Samstag, 2. September 2023

„… und vor allem diese Ruhe im schwarzen Loch - ein Gedicht" (1)

Je länger ich die Titel-Aussage seelisch beobachtend mir vor Augen stelle, um sie sachlich zu inneren Anschauung zu bringen, desto mehr stosse ich an einer leisen Empfindungsqualität an, die in dieser Aussage hintergründig wie begleitend mitzuschwingen scheint. Es ist die Faszination. Die Faszination als Begleiterscheinung im meditativen Erleben. Etwas, das mir in verschiedenen anderen Zusammenhängen anlässlich des Umgangs mit eigenen meditativen Erfahrungen, bzw. Ansätzen zu einem „geistigem Forschen“ und dessen Verständnis wiederholt begegnet ist. Rudolf Steiner setzt in Bezug auf derartige Erscheinungen meinem Verständnis nach unmissverständlich klare Leitlinien. Mit meinen Worten ausgedrückt: Seelische Beobachtungen müssen, um von ihren Aussagen her sich als wissenschaftstauglich ausweisen zu können, bei der Beschreibung ihrer Ergebnisse den fragend naturwissenschaftlichen Duktus durchgehender Sachlichkeit an den Tag legen können. Und der gründet letztendlich in der inneren wachsamen Haltung, „was weiss ich und was weiss ich nicht“. 

Sogenannte „subjektiv“ beglückende Befindlichkeiten haben in meinen Augen hier keinen Platz. Auch objektive Begriffs-Anleihen wie hier z.B. der Begriff Gravitation aus der Erforschung schwarzer Löcher in der Astrophysik scheint mir ohne nähere Erläuterung sachlich nicht zweckdienlich zu sein. Weil: Die eigene meditative Wegbeschreibung in seelischen Beobachtungen durch diese Gravitationsfelder hindurch in meinen Augen sich hier nicht wirklich darstellt. Schon die Aussage: „Ich aktiviere die sogenannten *schwarzen Löcher*“ ist irreführend, weil sie dem Ernst astrophysikalischer Forschung um die schwarzen Löcher nicht Rechnung trägt und die Meditation in die Nähe (?) eines Jumping Ereignis rückt und damit in Misskredit bringt. Wer auch nur einmal in einem physikalischen Versuchslabor sorgfältig abgeschirmte Gravitationsfelder beobachten konnte, der darf sich wohl wundern über eine derartige Ausdrucksweise. Zudem scheint mir mit dieser Vorgehensweise dem ursprünglichen Ansinnen Rudolf Steiners ein geisteswissenschaftliches Forschungsfeld auf naturwissenschaftlicher Grundlage zu entwickeln nicht gerade förderlich begegnet zu werden.

Dennoch will ich um der Sache willen meinerseits versuchen einige hier in meinen Augen zu Tage getretene Lücken etwas aufzuhellen. Ich beginne mit der Frage, ist die „Phänomen“ Beschreibung „schwarzes Loch“ innerhalb der astrophysikalischen Forschung in sich abgeschlossen oder noch weiter offen? Wenn dem so sein sollte, dass sie offen ist, dann muss sich auch eine geisteswissenschaftliche Herangehensweise im Sinne Rudolf Steiners an diesen Phänomen Komplex und den damit verbundenen Begriff als Arbeitsbegriff betrachten. Wird hier vom Aktivieren sogenannter schwarzer Löcher gesprochen, dann ist die eigene Anschauung von dem, was als "schwarzes Loch gesehen wird" und dem was geisteswissenschaftlich hier genau besehen"aktivieren" bedeutet näher zu beschreiben. Der Hinweis auf eigene Schöpfungsprodukte und Schöpfungsobjekte scheint mir sachlich betrachtet nicht ausreichend zu sein.

Seit Emanuel Kant bewegen wir uns hinsichtlich unserer begrifflichen Mittel in einem übergrossen Abstraktionsfeld. Die Begriffe stellen sich uns als reine Formobjekte dar. Eine innere Anschauung von dem, was diesen Abstraktionen als mögliche Erfahrung eigen sein könnte, ist für die sogenannte äussere Wissenschaft nicht geklärt. Eines ist jedenfalls sicher, Emanuel Kant hat in seiner Transzendental-Philosophie dieses Abstraktionsfeld über die Beschreibung des sogenannten Ding an sich hinaus verschlossen gehalten. Die Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Methode der seelischen Beobachtung scheint im Nachgang an Rudolf Steiner immer wieder unterlaufen, bzw. diverse Bemühungen in dieser Richtung ins Abseits der öffentlichen Wahrnehmung abgedrängt worden zu sein. Mit Eckhart Förster (2) stehen wir also sowohl seitens der universitären Hochschul-Wissenschaft wie auch der Hochschule für Geisteswissenschaft vor der beiderseits ernsten Zeitenwende Herausforderung auf eine zu vertiefende praktische wie gleichzeitig wissenschaftstaugliche Anschauung des Denken zurückgreifen zu können, was konkret bedeutet: „Ohne den bereitwilligen Versuch, ein solches sich selbst erzeugendes Denken im Sinne Steiners selbst auszubilden, wird sich über dessen Wirklichkeit nichts entscheiden lassen.“

Dieses Denken hat sich in meinen Augen in seinen Aussen- wie ebenso seinen Innenbezügen als durchgehend sachlich darzustellen. Die Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Anschauung über das Denken und darüber hinaus des praktischen Verständnisses, wie daraus hervorgehend unseres persönlichen Umgangs damit sind gerade angesichts von immer wieder durchbrechenden Hashtag Ereignissen innerhalb vielfältiger sozialer Bezüge dringend geboten. Ausserdem gebietet es die gegenwärtige mehr als polarisierte Weltlage mit dem Medium des Denkens achtsam umzugehen, weil die diesem unserem Umgang tiefer zugrunde liegende Frage, welchen Einfluss unser aller Denken auf die Gesamtweltlage hat sich mir vor dem allgemeinen Bewusstsein bisher als weitreichend ausgeblendet darstellt. Bewusst verkürzt gesagt: Böse Buben Spiele von Ost nach West und umgekehrt zu verschieben und sich im weitesten Sinne des Wortes daran mehr oder weniger aufgeregt zu beteiligen erscheinen mir kein Ausdruck einer wirklich persönlich übernommenen Verantwortungshaltung innerhalb der gegenwärtigen Weltlage zu sein. Denn der Eigenanteil an der unterschwelligen Innwelt Krise neben der sehr sichtbaren Umweltkrise wird damit nur verdeckt. Die intellektuelle Redlichkeit schläft im Parkhaus.

Umweht mein Sagen damit etwas von der Wesensart der Kassandra und ihren Warnungen an die Trojaner … ? Beileibe nicht, denn schon ein auch nur leiser Versuch des „Aufwecken“ in derartiger Weise würde die besondere Bewusstseinshaltung gegenwärtigen Menschseins nicht nur verfehlen sondern darüber hinaus geradezu korrumpieren. Die tiefere Sachlage spricht nämlich dieses unmissverständlich aus, dass sich ein jeder Mensch in der gegenwärtiger Zeitlage nur völlig eigenständig vor „seinen Spiegel der Wahrheit“ stellen kann. Sich diesbezüglich um irgendwelche Galionsfiguren der spirituellen Vergangenheit oder auch einer ungewissen staatspolitischen Zukunft scharen zu wollen und beschützende Anlehnung oder Führung zu finden, halte ich angesichts der  Zeitlage nicht für zielführend. Denn Bewusstseinsseele kann auf diese Weise in keinen Wirklichkeitszustand versetzt werden und Zeitenwende auslösen. Bewusstseinsseele ist ein Seelenzustand dem Du bildhaft gesprochen nicht folgenlos in die Tasche lügen und noch weniger Dir schön reden kannst. Sprich: Mit Verschwörungsdenken im Gepäck katapultierst Du Dich als Zeitgenosse eigenhändig aus der Zeit, weil Du wesentliche Verantwortungen im Aussen suchst anstatt primär bei Dir und Deinem inneren Umgang mit dem Denken anzusetzen. Eben in Ausübung der seelischen Beobachtung Bewusstseinsseele im Denken zu leben, was heisst selbsterkennend Dich auf Deine eigenen Bewusstseinsseelen-Füsse zu stellen und Deinen Augiasstall aufzuräumen.

Kritik versus Selbsterkenntnis: Ich weis, dass diesem meinem Sagen schnell so dies und das entgegengehalten werden kann. Der heute üblicherweise abstrakte Gebrauch des Denken (nicht  selten auch in spirituellen Zusammenhängen) kann schnell ein Maschinengewehrfeuer der Einwände vom Zaun brechen, um nur ja nicht sich selbsterkennend mit dem eigenen Augiasstall beschäftigen zu müssen. Hierbei genauer da oder dort hinschauen und selbstverantwortlich eigene Illusionsschleier schmerzhaft anheben zu müssen, wer schiebt das nicht immer wieder gerne weiter vor sich her? Nur … ist die Zeitlage heute eine solche, dass das noch „ernsthaft im Modus weiter so“ von statten gehen kann? Muss ich mich nicht vielmehr fragen wohin geht die Substanz meines Denkens, das nicht in erster Linie von Selbsterkenntnis geprägt ist? Setzt ätzende Kritik (selbst in verschleierter Form) „an erster Stelle“ unter Umständen nicht genau jenen Salpeterfunken frei, der im Meer vielschichtiger Gedankenwelten schlussendlich vernetzt einen Supergau (der Spaltung der AAG 1935) auslöst? Weiss ich es oder weiss ich es nicht? WEISS ICH, DASS ICH NICHT WEISS und bin bereit mir dies ohne wenn und aber einzugestehen? Gewiss ist nur, dass es leichter ist jedwede (Mit-)Verantwortung in einem derartigen Fall mit Redensarten wie z.B. dieser: Das habe ich nicht gewusst beiseite geschoben werden kann. Es sei denn ich lasse alle Ego-Ängste zurück und betrete mit Mut Neulande.

Selbsterkenntnis zu suchen und erlebend auszuhalten ist eine schwere Bürde. Sie hat sehr viel mit innerem Gleichgewicht, aber in meinen Augen ganz und gar nichts mit „Ruhe … ein Gedicht,“ eingebettet in eine Art Nirwana-Blase im Ideenwelten-Schnell(?)-Aufzug zu tun. Und steht wohl eher nicht mit einem möglicherweise vor sich selbst innerlich verborgen gehaltenen dialogisierenden Eremiten Dasein über schwarze Löcher hinweg, ohne diese selbsterkennend zu beschreiben, im Einklang? Dazu mit Ernst und Respekt: Bewusstseinsseele beinhaltet in meinen Augen einen schmerzlichen Ich-Geburts-Durchgang für Menschen, die sich für diesen Weg der Selbsterkenntnis entscheiden. In Anlehnung an Platons Dialog vom „Höhlengleichnis“ eine Lebenswanderschaft des Mysterien-Schülers, der nach dem Austritt aus der Höhle im Angesicht der Sonne sich mutig umwendet und seine Schritte zurück in die Höhle wendet, (3) … um auf diesem Wege selbsterkennend zu erfahren, dass er nie wirklich gefesselt war, sondern dass er allein als Folge seiner eigenen Ego-Einflüsterungen sich fort und fort mit immer neuen selbstgefügten Fesseln umgab. Weil das Ego sich entpuppt als die verborgen innere Verhinderungsinstanz, dass Sysiphus an sein Ziel gelangen kann. Denn: Bei dem jederzeit möglichen Eintritt in die geistige Welt sind Ego-Ziele und rückkoppelnde Ego-Sucht Haltungen das wirkliche Problem für das eigene Fortkommen. Ein Fortkommen im Sinne des existentiell „selbsterkennenden“ ICH WEISS, DASS ICH NICHT WEISS. 

