Dienstag, 12. März 2013

Wer bin Ich

Gesprächsnotiz zu dem Beitrag Fragment 25/1.
veröffentlicht auf http://www.lebensmelodie.wordpress.com am 25.01.2013
von Angel Maria Perezano

„Ich weiß heute immer noch nicht, wer ich wirklich bin. Ich kenne nur meine Rollen. Aber vielleicht ist die Frage nach meinem eigentlichen Ich eine leere Frage. Sie existiert nicht unabhängig von einem selbstreferentiellen Bewusstsein. Sie existiert nur in einem materiellen Kosmos, der uns vortäuscht, alles kenne eine stabile Form. Das Ich scheitert an seinem Zerbrochen-Sein. Es zu vervollkommnen hieße, den Sinn des Lebens falsch verstanden zu haben.“


Das Ich kann sich nicht finden in einem selbstreferentiellen Abgleich gegen ein wie auch immer geartetes Aussen. Auch die selbstreferentiellen Prozesse innerhalb des eigenen Innenlebens, das sich selbst Besinnen sind letztlich Abgleiche gegen ein Aussen, weil im Blick auf einen inneren, von mir abgerückten Spiegel gesehen. So fruchtbar solche Prozesse sein können, so können sie dennoch scheitern, wenn das Ich im Anschauen seiner selbst hängen bleibt, sich nicht erkraften kann in einem sich selbst bezeugenden schöpferischen Prozess.
Nur in einem derartigen Prozess kann es sich zur Erscheinung bringen, um gleichsam zu verlöschen, in den Hintergrund eines vorläufigen Nicht-Ausdrucks zu treten, wenn der schöpferische Prozess an ein Ende gelangt oder abgebrochen wird. Das Ich lebt also aus der schöpferischen Spannung heraus, aus der Unmittelbarkeit erlebenden sich Bewegens.
Das Ich ist somit eine Potentialität und tritt nur insoweit in Erscheinung, als seine Potentialität sich in schöpferischem Tätig Sein zur Entfaltung bringt. Andernfalls ist es nicht und das Ego übernimmt die Aufgabe eines Platzhalters, einer Stellvertreterschaft bis das Ich wieder in seine Kraft erwachen darf und kann.
Es ist das Ego, das es so überaus gut versteht über unser Innenleben die Illusion auszubreiten, das Ich bedürfe der Vervollkommnung. Nein. Das Ich ist Kraft seiner schöpferischen Potenz vollkommen.
Diese Potenz zu entfalten bedarf es des Mutes. Es ist letztlich wie ein Gang über das Wasser oder auch ein sich in der Bewegung selber den Grund schaffen über den, auf dem ich gehe.
So in Bewegung weiss ich wer ich bin.

Bernhard Albrecht,

Dienstag, 22. Januar 2013

Über den Widersinn des Erlebens von Grenze

Über das Nichts zu reden scheint in gewissen Kreisen heute um sich zu greifen. Eine Grenze wird irgendwie erlebt, über die es einem hinaus drängt, die jedoch bei näherer Betrachtung möglicherweise nicht in der Art überschritten werden kann, wie es auf den ersten Blick hin als dunkle Möglichkeit mir vor Augen zu treten scheint. Was liegt da näher, als dieses numinosen Zustand, der gerne am ultimativen Ende einer Erkenntnis- und Selbsterkenntnis Auseinandersetzung gesehen wird, als Jenseits - Nichts oder auch Leere zu bezeichnen.
Nun, in den Grenzen des auf sich selbst bezogen Seins, in dem das Ego sich bewegt, scheint dieses Jenseits - Nichts das einzig mögliche Konstrukt extrapolierender Vorstellungsbildung innerhalb eines möglichen Erkenntnis Horizontes zu sein, welche mir eine bestimmte meditative Erfahrung plausibel machen kann. Wie weit dieses Nichts dann auch tatsächlich erlebt wird und was es mit dem möglicherweise blossen  Anschein eines derartigen Erlebens auf sich hat, das ist eine andere Frage. Eindeutig ist wohl die Tatsache eines Bedürfnisses diese Grenze zu überschreiten, die Fesseln des Ego zu sprengen, dessen Grenzinnenraum doch immer wieder gerne aufgesucht wird, um bei auftretenden Unsicherheiten oder auch gegenüber etwas, das als Gefährdung unterschwellig erlebt wird, Halt findend sich abzuschotten.

Grenze: Taste ich mich an dieses Wort heran, so kann mir eines klar werden: Ich kann nicht aus meiner existenziellen Haut heraus schlüpfen, auch nicht auf dem Weg über einen sogenannten leibfreien Zustand. Ich erfahre mich auch in dieser Formdynamik des Seins als existierend. Wenn ich den Wechsel meines Bewusstseins in diese Daseinsdynamik hinein als eine Grenzüberwindung bezeichnen möchte, dann ist es kein Wechsel in ein so genanntes Nichts hinein. Die Frage ist zudem, ob ich damit auch tatsächlich eine Grenze überwinde oder zum Inhalt meines Erlebens einfach eine anders  geartete  K r ä f t e d y n a m i k  wird.

Mein Ego versucht mich gerne auf alle nur erdenkliche Weise innerlich anzuzünden, meinen Erlebnisraum nach dieser übersinnlichen Seite hin zu erweitern, es lässt mich aber wohl weisslich im Unklaren darüber, welche Kräfte ich dazu brauche, mich in diesem Bereich dann auch sicher bewegen zu können.
Gewisse heute, auch öffentlich geübte meditative Praktiken führen, nachdem der „Affentanz“ bestürmender Gedanken beruhigt ist, dem Anschein nach in eine Art Erfahrung von Nichts oder Leere. Dem Anschein nach, denn sobald der innere Beobachter in der Meditation mitgeführt wird, ergibt sich da für den Beobachter diesbezüglicher Prozess -Szenarien nicht ein anderes Bild von dem, was da geschieht und erlebt wird?
Es ist erstaunlich wie wenig im Ausüben derartiger Meditationspraktiken das Ich in den Fokus der Betrachtung rückt. Mitunter wird in andeutenden Beschreibungen des Geschehens um derartige Meditationsweisen von der Überwindung des Ich gesprochen, ohne dass dieses selbst, wenn auch nur versuchsweise, einer näheren Betrachtung unterzogen wird.
Mit dem Ausräumen der inneren Stube von bestürmenden Gedankenwelten, im Einstieg in eine tiefere Meditationsebene, scheint unversehens auch das Ich mit ausgeräumt zu werden. Jedenfalls wird rückblickend  auf in diesem Zusammenhang gemachte  Meditationserlebnisse nicht mehr vom Ich gesprochen, sondern von Erlebnissen kosmischen erfüllt Seins mit Blick auf visionäre Willensperspektiven. Interessanterweise wird der Blick auch ausschliesslich auf die Zielrichtungen des Willens gerichtet und nicht auf ihn selbst.
Was es mit dem Willen auf sich hat wird nicht geklärt auch eine mögliche Verbindung von Ich und Wille scheint nicht am inneren Horizont des Fragens auf zu tauchen.

