an traumatischen Erfahrungen aufzulösen war?

Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmahl für Brandmahl, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme (2 Mose 21,24). 

Moses spricht hier eindeutig. Es geht ihm um Wiedergutmachung und Vergebung, was in meinen(unserer aller(?) Augen eine grundlegende innere Umkehr der eigenen Haltung gegenüber dem Leben bedeutet. Imperiale Macht ist demgegenüber in erster Linie auf Selbstbehauptung ausgerichtet. Sie ordnet alles was in diesem Staat geschieht wie selbstverständlich auf Sicherheit hin aus. Was die stets untergründig anwesende Frage auslöst: Ist das was jetzt geschieht dem Erhalt und Schutz des eigenen Staatswesen dienlich oder gefährdet es seinen Bestand? Das Verständnis für die Menschen und ihre tatsächliche Lebenssituation in Gaza kann demnach vor der Gefahr eine stets nur untergeordnete Rolle einnehmen. Dies wiederum induziert die weitere Frage. Ist die „Lebenssituation“ der Juden im Ghetto von Warschau während des 2. Weltkrieges nicht sehr ähnlich der Lebenslage der quasi staatenlosen Bürger von Palestina in Gaza, ohne damit beide Geschehnisse eins zu eins miteinander vergleichen zu wollen. Die Lebenssituation beschreibt in beiden Fällen eine Ghetto Situation.

In diesem Zusammenhang muss ich ich seit geraumer Zeit immer wieder an das Vermächtnis denken, das mir vor langer Zeit in dem scheinbar so einfachen Satz: „Du musst  w e i t e r  denken“ übergeben wurde und mein ganzes weiteres Leben von da an, noch ehe ich es versah, tief bestimmte und in seinen Grundfesten  immer  wieder  herausforderte.  Du musst  weiter  denken. Du musst in die  W e i t e  und die        T i e f e  hinein denken in Allem was immer Dir von innen und aussen begegnet. 

Das Gesagte von daher zusammenfassend betrachtet: Was kann dieser Satz - Du musst weiter denken - vor dem Hintergrund dessen, was Rudolf Steiner nach der Weihnachtstagung von den Mitgliedern der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft erwartete, nachdem er mit den Tagungsteilnehmern gleichsam den  S I N A I  Gipfel in gemeinsamer Wanderung über einige Tage hinweg bestiegen hatte hier bedeuten.  Dass sie alle dazumal und wir alle heute gefordert sind uns durch alle unsere lebenslangen Ich - Du Geschichten mit daraus hervorgehenden Vorstellungen hindurch zu arbeiten, um Illusion im Vermeinen von noch zu erringender Wirklichkeit zu scheiden (siehe: Die letzte Ansprache Rudolf Steiners vom 28.09.1924). Das heisst: Individuell möglicherweise traumatische Selbst - Verhaftungen sind aufzuarbeiten um Wege in geistesgegenwärtige Präsenz eröffnen zu können. 

Rudolf Steiner hat sein Lehramt niedergelegt, wir sind also in unserem Metanoia Durchgang hinfort auf uns alleine gestellt. Moses ist seinerzeit auf den Berg Horeb gestiegen und hat sterbend sich von seiner 40jährigen Führungsverantwortung gelöst. Scheinbare Parallelen, die auf ein Gemeinsames deuten, den individuellen  S I N A I  Aufstieg zu finden als Schicksal-Aussöhnung des Volkes Israel und all jener, die mit diesem Volk verbunden sind, bei gleichzeitiger Bereitschaft der Übernahme eigener Ich-Verantwortung für individuell zukünftig sich stellende Aufgaben in einer hoch fragilen Welt. Die Blutlinie oder geistgemäss ausgedrückt die Drachenlinie verläuft heute zwischen Ego-Sicht und Ich-Präsenz, was heisst dieser Umstand kann wirklichkeitsgemäss betrachtet nicht mehr auf einen wie auch immer zu bezeichnenden Aussen - Bezug bzw. eine Beistandsverpflichtung abgewälzt werden. Der Hass auf Israel wird sich nicht wenden lassen ohne allseitige Metanoia Ein- und Umkehr.

Michael steht uns still zur Seite in den Gefährdungen unserer individuell durchzugestaltenden Alltagswege  im Aufstieg zum Berg  S I N A I.  Er hält die Waage in der seelischen Beobachtung.

© Bernhard Albrecht Hartmann 16.05.2024  



Sonntag, 14. April 2024

"Hörst Du" was die Natur Dir zuspricht?

Wenn wir genauer auf das Lauschen würden, was sich im Toben der Elemente auszudrücken sucht, dann würden wir zutiefst erschrecken. Denn das was dabei geschieht durchkreuzt keineswegs die tagesaktuell unterschiedlichen Wünsche der Menschen, wie zum Beispiel nach mehr Sonnenschein oder etwas herunter gekühlten Temperaturen. Es ist  n o t w e n d i g e r  reinigender Ausgleich der globalen Elementarkräfte im Ringen für ihr schöpferisches Schaffen, das durch die Blindheit der Menschen in Schieflage geraten ist und sich keineswegs, wie uns von politisch/wissenschaftlicher Seite glaubhaft gemacht werden möchte noch beherrschbar sei, wenn …

Der gegenwärtige Zeiten-Wende Hipe ist vom Grund her ein Fanfaren Ruf nach tiefreichender Bewusstseinsumkehr für  a l l e  Menschen. Passivität und Empörung über säumiges Verhalten politisch/wirtschaftlicher Kreise, das war gestern als billige Ausrede opportun.  Heute zählt nur noch die Verantwortungsübernahme für das Weltganze und sei es über noch so kleine Beiträge eines jeden Einzelnen von uns allen. Denn: Wirksame Verantwortlichkeit bildet sich im Verbund vieler kleiner Tropfen echter Bereitschaft zur Umkehr. Veränderung kann ich demnach nicht mehr an diese oder jene Partei delegieren. Ich kann mich nur selber immer tiefer in die Verantwortlichkeit hineinrufen. Jede Stunde und jeden Tag.

Die Zeiten-Wende Währung ist demnach nicht der Bitcoin oder irgendeine andere Anlage für die nähere Zukunft, sie ist allein die  R e d l i c h k e i t  im Umgang mit mir selbst und die aufrechte Bewusstseinskraft die mir in den Fährnissen dieser Zeit dadurch von innen her zuwächst. Mich das rechte tun lässt - wo immer es von mir gefordert wird. 

Im Durchgang durch mein Metanoia bin ich nicht allein. Der Meister von Emaus ist an meiner Seite.

© Bernhard Albrecht Hartmann 14.04.2024


Sonntag, 10. März 2024

Johannes 1, 1 - 18 Prolog (1) Dritte überarbeitete Version

Alle schöpferische Freiheit des Urbeginns liegt gegründet im Wort und die Befreiung dieser dem Wort innewohnenden schöpferischen Kraft ist in die Verantwortung eines jeden einzelnen Menschen gelegt, auf dass die Einzelnen ihr schöpferisches Ich entfalten durch die göttliche Kraft des Wortes.

Sie, die schöpferische Freiheit war und ist immer bei den Einzelmenschen, denn nichts von dem Gewordenen ist jemals anders als durch die befreiende Kraft des Wortes geworden. In ihm wird stets von neuem offenbar die Quelle allen menschlichen Seins. Und - "aus dieser Quelle" strömt immerdar leuchtende Liebe für die Menschen. Diese Liebesfülle strahlt hinein in die Taträume der Menschen, rufend zu den Menschen mit wachen Sinnen und erflehend ihren Opfer- und Wandlungswillen.

Doch der immer wieder aufs neue im Selbstsinn erstarrende Wille der Menschen baut aus tief gegründeten Ängsten eine Mauer der Finsternis um sich herum, anstatt der Kraft des Lichtes im Wort zu vertrauen, die selbst geschaffenen Finsternisse aktiv zu durchdringen und im innerlichen Annehmen derselben die Kernung des eigenen Ich voranzubringen.

Denn durch das Licht ist und wird das Leben und aus dem Fluss dieses Lebens das lebendige Ich gezeugt. Dieses stets aufs neue sich fort zeugende Ich aber ist das Licht der Menschen. Durch das Du scheint die stille Aufforderung, in den eigenen blinden Flecken den Weg zum Ich-Werden zu sehen und zu eröffnen beständig in die Lebenswelt der Menschen. Doch die mangelnde Wachheit der Menschen lässt den Werde-Ruf, der in unendlicher Güte durch die Worte des Du auf stets neue Weise ausgesandt wird, in den Schatten des menschlichen Selbstsinns ersterben.

Es war da Johannes, auch der Täufer genannt, der seinem Schicksal nach ein Zeuge des Lichtes war und – da er in stiller Ergebenheit auch im Angesicht seiner Enthauptung nicht wankte für das Licht zu zeugen – ist er seither der verborgene Hüter eines jeden Du, das unter der Verneinung des Werde Rufes des göttlichen Ich als Zeuge für das Licht von den Mitmenschen verkannt wird. Nicht ist das Du und in ihm der es überschattende Geist des Johannes das Licht, nur ein Zeuge für die schaffende Kraft des göttlichen Lichtes - zur Belebung der Mitmenschen in einem jeden Augenblick ist das Du - und in ihm die zu allen Zeiten anwesende Zeugenschaft des Johannes.