Als innere schwarze Löcher kann darüber hinaus in Betracht genommen werden das anhaltende Anhaften an vom Grunde her aufzulösenden Vorstellungen. Da das Ego gewissermassen in das ICH WEIS, DASS ICH NICHT WEIS solange hineinwirkt bis ich mich dynamisch in diesem aufrecht halten kann hat es auf jede nur denkbare Weise ein Interesse daran das innerlich aus dem Tritt geraten herbeizuführen. Oder: Es erzeugt Bilder nach Art einer Fata Morgana, die im ideellen Kleide eine geistige Welt entstehen lassen, die so nicht ist weil sie nicht zureichend meine aus dem Selbsterkennen heraus erwachsene existentiell basierte Erfahrung zum Ausdruck bringt. Diese „alten Vorstellungen,“ von denen Rudolf Steiner spricht, dass sie im Hinblick auf die neue Zeit aufzulösen seien, um die Geisteswelt im Sinne einer naturwissenschaftlich, also in einer nach und nach immer exakter zu beobachtenden Weise zu beschreiben. Das zeitgemässe Christentum fusst zudem nicht mehr auf Glauben sondern auf einem selbsterkennend sich in die Verantwortung stellen im Durchgang durch das Nichts, DAS ICH WEISS, DASS ICH NICHT WEISS, dem Heimat finden in der Stille. Stille als Endpunkt und Anfang zugleich, jener Erfahrung in der alle Vorstellungen in fliessende Bewegung aufgehen … und die die Begegnung mit dem Meister von Emaus ermöglicht … der auf allen menschlichen Wegen immer präsent ist, wo das erkenne dich selbst geübt wird.

ERKENNE DICH SELBST stand in alten Zeiten am Eingang der Mysterienstätten. Für die neue Zeit hat Rudolf Steiner im Zuge der Neubegründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zu Weinachten 1923 diese Aussage im Hinblick auf ein zu erneuerndes Mysterienwesen neu gefasst. Er hat darüber hinaus mit dieser Neufassung gleichzeitig ein völlig neues Karma-Verständnis den Herzen der Anwesenden zur verantwortungsvoll selbsterkennenden Arbeit untereinander anvertraut. ÜBE  GEISTERINNERN  … GEISTERINNERN durch jedes Wort, das ein DU fortan von den Rändern Deines Schicksalsweges DIR zuspricht. Lerne GEISTERINNERN als Wegöffner begreifen. Lerne durch besonnen freigelegte Selbsterkenntnisse im GEISTERINNERN die eigene Ich durchwirkte Denk-Blick-Kraft erfahren, die ihrerseits neue Mysterien-Wege im Durchgang durch das Nichts öffnet. Was heisst den Weg der Geisteswillenschaft (4) erschliesst, einen Weg, der Gegensätze begreift als wechselseitige Wachstumsfermente, die Herausforderungen in den eigenen Lebensweg implementieren um  Bewusstseinsreifung im Sinne der Geisteswillenschaft herbeizuführen.

100 Jahre sind eine lange Zeit. Wer in dieser Zeit auch nur einmal ein Buch von Rudolf Steiner in Händen gehalten und darin gelesen hat, dem sind Beschreibungen von Ätherleib und Astralleib entgegengetreten. Beschreibungen, die eine Vielzahl von Fragen auslösen können. Fragen wie z.B. diese, kann ich den Ätherleib und den Astralleib bei mir beobachten, bzw. wenn ich mich in einem Gespräch mit einem anderen Menschen befinde, wie interagieren hier unser beider Äther-und Astral- Leiber. Welche Faktoren im Laufe des Gespräches verändern die Befindlichkeit meines und seines Äther- und Astral-Leibes. Wie sind Äther- und Astralleib in Vorstellungen, die wir miteinander teilen, bzw. nicht teilen präsent und wie wirken sie in Streitauseinandersetzungen. Fragen über Fragen. Fragen, die mich dann vielleicht schon einmal behutsamer mit meinem Gegenüber Umgang pflegen lassen. Fragen, die mich nachdenklich stimmen bezüglich meiner eigenen Umgangsweisen. Wenn ich so wenig über eigene Wirkverhältnisse im Umgang mit diesen Aspekten meiner Seele weis, wie kann ich da mein Gegenüber wegen  Aussagen verurteilen, die mir nicht sogleich verständlich sind. Ist er doch einen ganz anderen Lebensweg gegangen, in dessen Verlauf er seinen Äther - und Astral-Leib in einer gänzlich anderen Weise prägte als ich den meinen. Welche sozialen Verwicklungen können wir hier demnach herbeiführen, wenn wir uns zur rechten Zeit innerlich nicht an die Zügel nehmen können, bzw. wenn uns das Ruder aus den Händen läuft und wir uns dennoch an Abstimmungen beteiligen. Milde ausgesprochen, kann uns da nicht ein Schauer über den Rücken hinunterlaufen? Mitverantwortung an sozialen Brüchen werden nicht kleiner, wenn wir wenig über die Wirkverhältnisse unserer eigenen Seele wissen. Denn mehr zu wissen ist, nehmen wir Sokrates nur genügend ernst immer möglich. Wer viele Fragen bewegt, dem reifen diese seine Fragen auch zu ihrer Zeit in Antworten hinein (5) und gebären Geisteswillenschaft im Umgang mit seinen Seelengliedern. Am Ende bleibt nur Bescheidenheit und Mut für einen jeden von uns, mich eingeschlossen. … Ohne Metanoia keine Willensumkehr, keine Bewusstseinsvertiefung und damit Zeitenwende.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 02.09.2023

(1)  https://www.facebook.com/profile.php?id=100005333865250 

(2)  SKA 2, frommann-holzboog Verlag Stuttgart-Bad Cannstatt 2016, Vorwort Eckhart Förster XVI

(3)  https://ich-quelle.blogspot.com/2013/12/unter-der-platane-ein-dialog-uber-die_28.html 

(4)  https://ich-quelle.blogspot.com/2022/02/im-gedenken-wilfrid-jaensch-1.html 

(5)  https://ich-quelle.blogspot.com/2015/07/von-der-inneren-umkehr.html, 

      siehe darin eingebettet unter anderem das Gedicht von Rainer Maria Rilke „Was mich bewegt“

Montag, 14. August 2023

"Ich weiss, dass ich nicht weiss" - ein Kommentar

Ein Kommentar zu dem Beitrag von Manfred Röhr: Im Glauben lerne ich zu fragen

https://www.facebook.com/profile.php?id=100005333865250  

Die wohl härteste wie gleicherweise schmerzlichste zu machende Erfahrung … das Erfahren ganz allein auf sich gestellt zu sein … und damit die zu gestaltende Verantwortung anzunehmen, dass ich nur bin, insoweit ich schöpferisch bin - eben rundweg in nicht länger mehr zu umgehender Art und Weise Ich geleitet lebe -  

Wenn ich in diesem Zusammenhang … „redlich“ auf andere Ausdrucks- oder Verhaltensweisen meiner selbst hinschaue so kann ich hier nicht einmal am Rande den Glauben als Trostquelle oder Ähnliches bemühen. Denn genauer betrachtet kann ich erkennen, dass der Glaube in dieser exponierten Selbsterkenntnis Situation mir nicht nur eine wärmende Decke gewähren, sondern zugleich als Nebelkanone wirkend mich in die Lage bringen kann meinen Weg der Selbstverantwortung aktiv nicht weiter zu verfolgen, was heisst existentiell zu vertiefen.

Der Glaube und das „ich weiss, dass ich nicht weiss“ in seiner bis auf den Grund hin gelebten Ausdrucksweise stossen sich gegenseitig ab.

Und genau das ist es was das Handeln, die innere Umkehr aus Selbsterkenntnis heraus im sozialen Raum heute so unattraktiv dastehen lässt. Der existentielle Zeitenwende Feuerprozess, das „ändert eueren Sinn,“ das die moderne Jordan Taufe begleitet wird auf jede nur denkbare Weise zu umgehen gesucht. Es klingt absurd, stellt sich aber im Verlauf des einmal initialisierten Durchschreiten dieses Prozesses als beschämende Tatsache dar, der Egoismus scheut in dieser alleine vor sich selbst zu verantwortenden Entscheidungslage als gleichsam letzten Ausweg nicht davor zurück  s i c h  s e l b s t  r e c h t s  z u  ü b e r h o l e n. Was im Klartext bedeutet, anstatt Freiheit aus sich heraus zu erschaffen wird der Diktatur, bzw. dem eigenen Autoritarismus im Vertreten der eigenen Meinung, blind Vorschub geleistet.

Dass dies möglich ist, das ist in meinen Augen die Folge davon dass neben der gegenwärtigen Umweltkrise die gleichlaufende Innwelt Krise im öffentlichen Bewusstsein nicht in gleicher Weise angekommen ist, noch in individuellen Bewusstseinsgeschehnissen die ihr zukommende Aufmerksamkeit erfahren hat.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 14.08.2023 

Montag, 31. Juli 2023

Geh Deinen Weg

Geh Deinen Weg. Leichter gesagt als getan, so mag der eine oder andere angesichts dieser Ansage bei sich denken. Denn: Was ist mein Weg? Ist das der Weg den ich täglich in meinem Alltag mit seinen weitgehend voraussehbaren Arbeitsabläufen durchschreite - strebsam, pflichtbewusst, fürsorglich, führungsstark, mutig usw. - oder liegt „meinem“ Weg eine zu erfragende tiefere Dimension zu Grunde? 

Klappe/Schnitt: „Wer nicht stirbt bevor er stirbt der verdirbt.“ (1) Wie das?

Den eigenen Weg gehen schliesst so betrachtet die Auseinandersetzung mit dem ein was ich nicht selten unbemerkt an Schicksalsgepäck durch  mein Leben quasi mitschleppe, bis ich am Du erwachend erinnere was hier zu bearbeiten, zu verwandeln und aufzulösen ist. Das bedeutet unter anderem sich mit eigenen Illusionen auseinander zu setzen, die jeden Weg auf die ein oder andere Weise, nicht selten auch aufreibend begrenzen. Doch sind es gerade sie, die Illusionen, die mit der inneren Aufdeckung nach und nach mehr in die Spur - des eigenen Weges führen. Kurz gesagt: Ohne Toderfahrung kein eigener Weg. 

Die aktiv herbeigeführte Desillusionierung und der damit verbundene Weg hinein in das Dunkel selbstverantworteter Wegfindung, das Erfahren je eigendynamisch erwirkter Denkerfahrung, über Gedanken Karussell Sensationsfahrten oder seelische Festhalte Prozesse welcher Art auch immer hinaus  als Erntegeschenk im Sinne des Sokrates durchgestandener „ich weiss, dass ich nicht weiss“ Bedrängnisse. Wenn ich wirklich wissen will, was Sache ist, dann ist Desillusionierung ein steiler Weg über Abgründe hinweg. Ein Weg des Loslassens, der schwer fällt, weil von innen her mich so etwas wie eine Fata Morgana umweht ich würde dadurch jeglichen Boden unter meinen Füssen verlieren.