Eine anders geartete  K r ä f t e d y n a m i k ! Und - die Frage nach dem Willen rückt erneut vor das innere Auge.
Der Wille ist für mich, wie mir nach über viele Jahre hinweg anhaltendem Betrachten der Frage  vor Augen tritt, nicht in einem „über mich hinaus,“ sondern auf dem Weg mehr in mich hinein zu finden. Mehr in mich hinein, durch die Dunkelheit des Leiberlebens zu einer Zurückdrängung des Leibes vorzudringen, was nicht heisst den Leib abzustreifen. Der Leib ist nämlich der Schmiedemeister, der mir im Feuer der Begierden meine Sinne schärft.
Die Begierden nicht als lästige Fliegen zu betrachten, die auf dem Weg möglicher übersinnlicher Erfahrung zu überwinden sind, sondern sie als Lehrmeister für das Schärfen meiner Sinne anzuerkennen, das macht den Weg frei im Ergreifen und ichhaften Durchdringen dieser erweiterten Kräftedynamik nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren.
An der Pforte zur Dunkelheit des Leiberlebens gilt es, wie mir scheint, eine grundlegende Erfahrung zu meistern, die durch immer wiederkehrende, hartnäckige Nebel der Müdigkeit, die über mich herfallen, sich anzeigt. Auch das immer wieder sich ereignende, meist schnelle Aufgeben oder nicht konsequent Fortfahren im Üben auf dem Weg zum geistigen Erfahren,  ist eine Wirkung solcher innerer Nebelbildungen. Und letztlich ist es das Ego, in dessen Armen ich immer wieder lande.
Mit den Nebelbildungen sind, bei näherem Hinsehen aber immer mehr oder weniger bewusste Begierden oder Ängste verbunden. Sie ruhig und wertfrei anzuschauen erfordert einigen Mut. Mit anderen Worten, sich anhaltend lächelnd über die eigene Schulter wie ein Fremder zu schauen ist hier angezeigt - immer wieder - bis sich derartige Gedanken- und Empfindungskomplexe still aufzulösen beginnen. Das Bedrängende geht, wenn Du es nicht mehr fürchtest, es mit allerlei selbst erzeugten Verschleierungen zudeckst und damit die Augen vor ihm verschliesst.
Zurückdrängung des Leibes! Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, dass damit von einer Verdrängung des Leiblichen gesprochen wird, um an die eigentliche geistige Dimension herantreten zu können. Gemeint ist aber „durch den Leib hindurch“ und nicht am Leib vorbei zum Geiste vor zu dringen. Gemeint ist den eigenen Willen nach und nach so weit zu verdichten, ihn in innerer Präsenz, in seiner Prozessdynamik gegenwärtig zu halten, dass der Tanz der Begierden, wie er sich aus leiblichen Prozessen heraus im Seelenleben zum Ausdruck bringen kann, dass ich im Anschauen dieses Geschehens die Oberhand behalten kann. Darin liegt das eigentliche Thema von innerer Gelassenheit und Urteilsfreiheit.
Die Freiheit kann der Mensch sich nur selber nehmen, indem er sich durch Selbstverurteilungen in seinem Kräftewirken knebelt. Freiheit kann mir auch kein Mensch nehmen, ausser ich lasse es aus einer inneren Schwäche heraus zu. Insofern sind die Härten, die andere Menschen mit ihrem scheinbar unangemessenen Verhalten und ihren Übergriffen mir zumuten können meine Herausforderer im Ich zu erwachen.
Freiheit kann demgemäss auch nicht das Ziel einer fernen Zukunft sein. Sie ist und wird jetzt, in diesem Augenblick und das immer wieder neu und in einer sich vertiefenden Art und Weise, oder sie manifestiert sich nie. Von Freiheit zu träumen, sie in die Zukunft hinein zu verschieben ohne aktiv gestaltend etwas für sie zu tun ist in sich widersinnig. Freiheit ist die Aufgabe des Ich. Niemand wird sie mir geben , wenn ich sie mir nicht erwerbe, auf allen Ebenen des Seins.

Der Widersinn einer irgendwie gearteten Grenze fällt dort in sich zusammen, wo das Ich in seiner Unmittelbarkeit ins Leben eintritt, wo das Ego mit seinen selbstbezognen, Angst durchwirkten Seelenverstrebungen in dieser seiner Aktivität entlarvt wird. Und diese Aktivität kann unmerklich bis in ein Geistiges hinauf wirken.
Visionen kommen nicht wirklich aus dem Geistigen, sie sind Spiegelungen leiblicher Prozesse in einen scheinbar geistigen Raum hinein und werden demgemäss als Widerspiegelungen erfahren. Charakteristisch für sie ist, dass sie den Willen anzünden, ihn aber nicht freilassen.
Das Ego spiegelt tief unterbewusste eigene Wünsche und Sehnsüchte an die Wände seiner gleichsam „inneren Dunkelkammer,“ die in ihrer Schwärze als Nichts oder Leere erlebt wird und empfängt in einer Art Lichtreflex Visionen. Durch eine narzisstische Persönlichkeit übermittelt, können diese eine euphoriesierende Wirkung aussenden, die für den Moment begeistert, im Ansatz auch Transformation anstossen kann, aber letztendlich nicht nachhaltig wirkt, weil das Ich nicht angesprochen wird. Es werden latente Abhängigkeiten geschaffen und die Freiheit, die nur aus dem Ich heraus Leben gestaltende Wirklichkeit werden kann, bleibt aussen vor.
Die Unmittelbarkeit des Ich zu leben ist allerdings mehr als herausfordernd. Schon das  von Innen her sich Annähern an die Kräftewirkungen, die durch das Ich freigesetzt werden, erfordert Mut. Das ist kein schwereloser und auch kein abstrakter Zustand, wie mitunter angenommen, in dem der Erfahrende sich in Einheit mit einem Alleins erlebt. Es ist ein Zustand wachsender Kernung und zunehmend innerer Einsamkeit unter einem Gewicht von Verantwortung, die getragen sein will.
Die Wirklichkeit des Ich zieht die Erfahrung einer Form von Selbstkonfrontation nach sich, um die Du Dich nicht mehr herumschleichen kannst. Was es heisst sich „unbestechlich“ selber in die Augen zu schauen, das wird zum Erlebnis in den fortlaufend gegenwärtigen Möglichkeiten und tatsächlichen Ereignissen eines Absturzes, innerhalb permanenter Gleichgewichtsbemühungen im Gehen über steil abfallende Bergkämme. Und wenn ich dies sage, dann ist dies weit weniger ein Bildverweis, als wachsende unmittelbare Tatsächlichkeit im eigenen inneren seelischen Beobachten und Erleben.
Dabei geht es um das Wirksamwerden des Ich in meinem und Deinem Alltag und nicht um ein Verschieben an einen fernen sogenannten Entwicklungshorizont. Das Ich verbindet sich „jetzt“ oder nie mit Deiner Lebenswirklichkeit. Und hier gibt es nur eine scheinbare Grenze. Du vermeidest das tatsächlich tiefere Hineingehen in Deinen Willen und damit das Straffen Deiner Leiblichkeit. Der Weg, sich hier, nach Art des Mondlichtes gespiegelt, in ein Alleins hinein zu träumen scheint der leichtere Weg zu sein. Er suggeriert Dir das Erleben eines schnelleren Ankommen. Der Weg des Ich aber ist ein innerer Sonnenweg.

Bernhard Albrecht





Donnerstag, 10. Januar 2013

Nimm Deine Füsse mit

Wie gehst Du, wenn Du gehst? Hast Du mit Deinem inneren Blickorgan innerhalb Deines Gedanken-und Empfindungsnetzwerkes Kontakt zu Deinen Füssen, die Dich gerade da oder dorthin führen? Bist Du Lenker/in Deiner Schritte oder werden Deine Füsse von diesen oder jenen Gedanken (auch Idealen), Gefühlen oder Wunschvorstellungen einmal hierhin, dann wieder dorthin gezogen? Gehst Du Deine Wege mit einer klaren Intention oder trudelst Du mehr oder weniger im Schleudergang oder im innerlich abgeschotteten Gewohnheitstrott, gewürzt mit Sarkasmus durch Deinen Tag. Es ist nicht ganz einfach sich darüber einen nüchtern sachlichen und korrekten Aufschluss zu geben, ohne irgendwelche eingeflochtene Selbstbeschönigungen. Diesen blickst Du nämlich unmittelbar in die Augen, wenn Du einmal damit begonnen hast Dir gelegentlich selber über die Schulter zu schauen.
Das Ego ist ein Meister der Selbsttäuschung, wie du spätestens dann anfängst zu bemerken. Und wenn Du damit einmal angefangen hast, dann wird es Zug um Zug schwieriger derartige Manöver zur Selbstvertuschung einzufädeln.
Du hast mit der Übung Dir selber wie ein Fremder über die Schulter zu schauen einen Weg betreten, auf dem Du von einem gewissen Punkt an nicht mehr umkehren kannst. Es geht nicht mehr, ohne dass Dir leise, bzw. bis in der Art einer Sturzflut überdeutlich eine Schamröte ins Gesicht steigt. Nimm es als Fortschritt. Du kannst den erlebenden Teil Deiner Seele nicht mehr deckeln. Vom Leben berührt durchpulst Dich hinfort eine Bewegungskraft, mit der umzugehen Du nun lernen musst.
Im Bilde des Märchens gesprochen: Dem treuen Johannes springen seine drei Eisenringe auf, die er um die Brust getragen hat oder anders ausgedrückt, das Ego hat sein Werk getan und das Ich ist gefordert die Verantwortung für die weitere Entwicklung seines Königtums zu übernehmen.

Nimm Deine Füsse mit!
Deine Füsse haben etwas mit dem Willen zu tun, dem von Dir umgekehrten, dem Ego abgewandten Willen, dem Willen sich auf das Unterbewusste in Dir einzulassen, das Dir das Du in Teilen stets da und dort spiegelt.
Nur auf den ersten Blick scheint es so, als ob das Denken nichts mit den Füssen zu tun hätte. Es hat! Das Denken gründet nämlich auf einem Willensakt, was übersehen wird, solange es einfach im Alltagsgeschäft vor sich hin plätschert, ohne dass Du dabei wirklich bemerkst, was Du da eigentlich tust.
Mit den Füssen gehst Du in die Welt. Mit Deinem Denken, das für seinen Willensanteil in sich erwacht, gibst Du der Welt, den Menschen in Deinem Schicksalsumkreis durch Dein Vorbild die Gelegenheit ihrerseits einen Metanoia-Prozess zu initiieren. Indem Du an Deinem Gegenüber, dem Du anderer Menschen für  Dein Unterbewusstes erwachst, das Dir von dort her gespiegelt wird, indem Du nicht nur heftige, sondern auch leise Regungen, die sich in solchen Begegnungen in Dir auftun, nicht mehr sogleich zurück weist, sondern Dich darauf einlässt, beginnst Du für das, was Dein Ich in seinem Kern ist, aufzuwachen.
Deine Füsse tragen Dich also in die Welt, Deine Füsse führen Dich letztlich immer wieder zu Dir selbst.
Versuch es einmal, in einer Fussgängerzone oder auch auf einer Parkbank sitzend die Vorbeigehenden still zu beobachten - ohne dies oder jenes, was Du siehst zu bewerten. Du wirst sehen, dass dies gar nicht so einfach ist, dass Dir das Urteil schneller über die Schippe springt, als Du es zurückhalten kannst. Damit bist Du aber wieder bei Dir angekommen. Mit Deinem Willen Dich nicht in der blossen Anschauung der Geschehnisse zurückhalten zu können, gibst Du Dir  U n b e k a n n t e n  die Gelegenheit Dir so manche Kleingeistigkeit Deiner Unterwelt wider zu spiegeln.