Auf das Licht hinter seinen Worten verweist ein jedes Du mit seinem Sagen zu jeder Zeit und durch all seine Worte, denn es sind niemals nur seine Worte, sondern unscheinbar auch die Worte des göttlichen Ich, das leise die Wege der Wandlung weist. Das göttliche Ich wandert alle Tage an der Seite der Menschen, auf das sie durch sein Licht Zuversicht finden auf den Wegen ihres Werdens.

Nicht war Johannes das Licht und nicht ist das Du das Licht. Das Du ist ein Träger des Lichtes, unscheinbar behütet und barmherzig begleitet von der Kraft des Johannes. Ein Zeuge des Lichtes ist das Du, denn das göttliche Licht ist auf allen Wegen des Du zugegen. An der Seite des Du ist das Licht auf dem Weg in die Erdenwelt und dieses Licht, das unentwegt strömt aus dem göttlichen Urbild des Menschen wird alle Menschen erleuchten und ihr Ich-Kraft erwecken.

Das Geistes-Urbild des Menschen ist seit Anbeginn der Zeiten in der Welt, denn alles ist aus dem inneren Hinschauen auf dieses Urbild und der stets aufs Neue sich daran entzündenden Freiheitskraft des Menschen geworden, die Menschen aber haben es bisher noch kaum erkannt und in sich belebt.

Über das Du wendet sich das Licht an die Einzelmenschen und sucht sie in ihren Herzen zu erreichen, doch die Einzelmenschen ziehen es vor ihre Vorstellungen über das Sagen des Du weiter zu pflegen, anstatt sich der eingeborenen schöpferischen Kraft, die durch das Ich sich zeigen will zu öffnen.

Diejenigen aber, die sich dem göttlichen Ich innerlich zuwenden, indem sie ihren Selbstsinn opfern und durch innere Wandlung der Kernung ihres Ich den Weg ebnen, haben in den Worten des Du das Evangelium des menschlichen Urbildes vernommen. Sie bereiten hinfort, gesegnet von der Weisheit- und Liebekraft des dem menschlichen Urbild innewohnenden göttlichen Ich, dem Licht den Weg zu den Herzen der Menschen.

Als in die schöpferische Freiheitskraft ihres eigenen Wesens hinein erwachende Menschen leben sie allein aus der Zuversicht auf das göttliche Ich hin und dürfen, wann immer sie dessen bedürfen, seine Kraft und Gegenwart erleben.

Nicht mehr leben sie im Rausch ihrer Illusionen und in der Fixierung auf ihre Vorstellungen, die von zerfallenden Blutskräften gewirkt, nichts als Dunkelheit um sie her schaffen. Nicht mehr leben sie aus dem leiblichen Begehren ihren Selbstsinn gegenüber den Worten des Du durchzusetzen, sondern erfahren im Licht der sich befreienden Ich-Kraft, das ihnen durch die Pforte des Du entgegen leuchtet, die Geburt ihres eigenen Freiheitswesens.

Sie leben aus der Wertschätzung für alles Menschliche und schaffen so dem Wort in ihren Ich-Taten einen irdischen Leib. So folgen sie dem nach, der zu allen Zeiten an der Seite der Menschen geht, dem aus dem Vater und Mutter Göttlichen geborenen Sohn.

Von jeher lebt die Freiheit entfaltende Kraft des Ich in dieser Weise unter uns, für alle sichtbar, die mit wachen Augen durch die Welt gehen, denn für sie ist die Offenbarung seines Wesens in den Schwellenerfahrungen mit dem Du eine beständige Tatsache. In den Schmerzen der wechselseitigen Du-Begegnungen geläutert, weitet sich ihr Blick für die Fülle seiner begnadenden Liebe und heilenden Wahrheit an der Schwelle von Du zu Ich (von Ich zu Du).

Auf das göttliche Ich-Urbild richtet sich die weisende Hand des Johannes. Im göttlichen Ich-Urbild ist gegründet das Du, das dich anspricht, wo immer du gehst. So nimmt dich auf deinen Schicksalswegen stets von neuem an seine Hand das Du und verkündet in seinem Sagen an Dich, überschattet vom Geist des Johannes die ewige Gegenwart keimender Freiheitskraft im Ich durch die Zeit zu entfalten.

Und es spricht: Vernimm in meinen Worten nicht mich, sondern sieh Dich selbst in Deinem Spiegelbild, das sich im Schimmer des göttlichen Urbildes, das mich unscheinbar überlagert, sich abbildet. Geh den Weg deinen Sinn zu ändern und du wirst wissen, dass ich nur zu künden habe von dem, der nach mir kommt, der aber mir wie Dir durch alle Zeiten vorangeht, um die Fülle seiner Liebe über uns beide auszugiessen.

Die Richtschnur des Gesetzes hat Moses gegeben. Die begnadende Liebe und heilende Wahrheit aber wird den Menschen in dem Masse zu Teil werden, wie sie die abweisende Hand gegenüber dem Sagen des Du zurücknehmen und sich im Schimmer des göttlichen Ich-Urbildes, welches das Du hinter seinem Sagen aufzudecken berufen ist, sich selbst erkennen.

Wo solches geschieht und durch das erkennende Ich, das Du von der Last seiner Werde-Botschaft frei wird, tritt der Christus aus dem Schatten hervor und spendet seinen Emaus-Segen. Mit diesem Segen aber ist für den Menschen der Weg offen, in der Schau auf den mütterlich-väterlichen Weltengrund, sein Wesen immer tiefer in Geistesfreiheit zu gründen.

© Bernhard Albrecht Hartmann 04.01.2011 (1)/10.03.2024

(1)   https://ich-quelle.blogspot.com/2011/01/innere-herausforderung.html 

Eine notwendige Nachbemerkung:

Nach 2003 liegt mit der hier vorliegenden Arbeit nunmehr die dritte überarbeitete Version des Johannes Prologs vor. Wer lesend still bei sich nach der Berechtigung und sachlichen Grundlage für diese hier vorgelegte Arbeit fragt, dem sei nur dies gesagt: Meiner Auseinandersetzung mit dem Johannes Prolog, die ich hier vorlege, liegen 50 Jahre meditativer Arbeit, wie gleicherweise praktischer Erfahrungs-Handhabung und fortlaufend lebensnahe Überprüfung derselben zu Grunde. Die hoch differenzierten Klangräume der Johannes Worte sind nicht einfach zu entschlüsseln. Ihr Bedeutungsumfang ist ohne tiefes existenziell Sich Einlassen auf sein Sagen innerlich nicht aufzuschliessen. Mut zur eigener schmerzlicher  Seelenverwandlung ist dafür unumgänglich notwendig. Meiner Erfahrung nach ist METANOIA das gesamthaft übergreifende Schlüssel-Wort dieses Prologs. Wer durch praktische Lebens-Meditation nicht auf eine derartige Umgangsweise mit dem Johannes Prolog einsteigen will, dem kann ich auch kein vor Johannes gültiges Urteil zu meiner Arbeit zugestehen. Denn wer die Ausdauer die aus Inspiration und Intuition geschöpften Klangräume der Johannes Worte sich zu eröffnen nicht aufbringen will, dem kann ich nur sagen, er möge lieber schweigen anstatt unter Verweis auf irgendeine ihm gültige Berechtigung mein Tun in Frage zu stellen. Ich füge ausdrücklich hinzu, der wissenschaftliche Standard für diese meine Arbeit ist die selbsttätige innere Erschliessung der "Quell-Bewegung" des Wortschaffens von Johannes, die in seelischen Beobachtungen erfasst werden kann. 

Dienstag, 20. Februar 2024

Johannes - Das Buch verschlingend (Albrecht Dürer)

 

                                                 

Wie allgemein beschrieben sehe ich die „Säulen-Füsse“ im Bild nicht als in Flammen stehende Füsse, sondern als vom Licht des Geistes in ihrem abstrakten Darinnenstehen in der Wirklichkeit gleichsam zur geistigen Offenheit hin aufgesprengte Füsse. Denn die Art wie diese Füsse den Boden berühren über den sie gehen spricht nicht von Sensibilität, sondern eher von Fremdheit oder Verschlossenheit gegenüber dem tieferem Erleben für dieses Wirklichkeitsfeld. Sie bilden keine unmittelbare Sinnesverbindung mit ihm ab und stehen als gleichsam tönerne Gebilde wie verloren im Bildganzen.

Die Dynamik des Bildes entfaltet sich zwischen Johannes und der lichten Gestalt, die ihm das Buch reicht. Er beginnt zeitgleich mit dieser Handreichung das Buch zu verschlingen. Und: Er wendet sich vom Schriftgelehrten Bücherstudium ab, erwacht für die Leuchtkraft des Denkens in seiner Unmittelbarkeit, findet die „Tateinheit“ mit dem Leben. Denken und Wille verbinden sich in tieferem Lebenserfahren in ihm. Er wird in seiner Person zur Brücke für Inspiration und Intuition. …

Und wächst über die duale Reflexion im Denken hinaus, erwacht für das vertiefte Leben und erneuert in seinem Tun, was seinerzeit schon Aristoteles wusste, dass Denken und Wille lebensgemäss nicht voneinander getrennt werden dürften. Er bezeugt gelebtes Bewusstsein beispielgebend für zukünftige Zeiten.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 20.02.2024

Bildquelle: I-F-1-54-StaatsbibliothekBamberg_0114.jpg

Freitag, 16. Februar 2024

Weisses Papier

Weisses Papier. Fürchte Dich nicht mich zu beflecken. Eine jede Spur, die Du setzt ist ein Ausdruck Deiner Würde, eine Gebärde Dich immer klarer in dem was Du bist zu manifestieren. Fühle die Scham ob Deiner Unvollkommenheiten im Hier und Heute dieses Augenblicks. Sie ist Ausdruck Deiner Vollkommenheit, denn sie beleuchtet das ganze Spektrum Deines Seins. Sie beleuchtet Dich und umarmt Dich zugleich. Du kannst Dir nicht entgleiten. Denn als Mensch bist Du vielfarbig. Und in keiner dieser Farben bist Du weniger wert als im weiss dieses Papiers, das eben jetzt vor Dir liegt und das Du mit Worten Deines Herzens belebst. Wage das Leben. Das Leben ist vielfarbig. Mut … Eine jede Erfahrungsfarbe auf Deinem Weg ist eine Stufe zur Auferstehung Deiner vollen Menschlichkeit.