Dem aber ist nicht so. Denn die eigene Erfahrung kann mich lehren, dass dann wenn ich in inneren Seelenprozessen vermeintlich jeden Halt verliere und dem Anschein nach ins Nichts hinein abzustürzen drohe, ich tatsächlich in eine tiefere Krafterfahrung meiner selbst hinein aufwache. In Augenblicken wo Illusionen mehr und mehr zerfallen und ich dies still zulassen kann geschieht nämlich auf der anderen Seite dieses; in meiner Seele greift die Erfahrung erst still und zunächst eher leise, im Laufe der Zeit aber immer gegenwärtiger werdend um sich, dass ich in die Kraft meines eigenen Denkens hinein erwache. Wenn ich also den Tod gewisser Illusionen und mit ihnen den Zerfall von Ego basierten Seelenstrukturen vor Augen in mir durchlaufe, ich tiefer angeschaut mehr und mehr die Auferstehung eines mich allseitig tragenden eigenständigen Denkens erfahre. Ein Denken aus dem ich nicht herausfallen kann - nicht einmal in einer lebensbedrohlichen Krise.

Auf dieses eigenständige Denkerfahren von Freiheit Erleben kann keine Macht der Welt zugreifen. Die Freiheitlichen Grundrechte eines Staatswesens dienen also im Grunde dazu, dass seine Bürger in diesem äusseren Raum die Möglichkeit ergreifen die Freiheit tief innen im eigenen Denken zu entwickeln. Tun sie das der Tendenz nach eher zu wenig und die tiefen Risse, die sich in unseren Sozialsystemen vielerorten gegenwärtig immer deutlicher zeigen lassen die starke Vermutung in dieser Richtung zu, so hat das Auswirkungen auf die allseitig ausgewogene Arbeit der politischen Organe - und den Umgang seiner Bürger untereinander. Der redliche Konsens bleibt in Debatten, Diskussionen und Dialogen auf der Strecke. Der Hashtag, die hartnäckige Unterstellung und beiläufige Verdrehung schieben sich immer unmittelbarer in Auseinandersetzungen nach vorne und das echte Gespräch über ein wechselseitiges durchgehendes Respektieren wird in Stoppstrassen abgedrängt. Die grösste Furcht scheint - ernsthaft sich vor Augen gerückt - die Sille zu sein und von dort her das Annehmen der Tragfähigkeit eigentätig entwickelter Denkkraft.

Quintessenz: Nichts fürchtet heute anscheinend der Mensch mehr als auf eigene Füsse sich gestellt zu sehen und damit in der rundum Selbstverantwortung zurecht finden zu müssen. Das Anhaften an dieser oder jener Lehrpersönlichkeit, bzw. einem dem Anschein nach meisterlichen Guru wird zum tödlichen Fallbeil für die eigenständige spirituelle Entwicklung, welche die Zeichen der Zeit, für den der nicht über diverse Anzeichen hinweg schauen will, heute einfordern. 

Geh Deinen Weg bedeutet somit: Fasse Mut und stell Dich auf Deine eigenen Beine. Das Fragen des Sokrates erweist sich dabei mehr als eine Krücke. Fragen in das „ich weiss, dass ich nicht weiss“  hinein öffnet den Mutigen die Quelle unendlicher schöpferischer Kraft aus dem Nirgendwo. Das Nichts im Durchgang durch das Nirgendwo wandelt sich in der Erfahrung zum Geburtsprozess des Ich. Von den Zargen seiner Ego Anhaftungen befreit findet der Mensch - die eisernen Bande des treuen Johannes sprengend (2) seinen Weg. Der Vogel Phönix fliegt.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 31.07.2023

(1)   Angelus Silesius

(2)   Das Märchen vom Froschkönig





 

Freitag, 28. Juli 2023

Michael - heute 2 ... (überarbeitet)

Die Umkehr von wo auch immer wirkkräftig umzusetzen, so schrieb ich am Ende meines vorausgehenden Beitrags. Umkehr: Nicht so ganz leicht, denn diese Wortaussage mit seinem aus meiner Sicht zunächst weitgehend verborgenem inneren Gestalt-Umraum sehe ich im Kreise jener Worte stehen, auf die - wenn überhaupt - nur sehr zögerlich zugegangen wird. Selbsterkenntnis von dort her ist demnach ein schwieriges Unterfangen, denn wer stellt sein eigenes Tun und Sagen schon gerne wirklich grundlegend zur Disposition. Und doch, ohne an die Basis eigener Selbsterkenntnis zu gehen und die Tatvorgänge des eigenen Lebens bereitwillig aus anderen als den bisher eingenommenen Blickwinkeln der inneren Überprüfung unterziehen zu wollen, kann ich damit meinem wirklichen Ich (1) begegnen, ihm existentiell echten individuellen Ausdruck verleihen? 

Ich-Sagen aus in sich gegründeter Verantwortung, mithin der in jeder Hinsicht an den Tag gelegten intellektuellen Redlichkeit (2) in inneren Dialogen denkend, wenn mitunter auch erst nachträglich mehr Raum zu geben, kann dieses überhaupt ohne diese innere Umkehr - Ich-Tat - zu jener Zeitenwende führen, die allseitig wir heute gefordert sind sie einzulösen?

Ist Freiheit und Zeitenwende etwas, das ich dem demokratischen Rechtsstaat gegenüber anmahnen, bzw. sogar ihm gegenüber einfordern kann? Oder: Basieren sie wesentlich auf dem, was ich in Ich-Taten dem sozialen Gefüge dieses Staates als Substanz des Tun von den Orten meiner jeweiligen Verantwortung innerhalb dieses Gefüges her nur aktiv zur Verfügung stellen kann, damit sie über die sozialen Netzwerke zu politischen Beiträgen in echten Zeitenwende Gesetzverfahren sich entwickeln, bzw. der Freiheitlichen Grundordnung dienen können?

Vierter zu prüfender Frage-Umkreis: Kann es sein, dass der im individuellen Umraum, wie auch im sozialen Gefüge verborgen liegende grösste blinde Fleck (3) die Erkenntnis der Notwendigkeit zur eigenen Umkehr aus den zu sprengenden Banden der Selbsterkenntnis ist? Zeitenwende sich eben nicht per Knopfdruck von oben vollzieht, sondern der je eigenen Entscheidung bedarf. Der Entscheidung z.B. nicht länger selbstinduzierten Täuschungen auf den Leim zu gehen und von Naivität in die Knie gedrängt Verschwörungen dort zu sehen, wo sie bei durchgehender redlicher Denkbemühung stichhaltig nicht wirklich ausgemacht werden können. Denn in einer anderen Abfolge zu denken als es mir richtig erscheint ist allein noch kein Verweis auf eine tatsächlich stattfindende Verschwörung. Pointiert gesagt, wenn Fragen nach der Redlichkeit meiner eigenen denkenden Bemühungen sich nicht immer wieder in mir aus seelischen Untergründen da und dort einstellen, dann kann dies so gelesen werden, dass ich der entscheidenden inneren Frage und der von dort her sich entwickelnden Erfahrung - „dass ich weis, dass ich nicht weis“ - existentiell noch nicht tief genug auf den Leib gerückt bin. Wer geneigt ist Verschwörungen innerhalb eigener Denkabläufen in den Vordergrund zu spielen, der hat in meinen Augen allen Grund sich mit der Redlichkeit des eigenen Denkens zu befassen. Zeitenwende fordert nämlich im Sinne des Sokrates dynamisch denkend den Weg durch das Nichts zu gehen und den Giftbecher eigener Ego-Verblendungen mutig zu leeren, anstatt respektlos im eigenen sozialen Umfeld seinen Ego-Müll anderen Menschen vor deren Haustüre zu kippen.

Ich weis, dass diese meine  Ausführungen mit einer gewissen Art zu  denken schnell zu  widerlegen  sind. Hier ist selbstverantwortlich zu prüfen, ob diese Widerlegungsbemühungen wirklich  durchgehend in sich tragfähig sind. Mit  Schnellschüssen ist  eigenes  Unbehagen  leicht  abzudrängen. Für einen  Zeitenwende Beitrag durch mich ist damit genauer besehen nichts getan. Der eigenen Illusion auf die Sprünge helfen ist eben alles andere als ein leichtes Unterfangen, insbesondere dann wenn ich mitbedenke, dass schon Platon zu seiner Zeit der Illusion bezüglich der tatsächlichen Einschätzung des Diktators von Syrakus mächtig  aufsass und diesen Umstand beinahe mit dem Leben bezahlt hätte.

Für Frieden auf die Strasse zu gehen und Pro Russland Fahnen zu schwingen, bzw. als Rechtfertigung dafür Anti-Amerika Haltungen durchgehend vor sich selbst glaubhaft für die eigene innere Haltung bemühen zu können ist eben kein bis an die eigene Existenz reichendes Argument. Der „böse Bube sitzt nämlich nicht irgendwo in Amerika oder im Reiche Putins. Er lauert an allen Orten allein in mir und weis mich in vielfältigen Ego-Fallen davon abzuhalten meinen eigenen Ich-Weg zu gehen. Ohne den Weg eigener innerer Umkehr zu betreten ist Protest jeglicher Art aus meiner Sicht heute nicht mehr als eine illusionäre halbseidene Bemühung. Freiheit will tief von Innen her hervorgebracht sein und kann eben nicht auf Fahnen oder Friedensproklamationen welcher Art auch immer vor sich her getragen werden. 

Das Bild vom Erzengel Michael, auf das ich im ersten Teil dieser Ausführungen zu sprechen kam und der darin zum Ausdruck gelangende stille Hinweis subtile Bereiche der eigenen Existenz  in die Zeiten notwendende innere Umkehr einzubeziehen ist ein geistiger Zeiten-Wende Ruf, ein Ruf zu grundlegender Umkehr, auf die Rudolf Steiner in seiner letzten Ansprache vom 28.09.1924 in strenger Wortwahl den Finger legte. Michal kann von heute her gesehen nicht mehr als eine durchgehend übersinnliche Tatsache aufgefasst werden, denn er hat sich aus meiner Sicht in stiller Weise tief mit dem schöpferischen Kräftebereich eines jeden Menschen verbunden, sprich mit seinem zu entwickelnden dynamischen Denken. 