Lass Dich darauf ein. Du kannst nur gewinnen, indem Du Dir in dieser Art zu begegnen bereit bist. 

Du resignierst nach wenigen Übungseinheiten, weil Du keine oder in Deinen Augen nur eine zu geringe Veränderung zum Besseren an Dir feststellen kannst? Dein Ego hat Dir ein Bein gestellt, denn Du hast das Lächeln über Dich selber vergessen!
Mit dem Lächeln weitet sich Dein Herz, Gelassenheit kehrt ein. Du betrachtest Situationen, andere Menschen weniger unter Deinen, in der Regel kaum mit reflektierten, eng auf Deine Art der Weltbetrachtung bezogenen Gesichtspunkten. Du gibst innerlich Raum dafür andere Weggebärden wahrzunehmen und  w ü r d i g e n  zu können. Du brichst Deine Ordnungsmuster auf und beginnst nach und nach Dich auf ein  E r l e b e n  einlassen zu können, das andere Erfahrungs- und Entwicklungswege zulassen kann. Du fängst, vielleicht zunächst zögernd zu erfahren an, wie es ist tatsächlich den ein oder anderen Schritt „in den Schuhen eines anderen Menschen“ zu gehen.
Das Abrücken von Deinen (eingeengten) Gesichtspunkten schafft Dir inneren Raum zuerst leise, dann immer deutlicher zu erspüren, was es bedeutet ein Ich zu  s e i n  . Seltsam, nicht wahr, im Abrücken von Dir selbst, Deiner Art der Weltbetrachtung, findest Du Dich selbst, lernst du dich in Deinem Ich zu ergreifen und ... aus dem Ich zu leben.
Für Deine Wahrheit zu kämpfen und damit verdeckt die Möglichkeiten anderer Entwicklungswege zu bekämpfen, „leise“ gewalttätig zu verdrängen oder auch in Achtsamkeit verpackt sie letztlich nur scheinheilig zu tolerieren, weil Du nicht für Dich einstehen kannst, ist eines. Da wären wir erneut an der Klippe zwischen Ego und Ich, zwischen Angst und dem möglichen Sprung über einen, Deinen Abgrund.
Ein anderes ist es innerlich im Begegnen mit dem Du soweit loszulassen, dass alles, was Du bis an hin gewöhnlich so sagen konntest, wie vor Deinen Augen verbrennt, in einem Sturm Dir entrissen wird und Du in eine Erfahrungszone eintrittst, die Sokrates so beschrieben hat: „Ich weiss, dass ich nichts weiss.“ Eine sehr luftige Nullpunkt Erfahrung, wenn Du Dich im Durchgang durch die Unterwelt, im Annehmen der unterbewussten Seiten aus den Spiegelungen, wie Du sie durch die Du Begegnungen Deines Lebensumkreises erfahren kannst, innerlich in Deinem Willen mehr und mehr aufrichten konntest.

Nimm Deine Füsse mit!
Die Kunstgeschichte hat in ihren Archiven nicht wenige Bilder von Michael im Kampf mit dem Drachen. Lassen wir uns auf das eine oder andere Bild tiefer ein, so können wir eine unerwartete innere Erfahrung machen. Im Zentrum des Kampfgeschehens, dort wo der Speer den Drachen zu treffen scheint, kann sich ein Raum unerwarteter Stille auftun. Michael tötet den Drachen nicht, er schafft einen inneren Abstand, in dem er die Kräfte des Drachens sich zur Anschauung bringen kann. Und damit sind die Bilder Michaels mit dem Drachen Urbilder des Erwachens zum Ich.
Noch tiefer betrachtet sind es Bilder tiefster Demut, denn sie sprechen von der Integration der Schattenwelt und nicht von deren Bekämpfung und Verdrängung. Auch eine bestimmte Art postmoderner Abstraktion kann einen verborgenen Verdrängungsfilter leise beinhalten, kann!
Wie will das Ich je, in Quadranten verschoben, zu einer real erfahrbaren innerer Grösse heranwachsen können. In Abstraktionen sich scheinbar zu verständigen, visionär Absichtserklärungen zu pushen, erweckt das Ichkraft über einen kleinen Augenblick hinaus? Jemand tritt Dir damit auf die Zehen, mobilisiert zum wievielten Male Sisyphos Kräfte in Dir und der Stein entgleitet wieder und wieder im Anschieben auf ein Gipfel Erreichnis Deinen Händen. Willst Du im Ich wirklich erwachen, dann wirst Du nicht umhinkommen diese Schicht der Abstraktion mit Deinem Willen, die Drachenhaut in Dir belebend, zu durchdringen.
Und das bedeutet dem Du  o h n e  die Panzerungen Deiner Abstraktionen  e r l e b e n d  zu begegnen, die letzte Himalaya Hochburg aus freien Stücken zu verlassen und ins Tal, in das Tal Deiner Unterwelt hinab zu steigen. Dem Leben begegnest du dort in der Tiefe. Die Tiefe wird Dich von der hartnäckigsten Illusion befreien, Du könntest über die Abstraktion zu einem nachhaltigen Erwachen gelangen. Den in der Abstraktion verborgene Sternen Kranz, kannst Du ihn opfern?

Bernhard Albrecht

    

Dienstag, 1. Januar 2013

Ziehe Deine Schuhe aus ...

Und immer wieder die Frage nach dem Willen!
Ein ganz wesentliches Hindernis den eigenen Willen in den Blick zu bekommen scheint mir in den Bildern zu liegen die „ein jeder“ meist sehr, sehr unterschwellig von sich selber hat und mit sich herumträgt, in sein Denken und Sagen unversehens mit hinein flicht. Kommt es dann zu einer Antwort eines Du auf mein Sagen, so ist sogleich das Bild von mir, das eng verbunden ist mit dem, was ich sagend auszudrücken versucht habe, damit angesprochen - fühlt sich mehr oder weniger deutlich gedrängt sich zu verteidigen. Ich springe innerlich gleichsam der Antwort auf den Rücken, dresche ihr eins über, - das kann durchaus auch vornehmer sein - und übersehe, ja ich berühre in einer derartig reaktiven Haltung nicht annähernd die Sachebene des Gesagten.
In diesem ersten Augenblick des Hinschauens auf eine Antwort entscheidet sich, ob damit ein Erwachen am Anderen mit initiiert wird oder nicht.
Viele, viele Missverständnisse können so, ohne einen gewissen Abstand, indem ich gleichsam wie ein von meiner Seite aus unbeteiligter Fremder auf eine Antwort an mich hinblicke, unter Menschen entstehen, ziehen unscheinbare Gräben, richten Mauern auf und die eine oder andere Seite miteinander Reden Wollender überhört so die Oberton-Fanfaren, die durch das Du zu neuen Ufern durch innere Wandlung riefen.                            
Nicht selten schleppen sich derartige Brüche über Jahre hinweg durch eine Biographie als prägende Eindrücke weiter, können sich zu wahren inneren Komplexen erweitern und verseuchen als zunehmend giftiger werdender Bodensatz neue Begegnungen, blockieren oder behindern, allen Anstrengungen zum Trotz die weitere Entwicklung.  
Es ist also das Bild von mir, das ich unterschwellig zunächst in alles mit hinein trage, was ich kommuniziere, das mich daran hindert an den Ursprungsquell meines Willens innerlich herantreten zu können, solange ich aktiv von meiner Seite aus das Erwachen nicht mit initiiere. Solange ich also auf ein Antworten mich innerlich nicht abfragen kann, was hat diese Regung, dieser Drang in mir dies und das vermeintlich darauf erwidern, richtig stellen oder behauptend dem Anderen glauben gar unterstellen zu können, was hat das mit mir zu tun.
Oder auch: was hat dieses gegenüber dem Du, nicht selten gut kaschierte, zurück gehaltene innere Grollen und Giften, das sich zur Gänze innerlich auf dieses hin projizierend richtet, ohne die tief in mir verdeckt gehaltene Quelle eines derartigen Prozesses ins Auge zu nehmen; welche innerliche Unausgeglichenheit oder Unsachlichkeit in weiter zurückliegenden Geschehnissen, möglicherweise auf ganz anderen Geschehnis Feldern, drängen hier wieder an die Oberfläche und verleiten mich sie erneut zu verdrängen und auf das Du hin zu übertragen? Wenn derartige Regungen angesichts der Worte des anderen Menschen in mir mehr oder weniger hoch kochen, ohne dass ich sie auf seinen Bezug zu mir hin abfrage, bleibt mir die Tür über die seelische Beobachtung im Denken sehend werden zu können verschlossen.
Mein Selbstbild ist die Tür - und Interesse, ein Interesse ohne jeden Vorbehalt auf den anderen Menschen und sein Sagen hin kann diese Türe öffnen. Erwachen am Anderen ist meine Aufgabe. Den Anderen widerlegen und korrigieren zu wollen, in diesem oder jenem innerhalb seines Sagen, das ist nicht mein Ding, das kann er nur selber. Kein noch so gutes Argument kann, genau besehen, innerhalb von Entwicklungsprozessen da irgendetwas ausrichten.
Mein Erwachen am anderen, mein fortlaufendes Bemühen darum, das allein kann lebendige Kräfte freisetzen, die hilfreich sein können für den anderen Menschen seinerseits zu erwachen, mehr aber auch nicht. Durch seine Prozesse hindurch gehen, die Not wendenden Schritte dazu nach und nach ins Auge zu nehmen, das kann allein er selbst. 