Freitag, 12. Januar 2024

Fragment 1/2024

Das wirkliche Ich ist immer Einmaligkeit und damit Besonderheit. In dieser seiner Besonderheit ist es unantastbar. Unantastbar weil die Würde, seine Würde in Einmaligkeit unantastbar ist. Wer dies nicht so sehen kann, der wird sich folgerichtig als Egoist und in der Steigerung desselben als Narzisst einzigartig fühlen und von daher blind für das Wesenhafte des Menschseins auf andere Menschen herunterschauen. Sich grossartig fühlend verliert er jedoch unmerklich im gleichen Atemzug die Verbindung zur Einmaligkeit des eigenen Wesens und damit zum Ur-Kraftquell seiner Würde. Gross nach aussen verschliesst sich ihm der innere Zugang zum Menschen schlechthin. Das eigene Vermeinen im Vordergrund übersieht er den Schlüssel zum Leben, der sich ihm in der Stille des Augenblicks leise anbietet, wenn er denn sein Vermeinen über Du und Welt hier nur eine kleine Zeitfolge zu bändigen weis, um im Angesicht der Stille allein im Augenblick zu verharren. Im Augen-Blick. In der Stille dieses Augenblicks, in Einzigmaligkeit. Sich verneigend vor der Würde des so Anderen und vernehmend dessen Botschaft an ihn. 

© Bernhard Albrecht Hartmann, 12.01.2024

Dienstag, 2. Januar 2024

Friedensarbeit

 „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ (Hermann Hesse)

Um dieses Anfanges Willen das Wagnis einzugehen immer wieder einmal für einige Minuten durch eine städtische Fussgängerzone zu gehen - mit offenen Augen und von eigenen Vorurteilsnebeln befreitem Herzen - dem Leben nachspüren, das dort ständig um mich herum stattfindet, ein Lichtlein da, ein anders dort aufflammen lässt um mich zu berühren und nachdenklich machen kann in Bezug auf unbemerkt verengte Seelenräume in mir. Mit anderen Worten in den Augenblick einzutreten für das, was an durchaus Wundersamen um mich herum geschieht, wenn ich meine Augen momenthaft wirklich öffne, um über alle eigenen Schutzbarrieren hinweg „Teilhabe“ zu üben und mich zu verbinden mit der menschlichen Würde … des Fremdartigen - für das ich vermeine keine Zeit zu haben.

Wie schwer ist das denn höre ich raunen. Es ist nicht so schwer, wenn ich es mit Bedacht immer wieder einmal tue … und aus meiner Erfahrung heraus bereichernd und „Kraft spendend.“ Denn tatkräftiges Interesse für das so Andere, Interesse in die Tiefe hinein erschliesst nicht nur Erfahrungen über das oft so Fremdartige, es öffnet auch den Bewusstseinsraum für Bewusstseins - Lebenskräfte in mir. 

Ich trete heraus aus dem Schein in das Sein, denn so manches, das ich bisher - verbarrikadiert hinter meinen Ego zentrierten Vorstellungsschleiern - nicht sehen wollte wird auf diesem Wege zur ernsten Herausforderung für eigene innere Wandlungen. Metanoia Erschütterung als Weg-Wende-Markierung für echte Friedensarbeit. 

Halten wir inne. Kann es zwischen der Ukraine und Russland, zwischen Israel und Palestina Frieden geben, wenn dieser Friede nicht aktiv in meinem näheren sozialen Umraum beginnt. Alles ist mit Allem verbunden. Was immer ich tue, es erzeugt Wirkungen weit über mich hinaus.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 02. 01. 2024


Sonntag, 17. Dezember 2023

Wer nicht stirbt bevor er stirbt … Ein leiser Rückblick auf einhundert Jahre Zeitenwende

Advent - Zeit des Erwarten der Ankunft des Lichts. Licht … Geburt … Kind . Christgeburt - wie kann das sein, heute in diesen kriegerischen Zeiten dergleichen zu erwarten. Gegenwärtig und eben nicht wie allgemein geübt als festlich gepflegtes Gedenken der Überlieferung ferner Zeiten. Christgeburt demnach ganz konkret jetzt in diesen Tagen. Christgeburt  e r f a h r e n  im eigenen Herzen und Willen …

Das ist doch Nonsens oder etwa nicht? Und doch hat Rudolf Steiner sich davon nicht beirren lassen und während der Weinachtstagung 1923 (1) den modernen Weg zum Erfahren der Christgeburt eröffnet. Er hat den Menschen, die dazumal in Dornach sich um ihn versammelt hatten für einen Zeitenwende Moment durch seine Art in Sprachräume hinein zu lauschen das Tor aufgetan im inneren Dialog mit sich selbst in den Erfahrungsprozess der eigenen Ich-Geburt eintreten zu können. Im Vertrauen sie könnten den Weg aufnehmen, den er als Bewusstseinstat dazumal im Blick auf die Weltverhältnisse als Ferment für eine tiefer greifende soziale, welthaft geweitete Wandlung menschlicher Verantwortung von Mensch zu Mensch für notwendig erachtete. Welthaft geweitet … nicht Ego zentriert.

„ÜBE  GEISTERINNERN“ (2). Ungewöhnlich, so mag der eine oder andere Zeitgenosse im Hinblick auf diese Worte Rudolf Steiners heute denken, wenn er denn Kenntnis von diesem Ereignis bekommt. Wer jedoch bemüht ist nachvollziehend tiefer in diesen Prozess einzusteigen, der wird im erfahrenden Fortschreiten auf diesem Weg innere Erschütterungen nicht umschiffen können, denn sie sind in diesem mantrisch angelegten Prozess als keimbildende Substanzkräfte veranlagt. Es geht darin aus meiner jahrzehntelangen Arbeit nämlich um nicht weniger als dieses: Die aktive Wiederverbindung des Willens mit dem Denken, wie sie Aristoteles in seinen Gedankenbildungen zum Aktus als Entwicklungsaufgabe für die Zukunft innerlich bereits vor Augen standen (3).

Doch was heisst das denkend genauer forschend untersucht? Mit dem „ÜBE GEISTERINNERN in Seelentiefen“ betritt Rudolf Steiner im Nachgang zu Aristoteles den neuzeitlich Mysterien-Weg über das Selbsterkennen im Denken sehend zu werden. Damit knüpft er an seine wissenschaftliche Ausgangsposition an, die im Titel: „Die Philosophie der Freiheit - Grundzüge einer modernen Weltanschauung - Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode“ erstmals konkret niedergelegt ist und die vom Grund her besagt, dass ohne eingeübtes Selbsterkennen (seelische Beobachtungen) Wissenschaft, in Sonderheit Geisteswissenschaft nicht betrieben werden könne. Er fordert dies jedoch von der äusseren Wissenschaft seinerseits nicht ein, er geht vielmehr seinen Freiheitsweg in einer Weise, dass  Menschen, die ihm nachvollziehend folgen wollen ihr Selbsterkennen auf individuellen Wegen eigenständig ausbilden können. Zu Weihnachten 1923 stellt sich dieser Weg dann in der dreifachen Wortfolge: „Übe Geisterinnern in Seelentiefen, „Übe Geistbesinnen im Seelengleichgewichte“ und „Übe Geisterschauen in Gedankenruhe“ dar. 

Wer sich vor diesem Hintergrund nun die Frage stellt: Wie steht es um mein eigenes Denken? Was weis ich tatsächlich darüber? Was kann ich mir innerlich hier von Fall zu Fall mit Gewissheit vor Augen rücken, der wird früher oder später zutiefst erschrecken. Denn folge ich übend meinen eigenen Denkbewegungen nur um ein Weniges immer wieder einmal in vertiefter Intensität, dann werde ich im Verlauf derartiger Bemühungen zu gegebener Zeit unweigerlich erlebend zu Erfahrungen gelangen wie wenig ich eigentlich weis … und dass ich hier buchstäblich durch das Nichts zu schreiten herausgefordert bin. Will ich mich also über die eigenen inneren Bewegungsvorgänge aufklären, dann ist aktive Achtsamkeit durch mich vorrangig z.B. vor der Supermarkt Ladenkasse aufzurufen. Das Erwachen zu mir hin findet in meinen Augen nämlich dort oder bei ähnlichen Anlässen statt. 