Ich trage über eine sehr lange Zeit die immer und immer wieder überprüfte Auffassung in mir, dass es entgegen mir bekannter Überlegungen keine Wiederkehr Rudolf Steiners in naiver Fortsetzung seines Tuns von anno dazumal geben kann und wird. Rudolf Steiner hat seinerzeit sein Lehramt unmissverständlich niedergelegt. Von daher gesehen kann es folglich keine Fortsetzung  eines Bemühens selbst in einer verwandelt ähnlichen Weise mehr geben. Wir sind in die selbstverantwortliche Nachfolge aus eigenen zu induzierenden Willensumkehrungen heraus gerufen. Die Spatzen pfeifen es von Washington bis St Petersburg weltweit von den Dächern. Wie lange wollen wir im Hoffnungsoptimismus noch hin warten bis wir uns auf unseren Reitersattel hinaufschwingen, getreu dem Ruf des Johannes "ändert euren Sinn“ und mit unserer eigenen inneren Umkehr vertiefter umgehen, was heisst den Kampf mit dem Drachen in unseren Seelentiefen Zeitenwende bildend aufnehmen? Wer zur Ich-Taten in täglich kleinen Willensumkehrungen nicht bereit ist, den bestraft das Leben. Aufmerksamkeit (4) ist die allseitig umkämpfte Zeitenwende Währung schlechthin.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 28.07/01.08.2023

(1) https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/ich-karl-balmer-die-frage-geht-weiter.html    

      https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/fragment-22018_11.html

      https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-eine.html  

      https://ich-quelle.blogspot.com/2018/09/die-frage-nach-dem-wirklichen-ich-3teil.html  

      https://ich-quelle.blogspot.com/2018/10/fragment-32018.html  

      https://ich-quelle.blogspot.com/2018/10/die-schmetterlingspuppe-offnen.html  

(2) Das Wort Redlichkeit ist dem Buch von Thomas Metzinger

      Bewusstseinskultur - Spiritualität, intellektuelle Redlichkeit und planetare Krise entlehnt,

      3. Auflage Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH Berlin/München 2023

(3) https://ich-quelle.blogspot.com/2021/01/blinde-flecken-ii.html 

(4) Siehe dazu z.B. Matthew B. Crawford, Die Wiedergewinnung des Wirklichen

      Eine Philosophie des Ichs im Zeitalter der Z rstreuung, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2016     

Sonntag, 23. Juli 2023

Michael - heute 1 ...

(Unter neuem Titel hier die erneute Veröffentlichung einer Notiz aus dem Jahre 2016)

Seit mittlerweile 45 Jahren begleitet mich innerlich das Bild eines Holzschnitts (des anthroposophischen Malers Gerhard Reisch), das den Erzengel Michael mit seinem Schwert darstellt, wie er dieses sein Schwert mit der Spitze gegen den Boden gekehrt in einer einzigartigen Aufrechte an seiner Seite tragend von einem Hügel der Zerstörung in eine völlig zerstörte Landschaft hinein schaut.

Ich habe dieses Bild im Laufe der Jahre immer und immer wieder betrachtet, bis mir eines schönen Tages klar wurde, dass dieses Schwert leise auf eine vom Betrachter her zu vollziehende innere Umkehr seiner Kräfte weist. 

Das Schwert, das die Zerstörung wie in sich hereinnimmt und in der Gegenbewegung eine heilende Präsenz kraftvoll abstrahlt und der Erzengel Michael Helfer im Vollzug einer derartigen Kräfteumkehr in jedem Betrachter, der durch das Bild an diese Erfahrung herangeführt wird.

Ich überlasse es dem Leser dieser Zeilen sich aus meinen wenigen Andeutungen über das Bild sich dieses imaginativ selber aufzubauen und im Hinschauen auf das Schwert seiner  eigenen inneren Präsenz jene heilende Präsenz-Strahlung einzuarbeiten, die in meinen Augen heute zeitnotwendig ist.

Nachtrag: Eine individuelle Bild - Umsetzung der Worte Rudolf Steiners vom 28.09.1924 durch Gerhard Reisch und zugleich stille Erinnerung die eigene Schwertkraft in kurzschlüssigem Vermeinen über Weggefährten in den Schattenbereichen eigener Wege nicht weiter zu missbrauchen, … die Umkehr von wo auch immer wirkkräftig umzusetzen. 

© Bernhard Albrecht Hartmann, 22.07.2023

Montag, 10. Juli 2023

WindWorte 4

Wer kennt sie nicht die Stunden des bangen Ringen um das innere Auffinden der rechten Spur auf deine allernächsten Ziele hin? Wem hat sich dabei die Einsamkeit nicht schon einmal so bedrückend auf die Brust gelegt, dass seine tragenden Beine dabei einzuknicken drohten? Wer weis nicht um die vielseitigen Schwächen, die Dich hierbei von allen Seiten bestürmen können?

Den Weg des „Erkenne Dich selbst“ in durchgehender Aufmerksamkeit hierbei durchhalten zu können ist eine Unmöglichkeit und … von seinem Grund her auch nicht wirklich gewollt. Denn Selbsterkenntnis ist ein offener Weg der Entwicklung und kein Weg auf ein „endsam“ zu erreichendes Ziel hin. Zielvorgaben sind hier nämlich unterschwellig vielfach verwinkelt Ego kontaminiert.

Das „Erkenne Dich selbst“ kannst Du so gesehen nicht steuern. Selbst kurzfristige kleine Ziele treiben Dich hier irgendwann nur durch Gassen ohne Aussicht auf ihr Ende von einer Ausweglosigkeit in die nächste hinein. Immer neue Kübel selbst erzeugten Mistes schüttest Du dabei über Deinen Körper aus und jagst damit den Stressmodus über das Level „geht nicht mehr“ schlussendlich zum Kamin hinaus.

Selbsterkenntnis kann final nicht erreicht werden. Sie geschieht Dir, sobald Du loslassen kannst, Genügsamkeit lebst im Augenblick. Sie ist ein Augenblick Ereignis gelebter Aufmerksamkeit. Ein Ereignis, dass sich allein im Innehaltenden Anschauen einstellen kann. Selbsterkenntnis stellt sich von dort her dann als die wirkkräftige Tiefen Dimension der Aufmerksamkeit dar.

Erkenne dies und staune. Lächele ... und beginne zu leben, denn Du bist im Augen - Blick, im erlebenden Denken angekommen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 09. Juli 2023

Sonntag, 9. Juli 2023

Schatten Aufmerksamkeit versus Schatten Blindheit

Kann es angehen, dass die sich selbst so benennende „Letzte Generation“ die Peitsche zur Umerziehung der Mehrheit der Menschen einzelner Regionen eines Landes ziehen kann ohne dass dem laut widersprochen wird? 

Was hier geschieht ist in seiner Handlungsweise nämlich in einem Masse von seiner Gesinnung hintergründig autoritär bestimmt, dass es eigentlich jeden Menschen, der in den Bannkreis derartigen „sozialen Umgangs* gerät unter seiner Haut frösteln müsste. Gewiss die Umweltkrise läuft auf einen Kipppunkt zu von dem her unumkehrbar der Katastrophenmodus zum bestimmenden Faktor gesellschaftlicher Lenkungsmassnahmen wird (1). Doch kann damit ein derartiges Vorgehen seine Rechtfertigung finden?

Betrachten wir „das Bild“ auf Hauptverkehrsstrassen festgeklebt sich dem Verkehrsstrom entgegenstellender Menschen einmal unter einer anderen Perspektive etwas näher. Hunderte von Verkehrsteilnehmern werden im Morgenverkehr daran gehindert (genötigt?) rechtzeitig ihre Arbeitsstelle zu erreichen. Ich wage es rundheraus einmal so zu sagen, sie werden geohrfeigt weil sie aus der Sicht der Kleber einfach nicht sehen wollen wie dramatisch sich die Umweltkrise zugespitzt hat. Deshalb sollen sie nach Art gewisser Eltern, die ihren Kindern morgens die wärmende Bettdecke wegziehen um sie zum aufstehen zu bewegen aufgeweckt werden. 

Sehen diese Menschen durchwegs wirklich nicht wie es um die Umwelt bestellt ist? Oder sehen die Kleber in ihrer eigenen Existenzpanik vielleicht Entscheidendes in diesem Zusammenhang nicht?

Der Entwicklung des Menschen liegt eine über Jahrtausende hinweg alte Weisheit zu Grunde. Nämlich die, dass die Menschen zu keinem Zeitpunkt ihrer langen Geschichte durch äussere Maßnahmen zur Umkehr in ihrem Verhalten bewegt werden konnten. Babylon, Alexandria und Rom mussten untergehen ehe sich Neues entwickeln konnte. Denn jede evolutionäre Bewegung hat ihren entscheidenden Keimpunkt in der Selbsterkenntnis einiger weniger Menschen und entwickelte sich von dort her evolutionär in die Breite. Evolution baut also auf der Selbsterkenntnis auf „Du“ allein musst dein Leben ändern bevor in der Breite grössere Veränderungen möglich werden können.

So betrachtet können sich also die Klimakleber auf der Strasse nach aussen bezüglich der Klimaproblematik wach, im Hinblick auf ihre „Innwelt“ Problematik aber blind in ihrem terroristischen Idealismus verklebt und die gehinderten Verkehrsteilnehmer zumindest in Teilen in selbsterzeugtem Zweckoptimismus es werde „irgendwie“ schon weitergehen eingekleistert erfahren. Schatten Aufmerksamkeit versus Schatten Blindheit treiben einander wechselseitig auf den Systemzusammenbruch  zu. 

Kein wie auch immer gearteter Aktionismus, wozu auch der sogenannte politische Realismus gehört, wird daran etwas ändern können. Was allein zählen wird je näher wir auf die Stunde Null hin zu rücken ist Mut. Der Mut von vielen einzelnen Menschen, die ihr Leben von Augenblick zu Augenblick in die Hand zu nehmen wissen und von dorther bereit sind das Mögliche unerschrocken zu tun.

© Bernhard Albrecht Hartmann 09. Juli 2023

(1)  Thomas Metzingerbewusst seins kultur" Spiritualität, intellektuelle Redlichkeit                                                                               und die planetare Krise, Berlin Verlag 3. Auflage 2023, 1. Kapitel


Montag, 26. Juni 2023

In Resonanz

Wann leben wir wirklich in Resonanz mit einem Du, das zu uns spricht? Und mit was kann uns dieses Resonanzfeld verbinden, so wir es in echtem Interesse erschliessen? 

Nun echtes Interesse bedarf der inneren Ruhe und von dort her des sich Herauslösen aus Lebenszusammenhängen in denen ich bis soeben noch gestanden oder mich bewegt habe. Interesse beinhaltet somit etwas wie einen Sitzplatz auf einer Aussichtsplattform einzunehmen, einen befreiten Blick sich zu eröffnen auf Neues, das ich so bisher mir nicht vor Augen gestellt habe. Heraus … lösen, Abstand herstellen. Eben Inter … esse aufbauen. Aussteigen aus der eigenen Sichtweise und den Blick öffnen auf …

Interesse stellt sich also nicht von alleine ein. Es fordert die Bereitschaft heraus sich einlassen zu können auf Neues. Und was sich hier in einem ersten Bemühen zunächst zeigt, wie vielfältig verschränkt sich unsere eigene Sichtweise darbietet - wenn wir auf sie hinblicken wollen - wie viele Rückkoppelungsspiegel aus verborgenen Asservaten Kammern wir unversehens bereitzustellen in der Lage sind, nur, um uns ja nicht mit dem Neuen in seiner ganzen Fülle konfrontieren zu müssen. Da ist es doch leichter Vorurteilsgase zu versprühen und sich mit dem Fächer eigen-sinnigen Vermeinens diese Gase wohlgefällig oder besserwisserisch um die eigene Nase streichen zu lassen, statt innerlich das „Bisher“ loszulassen und das Neue mit seiner ganz eigenen Lebensart zu zulassen. Interesse … Augen öffnen, Aufmerksamkeit bereit stellen - ein hoch aktives Unterfangen - das durchaus mit einem leisen Empfinden den Boden unter den Füssen zu verlieren verbunden sein kann.

Wann leben wir also wirklich in Resonanz … ? Wann? Vom Grunde her (Plato Höhlengleichnis) erst dann, wenn wir die Furcht in uns gemeistert haben im Wieder-Hinabstieg in die Höhle  unausweichlich zunächst allein uns selbst zu begegnen. Wie das, Interesse beinhaltet also zu allererst die Überwindung der Furcht vor der Selbstbegegnung mit uns selbst?