Und immer wieder die Frage nach dem Willen!
Mit dem vorausgehend Gesagten ist immer wieder, wenn auch mehr indirekt, aber dennoch sehr präzise auf den Willen verwiesen, ohne ihn selber näher zu beschreiben. Beschreiben lässt sich der Wille nämlich nicht, denn non duale Vorgänge lassen sich nicht von Du zu Du adäquat beschreiben, sie lassen sich nur auf dem jeweils eigenen Geschehnis Untergrund selber beobachten und das erst dann, wenn du aufhörst das Du als Deine Projektionsfläche zu missbrauchen, wenn Du die Verschleierungen Deines Ich durch dein Ego bezogenes Selbstbild bereit bist erwachend zu durchdringen.
Das Feld auf dem das Ich, erwachend für sich selbst tätig werden kann, ist die Unmittelbarkeit. Die Unmittelbarkeit wiederum ist eng an den Zeiten-Raum der Stille geknüpft. In der Stille, dem Quellpunkt des Ich, wiederum ist der unbewegt bewegte Wille, der gleichsam jungfräuliche, noch nicht durch das Ego korrumpierte Wille beheimatet.
Es gehört ein sehr fein gestimmtes waches inneres Gleichgewichtsempfinden dazu, sich dieser Sphäre der Erfahrung, dem unbewegt bewegten Willen, dem Willen als schöpferische Potenz des Ich, innerlich auch nur annähern zu können. Hier gilt nämlich das Wort, das sich dem inneren Erfahren des Moses in einem  Moment des Erwachens einstmals offenbarte: „Ziehe Deine Schuhe aus, denn der Grund, den Du betrittst ist heiliger Boden.“

Bernhard Albrecht

Mittwoch, 28. März 2012

Der Pfad der Bestimmungslosigkeit


 In Weiterführung der beiden nachfolgend zitierten Texte von Burghard Schild vom 25.3.12
(www.Blog B.blogspot.com).
„Noch einmal. Wenn Freiheit schön wird. Wenn? Wie ist sie denn, bevor sie schön wird? Die Frage hinkt? So, wie sie auf einem Bein daher kommt? Das zweite Bein ist weiteres Fragen?
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.*? Eine jegliche Geburt bedarf der Empfängnis? Freifrau von Bestimmungslosigkeit empfängt im Zwischenraum das sündenfällig Gegebene? Sie erteilt Absolution? Aus absoluter Freiheit? In wessen Namen? In Namenslosigkeit? Also vor der Taufe? So wie neu geboren?
Du Schöne!“
*Schiller im 2. Brief seiner Brieffolge: „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

                                                                 Zueignung

                                                           Welche Glut freit;
                                            Ins Kreuz geschmiedeten Rosenduft?
                                                   Kein Königssohn nirgends!
                                                             Ich, wo bist Du?
                                           Noch namenslose Königin aus Nacht;
                                                               In Dir gebier
                                                         Den Sonnenwender.

                                                                        B.


Lieber Burghard

Dein Eintrag auf Deinem, Blog regt mich zu einigen Gedankengängen an, die den Umfang eines blossen Kommentars überschreiten. Nimm also die nachfolgenden Gedanken als eine Art Fortführung der Deinen unter erweiternden Gesichtspunkten.
„Freifrau von Bestimmungslosigkeit!“ Die Bedeutung und Bestimmung auf ein Gesagtes hin fügst Du aus Deiner keimenden Erinnerungskraft, im Angesicht des im Spiegel meiner Worte bestimmunglos Aufscheinenden, also aus Deiner inneren Tätigkeit hinzu. Du bist es, was Du im Spiegel meiner Worte siehst. Wenn in Dir möglicherweise also ein „Ja Aber“ aufsteht, wenn auch noch so fein gestimmt ein wie auch immer Dagegen, „wogegen!“ vermeint aufzustehen zu müssen, dann stehst Du gegen Dich selbst auf, bist unmerklich im Begriff Dir selbst den Weg zum Ich hin abzuschneiden.
Die Tücke im Erwachen am anderen Menschen: Die unmerklich klammheimliche Flucht vor dem Eingehen in den „Grund,“ die Stille, die gleicherweise lichte, wie dunkle Stille, das sokratische Ich weiss, dass Ich nicht weiss.
Mal ganz ehrlich - und ich beziehe mich in diesen frei lassenden Prozess selber mit ein - so leicht ist das nicht, was ein jeder eventuell weitere wagemutige Leser dieser Zeilen für sich herausfinden kann, so er will, so er dem „Willen in selbst erhellender Tateinheit begegnen“ will. Der „fühlend“ zu erlebenden Demut. Der aus immer wieder neuer Selbstüberwindung hervorgehenden Ergebenheit dem „grossen Willen“ gegenüber.
Mache ich es mir in meinen Schritten selbsterhellend mir selber gegenüber zu treten nicht zu leicht, ist die hier beständig auf ein Neues hin zu prüfende Frage. Selbst auf einen einmal getanen Schritt hin, immer und immer wieder. Schon die zaghaft erlebend voraus tastend erahnte Nähe zum „Grund“ hin ist gewissermassen porös, ist unter meinen Füssen mit schwindelerregender Unsicherheit behaftet. Und damit verweise ich nicht auf ein Bildhaftes, sondern auf etwas real Erfahrbares hin.
Die Taschenspieler Tricks möglichen Erfahrungen dieser Art sich zu entziehen gehören zu den Schwellenerlebnissen vor dem tatsächlichen Eintritt in den „Grund.“ Was das Denken ist, weisst  Du es? ist, so sehe ich es aus meinem Erfahren heraus, vor einer tieferen Berührung mit dem Grund nicht zu sagen.
Hältst du Dich für aufgeklärt, was das Denken betrifft? Wirklich? Die wunderbaren, wenn auch schmerzhaft immer wieder neu zu erringenden Freiheitserlebnisse im Durchschreiten des weissen Formates für ein werdendes Bild, sie bieten noch keine Gewähr dafür im eigenen Denken nicht einem Mythos zu verfallen! Ich/Du wissen, dass Ich/Du nichts wissen. Mal ehrlich, ist das gerade „Jetzt“ so?! Dem leidenschaftlich, dem mit viel Herzblut ringenden Künstler steht nicht selten in eigener Person ein Denker im Glashaus, gefangen in selbst erzeugten Formalisierungen, gegenüber.
Siehst Du den Boxsack, der jetzt auf Dich zu taumelt? Kafkas Prügler, beschrieben in seinem Roman: „Der Prozess,“ ist keine Schimäre!
Bevor Du nicht durch derartige Prügel Erfahrungen  hindurch bist, bis zu dem Punkt, da in Dir keine Gegenwehr mehr aufsteht, kannst Du nicht erfahren, was Denken ist. Das haut Dich jetzt um. Hoffentlich! Denn Demut als durch und durch geklärte Erfahrung blüht in dir erst dann wirklich auf, wenn Du ohne Gegenwehr durch eine totale K.O. Erfahrung gehen konntest.
Du widersprichst?! Pass auf und siehe oben! Mein Sagen ist bestimmungslos, bis Du im „Spiegel“ meines Sagen aus Deinem Denken heraus ihm Bedeutung gibst. Wie soll ich ihm Bedeutung geben, wenn ich nicht weiss, was Denken ist?  Wunderbar! Die Demut eröffnet Dir das Tor zur realen Erfahrung des Grundes und ... aus dem Grund geht auf Dich zu Dein Ich, das Dir im lebendigen Denken Absolution erteilt. Das sündenfällig Gegebene zerfällt in sich und aus dem Namenlosen erblüht die Antwort des Geistes aus dem Urgrund des Ich.
„Welche Glut freit ins Kreuz geschmiedeten Rosenduft?“ Die schöpferische Glut Deines Ich. Du selbst bist der Königssohn, den Du erwartest und der nur aus Dir geboren werden kann. Die namenlose Königin aus der Nacht heisst: Erinnerung. Erinnere Dich Deiner selbst im Sagen des Du und Du gebierst den Sonnenwender aus Dir selbst.
Zum Grundstock einer Zeitenwende werden die Menschen, die am Du erwachend, auferstehen in die Kraft ihres eigenen Ich.
Bewegt in Bewegung!