Pointiert gesagt das Wissen um Ätherleib, Astralleib und dergleichen im wohl gehüteten Bauchladen ideell mit sich herumzutragen ist heute keine Option mehr. Der Astralleib will nämlich  konkret aktiv im Gleichgewicht gehalten werden quer durch alle Meldungen der Abendnachrichten im Fernsehen. „Übe Geistbesinnen.“ Er will im Gleichgewicht gehalten sein, wenn unterschiedliche politische Auffassungen zwischen einzelnen Menschen oder Menschengruppen, wie etwa zum Ukrainekrieg, in offiziellen Dokumenten zur politischen Ost - West Geopolitik unterschiedlich bewertet werden. Es geht also um die Ausbildung einer individualisierten Bewusstseinshaltung im Gleichgewicht … und nicht um Lagerbildung und daran sich anschliessende verschleierte Feindseligkeiten (sprich verborgenes Kopfschütteln über die Denkweise anderer Menschen/Dumm Gedödel unter Ausser-Achtlassen des eigenen zuckenden Astralleibs). Das ist keine kleine Aufgabe, sondern eine grosse Herausforderung, wenn ich sie denn wirklich in die Tiefe hinein ernst nehme.

Halten wir inne. Können  Konfliktlinien heute noch wirklich bereinigt werden ohne ein grundlegend gewandeltes Denken? Ein Denken, das im inneren Gleichgewicht in Seelentiefen gegründet … und durch das Erleben des Nichts belichtet wurde. Schon Platon sass der Illusion auf er könne in seiner ideellen Denkweise gegenüber dem Diktator von Sizilien Entscheidendes bewirken. Er musste fliehen, weil er nicht zu unterscheiden vermochte, dass ein gleichsam ideales Staatsgebilde auf dem eigenen inneren Bildschirm mit sich zu tragen, etwas gänzlich anderes ist als dieses umzusetzen. 

Von heute her gesehen muss Vladimir Putin gesamthaft ins Auge genommen werden und da kann es durchgehend sachlich betrachtet nicht angehen einzelne Handlungsaspekte von ihm über diese oder jene Rechtfertigungslinien gleichsam auszubleichen bzw. ganz auszuklammern … weil die Amerikaner … . Er ist verantwortlich, dass er eine Jahrhunderte alte Kultur in Schutt und Asche bombt. Das ist Fakt und nicht das Gerangel um die Interpretation diverser politischer Aussagen um sein eigenes Tun vor sich selbst  s c h ö n  zu reden. Die Verhältnismässigkeit der eingeleiteten Massnahmen gerät vollkommen aus dem Blick. Und das gilt auch für die Amerikaner und die Sprengung der Ostseepipeline 2 im Schatten der Einstellung der Öllieferungen Russlands aus eigenen Markt-Beherrschungsinteressen.

Genauer besehen gerät die Verhältnismässigkeit nach aussen hin immer dann aus dem Blick, wenn es um die Vernebelung von Bewusstseinsvorgängen geht. „Übe Geisterschauen in Gedankenruhe.“ Lass Dich also z.B. im Hinblick auf Versuche zur Einbindung in welche  Parteiung auch immer nicht übertölpeln, denn es geht vor dem Zeitenwende Bewusstsein heute nicht mehr um irgendwelche Gefolgschaften, ob nun Macht- und Meinungs- oder Meistergefolgschaften, sondern ausschliesslich um das Einüben von Bewusstseinsgegenwärtigkeit in Ich-Verantwortung. Da die Iche unterschiedliche Wege gehen müssen, um in Du Begegnungen Erfahrungen zu sammeln für ihr Erwachen zu sich selber hin kann es dabei auch vorrangig nicht um meine Einschätzung gehen ob hier richtig oder falsch gedacht wird, sondern um durchgehende Sachlichkeit  u n d  Respekt vor der Würde des anderen Menschen und dessen Denkwegen in Du Begegnungen. Um aktive Teilhabe also und die Bändigung des eigenen Astralleibs, der allzeit geneigt ist über Denk-Ufer zu springen nur um sein Vermeinen durchzusetzen. Dem Geisterschauen geht demnach die Umschmelzung eigener Schattenbezüge, die im Blick auf das Du und dessen Denkweisen gerne übersehen werden voran. Die eigenen Schattenanteile und nicht die des Du. Die eigenen … .

„Wer nicht stirbt bevor er stirbt, der verdirbt (4)(5).“ Was bedeutet das? Die durchgehende Neigung zur Rückbindungen im Denken an bis anhin gebildete Bezugsmuster im eigenen Denken nicht zu übersehen, bzw. vor sich selbst klein zu reden oder beiseite zu wischen, wenn ich Geist erinnernd feststellen kann, dass mich ein derartiges Bezugsmuster im Schattenmoment eines Augenblicks zur Fall gebracht hat. Es bedeutet auch über den anderen Menschen nicht herzufallen, wenn er einen Denkfehler begangen haben sollte. Mit der Konsequenz: Fragen zu stellen, die helfen eine sachliche Offenheit für weitere Denkbemühungen  m i t e i n a d e r  und über alle Grenzen hinweg in Wertschätzung  f ü r e i n a n d e r  zu ermöglichen. Was heisst die bisher mehr oder weniger bewusst im Denken bediente eigene Egozentrik zu Gunsten von dynamischer Offenheit durch mein Tun zu fördern. Mich von daher folglich stets bereit zu halten in Diskursen als wirksamer Ich-Repräsentant (6) (barmherziger Samariter) und nicht als, vom Grund her angeschaut, Geist Leugnender Pharisäer - weil in ideologischen Abstraktheiten gefangener (aus der Zeit gefallener) Zeitgenosse in Erscheinung zu treten. Dahin gehend aufzutreten indem ich andere Menschen nach meinem eigenwilligen Befinden anschwärze ohne dass ich in eine grössere Tiefe hinein mich abgemüht habe sie zu verstehen. Bewusstseinsseele zu leben ist schmerzhaft …, sehr schmerzhaft … Im Wirtshaus zu Bethlehem ist es ein Leichtes an Stammtischen Geistesfreunde auf die eine oder andere Weise despektierlich zu etikettieren. Schwer ist es hingegen den Mut aufzubringen sich durch die Kälte (sprich unzureichendes Einfühlungsvermögen) eigener Ego Keller-Winkel hindurch aufzumachen und die Geburtswege sich wandelnden eigenen Denkens über die Teilhabe am Denken des so anderen Menschen mutig im Ich zu gehen.

Mutig im Ich: Im Seelengleichgewichte in den Denkbewegungen des anderen Menschen mitzugehen und dessen Denkwege zu teilen ohne eigene Vorstellungen auf ihn zu übertragen. Wenn dem in Anlehnung an diesbezügliche Worte Rudolf Steiners Folge geleistet wird, dann signalisiert dies die Bereitschaft mit der aktiven Individualisierung durch das Nichts, „das ich weis, dass ich nicht weiss“ zu gehen, also seinen existentiellen Todesprozess zu durchlaufen. Weihnachten 1923 ist in meinen Augen die stille Vorausnahme der Zeitenwende durch Rudolf Steiner für das Bewusstsein der Menschheit, die heute einhundert Jahre später dringender den je ansteht im Bewusstsein vieler Menschen tätig manifestiert zu werden.

© Bernhard Albrecht Hartmann


(1)  Weihnachtstagung am Goetheanum in Dornach 24.12.1923 - 01.01.1924

(2)  Siehe: Rudolf Steiner - Die Weihnachtstagung zur Begründung

       der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 24.12.1923 - 01.01.1924   

       3. neu durchgesehene Auflage 1963, Seite 54 - 55

       https://steiner.wiki/

       GA_260#GRUNDSTEINLEGUNG_DER_ALLGEMEINENANTHROPOSOPHISCHEN_

       GESELLSCHAFT_durch_Rudolf_Steiner_am_25._Dezember_1923,_10_Uhr_vormittags   

(3)  Siehe: Unter der Platane - ein Dialog über die Zeiten hinweg im zeitlosen Nullfeld

      1.Teil: 

       https://ich-quelle.blogspot.com/2013/12/ 

      2.Teil: 

      https://ich-quelle.blogspot.com/2015/01/

      unter-der-platane-ein-dialog-uber-die_10.html 

      3.Teil: 

      https://ich-quelle.blogspot.com/2017/04/

      ein-dialog-uber-die-zeiten-hinweg-im.html 

(4)  Jakob Böhme

(5)  siehe: 

       https://ich-quelle.blogspot.com/2023/11/der-racheengel-der-verderbnisse.html

(6)  siehe: 

       https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/ich-karl-balmer-die-frage-geht-weiter.html 

(7)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-eine.html 

(8)  https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-3teil.html

 

Montag, 20. November 2023

Neutralität … die zur Geburt zu bringende Zeitenwende Kunst (Ein Versuch hier Neulande zu betreten)

„Die Digitalisierung der Welt, die einer totalen Vermenschlichung und Subjektivieren gleichkommt, bringt die Erde ganz zum Verschwinden. Wir überziehen sie mit unserer eigenen Netzhaut. Dadurch werden wir blind gegenüber dem anderen. … sie (die Menschen haben) das Staunen über jenes andere sich abgewöhnt, mit steigernder Vertrautheit ums Fremde sich betrogen (1).“ 

Dieses Zitat habe ich bewusst von dem hier nicht zum Thema schreibenden Autor Byung-Chul Han übernommen um damit von Anfang an jenseits unserer eigenen Denkansätze bezüglich des Themas „Neutralität“ und von daher grundsätzlicher politischer Perspektiven zum Problemkomplex politischen Handelns leise drauf aufmerksam zu machen, dass Neutralität heute weltweit grundsätzlich neu zu denken und in seiner Eigenheit neu zu fassen ist. Mithin eine Kehrtwende von in eigener subjektiver Befangenheit erblindetem Verständnis gegenüber der Wirklichkeit zu vollziehen ist. Denn: Die Wirklichkeit zeigt uns allenthalben, von einer Waffenstillstandsabsprache zwischen verschiedenen Rebellengruppen, einem Übereinkommen in einem wirtschaftlichen Fusionsprozess zweier Firmen oder in Gesprächen über die Möglichkeiten wie im Krieg stehende Nationen den Weg an den Verhandlungstisch finden können, dass letztlich alles an der in nachvollziehbaren Tatsachen niedergelegten folgerichtigen Gedankenführung, sprich Glaubwürdigkeit vertrauensbildender Massnahmen, ohne Hintertüren und  verborgene Schlupflöcher hängt, die im Vorfeld zum Austausch gelangen. Und damit weist >die unbegrenzte Offenheit im Denken< dieser in Verhandlungs- bzw. Friedensinterventionen tätigen Männer und Frauen zugleich auf die Essenz der Neutralität hin, die mit der Zeitenwende neu zu belichten ist.