Versuch der Annäherung an diese Aussage über ein Beispiel. Ich begebe mich auf eine Internet-Reise nach Japan. Und begegne dort einer etwa 60-jährigen Japanerin bei der Arbeit in ihrem Garten. Kein professionell gedrehtes Video und doch zeichnet die Tochter die tägliche Arbeit ihrer Mutter in einer Weise nach, die berührt und bestürzt zugleich. Diese Frau bewegt sich in einer inneren Verbundenheit durch diesen Garten, in der alles über ihre Hände und Mimik zu sprechen beginnt. Eines geht ins andere über. Und da steht die Libelle auf einer wieder in den Garten integrierten Baumwurzel genau so im Mittelpunkt, wie ein stacheliger Baumsame oder der energische Griff der Frau nach einer schmalen Stechschaufel, um aus Bruchziegeln in der Wiederverwendung einen Gartenweg weiter auszubauen. Jede Bewegung sitzt und selbst die Übergänge zu einem neuen Arbeitsabschnitt sind in sich nicht gebrochen, sondern gestalten sich fliessend aus der inneren Haltung der Frau, die alles im Auge hat und unprätentiös von Innen heraus führt. Selbst die Augenblicke des Verweilen auf einem der zahlreichen verwunschenen Sitzplätze in ihrem Arbeitsreich sind Teil ihrer Verbundenheit mit dem Garten. Sie atmet, lebt und blüht in einem „stillen Rhythmus“ mit ihrem Garten. … Sparsame Musikuntermalung wie gleicherweise deutsche Untertitel wechseln mit Stille, einer immer wieder lange anhaltenden Stille, die durch die Hände dieser Frau wie tönt. Diesen Garten durch die Jahreszeiten zu einem Gesamtkunstwerk werden lässt.

Selbstbegegnung mit der Stille. Wer hält dies wie lange aus und kann diesen Faden der Stille über die Arbeit seiner Hände durch den Tag in sein Arbeitsverhalten wie einweben?

Die Stille am Sonnenaufgangspunkt einer Resonanzfläche hin zum Du. Vielerorts unterdrückt, weil uns die Furcht vor eben dieser Stille wie fortreisst, da wir ihr nicht zu begegnen wissen. Kleine Kinder bieten uns diesen Weg in die Stille selbstloser Teilhabe mit ihrem Tun immer wieder an. Wie reich sind sie. … Wie viel Bereicherung können wir erfahren, wenn wir in solchen Momenten loslassen. Dem Loslassen uns überlassen ohne wenn und aber.

© Bernhard Albrecht H. 26.06.2023

Freitag, 16. Juni 2023

"Der Blick von Nirgendwo" - eine dynamische Denkpotenz

Ist in vielen Lebensbezügen heute nicht eine hintergründig latent beunruhigende Empfindung mehr oder weniger deutlich spürbar, dass der Boden unter den eigenen Füssen wie wegbrechend sich anfühlt? Eher selten wirklich greifbar, aber gerade deshalb - für Augenblicke  - verunsichernd. Augenblicke, die, um nicht aus dem Tritt zu geraten, schnell wieder wie mit einem Schleier überzogen werden. Was hier jedoch für den Moment die Sicherheit wieder herstellen soll, das eigene innere Gleichgewicht aufzufangen sucht, lässt die unterschwellige Furcht vor entscheidend nächsten Schritten mitunter nur wachsen und befördert so unvermeidlich die Entstehung illusionärer Wirklichkeitsverzerrungen in Form von Meinungen, bzw. inneren Einflüsterungen über das was angeblich ist. Die Wirklichkeit der ich mich vom Grund her individuell zu stellen hätte flieht über nicht weiter konkretisierte innere Horizonte. Was bleibt sind augenblickshaft äussere Umklammerungen angeblicher Wirklichkeiten Zuweisungen und aus meiner Vergangenheit unter dem Deckel gehaltene „so ist das eben Sedimente,“ für die ich im Jetzt dieses Augenblicks keine Veranlassung sehe sie neu zu hinterfragen.

Was aber ist meine Wirklichkeit, was ist die Wirklichkeit. Weiss ich mich in ihr in aufmerksamer Tateinheit zu verorten oder schwimme ich eher in einem breiten Strom von innen wie zugeflüstertem und von aussen schlichtweg ohne grosses Hinsehen adaptiertem Vermeinen über das was Wirklichkeit - die Wirklichkeit - ist, ohne meinerseits einen eigenständigen Zugriff darauf zu haben. Eigenständiger Zugriff: Leichter gesagt als getan. In einer Welt, die so schnelllebig, mitunter geradezu minutiös getaktet ist, wie kann ich da noch Innenräume in Form von Zeitfenstern bereitstellen um von dort her meinen Zugriff auf Wirklichkeit eigenständig zu bilden? Muss ich da nicht durch vielfältige Schichtungen hindurch auf Meinungssurrogate anderer Menschen zurückgreifen, um wie es so schön heisst mich aus der Wirklichkeit nicht ausgeschlossen zu fühlen oder mindestens an den Rand von Geschehnissen gestellt zu sehen, die ich nur noch unvollständig verstehe. Was ist also Wirklichkeit innerhalb des ständig mich überflutenden Meinungsstromes, mit all seinen Täuschungen, denen ich verfalle weil ich nicht aufmerksam genug bin?

Aufmerksamkeit und Wirklichkeitsfindung: Aufmerksamkeit kann in seiner ganzen Kraft sich nur durch das Tor des Augenblicks freisetzen. Sie ist also von ihrer Kraftentfaltung her, vom Erfahren der ihr innewohnenden Kraftpotenz das Momentum fliesender Unmittelbarkeit. Die fliessende Unmittelbarkeit ihrerseits ist der innere Zustand - so ich mich auf einen derartigen Weg einlassen kann - der über punkthaft verdichtete Konzentration hinausreichend mich an die innere Sphäre der Hoch-Wachheit heranführt. Die in mir jene tiefere Gegenwärtigkeit zur Anwesenheit bringt durch die ich bewegt in unmittelbarer Bewegung mich erfahre. Mir die Augen in fliessender Teilhabe für alles was immer sich mir in meinem unmittelbaren Blickfeld zeigt öffnet, soweit ich interessierte Offenheit dafür bereitstelle. Die Augen für das Wesentliche im Wirklichen des Augenblicks weitet und die konstituierenden Kräfte des Geistes hinter äusseren Wirklichkeitsschleiern mehr und mehr sichtbar werden lässt. Geübte Aufmerksamkeit erschliesst mithin als Wesentliches die Geistessphäre im - bewegt erhöhten Augenblick, - was von der inneren Verfahrensweise her kein übersinnlicher Vorgang ist, sondern ein Verfahren, das letztlich auf das tiefer reichende Ableiten von Sedimenten lange unerkannter Vorstellungen beruht. Anschauen in bewegter Unmittelbarkeit führt mich ins Nirgendwo.

Der Blick von Nirgendwo als vorstellungsfreies Geschehen: Wirkliche ganz von innen her errichtete Aufmerksamkeit, in Tateinheit also bewegtes Hervorbringen und sich Lösen von allen inneren Haltestangen, was nicht so ganz einfach ist da nicht wenige zunächst unbewusste Bewusstseinsfestlegungen sich lange verborgen halten können, beinhaltet ein Hineingleiten in das Nirgendwo. Das Nirgendwo als Erfahren ist raumzeitloses Erfahren, ein Erfahren das dem Stehen auf bewegten Wellenbergen ähnlich ist ohne im Stehen daselbst zu versinken. Wer das Schwimmen gelernt hat kann in der Rückerinnerung darauf auf Erfahrungen von Bodenlosigkeit zurückgreifen, die einen um sich schlagenden Schrecken auslösten bis die neue Erfahrung sich an seine Seite stellte, dass ich durch Bewegen die Oberhand über dieses Geschehen herstellen kann und von daher nicht fürchten muss unterzugehen. Das Nirgendwo als Realerfahrung ist im Inngang seelischer Beobachtungen nun ein erhöhtes Erfahren von Bodenlosigkeit. Es ist ein Erfahren, das sich auf nichts anderes stützen kann als bewegen, bewegen, bewegen …

In diesem Bewegen fallen sodann nach und nach alle Schleier über unserer bis anhin vorstellungsdurchwirkten Wirklichkeit. Ich bin von diesem Augenblick an herausgefordert verantwortlich aus vertiefter Sinnlichkeit heraus an dem was Wirklichkeit sein kann schöpferisch schaffend mitzuwirken.

Sinnlichkeit vertieft verläuft nicht übersinnlich, sondern ist ein Ich geleiteter Sinnen-Vorgang in nichts als fort und fort sich steigernde innere Intensität von Bewegung hinein. Diese Bewegung ist die Kraft, die den Denkblick aus sich in fortgeschrittenem Üben mehr und mehr verdichtend hervorbringt. Nachvollziehbar für jeden - auch wissenschaftlich - der über den mehrheitlich inhaltsbezogenen, also nach aussen gewandten Umgang mit dem Denken hinaus schreitet und sich selbst was sein inneres Tun betrifft auf seelische Beobachtungen einlassen kann. Bereit ist fragend bis auf den Grund und durch das Nirgendwo im Sinne des Sokrates hindurch zu gehen. Das bedeutet: Es reicht nicht regelmässig seine 10 km Laufen als Konditionstraining zu absolvieren, sondern es geht darum im inneren Krafttraining eigene Gedankengebilde so weit zu durchdringen, bis alles Vorstellen in ihnen sich auflöst. Kurz, Du im Nirgendwo als innere Erfahrung Heimat findest und dich in die Intensität des Bewegens dort in fliessender Gegenwärtigkeit furchtlos einzugliedern weisst.

Alles muss sich laut Emanuel Kant auf Erfahrung gründen. Das hat demgemäss auch für das Denken zu gelten. Nur ist Kant nicht wirklich bis zur inneren Erfahrung des Denkens vorgedrungen. Er hat das Denken in seinen Strukturen erforscht. Dies jedoch nur in seiner abstrakt analytischen Gestalt. Vor der eigentlich inneren Anschauung des Denkens ist er stehen geblieben. An dieser Nahtstelle hat Rudolf Steiner Kants forschende Spur wieder aufgenommen und mit seiner Philosophie der Freiheit ein Beispiel für die Anwendung der seelischen Beobachtung als wissenschaftliche Methode hinterlassen. Eine Methode, die in ihrer Bedeutung in wissenschaftlichen Zusammenhängen bisher wenig Beachtung fand. Nicht weil sie als Forschungsinstrument für nicht tauglich befunden, sondern weil sie in ihrer Handhabung nicht wirklich ausgelotet und damit aus meiner Sicht nicht verstanden werden konnte. Hier besteht also noch Forschungsbedarf.