Bernhard Albrecht

 






Freitag, 23. März 2012

Im Vorhof der Stille

Innerhalb der Prozessbewegungen im Sich-Begegnen von Ich und Du ist der Vorhof der Stille vielleicht das am schwierigsten mit innerem Erwachen zu durchdringende Prozessfeld. Geht es hier doch um die Auflösung der dualen Beziehung im wechselseitigen einander mehr oder weniger erlebendem Anschauen und Begegnen. Steht im Mittelpunkt das langsame Bewusst Werden der Beziehung zwischen einem im bisherigen Entwicklungsgang auf das eigene Selbstbild bezogenen Handeln, hin zu einer werdend bewegt in Bewegung hervor gebrachten inneren Ich - Dynamik, die gleichermassen im Denken, wie im Fühlen und Wollen verankert ist.

Die zahlreichen latenten Konfliktprozesse, die hier kalt auf diversen inneren  Abstraktionsregalen lagern oder mit der beständigen Möglichkeit zu explodieren in Druckkammern weggesperrt sind, oft über Jahre hin, sie fordern das werdend in die Wachheit zu sich aufstehende Ich heraus. Bist du bereit Dein Sein und Werden auf nichts anders als Dich selbst zu stellen, Dich den mit Bestimmtheit an Dich heran tretenden zahlreichen „inneren Ausflüchten“ ein jedes Mal neu zu stellen?
Nondualität, wie von Ken Wilber beschrieben, muss aus der Abstraktionsfalle oder Abstraktionszurückhaltung heraustretend, erlebend in seiner inneren Prozessbewegungen vergegenwärtigt werden. Wenn das geschehen kann, dann ersteht daraus ein wachsend wacher werdender Ich - Prozess. Ein Ich Prozess praxisnah auf den „Weltengrund“ hin bezogen, wie Rudolf Steiner es in seinen Grundlinien einer Erkenntnistheorie beschrieben hat, ein Ich - Prozess aus der Stille heraus, kreativ unterschiedliche spirituelle Strömungen zusammenführend, in exakter Wachheit, anstatt im Gegeneinander eine mögliche gemeinsame Zukunft zu verlieren.
Die Zeiten dualer Auseinandersetzungen sind vorbei, ob äusserlich geführt oder innerlich versteckt hinter allerlei „egoistischen“ Ängsten oder Überheblichkeiten. Die diesen zu Grunde liegenden inneren Prozesse treten immer unabweisbarer vor die Schranken  des eigenen selbstverantwortlichen Tuns.
Jedem tatsächlichen äusseren Entwicklungsgeschehen geht eine innere alchemistische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit inneren psychischen Strömungsvorgängen voraus. Wo diese Arbeit vorweg nicht geleistet wird, können sich auch soziale Prozesse im näheren eigenen Umfeld oder im weltweiten Geschehen nicht verändern. Und auf welchem Pulverfass wir hier sitzen, das kann ein Jeder heute wissen. Eine zukünftige Entschuldigungslinie: Das habe ich/wir nicht gewusst, diese ist schon von heute her ausgeschlossen.
Zu oft ist ein jeder, mich eingeschlossen, hier schon vor diverse Tore zum Ergreifen eigener Selbstverantwortlichkeiten gestellt worden und sei es nur dahin gehend, dass er mit diversen Aggressionspotentialen im Umgang mit Menschen seiner nächsten Umgebung innerlich „anders“ umgeht. Solche nicht selten still vor sich hin brodelnden Prozesse, selbst illusionierend mit dem Feigenblatt der Friedfertigkeit oder vordergründig formalisierender Sachlichkeit garniert, wirken letztendlich in verborgenen Stimmungslagen dennoch nach aussen. Sie wirken nachhaltiger, weil das aggressive Gift langsam soziale Bezüge unterwandert und auf diesem Weg unreflektierte antisoziale Haltungen an die Oberfläche des Geschehens treibt, ohne dass die beteiligten Menschen sogleich bemerken, was sie da eigentlich tun.
Die psychischen Vorgänge hier, finden ihre Widerspiegelung in  z.B. äusseren sozialen Gewaltprozessen. Alles ist mit allem verbunden und „Ich“ kann mich nicht mehr aus der Verantwortung für dieses oder jenes Geschehen herausnehmen. Dass dieses oder jenes geschieht, in Afghanistan oder vor meiner Haustüre in einer Schlägerei unter Jugendlichen, dazu habe ich mit beigetragen, in dem ich eigene Aggressionspotentiale unter den Teppich gekehrt habe, anstatt mich ihnen innerlich zu stellen und sie ohne Abspaltung nach aussen, sachlich vor dem eigenen inneren Auge anschaulich aufzulösen.
Für mein Denken und Empfinden bin ich und ist niemand sonst verantwortlich. Nicht der anderer Mensch ist der Auslöser für dieses oder jenes Empfinden in mir, sondern ich bin nicht wach genug, sodass mich ein Sagen aus meinem sozialen Umfeld schlicht auf dem falschen Fuss erwischt, ein bereits verborgen vorhandenes Aggressionsfeld in mir neu animiert und mich von dort her innerlich umhaut.
Dass ich aus dem Gleichgewicht geraten bin, dafür kann ich einen anderen Menschen ehrlicherweise nicht verantwortlich machen. Dafür, dass ich mich in einer Burg der Schöngeistigkeit oder des erkenntniswissenschaftlichen Purismus verschliesse, die Welt draussen nur über den Gartenzaun hinweg, ohne tatsächlichen Sinn für meine ganz konkret zu Tage liegenden  Selbstverantwortlichkeiten erlebe, dafür bin ich verantwortlich.
Stammtisch Verhalten zeigt sich nicht nur an diversen Stammtischen, sondern ist überall im „Mäkeln,“ z.B. mit meinem Wohnungsnachbarn im Treppenhaus, verborgen. Überall bei derartigen Anlässen meines Alltags bewege ich mich in verstecktem „Man - Gehabe“ anstatt im Ich. Ich bin nicht auf Augenhöhe zu mir und schon gar nicht zu dem Weltgeschehen, das ich unmittelbar vor Augen habe. Ich lebe abgekoppelt zu meiner Selbstverantwortung, die mich vielleicht gerade jetzt zur Tat ruft.
Mich ruft in Mitgefühl dem Menschen neben mir zuzuhören! Der Verzicht auf ein „dagegen“ Argumentieren, bewirkt, mit einem gewissen inneren Abstand betrachtet, nicht selten genau jene Lebenswendung, die kein unmittelbares Argumentieren hätte herbeiführen können. Vielleicht nicht kurzfristig, aber sicher genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Kehrtwendung durch eigene innere Einsicht, auf dem Boden geschenkten Mitgefühls.
Mitgefühl als  der Zündfunke durch den in anderen Menschen der innere Blick für selbstverantwortliches eigenes Tun aus dem Ich auferstehen kann. Stille innere Zuwendung, ein viel zu wenig beachteter, Wachstum fördernder Vorgang in heutiger Zeit.

Bewegt in Bewegung im Vorhof der Stille!

Bernhard Albrecht

Freitag, 16. März 2012

Einer Freundin

Bewegt in Bewegung.

Bewegt sein, sich berühren lassen durch das Sagen des Du, auch dann, wenn es mir vielleicht zunächst befremdlich daher kommen mag, das ist es, was mich in die tiefere Bewegung um, mit und schlussendlich in das Wort, welches das Du an mich heran trägt, erlebend hinein führt.