Neutralität im Denken, wie das? Ein Prozess, der taste ich nur einmal meine eigenen Denkwege daraufhin ab alles andere als leicht herbeizuführen und sehr oft noch schwerer zu halten ist. Ein Gleichgewichtsprozess auf dem Hochseil (2) mit unvorhersehbaren Abstürzen in eigenes Vermeinen, ein Zurückfallen also auf in der Vergangenheit bereits gedachte Denkpositionen, sprich Vorstellungsbildungen ohne dieselben vom Jetzt her zu  überprüfen und gegebenenfalls >neu zu denken<. 

Kann es sein, dass Neutralität dem Erleben nach auf Offenheit, auf weiträumig, wie gleicherweise in die Tiefe hinein fragendem Interesse für das Andere, das im anderen Menschen Fremdartige in seiner Ausdrucksweise beruht? Dass wir anstatt uns um eine Anschauung gegenüber mancherlei Fremdartigem, das mit diesem Menschen verbunden ist uns zu bemühen und … von daher schrittweise in vorsichtiger Annäherung auf das Hochseil des Begegnen mit ihm hinaus zu wagen … wir wortreich unsere Subjektivismen über dieses oder jenes Gesagte ausstreuen und Begegnung in der Tiefe so von Anfang an untergraben?

Neutralität kann demnach genauer besehen heute konstitutiv nicht mehr auf einer wie auch immer gearteten historischen Empfindungsgrundlage überkommener Anschauungsweisen ihr Fortbestehen gründen. Sie kann vielmehr nur insoweit  glaubwürdige Realität in der inneren Haltung von Menschen zueinander und von Völkern über Grenzen hinweg Wirklichkeit werden, wenn diese bereit sind Neutralität, sprich offenes Interesse für das Fremde, das so Andere von Augenblick zu Augenblick fliessend  neu zu denken und praktisch in Alltagsbegebenheiten entsprechend zu bebildern. Was z.B. heisst: Unbequeme Wirklichkeiten offen zu legen und von daher der Trennung von politischer und militärischer Neutralität (wie gegenwärtig im schweizerischen Diskurs zu diesem Thema nicht länger das Wort zu reden und derartige Konstrukte als das zu bezeichnen was sie sind. Vorsichtig formuliert: Ein Ausdruck von Nicht-Bereitschaft der Doppelbödigkeit vielfach sich überlagernder, verborgener politischer Wahrheitsrealitäten ernsthaft Aug in Auge zu begegnen. … Was sodann bedeutete ohne Interessen-Verschleierung sich zu öffnen für das Fremde, das mit der gegenwärtigen Weltlage dieses Land bestürmt. 

Ein Sturm fegt über Europa hinweg, eine Flüchtlingswelle, die immer weniger tatsächlich integriert werden kann. Integriert, weil es dabei nicht allein um die Einbindung in die bestehenden Sozialsysteme geht, die notwendig an ihre Grenzen gelangen müssen, wenn die Aufgabe der Integration nicht tiefer erfasst und allseitig auch gelebt wird. Heisst es doch vor dem deutschen Grundgesetz die Würde des Menschen ist unantastbar. Würde kann aber spitz formuliert nicht bundesweit in Container Wohneinheiten abgelegt, bzw. europaweit in Flüchtlingslagern (wie z.B. Lesbos und Lampedusa oder Pariser Vorstädte), hinter gegenseitig sich blockierenden Verwaltungsvorschriften verschoben bzw. ausgegrenzt, ohne Perspektive festgehalten und … vergessen werden.

Würde ist etwas das gelebt, also bevor es gelebt werden kann in seinen inneren und äusseren Lebensbezügen erkundet und gefördert sein will. Wenn Würde über gelegentliche politische Proklamationen zu den Menschenrechten hinaus heute eine innerstaatliche Lebensrealität darstellen würde, könnte es dann soviel bundesweites  Cyber- bzw. Schulhof- Mobbing geben? Wer den Umgang mit Würde in der Schule nicht umfassend genug lernen konnte, ist von dem in seinem späteren Leben zu erwarten, dass er sich dem Fremden soweit öffnen kann um an seiner Integration  a k t i v  mitzuwirken?Ist der in der Lage, dass er sich dem Übergriff z.B. von Seiten diverser Clan-Bünde innerhalb seiner Möglichkeiten widersetzen kann und Grenzen zieht, die letztlich zum Schutze des eigenen Gemeinwesens beizutragen vermögen? Wo Migration innerstaatlich zum Problem wird verweist das auch auf weitreichende bildungspolitische und staatspolitische Versäumnisse in der Vergangenheit zurück. 

Stürme erfassen einen Landstrich nicht von ungefähr. Sie sind Folge komplexer Luftdruck-Verhältnisse und mähen zu ihrer Zeit Wälder nieder oder führen zu Überschwemmungen ganzer Landstriche. Sie sind von daher Mahnrufe über die Erneuerung im weitesten Sinne des Wortes ernsthafter nachzudenken, sind Weckrufe dafür was Leben in seiner Tiefe bedeutet. 

Wenn also Flüchtlingsströme Europa  b e s t ü r m e n dann ist das auch ein Aufruf für: „ÄNDERT euren Sinn.“ Sprich für ein tief greifendes Metanoia auf eigene Lebenseinstellungen hin. Neutralität gebiert sich nämlich letztendlich aus der Bereitschaft zu eigener Lebensveränderung. Sie ist von unten her eine Lebensherausforderung auf „das Fremde“ hin und damit eine Aufgabe ein freies Geistesleben in Willenstaten zum Leben zu erwecken. 

Nüchtern betrachtet ist es die aller höchste Zeit das unverhohlene Donnern im gegenwärtigen Weltgeschehen (China) wirklich tiefgreifender zu erfassen, das da lautet: Kümmert euch um euere eigenen Missgeschicke was die Menschenwürde betrifft anstatt uns „Menschenrechts-Mahnplaketten“ bei jeder nur denkbaren Gelegenheit zu überreichen. Unsere Kultur ruht auf Grundlagen, die euch solange fremd bleiben müssen wie ihr dem schleichenden Fremdsein in euch selbst nicht ins Auge sehen wollt. Wandel durch Handel ist das eine, wirklich gelebter Respekt unserem Land, unserer Kultur gegenüber das andere. Von der Notwendigkeit des zu lebenden Respekts dem eigenen Sein gegenüber einmal ganz zu schweigen.

Die Grunderfahrung von Neutralität ist für den, der fragend im Sinne des Sokrates durch das Nichts hindurch - die Stille - sich ihr annähern will die  ERFAHRUNG von FRIEDEN. Frieden ist von daher die Erfahrung von Gegenwärtigkeit im Denken ohne wenn und aber. Verschleierungen im Denken, die nicht zeitgerecht verwandelt werden können sind mithin die Gewähr dafür, dass  Krieg weiter eine Notwendigkeit bleibt. Denn was heute in der Ukraine geschieht ist vom Grunde her nichts anderes als ein Kampf um das Bewusstsein des Menschen. 

© Bernhard Albrecht Hartmann 20.11.2023 

(1)  Lob der Erde - Eine Reise in den Garten 

      Ullstein Buchverlage Berlin, 3. Auflage 2020, Seite 25

(2)  Siehe: https://ich-quelle.blogspot.com/2019/12/der-dialog-als-beburtsstatte-der.html 

(3)  und: https://ich-quelle.blogspot.com/2023/06/vom-geistigen-pfingstfeuer.html 


Freitag, 3. November 2023

Der Racheengel der Verderbnisse

Eine skizzenhafte Bildbetrachtung angesichts der jüngsten Ereignisse in Israel und der daran sich anschliessenden Krawalle europaweit. Ich lese (in die Stille gehend) im Bild, das Jakob Böhme zugeeignet wurde und höre die Worte: Wer nicht stirbt bevor er stirbt, der verdirbt.

https://mystikaktuell.wordpress.com/2023/10/16/racheengel-uber-der-schopfung/?fbclid=IwAR0ZLJRxtxqr4GS2bKI0hKi5R7zuWNcpSAmjceJogr8fPRV5D4LKb2Dej3M  

Hermann Wöhler, Der Racheengel über der Schöpfung aus dem Bildzyklus An Jakob Böhme, 1930, Titelseite, Tinte auf Malkarton

Der Racheengel der Verderbnisse (Im Bild zur Mitte hin zielende Steingeschosse(?)). Doch repräsentiert der Engel in der Mitte den Racheengel? Oder tritt in ihm vielmehr der Erzengel Michael in Erscheinung?  Kopf, Herz und Hände in einzigartiger Ausdrucksgebärde kräftezentriert, das Schwert in seiner flammenden Kraft ganz in Stille haltend, >die Verderbnisse von Innen her bannend und verwandelnd.< Gleichzeitig mahnend, wer sich nicht um die Ich-Herrschaft über die ihm anvertrauten schöpferischen Kräfte müht, den werden die Verderbnisse zu seiner Zeit einholen. Denn sie sind bereits losgetreten (nicht erst wie vor eineinhalb Jahren im Ukrainekrieg und jetzt auch in Palestina und möglicherweise demnächst im Iran, China  … oder im Sozial-Media Hashtag und Mobbing, in Bot Kommentar Angriffen, bzw. diversen anderen Internet-Attacken usw.). Dämonische Kräfte zeigen immer unverhohlener (nicht nur aussen, sondern unmittelbar auch unter unseren eigenen Augen in uns) vermehrt ihr Gesicht.