Über das hinaus was ich aus der seelischen Beobachtung heraus den Forschungsansatz Rudolf Steiners aufnehmend und weiter entwickelnd, beispielgebend zur inneren Vorgehensweise hier und in vorausgehenden Blog-Beiträgen bereits gesagt habe, will ich nicht bestreiten, dass dies in meinen Augen nicht mehr als leise Kontur-Erweiterungen sind. Da es sich dabei um sehr individuelle Vorgehensweisen handelt bedarf es des Mutes und der inneren Ausdauer vieler, die angesichts der gegenwärtigen Verfasstheit der Wissenschaft sich darauf einlassen wollen diesen Forschungsansatz bemerkenswerter im wissenschaftlichen Räumen zu etablieren. Die latente Furcht die Subjekt/Objektschranke als abstrakt mühsam herausgearbeitetes wissenschaftliches Forschungsresultat einer langen Wissenschaftsgeschichte könnte dabei kompromittiert werden ist nicht von der Hand zu weisen. Sie wird sich nur in einer selbst zu machenden umfassenden inneren Anschauung und daraus hervorgehenden geweiteten Einsicht  bezüglich der  gemachten E R F A H R U N G E N überwinden lassen. Und damit - sachlich - auch ihre Grundlage verlieren, denn  der nicht zu umgehende notwendige Abbau bisheriger Vorstellungen über Mensch und Welt wird die bisherige Blickweise auf die Wirklichkeit erfahrungsbasiert nachhaltig verändern. Vorsichtig gesagt wird die Welt von Morgen was die überkommene duale Ausrichtung von Selbst und naturwissenschaftlich empirisch begründeter Aussenwelt so nicht mehr zu halten sein. Gelingt es nämlich den von Aristoteles keimhaft angedachten Aktus als urmenschliche Kraftpotenz geisteswissenschaftlich über die bisherige abstrakte Anschauung hinausreichend erfahrungsbasiert im Denken zu verankern, so hat das weitreichende Auswirkungen.

Thomas Nagel sagt diesbezüglich in seinem Buch - Der Blick von Nirgendwo - : "Könnte man aufklären in welcher Beziehung die interne und die externe Perspektive" (die subjektseitig, bzw. objektseitig Perspektive in der Vorstellungsbildung) "zueinander stehen, auf welche Weise jede von ihnen so entwickelt und verändert werden kann, dass sie der anderen Rechnung trägt, und wie beide im Zusammenspiel das Denken und das Wirken jeder einzelnen Person bestimmen können, so käme dies einer Weltanschauung gleich.“ (1) Den Problemen, die sich ihm im Zuge seiner Ausführungen stellen will er dabei unter keinen Umständen ausweichen und bezeichnet das in seinen Worten nüchtern so: "Philosophie (und Wissenschaft?) darf keinesfalls zu ermässigten Ansprüchen ihre Zuflucht nehmen (2)“ Sie fusst auf der steten Weiterentwicklung "ihrer eigenen unterentwickelten Fähigkeiten (3)" und was not tut, so ich in der unweigerlichen Kollision einander widerstreitender Perspektiven auf das "Absurde" stosse, "ist der Wille, es mit ihm aufzunehmen (4)," den fremden Vorstellungskonstrukten ins Auge zu schauen und angesichts eigener nicht hinterfragter Vorstellungsgebilde diesen in Projektionen nach aussen hin nicht auszuweichen, um die möglicherweise notwendige innere Umkehr so zu umgehen (5).

…  in der Vorstellungsbildung „zueinander stehen, auf welche Weise jede von ihnen so entwickelt und verändert werden kann," (1) …  Es geht damit also um das Hinschauen, das vertiefte Hinschauen und das Fragen, auf das ich bereits unter verschiedenen Aspekten daraufhin laufender Beobachtungen an verschiedenen Stellen wiederholt verwiesen habe. Was weiss ich wirklich, wenn ich solchermassen die inneren Bewegungsabläufe in der Konstitution meiner Denkabläufe, das heisst das bildsame Hervorbringen daselbst näher zu untersuchen versuche. Je weiter ich mich da vortaste und dabei zu verstehen versuche was da jeweils geschieht, wie ich hier verwickelt bin, bzw. in grössere Klarheit und innere Überschau hinein ich mich aufrichte, umso dringlicher treten die Fragen an mich heran, was weiss ich wirklich. Ich bemerke immer eindringlicher, dass ich mich so manchem mich anfallenden Bestreben der Verantwortung für das was hier geschieht nicht mehr entziehen kann. Bewusstseinsseele, wie sie sich hier unter meinen Augen bildet fordert ihren Tribut, was heisst Einsicht, auch und gerade schreckhafte Einsicht wie innere Umkehr. So wie bisher geht einfach nicht mehr. Selbstverantwortung ist in den Räumen des „erkenne Dich selbst“ nicht verhandelbar. Und zwar in dem strengen Sinne, dass ich mich fortan in dieser Verantwortung hinter niemanden mehr seitwärts flüchtend in die Büsche schlagen kann. Meine Verantwortung bleibt meine Verantwortung. Ich kann sie nicht einmal in Teilen auf andere übertragen. Das „erkenne Dich selbst“ weicht nicht von meiner Seite, auch dann nicht wenn auf mein mich Wegdrücken aus der Verantwortung scheinbar nichts geschieht. Schwerthaft in seinem Ausdruck bleibt es dennoch gegenwärtig.

So bleibt auch auch die von Fall zu Fall fortlaufend neu aufzulösende Subjekt-/Objektspannung in beständiger Gegenwart durch mein - das Leben im gesellschaftlichen Umfeld heute und morgen - bestehen. Der Wind der Wandlung gebiert sich aus dem inneren Aushalten des Fragens schlechthin. Die Lösungen für die gegenwärtige Klimakrise wachsen nicht so einfach auf den Bäumen an den Lebensrändern unser aller Leben. Sie wollen reifen. Reifen in meiner, unserer aller Innwelt. Mit Empörung auf die Klimakleber zu reagieren verschiebt nur das Problem ohne es zu lösen. Wir alle leben auf die eine oder andere Art in und mit der Angst. Es geht also im Grunde um Gleichgewichtsbildung in unser aller je eigener Seelenlandschaft. Den Knüppel der Empörung aus dem Sack fahren zu lassen mag zwar für einen kurzen Augenblick entlasten, die dabei freigesetzten psychischen Gase vernebeln aber mögliche Wege auf zu findende Lösungen hin. Und das gilt für die Klimakleber wie gleicherweise für all diejenigen die mit Empörung, bzw. unterschiedlichen Formen der Beschwichtigung auf ihr Tun reagieren. Beide Seiten umgehen auf diese Weise ihre tiefer aufzuhellende Selbstverantwortung. Selbsterkenntnis ist heute nicht zu billigen Tarifen zu erlangen. Sie schmerzt bevor sich Wege der Heilung öffnen. Im persönlichen und im gesellschaftlichen Umfeld (6).

© Bernhard Albrecht Hartmann, 16.06.2023

(1)  Seite 11, Abs. 3, Vorrede in: Thomas Nagel, Der Blick von Nirgendwo Suhrkamp TB 2012

(2)  Seite 22, Absatz 27, Vorrede in: Thomas Nagel, dito

(3)  Seite 23, Absatz 28 dito 

(4)  Seite 24, Absatz 29 dito

(5)  https://ich-quelle.blogspot.com/2016/07/einige-anmerkungen-zu-thomas-nagel-der.html

(6)  https://ich-quelle.blogspot.com/2015/07/von-der-inneren-umkehr.html  


Donnerstag, 8. Juni 2023

Vom geistigen Pfingstfeuer

Das Wort von der Zeitenwende tickt nicht erst seit den Tagen nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine in vielerlei Nachrichten um die Welt. Es ist unter den Menschen hintergründig präsent mindestens seit der Mensch in seinem individuell werdenden Denken sich unmittelbarer zu emanzipieren begann. Wer diesem Zeitenwende-Phänomen tiefer erlebend näher treten will kann dies schon in dem Verhältnis von Aristoteles und Platon nach dessen fluchtartiger Rückkehr von seiner letzter Syrakus Reise identifizieren. Weniger als historisch dokumentiertem Tatbestand, sondern der Möglichkeit nach als geistig erlebbar zu erweckenden Tatumstand in dem weiteren  Lebensumgang der beiden nach dieser Reise. 

Aristoteles verlies bald danach Athen. Mehr äusserlich betrachtet wird das historisch gesehen als Folge der wachsenden Spannungen von Athen gegenüber Mazedonien, der Heimat des Aristoteles angesehen. Wer tiefer hinschauen will kann in diesem Umstand die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu überbrückende Differenz der beiden was ihre Denkweise betrifft ausmachen. Realismus versus Idealismus im Denken oder anders ausgedrückt die Umkehrung der Deutung des Höhlengleichnisses von Platon durch Aristoteles. Aristoteles sieht in dem Wieder-Hinabstieg in die Höhle die letztendlich mögliche Vollendung der Befreiung des Menschen von jedweden Fesseln, für Platon hingegen ist diese Befreiung bereits erfüllt in dem Ausstieg aus der Höhle, hinein in die Ideenschau, das Sonnenlicht im Geiste. 

Aristoteles stand eine völlige Neuordnung des Verhältnisses von Physis und Logos im zu erfahrenden Denken vor Augen. Keimhaft im Ansatz, denn das Denken, sprich das Erkenne Dich selbst im Denken zu verorten, Anschauung werden zu lassen ist hintergründig besonnt sein Ansinnen in allem was sich um den Aktus dreht. Denken als tatsächlichen fortwährend zu aktualisierenden Willensprozess zu veranschaulichen. Oder anders ausgedrückt fragend durch das Niemandsland des „ich weiss, dass ich nicht weis“ bis auf den Grund des Erwachens für die Wirklichkeitsbildung im Denken hindurch zu gehen und anschaulich im willentlichen Denkvollzug zu dokumentieren, das war tiefer betrachtet seine Erkenntnisperspektive. Hier unterschied er sich von Platon und sah sich demzufolge vor die Entscheidung gestellt seinen eigenen Wege zu gehen, was bedeutete sich von Plato und seiner Denkweise deutlich abzusetzen. 

Idealistische Ideenschau versus fortlaufend realaktualisierte Peripatetik im Denken. Der innere Dreischritt - GEHEN, SPRECHEN, DENKEN - als selbstverantwortlich gestalteter Willensprozess war und ist das bis heute unvollendet gebliebene Zeitenwende Vermächtnis des Aristoteles.

In welcher Beziehung steht dieses nun zu dem oben benannten Titel dieses Essays? Geistiges Pfingstfeuer als Ereignis des Erwachens am anderen Menschen und … wie ich hier ergänzend hinzufügen will, die Überwindung der Furcht im Durchgang durch das Niemandsland im Fragen bis auf den Grund. Im Fragen auf das Erwachen des individuellen Denk-Augenblicks im eigenen Denken hin. Erwachen in das „tatsächlich“ immer umfänglicher willentlich geführte Denken, das Denken in unmittelbarer Tat-Einheit mit sich selbst. 

Die Quell-Dohle von der aus dieses Pfingstfeuer von Augenblick zu Augenblick sich immer tiefer erfahren liesse ist das Du des jeweilig anderen Menschen. Denn im Spiegel des Du kann ich erinnernd erfahren wer ich im eigentlichen Sinne des Wortes bin. Am sich mir mitteilenden Du kann, sofern ich meinerseits mich in der Anschauung ohne jedwede Urteilsabschweifung, sprich prolongierte Selbsttäuschung mir selbst gegenüber, bzw. im Rückhalt von Urteilsübertragungen auf das Du hin zu halten weis, ich mich als den der ich in meiner schöpferischen Willensgestalt bin nach und nach von innen her immer besser ausrichten. Das innere Feuer zur aktiven Selbstverwandlung erwacht und nimmt gemäss der eigenen Bereitschaft zur Wandlung in fortlaufenden Du Begegnungen Fahrt auf.