Bedacht sein darauf eigene Vorstellungen, die sich allzu schnell einstellen und unversehens hinein schwappen, sich übertragen auf das vom Du Gesagte und dieses damit in seinem ursprünglichen Gehalt verfremden, dass diese Vorstellungen zurückgehalten oder noch besser auf dem eigenen Denkbildschirm gelöscht werden, das schafft jenen Zwischenraum der Stille aus dem wir dann "bedacht" werden können, aus dem die Möglichkeit zu echter menschlicher Nähe erst wirklich entstehen kann.
Eigentlich fange ich dem Du erst von dem Augenblick an zu begegnen, in dem ich unter Verzicht auf Interpretation seines Sagen vor dem Hintergrund eigener Verstellungen oder Erwartungen jene erlebend fragende Offenheit herstellen kann, die das Rauschen im Blätterwald eigener Wortblähungen, die sich als Erwiderung aufdrängen wollen, einstelle.
Das Sagen des Du deutet sich durch sich selbst, wenn ich ihm in und aus dieser Stille heraus, die der fragenden Offenheit auf das Du hin folgt, entgegen trete, mich innerlich aufschliesse für sie, mich einlasse auf sie, die Stille  ... und in dieser inneren Stille einfach innerlich still hinschaue wiederum auf das Du.
Dies ist insofern nicht leicht getan, weil Mensch heute gemeinhin die grössten Schwierigkeiten damit hat den "Sokratischen Zustand," die innere Verfassung des "ich weiss, das ich nichts weiss" in solchen Momenten  zu zu lassen und "erlebend" aus und durch zu halten, bis eine Antwort durch sich selbst sich einstellt, bis Ich aus dem Raum der Stille heraus "bedacht" wird.
Die abstrakte intellektuelle Haltung, die heute als Verständigungsgrundlage weitgehend zu einem menschheitlichen Gemeingut geworden ist, sie ist Befreiung für den jeweils einzelnen Menschen selbst, aber zugleich auch tragisches Hindernis innerhalb der Möglichkeiten sozialer Begegnungen mit anderen Menschen. Die weltweit so zahlreichen offenen und verdeckten,  bis zur Unkenntlichkeit hin verschütteten inneren Konflikte unter den Menschen sprechen hier eine eindeutige Sprache.
Die Lösung liegt darin, aus der Stille heraus in neuer Weise handlungsfähig zu werden. Und wenn das nicht durch aktive Selbsterkenntnis möglich wird, dann werden eben Mächte des Chaos innerlich oder äusserlich auf diese oder jene Art zu schmerzlichen Lehrmeistern.
Für einen die Freiheit verwirklichen wollenden Menschen führt kein Weg mehr daran vorbei in seinem kleinen Lebensraum Ich- Verantwortung nach jeweils bestem wachsenden Vermögen zu ergreifen, erlebend in individuelle Gestaltungen zu prägen.
Du änderst die Welt, wenn Du Dich änderst - ganz bescheiden, ohne Angst, „Deinen“ möglichen Anteil an Erneuerung übernimmst, ohne darauf hin zu schielen, was der andere Mensch in Deiner jeweiligen Nähe nach Deinem Dafürhalten zu tun hätte. Wenn diese Erwartung nicht innerlich gestrichen werden kann, dann kann sich in einem sozialen Netzwerk, ob klein oder grösser gar nichts ändern.
Es mag ungewohnt sein, doch genau in dem Moment stehst Du, die Lesende dieser Zeilen im Zentrum der Verantwortung, die durch Dich wie auch immer gestaltet werden will, wenn Du vom Computerbildschirm Dich abwendest und in den Hintergrund Deines Wohnraumes trittst ... und niemand sonst. Was tust und denkst Du dann, zu was führt Dich dieses mein Denken und Tun. Wie begegnest Du diesen oder jenen inneren Anwandlungen usw.. Wie weit bist Du bereit in meinem Spiegel, im Spiegel vieler anderer Menschen aus Deinem sozialen Netzwerk, Dir selber zu begegnen, ... ohne warum auch immer, in dieser oder jener Weise innerlich ab zu blocken.
Hier werden Möglichkeiten sozialer Veränderung vorbereitet. Kein anderes Du kann durch irgendein Tor der Veränderung gehen, wenn ich nicht vorgängig durch mein Tor schreite, das im Spiegel des Du sich immer wieder neu auftut, Torbogen auf Torbogen, mich führend zum Erwachen zu mir selbst.
Ich in Balance. Der andere Mensch, das Du angenommen „auf Augenhöhe“, ohne Ärger, ohne inneres Verkrampfen, ohne ... wie auch immer. Still.

Frühling, Kraft der Erneuerung aus der morgendlichen Stille vor dem ersten Vogelruf. Frühling, kraftvolle Schritte hinein in den Morgen, hinein in den wachsenden Chor jubilierender Vögel. Frühling, ich werde selbst zum Sänger durch mein Tun. Frühling, Ich in Balance, Ermunterung aus tausend Vogelkehlen!

Bernhard Albrecht

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Stille als Quelle sozialen Wirkens

Kommentar auf einen Blog Eintrag von Junko Althaus.
http://philosophie-der-freiheit.blogspot.com/2011/10/moderne-christuserfahrung-teil-1-die.html#comments

Die Kulmination der anthroposophischen Bewegung der Jahrtausendwende ist bereits voll im Gange, wenn auch auf eine sehr stille Art. Und dennoch wirkt genau diese „Stille“ brüderlich über die gesamte Erde hin, in und durch viele Herzen, immer kraftvoller. Die Menschen, die ganz zu sich finden, sind die Träger dieses Impulses, durch alle Kulturen hindurch und über alle Länder hinweg. Lichtpunkte überall, für den, der mit dem Herzen hören und sehen will.
Sie benennen ja selbst einen derartigen Lichtpunkt, wenn sie die Rede eines amerikanischen Rechtsanwaltes für die Gerechtigkeit dem Vergessen entreissen.
Die Legalisierung des Krieges begründet keine Schuld, denn diese Legalisierung, der jeder Mensch heute verhaftet ist, wenn er Kriegsbilder in den Fernsehnachrichten auch nur zur Kenntnis nimmt, ist nicht der Grund unendlich schmerzvoller Erlebnisse vieler Menschen über die gesamte Erde hinweg.

Der Quellgrund ist die Untreue des Menschen gegenüber seinem eigenen Wesen, der Einheit zwischen seinem Denken, Fühlen und Wollen, die sich an dieser Stelle, wie angebunden an viele andere Ereignisse und Erlebnisse zeigt und die ein jeder Mensch in sich auffinden kann.

Das mitunter so leicht von der Hand gehende Zeigen mit dem Finger auf „Andere“ weisst nur aus, dass „Ich“ selber noch nicht denkend, fühlend und wollend mich weit genug fassen konnte, begriffen habe wie Ich mich in meiner eigenen Mitte einfinden und halten, damit aber auch umfassender meine Wesenskraft und Verantwortlichkeit zum Ausdruck bringen kann, in den Situationen vor die mich das Leben stellt. Was ja wiederum kein Versagen ausdrückt, sondern tiefer betrachtet letztendlich eine stille Aufforderung an mich ist der eigenen Wesenstiefe noch mehr Ausdrucksraum einzuräumen.
Tiefer betrachtet, zeige Ich mit dem Finger, der durch mich nach aussen weist, letztendlich auf mich selber. Im Aussen ändert sich nur soviel, wie ich vorauseilend an Vorleistung einzubringen bereit bin. Mein Vorbild wirkt und nichts anderes.
Solange aber noch Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen walten kann, mag ich auch sachlich betrachtet gute Gründe haben, deren Aussagen da und dort in Frage zu stellen, solange ich nicht zu unterscheiden weiss, zwischen der Sachaussage und dem Menschen, der sie tätigt, wird die Legalisierung des Krieges unter Völkern und in den Zwisten zwischen den Menschen weiter ihr verheerendes „Unwesen“ treiben können. Die Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft gibt dazu wohl mehr als genug Aufschluss.
Die Brüderlichkeit unter den Menschen wird aus der „Unterscheidung“ genau hier geboren. Sprechend mit einem anderen Menschen, ihn hörend oder vernehmend, wo auch immer, kann genau hier das umfassende Wesen des Ich-Bin anwesend werden lassen, das verbindet und damit schöpferische Kräfte zur Lösung waltender Konflikte im Denken, Fühlen und Wollen der beteiligten Menschen freisetzen.
Wenn Sie es so anschauen wollen, dann liegt in der Wiederbelebung des Geistes von Emaus die Geburt der Brüderlichkeit unter den Menschen begründet. Dieser Geist war und ist schon immer aus der Stille hervorgegangen.

Bernhard Albrecht

Montag, 19. September 2011

Gedenken

Dag Hammarskjöld liess vor 50 Jahren am 18.09.1961 bei einem Flugzeugabsturz sein Leben. Nur wenige Wochen vor seinem Tode, den er vorausschauend auf sich zu kommen sah, schrieb er am 11.06.1961 nachfolgendes Gedicht, das ich hier in der deutschen Version von Graf Knyphausen wiedergeben will. Eine freie Neuübersetzung durch mich aus dem Englischen füge ich an.
Dies Selbstzeugnis eines Grossen mag als unauslöschliche Ich-Tat in gegenwärtig politisch turbulenter Zeit für sich sprechen.


                    Berufen
                    ihn zu tragen,
                    ausgesondert
                    ihn zu prüfen,
                    erwählt
                    ihn zu leiden,
                    frei
                    ihn zu verneinen,
                    sah ich,
                    einen Augenblick,
                    das Segel
                    im Sonnensturm,
                    ferne,
                    seewärts fort vom Land.
                       