Achtsamkeit ist also gefragt, gerade in vielen scheinbar kleinen Belangen unseres Alltags, wo Gewohnheiten versteckt vieles unbewusst bestimmen dem wir mehr unsere Aufmerksamkeit widmen könnten, um unser Lebensschiff in Folge geradliniger zu steuern. Denn der Mensch ist heute gehalten schöpferische Mitverantwortung zu übernehmen. An einen numinosen Gott sich zu wenden geht immer weniger. Dazu sind die menschlichen Bewusstseinskräfte zu weit entwickelt. Und das bedeutet Mut zu fassen. Und den Erzengel Michael hier versuchsweise einmal als den Repräsentanten für aus eigenen Seelentiefen noch zu befreiende menschliche Bewusstseinskräfte zu sehen.

Das bedeutet den Drachen, der im Zusammenhang mit dem Erzengel Michael immer noch weit verbreitet als das Untier gesehen wird, das es zu besiegen gilt, in unserem Anschauen unter einer erweiterten Perspektive anzuschauen. Betrachte ich nämlich das Bild, so ist das Untier Drache darin nicht wirklich zu sehen. Und dennoch tritt der Erzengel Michael aus einem nach unten hin wie ausgefransten Licht-Hintergrund hervor, der … angedeutet drachenhafte Bildbezüge aufweist. Bildbezüge, die in meinen Augen auf einen mehr energetischen inneren Seelenzustand des Menschen deuten? 

Der Drache also als bildhafte Brücke für im Menschen wirksame Kräfte, die es zu befreien, d.h. unter die Ich-Herrschaft zu stellen gilt? Der Drache als eine Bildkonnotation für zu entwickelnde vertiefte Bewusstseinskräfte? Den Drachen mithin nicht mehr als den grossen Feind, sondern als den Herausforderer und Förderer zur Entwicklung und Befreiung der Ichkraft aus der Ego-Gebärmutterhülle heraus in Betracht zu nehmen. Und still aus der eigenen individuellen Situation heraus Ego-Trigger-Punkte  in sich zu identifizieren und an ihrer Umwandlung und Überwindung zu arbeiten. Die kleinen Schritte und inneren Anläufe über alles Scheitern hinweg wirken hier mittelfristig nachhaltiger als „grosse“ Vorsätze. Die innere Bewegung in dieser Richtung ist viel entscheidender als Ergebnisse. Die menschliche Seele ist keine Wohnung, die ich schnell einmal mit Möbeln von Ikea so einrichten oder umorganisieren kann. Sie ist ein Wachstumsorganismus, welcher der täglichen Pflege bedarf.

Und der Racheengel? Er ist im Bild nicht explizit zu sehen. Und dennoch ist die rächende Kraft indirekt wirksam und wird unter der pflegenden Hand des Menschen für seine Seelenräume immer dort sichtbar wo innere Kräfte ihm aus dem Ruder laufen und dadurch seinen Händen entgleiten. Was Du nicht führen kannst, das bricht von Innen auf die eine oder andere Weise über Dich her. Kurz gesagt, wo ich nicht präsent bin tanzen die Dämonen. Ich könnte auch sagen Seelenkräfte werden in unterschiedlichen Graden entfesselt und treiben ihr Unwesen, sprich können Dich die Gassen buchstäblich auf und ab jagen. Wer solches bei sich noch nicht in Bild und Dynamik beobachten konnte, der hat möglicherweise noch zu wenig tief in sich hineingeschaut,  Die seelische Beobachtung sachlich auszubilden ist nämlich die entscheidende Aufgabe, um Zeitenwende nicht nur verbal zu benennen sondern diese auch explizit in Taten dokumentieren zu können, welche  ganz oben ansteht.

Das bedeutet den züngelnden Einflüsterungen und Übergriffen des Ego (Schlange im Bild oben die Weltkugel allseitig umwindend) Einhalt gebieten zu wollen, andernfalls ich fremdbestimmt die innere Führung über den Drachen (die schöpferischen Urkräfte in mir)preisgebe, ich nicht unter dem Auge der allumfassenden Aufmerksamkeit (Auge im Dreieck ganz oben im Bild) diese Kräfte bändigen und befreien kann. 

Was auf den Strassen gegenwärtig antisemitisch in Wort und Tat in Erscheinung tritt, politisch und militärisch in Israel eine Gratwanderung in Entscheidungen am Abgrund durchläuft, das versperrt oder öffnet die Möglichkeiten eines notwendig gleicherweise zu erweiternden wie zu vertiefenden Umgangs mit Grenzen übergreifender Menschlichkeit, die in unserer aller Verantwortung steht. Wo auch immer wir heute auf der Welt leben und arbeiten, unser Tun nimmt Einfluss auf das gegenwärtige Weltgeschehen, denn alles ist mit Allem untereinander verbunden … und ruft unsere wache Teilhabe und Mitverantwortung auf. Wenn am Ende des Tages mir also diese oder jene dramatischen Weltereignisse vor Augen treten, dann kann ich nicht mehr sagen: Das habe ich mir in seinen vorausgehenden Vorgängen so nicht vor Augen geführt und mich damit aus der Verantwortung herausziehen. Wie es ist … daran haben auch ich meinen Anteil.  D e n n:  

A l l e s   i s t   m i t   A l l e m   i n   s e i n e m   K r ä f t e w i r k e n   v e r b u n d e n. 

Das Wort ist Klang und lichte Schwingung wenn ich es tätig über seinen heute meist allseitig verklebten Zustand des Vermeinen hinaus von Innen in seiner ihm eigenen Kraftgestalt zu befreien vermag. Das Wort entfaltet dann eine freie Dynamik des bewegt in Bewegung-Sein und öffnet  dadurch den Weg auf den eigenen Urgrund hin. Denn: Der Urgrund liegt von heute her tiefer angeschaut nicht mehr in einem numinosen Aussen. Ich finde Anschluss an diesen Urgrund durch den Meister von Emaus, der mich durch den Erzengel Michael in beständiger Präsenz anschaut und begleitet, wenn ich ganz und gar in der Stille Wohnung nehmen kann. Dann kann mir dieses zur Erfahrung werden was sich in den Worten Jesu ausdrückt: „Und ich versichere euch: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.“ (Matthäus 28,20) Der Meister von Emaus tritt in mein Leben ein und erweckt die individuelle Willenskraft. 

Er tritt heilend ein  i n  d i e  S t i l l e,  in der  i c h  m i c h  n i c h t  länger meiner  Mitverantwortung  entziehe … und aktive innere Friedensarbeit leiste. Friedensarbeit entscheidet sich heute nämlich daran wie ich mit meinem Denken umgehe. Ich meinen Seelenraum immer tiefer auf den konkret wacheren Umgang mit ihm zu reinigen bemüht bin. Denken ist keine Privatsache. Vor dem heutigen Weltgeschehen „muss“ ich mich vielmehr entschieden fragen, wohin gehen die Energien meiner allzu vielen immer wieder leichtfertig hingeblätterten Gedankengebilde? Verduften sie im Augenblick oder vernetzen sie sich weltweit und stürzen vielfach aufgeladen z.B. über die Köpfe der Menschen in Palestina wieder in die unterschiedlichsten Seelenwirklichkeiten von Menschen herein und bewirken dort Schreckliches, weil ich nicht bereit war disziplinierter mit diesem meinem Denken umzugehen? Mitten im Weltgeschehen stehend bin ich  m i t v e r a n t w o r t l i c h  für das was geschieht. 

© Bernhard Albrecht Hartmann, 03.11. 2023      

Siehe unter anderem: 

https://ich-quelle.blogspot.com/2018/10/das-wirksame-ich.html  

https://ich-quelle.blogspot.com/2014/06/ich.html 


Montag, 2. Oktober 2023

Michael heute 3

Eine Kommentarantwort auf unten verlinkten Facebook Beitrag von Michael Eggert

https://www.facebook.com/groups/nobuanthro/?multi_permalinks=7701347623215774&notif_id=1696235743829068&notif_t=group_activity&ref=notif

Rudolf Steiner hat sein Lehramt mit der Weihnachtstagung 1923 niedergelegt. Er hat es getan, um - die Anhaftung an seine Person lösend - die Freiheit der Mitglieder in die Zukunft hinein zu gewährleisten. Noch deutlicher gesagt. Er mutete ihnen die Freiheit zu. Denn nur der Mensch mit dem Mut zur Freiheit (siehe letzte Ansprache von Rudolf Steiner 28.09.1924) kann eine Verbindung mit Michael eingehen und innerlich halten.

Dass dies einen Weg durch innere Schleudererfahrungen mit sich bringen würde, das wusste er, denn er selber ist diesen Weg innerlich vorangeschritten. Michael steht heute still zwischen den Menschen, was nicht heisst, dass er nicht auch fordert. Wer Geisterinnern konsequent übt, der kann das erfahren. Das zu Boden gehen  u n d  das aufgerichtet werden durch die Hand Michaels.