Das Ich ist allein dem verantwortlich, was aus dem wachsenden Erinnern sich kundgibt. Und mit dem was von dort her mit allen weiteren Konsequenzen in seine Hände gelegt wird, ist es von seinem inneren Wahrnehmen her immer unabweisbarer angehalten die Gebärmutterhülle des Ego zu verlassen. Angstfrei, denn aus dem Denken kann ich nicht herausfallen, ich kann nur immer und immer wieder den Einstieg in seine Tiefen verweigern - aus Angst. Insofern ist der Kern von Zeitenwende, dass ich die Verantwortung für dieses mein Denken ohne wenn und aber übernehme. Nicht also der Selbsttäuschung von Verschwörungen jedweder Art verfalle, sondern meinerseits alles bis auf den Grund hin hinterfrage. Das Selbsterkennen erinnernd annehme und in Taten umsetze.

Von Pfingsten her weht der Wind zur eigenständigen Selbstverwandlung im Denken gemäss meinem Erinnern und Besinnen wie es durch das Du meines Schicksalsumfeldes an mich herangetragen wird. Konkret gesagt: Ich kann mich hinfort nicht mehr meiner Selbstverantwortung entziehen deutlicher meine Zeitenwende Verantwortung in die Hand zu nehmen. Und … hier zu tun was immer wenn auch nur im Kleinen mir möglich ist. Von Zeitenwende nur zu reden ist ein Unding. Die Zeitenwende durch andere zu erwarten ebenso. Zeitenwende vollzieht sich als weitreichende soziale Verantwortung und kann vom Grunde her nicht umgangen werden.

Über das Denken ist nicht erst seit heute alles mit Allem in subtilen Wirkverhältnissen untereinander verbunden und aufeinander bezogen. Der Unterschied zu früheren Zeiten ist der, dass die Verantwortung des Einzelnen heute eine viel viel grössere ist. Zeitung lesend am Weltgeschehen Anteil zu nehmen ohne täglich aktiv meinen eigenen Selbsterkenntnis Acker zu bestellen ist nicht mehr ausreichend in einer Zeit da die Chaos Kräfte unmittelbar vor der eigenen Haustüre am Wirken sind.

Demzufolge ist es buchstäblich auch naiv zu glauben mit militärischen Mitteln den Ukraine Konflikt bewältigen zu können. Es ist aber ebenso geradezu hirnrissig per wie auch immer gearteter Appellation Frieden anmahnen oder herbei reden zu können. Wenn seit dem durch Putin autorisierten Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine von Zeitenwende gesprochen wird, so ist mit dieser Tatsache nur das Zeitenwende Phänomen, das durch die gesamte Geschichte ein zu jeder Zeit ablesbarer Entwicklungsfaktor war erneut aus dem Schatten in den Vordergrund getreten.

Aus dem Schatten: Putin muss Einhalt geboten werden. Aus seinem Handeln jedoch, von welcher Seite auch immer ein Böse-Buben Spiel zwischen Ost und West mit noch so griffigen Argumenten vermeintlich unwiderlegbar ausmachen zu wollen, das geht an den wirklichen Notwendigkeiten vorbei. Denn der Krieg um die Ukraine wirft ein nicht mehr beiseite zukehrendes Schlaglicht auf tiefere Wirkverhältnisse in diesem Konfliktfeld. Dieser Krieg ist kein Stellvertreterkrieg der Ukraine für Europa, er ist ein Krieg um das Bewusstsein des Menschen und dessen aktiv zu entfaltende Potenz darinnen - das Ich. Die Entfaltung des Ich kann erst wirksam werden mit dem Eingeständnis, was habe ich auf meinem individuellen Entwicklungsweg durch dieses mein Leben versäumt (?) an die Hand zu nehmen. Wo habe ich meinen zumeist eher verborgeneren Ego-Bedürfnissen immer wieder den Vorrang eingeräumt vor meinem stetig in grössere Tiefen hinein zu erweiternden Selbsterkenntnis-Prozess. Denn der tote ukrainische oder russische Soldat gerade heute am Donbas steht in einem unmittelbaren Wirkverhältnis damit. Es ist dies keine Frage von Schuld sondern von not-wendend aufzubauender und durchzuhaltender Wachheit im Umgang mit meinem Denken. Verantwortung die nicht auf andere übertragen werden kann. Denn ich bin mitverantwortlich für alles was immer in der Welt geschieht, ich bin Teil des welthaften Bewusstseinsprozesses.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 08.06.2023


Sonntag, 4. Juni 2023

Fragment 1/2023

Nur dem Anschein nach ist die Stille unverwortbar. Denn - ihrer inneren Essenz nach - weiss sie sich allzeit sehr lebendig auszudrücken und ist als Quelle allumfassender schöpferischer Kraft immer und überall zwischen den Worten präsent. Nur ist die gegenwärtige Zeit eine solche, dass es mitunter recht schwierig ist der Stille in ihrer Tiefe teilhaftig zu werden. Zu viele der Vorstellungen stehen den Menschen im Weg, bauen sich scheinbar unüberwindbar in der eigenen Seele auf und behindern so den Weg des Menschen in das unmittelbare Erfahren der Stille.

Sie hindern den Menschen einerseits Abstand zu nehmen von dem, was auf ihn beständig von aussen her vereinnahmend einzuwirken, ihn auf der anderen Seite nach innen hin in der einen oder anderen Weise zu binden sucht. Die Stille bleibt daher unentdeckt, obwohl sie in Tateinheit  beständig gegenwärtig ist.

In Tateinheit: Die Stille will gesucht sein, - gefunden werden - durch den eigenen Willens-Ausstieg aus den Turbulenzen des Alltags. Sprich, der Weg zur Stille öffnet sich über das nachhaltig geübte Innehalten und damit das Erfassen des Augenblicks als fortlaufend immer stärker sich manifestierende innere Erfahrung. Der Grund auf dem die Stille beheimatet lebt „ist“ mithin als  höchst dynamische Willenspotenz zu beschreiben - fern aller Abstraktheit. Eine Potenz, die den eigenen Kraftbereich beleben wie niederschmettern kann. 

© Bernhard Albrecht Hartmann 04. Juni 2023

Freitag, 14. April 2023

WindWorte 3

Es ist die Stille die erfahren sein will. Die Stille zwischen den Worten Deiner täglich nach aussen „und“ nach innen geführten Kommunikationsprozesse, die innehaltend zwischen diesen Dialog-Puzzele-Teilen der Worte Dir begegnet, so Du aufmerksam Dich dafür offen halten kannst. In dieser Stille wird Dir Dein Weg, wird Dir das was selbsterkennend für Dich gerade jetzt ansteht immer deutlicher sichtbar. Ganz bei Dir erwachst Du im inneren Gleichgewicht mit Dir gewissermassen in Dein menschliches Urversprechen auf-zu-erstehen.

Die Auferstehung von Ostern ist Deine Botschaft des modernen Selbsterkennens an Dich. Ostern heute also nicht ein Vergangenheit bezogener Gedenk- und Feiertag, sondern der Ereignistag für Dein aktiv in den Alltag hinein umzusetzendes Selbsterkennen. Selbsterkennen als fliessend in Bewegung gebrachte Aufmerksamkeit Deiner schöpferischen Selbstverantwortung.

Du kannst die Welt weder in Deinem grossen noch in Deinem kleineren gesellschaftlichen Umkreis retten, denn das ist nicht Deine Aufgabe. Es ist von daher müssig da oder dort in Deinem Umfeld diese oder jene Fehlleistungen zu bemängeln. Genau so wenig ist es zielführend Dich auf Mutmassungen über angebliche Verschwörungen einzulassen. Dies ist im Grunde nämlich nur eine gross und gleichzeitig subtil angebahnte Täuschung, die Dich von Deinem eigentlichen Weg der nach innen hin zu vertiefenden Aufmerksamkeit Entwicklung abbringen will. 

Du kannst von heute her etwas konkreter benannt in Schulklassen aus dem Ruder laufende Disziplinlosigkeiten nicht „nachhaltig“ verändern, solange es Dir nicht gelingt eine Haltung fliessender Aufmerksamkeit zu entwickeln, denn Disziplinlosigkeit gründet in fehlender Aufmerksamkeit für diese Kinder meist über eine längere Zeit hinweg und unter nicht selten für sie traumatischen Umständen. Was sie viel zu wenig haben ist anhaltend warme menschliche Zuwendung gerade in den kleinen Belangen ihres Alltags. Von Beschäftigung Informationen noch und noch geradezu überflutet geht ihnen die innere Orientierung verloren, die nur in der Geborgenheit Auge in Auge zu keimen und zu wachsen vermag. Sie müssen viel zu früh funktionieren und laufen so ohne es zu wissen warum alarmiert aus dem Ruder. Die Erwachsenenwelt reagiert darauf dann oft viel zu spät und häufig unangemessen. Denn: Erziehen von Kindern kann nur nachhaltig gelingen auf der mindestens gleichlaufenden Selbsterziehung der Eltern und Lehrpersonen.

Rafael hat in seinem grossen Bildwerk „Die Schule von Athen“ jene Stille von der ich hier schreibe in einer grossartigen Imagination ihren gestalthaft farbig konkreten Ausdruck verliehen. Sie, die Stille ist immer da - auch mitten in den so oft chaotischen Turbulenzen - in unserer heutigen Welt. Sie nimmt das was immer geschieht in sich hinein und begleitet, befreit die Menschen aus allen nur denkbaren Wirrnissen ihrer jeweiligen Lebensverhältnisse. Still und unermüdlich.

© Bernhard Albrecht Hartmann 04.04.2023


 

Sonntag, 4. Dezember 2022

WindWorte 2

Wenn Sinnesoffenheit in Achtsamkeit tiefer hineinwächst gehst Du auf einer inneren Ebene irgendwann durch das Tor des Schweigens. Was nicht heisst, dass Du damit für das alltägliche Leben verstummen musst. Nein. Du wirst ganz bei Dir immer wacher für das was Du jeweils tust, was heissen kann, dass auch das Wort merklich immer bedeutsamer für Dich und Deinen Umgang mit ihm wird. Kommunikation bekommt eine neue und tiefere Bedeutung und das kann auch eine zeitweise Hemmung im persönlichen Umgang mit Worten zur Folge haben. 

Die bisherige meist eher gegen aussen agierende seelische Empfindsamkeit weitet sich mit Aufmerksamkeit-Übungen. Du rückst mehr ins Zentrum, wirst zum immer unmittelbar erfahrenden Kreuzungspunkt allseitig in Dir und um Dich herum sich begegnender Empfindungen. Sie verflüssigen sich gewissermassen. Verletzungen treten schneller in Erscheinung. Du spürst allenthalben, dass Du selbst alltägliche Willensstrebungen gehalten bist mehr geführt in Deine Hände zu nehmen, damit Du nicht unversehens aus dem Gleis gerätst. Der Wille ist immer weniger das was Dich selbstverständlich trägt. Du musst die Führung übernehmen.