                    Sah ich,
                    einen Augenblick -

                    © für die Übersetzung
                    Graf Knyphausen, 1965

                       
                    Weg und Erfüllung

                    Berufen
                    Ihm Herberge zu geben,
                    vereinsamt,
                    zu erfahren
                    Erdendunkelnacht,
                    verlassen,
                    frei den Tod
                    zu bestehen,
                    ihn zu fliehen,
                    schaute ich –
                    für einen Augenblick
                    das Lichtsegel
                    im Sonnensturm
                    zerbrechender Zeit,
                    auf einer Woge
                    des Glücks,
                    einsam –
                    seewärts
                    geboren.

                    In eines Augen – Blickes
                    Ich – Schau.

                    © für die Übersetzung
                    Bernhard Albrecht Hartmann, 06.01.1976

Mittwoch, 14. September 2011

Ich-Werden

Im Augenblick sich ein zu binden und darüber hinaus die Verbindung zum Du zu suchen, das scheint heute des Menschen grösste Angst zu sein. Denn es bedeutet zugleich das Wagnis sich im eigenen Unvollendet-Sein zu „zeigen.“
Selber unvollendet könnte ja jemand auftreten, der Wunden in Dir bloss legt, einfach nur durch das, was er arglos oder beiläufig zu einem Sachverhalt aus seiner Kenntnis heraus sagt. Das aber ist dem Menschen tief eingeprägt, Du darfst Dich nicht nackt zeigen. Das Feigenblatt muss her und dazu ist jedwede Verstellung erlaubt. Auch um den Preis Gefängnisgitter um sich zu schliessen oder Andere hinter solchen einzuschliessen.
Und dennoch, bringt ein Mensch es fertig, dann erlebt er sich lebendig, dann ist er in diesem Augenblick ganz Mensch, ist er Ich.
Die allenthalben heute zu beobachtende Bindungsunfähigkeit wird so zum Fingerzeig auf ein zu Findendes in sich, das Bindung allein zeugen kann, das Ich. Das Ich wiederum ist, im Gegensatz zum Ego  ein dynamisch zu Bezeugendes, ist nur in und aus der Bewegung heraus.
Wo Mensch sich also auf irgendwelche Überzeugungen beruft, offen oder ganz still nur vor sich selbst, da dämmert das Ich in ihm vor sich hin und entschwindet im Niemandsland des Ungreifbaren irgendwann einmal ganz aus vage erahnter Sicht.
Die grösste Herausforderung scheint mir heute zu sein Ich-Kraft zu entfalten, wo von so vielen Seiten danach getrachtet wird sie still und leise abzuwürgen.
Die Kunst des Heilens erwächst aus Ich-Taten. Die heute so zahlreichen Verwerfungen im Sozialen Raum bedürfen dringend des Erwachens des eigenen Ich am Du.

Bernhard Albrecht

Sonntag, 4. September 2011

Ein Weniges über Kunst


Es liegt für manche Leser vielleicht nahe zu einem literarischen Produkt sogleich einen biographischen Zusammenhang im Hinblick auf dessen Urheber zu suchen. Das wird heutezutage beinahe wie aus dem hohlen Bauch heraus unreflektiert gerne gemacht.
Nun hängt vielleicht nicht nur aus meiner Sicht die Qualität eines literarischen Produktes eng damit zusammen, dass Erlebnisse, die der Urheber eines literarischen Werkes vor dem Hintergrund eines bestimmten Werkes gehabt hat, sich erst einmal wieder von ihm lösen müssen, damit sie in eine wie auch immer geartete literarische Form geprägt werden können. Die mögliche Qualität eines literarischen Produktes hängt nicht wenig damit zusammen, in wie weit dieser Prozess gelingt.
Im Grunde ist es ein innerer Ausgleich zwischen Jin und Yang, der da innerlich geleistet werden muss, wenn ein Werk entstehen will. Dynamische innere Balance als Grundbedingung für Kunstausdruck.
Wird diesem Prozess zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dann, so meine Sichtweise, kann Kunst auch keine im echten Sinne wirksame evolutionäre Dynamik und Wirkung auf den Leser und im weiteren Sinne dann die Gesellschaft hervorrufen.
Zudem hat Kunst nicht in erster Linie eines selbstdarstellerische Aufgabe. Vielmehr liegt ihre vielleicht wesentlichste Aufgabe darin einen evolutionären Prozess in den Lesern von literarischen Werken auszulösen und darüber hinaus im Betrachten oder Erlauschen von Kunstwerken, schlechthin soziale Prozesse leise in Gang zu bringen.
Pointiert gesagt: Wenn Literatur nicht innere Prozesse des Umdenkens und eines über die vereinzelte Person hinaus reichenden sich weitenden Fühlens, einer sich klärenden inneren Willenslandschaft auslösen kann, dann geht sie an ihrem eigentlichen Auftrag vorbei.
Künstler sein ist in meinen Augen erst dann ein zeitgerecht modernes Unterfangen, wenn tiefere, vielleicht noch sehr verdeckt stattfindende Werde-Prozesse im gesellschaftlichen Umfeld aufgenommen und innerlich verwandelt, wieder in den gesellschaftlichen Prozess zurückgegeben werden können. Künstlerische Ästhetik scheint mir einen ungeschriebenen Zeitauftrag zu haben: Durch allen Kunstausdruck hindurch „das Gesicht des Menschen“ zu vermitteln und zu bezeugen.
Was aber das Gesicht des Menschen sei, das können heute immer weniger weltanschauliche Gruppierungen, ganz gleich welchen Couleurs, vermitteln. Auch das mehr oder weniger  offene Promoten von etwas, was als Zeitgeschmack oder einfach nur als Trend mit möglicher sich steigernder wirtschaftlicher Rendite auf einem so genannten Kunstmarkt betrieben wird, kann höchstens Einseitigkeiten, nicht aber dieses Gesicht in einem in sich abgerundeten dynamischen Bild in Erscheinung treten lassen.
Dieses zur Erscheinung bringen kann nur ein Künstler, der an der tief in ihm schlummernden Berufung künstlerisch zu wirken langsam erwacht und den Mut findet Willensprozesse in sich immer bewusster so zu bearbeiten und zu verwandeln, dass sie ein „Menschliches Antlitz“ bekommen, das pionierhaft für die weitere Entwicklung des Menschen sprechen kann.
Der Mensch als ein Freiheitswesen ist heute gefragt. Die Verantwortung vieler Einzelner liegt heute dort, entgegen allem sich Aufbäumen dieses oder jenen Vertreters, welcher weltanschaulichen Gruppierung auch immer.
Wenn biographische Erlebnisse eines Kunstschaffenden über dessen Person hinaus zum „Träger eines geweiteten  Bildes des Menschen“ werden können, wenn Leser oder Betrachter von Kunstwerken an diesen erwachen für ihr eigenes Menschsein und Werden, dann wird das Freiheitswesen eines einzelnen Kunstschaffenden zum Pionier für weiter greifende gesellschaftliche Wandlungen. Diese zu befördern aber ist der Urberuf von Kunst schlechthin.

Bernhard Albrecht

Freitag, 26. August 2011

Zwischen Hören und Lauschen

Alles was ich höre oder sonst wie aufnehme, das kann, wenn ich es so will, in mir zu einem Pflänzchen auf einem inneren Saatfeld meines Lebens werden. Behütet in mir und immer wieder einmal von dieser oder jener Seite betrachtet oder auch innerlich umgewendet, darf es zu weiter reichenden Erkenntnissen oder sogar zu Lebensweisheit heran wachsen und reifen.
Alles tiefere Verstehen braucht seine Zeit. Eine Tomate wächst ja auch nicht von heute auf morgen. Das gilt nicht weniger für geistige Belange des Verstehens. Ich habe diesbezüglich gelernt mit mir geduldig zu sein und erwarte deshalb auch nichts mehr von anderen. Die freudige Überraschung, kommt es zu einem tiefer gehenden Gedankenaustausch, ist dann um so grösser.
Der Geist kommt aus den Tiefen des Wortes zu mir, enthüllt sich im Verstehen, wenn ich die Vorstellungen, die ich einem mir begegnenden Wort mitunter allzu rasch über stülpe, im Laufe weiterer Schritte der Betrachtung auch wieder von ihm entfernen kann, um zum Kern der ursprünglichen Aussage vor zu dringen. "Überzeugungen" können hier zu einem grossen Hindernis werden.
Ich kann niemanden beschützen vor einem Missverstehen einer Aussage. Wenn dieser Jemand über eine Interpretation einer Aussage in einem vorüber huschenden Augenblick hinaus zu einem tieferen Verstehen dieser Aussage vordringen will, dann wird er zum Gärtner werden müssen, der einen inneren Pflanzen Garten anlegt, auf dem seine Erkenntnisse reifen und wachsen können. Den er hegt und pflegt und wortwörtlich gemeint, regelmässig begiesst.
Es kann ja im Leben schnell einmal geschehen mit den Hagelkörnern der Wut oder des Zornes eine Aussage, die an mich herantritt zu belegen und daraus vorschnelle Konsequenzen zu ziehen. Nur blockiere ich mich dadurch selbst, vielleicht ganz andere und wesentlichere Schichten in dieser Aussage in mir zum Leben erwecken zu können.
So entstehen Brüche im Leben von Menschen, inwendig nur auf ihn bezogen oder sogar noch weitreichender, durch eine ungezügelte Reaktion, andere Menschen mit dem Malstrom eigener Gefühle in Spaltungen mit hinein reissend.
Nur ein Augenblick der Unachtsamkeit ... das Leben nimmt alles in sein Strömen mit hinein und trägt es auf seinem Rücken fort. Und damit ist auch immer wieder die Möglichkeit offen aus einem In-sich-Kreisen wiederum den Anschluss an den grossen Lebensstrom zu finden.
Die Spiegelungen von Licht und Schatten über dem Wasser zu verschiedenen Tageszeiten, ein Wunder möglicher Bewegungen und stete Ermunterung für den, der sehen will.