Welche Selbstverkennung des Tatsächlichen also von Seiten des Vorstandes und der Generalsekretäre sich durch die Art dieser Ansprache in einer Verbindung zu Rudolf Steiner stehend zu verstehen. Hat er sich doch unmissverständlich dahingehend geäussert, dass der Impuls der Weihnachtstagung verduften würde, wenn das Geisterinnern als Tat unter den Mitgliedern nicht aufblühen könne. Geisterinnern ist eine individuell zu gestaltende und zu verantwortende karmische Bemühung und hat nichts damit zu tun mit einem allgemeinen Erinnern und sich gemeinschaftlich Einschwören auf Aussagen Rudolf Steiners. Michael führt auch nicht in der gegenwärtigen Zeit, er steht in jedem einzelnen Fall aber jenen Menschen bei, die in die Verantwortung individueller Umgestaltung ihres Karma sich hineinstellen wollen. Zeitenwende Taten sind individuelle Taten, sind Taten des Hinwegschreiten über Angstbarrieren, sind Muttaten im Sinne der letzten Ansprache Rudolf Steiners - erwachsen aus Metanoia Haltungen zu inneren Umkehr.

Michael und mit ihm Rudolf Steiner eignen sich auch nicht dafür als quasi Pankreator über allem Menschlichen rituell installiert zu werden. Solches Tun kann ich nur als einen Rückfall zurück über das Mittelalter hinaus verstehen. Es schläfert ein und weckt in keiner Weise die Bewusstsein-Seelenkraft zu Zeitenwende Taten. Zeiten-Wende gebiert sich aus dem Mut zum Eingestehen eigenen Scheiterns. Rituelle Beschwörungen können das Voranschreiten in mutvoll zu erkundende Neulande hinein nur behindern.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 02.10. 2023


Freitag, 22. September 2023

Die oft übersehene Frage neben der "GOTT IST TOT" Aussage: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" (1)

Diese in der finstersten Stunde des Lebens - unmittelbar vor dem Tod gestellte Frage - was bedeutet sie existentiell für den Menschen heute? Aus der Sicht von Jesus am Kreuz ist Gott nicht tot, er fragt ihn vielmehr: „Warum hast Du mich verlassen?“ Im dunkelsten Augenblick des Lebens die Frage: Warum hast du mich verlassen? Was drückt sich darin menschlich aus. 

Losgelöst aus dem Bisher und GANZ ALLEINE AUF SICH GESTELLT die Frage „Warum?“ Losgelöst von Allem im Nichts stehend die Frage „Warum?“ 

Verlassen und allein auf sich gestellt - in Stille eingebettet - die Frage ohne Antwort. 

Verlassen, aufrecht, keine Antwort. 

Keine Antwort - die Herausforderung im Nichts die Antwort ganz allein auf sich gestellt selbständig finden zu müssen? 

Im Angesicht des Todes in die Freiheit entlassen selbst zu entscheiden, was zu tun ist? 

Verlassen ohne Wegweisung und damit aufgefordert die Verantwortung zu übernehmen für das, was nunmehr zu tun ist?

Der Mensch Jesus öffnet über diese Aussage die mögliche Anteilnahme und damit den von Innen her existentiell denkenden Nachvollzug seiner ausserordentlichen „ERFAHRUNG.“ Der Erfahrung ganz und gar ALLEIN AUF SICH GESTELLT ZU SEIN. Eine Erfahrung an die von unserer intellektuellen Grundhaltung her heute nicht so ohne weiteres unmittelbar herangetreten werde kann. Denn unsere Erlebnisweise ist in der Regel zu sehr abstrakt denkend kontaminiert, sodass eine auch nur annähernde Erfahrung dieser Art nicht so einfach zu machen ist. Es bedeutet in meinen Augen einen längeren bis langen Weg  der Auseinandersetzung mit seinen inneren Denk- und Erlebensabläufen, ein ernstes Ringen um die DURCHGEHENDE REDLICHKEIT innerhalb eigener Denk- wie gleicherweise Erlebens- Prozessabläufe.

Verlassen sein von Gott, was bedeutet dies also für mein Denken, wenn Gott für mich nicht mehr denkbar und noch weniger erlebbar ist. Was bedeutet es für die Art und Weise wie ich mit meinem Denken innerlich umgehe? Impliziert dies nicht die fragende Auseinandersetzung damit, was ist das Denken über abstrakte Annahmen (2) hinaus, was ist das Denken an sich. Gibt es eine Erfahrungsebene für das Denken jenseits des abstrakten Umgangs mit ihm?

Sokrates spricht zu seiner Zeit indirekt viel über das Loslassen, das stets von neuem zu übende fragende Loslassen, das dem „ich weiss, dass ich nicht weiss“ tiefer betrachtet eigentlich zugrunde liegt. Loslassen und die Befindlichkeit des Verlassen-Sein korrespondieren auf diesem inneren Erlebnisfeld wechselseitig in individuell unterschiedlich aufeinander bezogenen Dynamiken miteinander.  Sie stellen gewissermassen die seelischen Gärsubstanzen auf dem sich bildenden Bewusstseinsfeld einer tatsächlichen ERFAHRUNG von dem was Denken an sich ist dar. Mit ihnen ist die stets präsente Herausforderung Klarheit zu schaffen wie gleichzeitig das permanente Gefahrenmoment für Umstände verbunden, die mir den Grund unter meinen Füssen solange immer wieder von neuem wegziehen, bis ich einen sich stabilisierenden Einsitz innerhalb mich innerlich tragender Bewegungsgeschehnisse einnehmen kann, der mich meine Denkvorgänge aufmerksam führen lässt.

Wenn ich auf Sokrates mit den Bewusstseinsaugen von heute hinschaue, dann verhält er sich gegenüber seinen Schülern wie ein Tanzlehrer. Er zieht ihnen den Boden immer wieder wie unter ihren Füssen weg und ermuntert sie zu einem weiter und tiefer fragenden inneren Bewegen der damit sich mehr auf den Grund des Tatsächlichen hin sich ausrichtenden Fragen. Sokrates gibt seinen Schülern die Gelegenheit ihren Weg auf das hin zu finden, was der letzte Grund alles Fragens ist, was das Denken an sich ist. Sokrates ist damit ein Vorläufer im Heraufführen der Individualität. Der Geburt der Individualität und mit ihr einhergehend der tatsächlichen Erfahrung von Freiheit. Denn im Standhalten gegenüber der Furcht gegenüber dem totalen Verlassen-Sein angesichts der Frage, dass Gott tot sein könnte, geht etwas von der Substanz des Gott-Schöpferischen auf den Menschen über. Seine schöpferische Mitverantwortung für den gesamtschöpferischen Weltprozess erwacht.

Die Gott ist tot Aussage ist von daher eine existentiell letztlich nicht weiter führende Aussage, eine Aussage die sich in abstrakten Denkräumen verheddert und am Ende den Menschen dort stranden lässt. Die ausserordentliche Verlassenheit-Erfahrung des Jesus weisst hingegen urbildlich auf die zu erringende grundlegend menschliche Erfahrung hin was das Denken an sich ist und welche Verantwortung dem Menschen zukommt wenn er über den abstrakten Horizont bisherigen formgebundenen Denkens hinaus schreitet und sich fragend in dem einfindet, was das Denken an sich ist. Der Quell-Brunnen des Ich.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 22.09.2023

(1)  https://www.bibel-online.net/text/luther_1912/matthaeus/27/ Vers 46    

       https://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/markus/15/                              Vers 34

(2)  https://ich-quelle.blogspot.com/2021/02/aufrecht-stehen-im-n-ich-ts-2.html 

Sonntag, 17. September 2023

GOTT IST TOT. - Ein überarbeiteter Facebook Kommentar

Gott ist tot. Wem kann ich es angesichts einer solchen Aussage verdenken, dass er sich in unserer gegenwärtig so hoch explosiven Weltlage eine wie auch immer übergreifend lenkende letzte Instanz herbei sehnt. Sicherheit ist nun einmal ein nicht so leicht aufzugebender Faktor. Wer hält seine Hand über mich wenn metaphysische, bzw. rationale Denkstrukturen (ganz ehrlich ins Auge genommen) mich nicht mehr tragen?                                                                                                                                                 

Mich beschäftigt in diesem Zusammenhang seit geraumer Zeit die Frage, was ist das Denken an sich? Habe ich eine innere gegenwärtige Erfahrung von dem was Denken ist wenn ich denke? Denn Kant folgend ist ja alles nur auf Erfahrung hin begründbar. Was bedeutet es von daher - ohne gegenwärtige Erfahrung auf mein Denken hin -  in welcher Wirklichkeit lebe ich dann?                                                                                                                                   

Ist unser gegenwärtig allgemein geübtes abstraktes Denken tatsächlich erfahrungsbasiert wie wir uns dies allzu gerne glauben machen wollen? Abstraktion als notwendige nicht zu hintergehende Sicherheit für ein in sich begrifflich logisch abgesichertes Wirklichkeitsverständnis? Logik und Logos? Ist die Logik zum Sargnagel eines ursprünglich lebendigen Logos Verständnisses (unfreiwillig) mutiert? Ist, weil die notwendige Entwicklung nun einmal so ist wie sie ist, ist Gott deshalb tot? Haben wir ihn vermittels unseres abstrakten Denkens eigenhändig zu Tode getragen?                                