Schuldige im Aussen zu suchen wird obsolet und bisher verlässliche Schutzmechanismen brechen weg. Du erfasst von Mal zu Mal tiefer die Herausforderung, die darin sich zeigt, dass vermeintlich andere es sind, die Dich da oder dort scheinbar verletzen und im schlimmsten Fall sogar vorübergehend erschöpft einknicken lassen und Dein Seelenerleben abdunkeln. Der Anschein trügt. Sie treffen durch ihr Tun nur eine Wunde in Dir, die vordem schon da war und möglicherweise schon eine lange Zeit dort vor sich hin schwärte. Ihre vermeintliche Untat beinhaltet in Wirklichkeit also nur eine Briefbotschaft mit einer Aufmerksamkeit-Übung. Widme diesem oder jenem bestimmten seelischen Erlebnisbereich in Dir mehr Achtsamkeit … 

Bewusstseinsseele“ fällt Dir nicht in den Schoss, sie will in Respekt vor jedwedem anderen Menschen erarbeitet sein. Freiheit ist kein zu beanspruchendes Gut. Sie will individuell aktiv hervorgebracht und gestaltet sein.

© Bernhard Albrecht Hartmann 04.12.2022

Der Ukraine Krieg - eine ungewöhnliche Anmerkung

Und immer noch ist Heraklit höchst aktuell … denn das Denken ist trotz aller Dialektik und Reflexion vor der eigenen, individuell „tatsächlich inneren Anschauung“ her bis heute das am wenigsten Durchdrungene (1). Es ist abstrakt und damit tendenziell tot und in sich leer, was in meinen Augen bedeutet in seinem je tieferen Gehalt deswegen zu wenig authentisch. Es fliesst eben nicht, weil ich zu seinen verborgenen Gestalt gebenden Bewegungen innerlich nicht vordringe. Ich halte mich zumeist eher hinter Vorstellungsbarrieren bedeckt zurück, als konkret Räume oder wohl besser gesagt Dimensionen des Nichts anschauend zu erkunden. 

Wie es so schön im Märchen benannt wird, das Fürchten will gelernt sein oder mit Thomas Nagel das Denken will vom Nirgendwo (2) her erkundet sein. Mit anderen Worten, der Wille im Denken darf als Erfahrung nicht länger mehr verborgen bleiben.

Grundständig ist aber bei derlei Bemühungen der Satz des Sokrates nicht zu umgehen. Jener Satz nämlich der bis heute durch vielerlei philosophische Bemühungen und Coach Beratungen geistert, jenes die Zeiten übergreifende hintergründig sich zu erschliessende Selbsterkenntnis Eingeständnis, das Sokrates seinen Schülern immer wieder bei vielerlei Gelegenheiten wie leise ermunternd zusprach und für das er selber mit aller Konsequenz einstand nachdem er vor das Mysterien Gericht gestellt worden war: „Ich weiss, dass ich nicht weiss.“ 

Ich wage es hier einmal ganz offen so auszusprechen, dieser Satz ist bis heute in seiner Essenz nicht wirklich breitere innere Erfahrung geworden. Und von daher ist der je eigene individuelle Giftbecher nicht einmal im Ansatz ausgetrunken.

Der Krieg bleibt also in meinen Augen so lange der Vater aller Dinge bis das Denken sich in heutiger Zeit bis auf die „Erfahrungsebene“ des Heraklit (alles fliest) in eigenen individuellen Erfahrungen vertieft hat.   

© Bernhard Albrecht Hartmann

Siehe dazu auch: https://ich-quelle.blogspot.com/2022/01/mit-den-augen-des-falken-3.html   

https://ich-quelle.blogspot.com/2016/07/einige-anmerkungen-zu-thomas-nagel-der.html



Freitag, 28. Oktober 2022

Über das Dialogische

 https://www.facebook.com/groups/nobuanthro/posts/6544069638943584/?comment_id=6544105825606632&reply_comment_id=6545032998847248&notif_id=1666778489030147&notif_t=group_comment&ref=notif

Der nachfolgend hier eingestellter Kommentar wurde vor zwei Tagen auf Facebook gepostet, kurz nachdem der Beitrag auf den er sich beziehen sollte von Facebook wegen Hatespeech gesperrt und gelöscht wurde. Ein zu denken gebender Vorgang. Denn besagter Beitrag verwies per Kopie des Beitrages von Maria Dörig lediglich auf Aussagen daselbst in dem Magazin Agora 5/2022, war durch sich selbst geprägt demnach keine unmittelbar ausgeübte Hatespeech. Selbst wenn ich meinerseits die Aussagen von Frau Dörig als grenzwertig ansehe waren sie genau besehen nur Interpretationen von Vorgängen, die sie ihrerseits innerlich sich eben so zum Verständnis brachte. Eine direkt ausgeübte Hatespeech gegen eine konkrete Person konnte ich darin nicht erblicken. Insofern betrachte ich es als bedenklich, wenn von Facebook in die freie Meinungsäusserung auf diese Weise eingegriffen wird. Anscheinend sind die Algorithmen die Facebook hier einsetzt nicht differenziert genug entwickelt.


In Krisen-/Kriegs-Zeiten dem Dialogischen Bedeutung zusprechen, ist das nicht durchgedreht weltfremdes Wunschdenken?

Kann somit Waffen zu Pflugscharen umzuschmieden heute noch ein hehrer Wunsch, eine taugliche und damit auf die besonderen Gegebenheiten hinorientierte innere Haltung zum Ausdruck bringen? Oder ist dies in unseren Tagen in seinen vielfältig abgewandelten Varianten mit seinem vor sich selbst nicht selten verborgen gehaltenem, (gerade deshalb aber immer wieder mit Verve intellektuell virtuos und politisch scharf bis spitzfindig argumentierend vorgetragenen) ideologisch hochgetunten Background nicht naiv und weltfremd? Kann darin also ein Zeiten - Wende Wille, eine aktive Zeiten - Wende - Haltung tatsächlich und wirklichkeitsnah zum Ausdruck gelangen?

Ich will damit wen auch immer keinesfalls verurteilen, sondern nur versuchen den Finger in „die“ Wunde zu legen, die wir alle, mich also eingeschlossen heute mit uns durch unser Leben tragen. Und das ist bildhaft gesprochen die Wunde der (auch unerkannt oder verschleiert) gebrochenen Authentizität, des sich Abstützens letztlich mehr oder weniger deutlich auf wie auch immer vorbildhafte andere Menschen, bzw. fremdseitig eingespielte, meinerseits wohl häufiger eher nicht wirklich bis auf den Grund hin überprüften sogenannten Tatsachen (z.B. unter anderem auch Fake-news bzw. Verschwörungstheorien).

Aufrecht stehen und diesen in jedem Falle sehr individuellen Ausdruck auch durch alle inneren und äusseren Wendespiele, die dich/mich im nu dabei in Dialogen unterspülen und verdrehend in einem Malstrom erfassen können durchzuhalten, das ist wahrhaft eine Kunst innerhalb der Strudelereignisse von Scilla und Charyptis in der heutigen Zeit (→ Mehrfahrt des Aeneas, bzw. die des Odysseus).

Wie schwer diese „Dialog-Kunst“ im Leben zu verankern ist, das zeigt Maria Dörig in ihrem hier von Rainer Herzog (leider teilweise für mich nicht lesbar, zwischenzeitlich wieder zurückgezogenen) Agora Beitrag. Und wie sehr der Dialog dabei auch aus dem Ruder laufen kann, das wird an Inhalt und Duktus ihres Sagen wie auch der Reaktion hier nur mehr als deutlich.

Vor weiteren Einlassungen meinerseits zum Beitrag von Maria Dörig eine aus meiner Sicht notwendig ernste Anmerkung vorweg: Die Dialogkunst führt mich, innerlich konsequent verfolgt in das Nichts hinein, prüft mich auf jede nur erdenkliche Weise auf eine innere Meerfahrt ohne Rückhalt hin, d.h. ohne festen Boden. Was mich in meinem ganz persönlichen Erfahren, so ich aufmerksam in und um mich in den sozialen Raum hinein lausche, zum immer umfassenderen Verzicht auf alle Vorstellungen die ich über andere Menschen in mir trage offen oder verdeckt auffordert. Dialog auf eine fortschreitend sich entwickelnde Kunst hin geübt, weckt damit gleichlaufend in mir eine weitere Kunstfertigkeit, die der seelischen Beobachtung.

Kurz und bündig auf Maria Dörig bezogen, übt sie im Hinblick auf Ute Halaschka und Jaroslava Black-Terletska hier seelische Beobachtung? Die seelische Beobachtung zeichnet sich nämlich gerade dadurch aus, dass sie vorsichtig fragend an das tiefer zu Verstehende herantritt. Maria Dörig hingegen tritt kämpferisch auf, wogegen grundsätzlich nichts zu sagen wäre. Nur, zeichnet sich ein echter Kämpfer nicht durch differenzierte Waffenführung aus?

Nimmt Frau Dörig von daher die Argumente von Ute Halaschka und Jaroslava Black-Terletska näher unter die Lupe? Knüpft sie mit eigenen Gedanken an sie an? Nein, sie wischt sie vom Tisch, belegt sie mit der Deutung der luziferischen Irreführung und unterstellt Manipulation. Doch weil das noch nicht reicht bringt sie sogar die schwarzmagische Keule ins Spiel.

Frau Dörig, ich will sie hier ganz direkt offen ansprechen, haben Sie, ihrem Beitrag in Agora 5/2022 vorauseilend sich um Teilhabe an den Geschehnissen z.B. in Butscha soweit innerlich angenähert, dass sie nachfühlen konnten was Schmerzagonie für eine Grossmutter bedeutet? Eine ältere Frau, die Tochter, Enkelkind und Mann, sowie ihr Haus mit bescheidener Habe in einer einzigen Nacht verloren hat? Können Sie innerlich erlebend nachvollziehen, dass, um am eigenen Schmerz nicht zu ersticken, Schreien und in Gemeinschaft sich Bewegen hilfreich sein kann, um sich selbst wieder zu spüren und damit dem Leben nicht verloren zu gehen?

Können Sie das, was ich Ihnen denkend hier näher zu bringen versuche, Frau Dörig, können Sie konkret auf die Situation dieser schwer traumatisierten Menschen in Kiew bezogen Mitgefühl in sich soweit aktivieren, dass Sie in Ihrem Herzen still geöffnet nachempfinden den Schmerz, die innere Leere, das innerlich ausgebrannt Sein dieser Menschen? Oder bin ich in Ihren Augen, weil ich diesbezüglich anders denke als Sie auch ein luziferischer Verführer? Ein Un-Denker?

Ein Wort zum Schluss: Die Mitte Europas liegt nicht in Deutschland und nicht in der Ukraine, also nicht im Aussen. Aus meiner Sicht hat Rudolf Steiner sie zu Weihnachten 1923/24 als dynamische Äthersubstanz in die Herzen der Menschen zur frei zu verantwortenden Entwicklung eingepflanzt, auf dass sie aus dieser Keimkraft im Dialog Wege eröffnen könnten alle ihre „Vorstellungen“ auf mehr „gelebte“ Menschlichkeit untereinander hin zu verwandeln. Die Versäumnisse hier sind ein wesentlicher Auslöser für den Krieg in der Ukraine heute. Denn was ich hier vor meiner Haustüre, in den menschlichen Zusammenhängen, die mir geistig etwas bedeuten durch „meine innere Verwandlung“ als Beitrag einbringe, nur das kann sich in die Weite atmen und in Russland zur gegebener Zeit als neuer Geisteskeim aufblühen. Konkret individuell gelebte Ich geführte Geistestat also, frei von jeglicher Dogmatik.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 28.10.2022