Im Sinne des Sokrates noch mehr auf den Grund, auf die existentielle Basis, "dass ich weiss, dass ich nicht weiss" gefragt, gibt es eine zeitgemässe, eine säkulare Möglichkeit unser bisheriges Gottesverständnis verwandelt neu zu beleben? Für mich müsste das bei der Frage ansetzten, was ist Denken erfahrungsbasiert an sich? Weiss ich das oder weiss ich das nicht. Ist Denken als Erfahrung vielleicht gerade wegen der so weit  entwickelten Rationalität das am wenigsten erforschte Gebiet unseres gegenwärtigen Geisteslebens? ... 

Dies ernst nehmend steht da ein jeder tatsächlich denkende Mensch nicht vor seinem Durchgang durch das Nichts? ... Ich sehe das so. … Wenn das so ist, dann stehen wir vor der individuell zu bewältigenden Tatsache Furchtlosigkeit im existentiellen Durchgang durch das Nichts zu entwickeln.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 18.09.2023

Montag, 11. September 2023

„Ich bin der volle Kreis meiner Macht …“(1)

Dieses Titelmotto, auf Facebook vor einigen Tagen entdeckt, regt mich zu einem Selbstgespräch an …und darüber hinaus zu einem offenen Brief an (den), (die) (noch) unbekannte(n) Freund(in). Aus Respekt und zum Schutz dieses Menschen eliminiere ich jedoch alle direkten Hinweise auf seine Identität.

Ich bin … der volle Kreis … der Macht. Welch ein Steckbrief als Topos vor das eigene Account Bild gesetzt! Was für eine intuitive Rückverbindung zum eigenen Wesenskern drückt sich darin aus gerade dieses Motto auszuwählen. Eine Intuition, die gleich einer Sternschnuppe Dir in den Schoss fiel. Mit einem Mut in die Welt hinein ausgesprochen, der, wie mir scheint vor sich selbst noch nicht wirklich erwacht ist und der sich deshalb auch schnell wieder verbirgt, um nicht zu sagen versteckt. Offenheit scheu erprobt.

Junge Menschen tun dies und erproben sich sich dabei auf ihre ganz eigene Weise - Erfahrung suchend. Der Weg ins Leben hinein - eine zick-zack Spurensuche. Wer bin ich … und was ist möglich durch mein individuelles Tun auszudrücken. Die Rückbesinnung und Reflexion auf mein Tun, seine Wirkung auf andere wie auf mich selbst geschieht eher später, oft auch erst Jahre danach und kann auf dem Weg sich selber zu finden in Bezug auf Erlebtes auch ein Leben lang immer wieder neue Fragehorizonte eröffnen. Im Rückblick auf mein eigenes Leben kann ich heute die Bedeutung des Fragen, des immer tiefer fragenden Ausforschen von Lebensbegebenheiten nicht hoch genug veranschlagen. Das Fragen im Sinne von Sokrates bis an die existentielle Basis des „ich weis, dass ich nicht weis“ … und über sie hinweg. Was wortwörtlich gemeint einen Gang durch das Nichts bedeutet.

Das Nichts … im Sinne des Begriffsgebrauchs durch Emanuel Kant ein Abstraktum. Füge ich jedoch diesem Nicht(s) ein „an sich“ hinzu, dann steht vor meinem inneren Auge die Frage: Was ist das Nichts an sich? „Was ist das N (ich) ts an s (ich)?“ Hier erinnere ich mich des Schlusssteins von Kants Transzendental-Philosophie, die in der Aussage gipfelt, was ist „das Ding an sich?“ Was ist das Ding, das Nichts an sich?

Was ist … das  „N  ich  ts  an  s  ich?“ Ein Satz der zweimal das „ich“… in sich trägt. Zwei mal. Versuche ich in meiner inneren Zusammenschau diesem Umstand näher zu treten, so stehe ich vor einer doppelten Frage, die ich anschauend so umschreiben könnte, was ist der Kern des Nichts und was bin ich als das scheinbare Gegenüber dieses Ding, dieses Nichts „wer bin ich an sich?“ (2)

Im Umgang mit dem Steckbrief Deines Facebook Account wer bin ich, wer bist Du, der Du geneigt scheinst Dich leicht vom Leben zurückzuziehen? Du schreibst: „Ich bin der volle Kreis meiner Macht, die Gott erschaffen …“ Hhm? Im Sinne von Kant (auf die Spitze getrieben) erschaffen aus einem Abstraktum, den Inhalten einer alternden Theologie hervorgehend? Wirklich? Kann das in der gegenwärtigen Zeiten-Wende-Zeit noch angehen die Wirklichkeit so zu sehen? Oder bedeutet es eher „sein Bett in die Hand zunehmen,“ sich bei der Hand zu nehmen und in die Welt hinauszutreten? Bedeutet es im Erfahren der Welt sich selber Schritt für Schritt tiefer zu ergreifen, ichmächtiger aufzutreten und damit das Nichts durchdringend den vollen Kreis der Macht einzunehmen, den mein Ich in sich birgt? Bedeutet es nach manchen Lebensherausforderungen im vollen Kreis der Macht heimisch werdend der Welt die selbstlos gereifte Ich-Kraft einzuverleiben?

Du hast meinen Account angeklickt und für einen kleinen Moment Deinen Account geöffnet, nur einen kleinen Augenblick offen gehalten … Was willst Du, wie willst du Dein Ich aus dem Verborgenen heraus entwickeln? Welches Sein willst Du durch Dein Ich zum Ausdruck bringen? Das Ich ist nämlich kein Ego Bezugspunkt, was tiefer betrachtet nur ein verborgenes Abstraktum wäre, ein vom Leben abgekoppeltes  N ich t  Ich.  Ein Sammelsurium inneren Vermeinens über angebliche Wirklichkeiten … ohne letztlich nachhaltig aufbauende Kraftwirkung für das Gemeinwohl. Im grösseren Weltzusammenhang hat das Ego einzig und allein die Aufgabe dem Ich Gebärmutter zu sein und darf/kann das Ich von daher nicht bleibend binden. Die überbordenden Kräfte des Ego zeigen sich mehr als deutlich in den gegenwärtigen Weltverhältnissen im Grossen, wie in Hashtag Ereignissen im Internet in aller Hässlichkeit nicht weniger bestürzend im Kleinen. Ich Kräfte sind über die Welt hin auch in vielfarbigen Nuancen da. Nur: Sind sie untereinander in wechselseitigem Respekt auch genügend vernetzt und kommunizieren über alle unterschiedlichen Auffassungsgrenzen hinaus offen miteinander? Du und ich können die Nation … in der wir leben nicht retten. Denn ideale Vorstellungen wie das vonstatten gehen könne gab es durch die Zeiten bis heute schon viele. Selbst so grosse Denker wie Platon sind bereits daran gescheitert. Mit seinen Ideen vom idealen Staat nach Syrakus reisend musste er bei seiner 5. Reise dorthin am Ende fliehen. Die Häscher des Tyrann von Syrakus waren ihm so nahe gekommen, dass er Syrakus buchstäblich im letzten Moment zu Schiff gerade noch verlassen konnte. Aber verändern? Ja, sofern jeder Einzelne verstärkt die Kraft seines Ich aktivieren will und den vollen Kreis der Macht, die in ihm schlummert mit seiner Kraft durchdringt! … Das ist die Substanz die letztlich weltverändernd wirken kann. … Worte eines alten Mannes, der ein Leben lang mit wachen Ohren junge Menschen still begleitete.

Möge Mut zur eigenen Veränderung Dich zu jeder Zeit aufrichten und Dich bewegt in Bewegung weiter auf Deinem Weg voranschreiten lassen. Ich grüsse Dich, Bernhard Albrecht


(1)   https://www.facebook.com/profile.php?id=100080989894088 

(2)   https://ich-quelle.blogspot.com/2021/02/aufrecht-stehen-im-n-ich-ts-teil-1.html 

       https://ich-quelle.blogspot.com/2021/02/aufrecht-stehen-im-n-ich-ts-2.html 

(3)   siehe hier einige lose herausgegriffenen 

       Beispiele aus meinem neben https://ich-quelle.blogspot.ch

       zweiten Internet Blog https://wege-der-befreiung.blogspot.ch 

        https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2023/06/ur-bewegung.html 

       https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2017/01/zeitlos-die-zeit.html 

       https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2017/02/vom-grund-her.html 

       https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2017/02/eintreten-in-die-zeit.html 

       https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2023/02/nicht-gefesselt.html 


                                              Butscha


Der Tod liegt offen auf der Strasse,

lauert hinter Hecken,

springt Dich schmerzlich

aus den Gesichtern der Anwohner an.


Entsetzt beklagen wir ihn,

doch die Tragik, die darin aufscheint

ist sehr viel grösser 

weil Butscha schon lange

vor seiner Zeit in unseren Herzen lebte.

Denn auf verdunkelten inneren Wegen,

gut getarnt hinter Büschen liegend,

haben wir mit Mörser Munition

auf allzu viele geschossen, 

die nicht unserer Meinung waren.


Wir alle haben hinterhältig

gemordet und vergewaltigt -

unsere Zeigefinger müssten von daher

in Kälte gefrostet abfallen,

wenn sie auf russische Soldaten deuten …


Denn unsere Toten verwesen im Nirgendwo,

weil Metanoia sie bis anhin nicht umarmt.


© baH, 24.10.2022

https://wege-der-befreiung.blogspot.com/2022/10/butscha.html