Bernhard Albrecht

Donnerstag, 25. August 2011

Für Manroe und andere Selbstdenker

(siehe zum Thema Ausnahmezustand den Beitrag vom 11.07.2011 weiter unten hier auf diesem Blog)

Zum Thema Ausnahmezustand gibt es aus meiner Sicht noch viel sich zu vergegenwärtigen und in Folge zu beschreiben. So will ich das Thema erneut aufgreifen, ohne dabei auf ein Ende zu schielen oder eine Lösung anzupeilen. In diesem Zusammenhang geht es ohnehin nicht, dass einer, auch nur umrisshaft, Abschliessendes dazu sich anmasst auf den Tisch zu legen. Hier kann ich nur bemüht sein mit anderen ernsthaft Forschenden auf Spurensuche zu gehen und vielleicht mitzuwirken, dass, wer immer sich darauf tiefer einlassen kann, nach einer für ihn angemessenen Zeit zu mehr Klarheit und Befähigung mit den Phänomenen umzugehen, hin findet.
Wenn ich noch einmal an Plato anknüpfe, dann spielt sich in den Bildern seines Höhlengleichnises das reproduzierende Denken in den Menschen ab, die gegen die Felsenwand schauen, im durch das Feuer in ihrem Rücken, im gegen die Felsenwand geworfenen Licht ihre eigenen Gedankenbilder(Vorstellungen) an der Felsenwand reproduzierend in sich erblicken.
Das produzierende Denken hingegen bedarf eines aktivierten inneren Willens. Und zwar nach zwei Seiten hin, die von einem gewissen Augenblick der beobachtenden Auseinandersetzung mit den Phänomenen auf diesem Felde in eins fliessend beobachtet werden können (siehe diesbezüglich Grundlinien einer Erkenntnistheorie von Rudolf Steiner), dann nämlich wenn der Wille in mir gleichsam feurig werden konnte und die dualen Bezüge zwischen Denken und Wahrnehmen innerlich aus den Angeln hebend, einer mehr und mehr um sich greifenden Verbrennung zuführt.
Verbrennung: Das Denken, sein blickender Charakter und sein in Einklang mit den Geschehnissen sich vollziehender Willenscharakter, beide Anteile schwingen in eins, werden von dem Proteus, dem schaffenden Auge im Denken gebündelt und gleichsam an Zügel gelegt. Das so geschaffene Gefährt wird seine Fahrt auf den Wogen des Ausnahmezustandes aber nur aufnehmen können, wenn das rechte Mass im Fühlen vom Herzen her damit verbunden werden kann.
Das klingt jetzt fasst ein wenig poetisch, scheint sich einer „wissenschaftlichen“ Beurteilung zu entziehen, ist aber nichts desto trotz exakt. Um Erfahrungsaussagen hier machen zu können ist der Thron „beurteilender“ Vergleichsanalyse zu räumen. In die Dynamik eines real erfahrenden Ausnahmezustandes innerhalb des Denkens kommst Du nicht hinein, wenn Du in Deiner inneren Betrachtung der dualen Beurteilung verhaftet bleibst. Entweder öffnest Du Dich hier einer fliessenden Dynamik oder Du scheiterst mit Deinen innerlich krampfenden Bewegungen um scheinbare Sicherheiten, mit der Angst um Deine abstrakten Gewissheiten an Scilla und Charyptis.
Denken mit Kurs auf das Erfahren des Ausnahmezustandes ist ein Einhand-Segelunternehmen durch zahllose innere Stürme und Kenter-Erfahrungen.
Soviel für heute.

Bernhard Albrecht

Begeisterung

                Sänger bin ich -
                im Chor der Engel -
                Lichtjubel,
                in der Gebärde meiner Arme!

                So rüttle ich am Gebälk dieser Welt,
                auf dass alle Schutzschilder -
                zerbrechen
                und ein grosses Werde
                die Herzen der Menschen
                in gemeinsamem Tun verbindet.

                Hier und jetzt will aus Deinem Tun,
                durch die Kraft der Güte,
                auferstehen das neue Jerusalem.

                © Bernhard Albrecht, 1995/2011
                (In Erinnerung an einen grossen Menschen,
                der das Wort führt durch die Schleier
                einer geistigen Behinderung)
   
                Aus aktuellem Anlass heute sieben Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung
                erneut eingestellt.

Postskript:
Der Geist weht, wo er weht, er stürmt mitunter oft geradezu durch ein Wort, das auf den ersten Blick die innere Sicht auf seinen tieferen Gehalt nicht frei zu geben scheint!
Der Gedanke ist des Gedanken grösster Feind, dort wo ich  allzu schnell in ein Vermeinen abgleite, ich hätte mit einem Gedanken bereits dessen geistige Wirklichkeit erfasst. Das Vorurteil (eine wie auch immer geartete Befangenheit durch Erfahrungen der eigenen Vergangenheit) ist jene geschlossene Tür, an der ich mir den Kopf anschlagen muss, solange bis ich lerne mir ein Gespür für „die Bewegung“ hinter einem Wort bereit bin mir anzueignen, bis ich vordringe zu einer rundum Offenheit gegenüber dem Wort-Sagen anderer Menschen, in der das Wort aus sich selber in seiner tieferen Bedeutung bereit ist sich zu enthüllen.
Ich kann viel zur Umschreibung eines scheinbar nicht mehr so ganz gebräuchlichen Wortes sagen. Wenn nicht innere Beweglichkeit, fragendes Lauschen einem Wort von "tatsächlich interessierten" Menschen zur Verfügung gestellt wird, dann wird auch ein ganzer Roman zur Verdeutlichung desselben nicht wesentlich weiter helfen. Neben dem fragenden Lauschen ist nicht zuletzt die Authentizität dessen ausschlaggebend durch den ein Wort vermittelt wurde. Und die Authentizität des Menschen, der durch dieses Gedicht spricht, gehört zu einer von den ganz grossen Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen durfte.
Ich habe keine Sorge, das junge Menschen die Aussage dieses Gedichtes nicht verstehen können, weil sie am Ende über ein Wort stolpern, das ihnen vielleicht nicht so ganz geläufig ist. Im Gegenteil, wer hier stolpert, der bekommt die Chance vertiefter zu erwachen für das, was diesem Wort vorausgehend in dem Gedicht „entscheidend“ zum Ausdruck kommt.
Im Übrigen war dieses Wort vom „neuen Jerusalem“ immer ein Synonym für „the wind of change“ in den jeweiligen gesellschaftlich kulturellen Verhältnissen. War dieses Wort ein Trompetenschall zum Aufbruch aus festgefahrenen Verhältnissen in eine neue, Geist transparentere Welt, als die gegenwärtige. Und dieser Trompetenschall ging zu keiner Zeit von den etablierten Religionen oder politischen Parteien aus. Er war immer ein Aufbruch Signal von der Peripherie her, ein Signal aus dem Kreis von Menschen, die lauschend die Quelle des Geistes in einem neuen Brunnen zu fassen suchten.
Dort, wo das Wort vom „neuen Jerusalem“ authentisch, also von seinem tieferen Geist durchdrungen laut wurde, dort hat es die Menschen über die eigene Trägheit hinaus stets zu neuen Horizonten geführt.
Die etablierten Religionen und Parteien sind an den Versuchen sich diesen Geist der Veränderung für irgendwelche Machtinteressen dienstbar zu machen letztendlich immer gescheitert. Denn dieser Geist kann nicht instrumentalisiert werden, er kann nur dann wirken, wenn der Mensch individuell für sich „Veränderung“ zulässt, lauschend in sich hinein die Stimme seines Ich vernimmt.
Wie sehr „the wind of change“ verwehen kann, wenn er nicht durch Authentizität initiiert wird, wenn Fake-News Gehabe das politische Geschehen bestimmen, kann aus den jüngeren Geschehnissen in Amerika von dem der will abgelesen werden.
Auf welch Messers Schneide "the wind of change" entlang läuft, das zeigen auch die gegnwärtigen Geschnisse in Chemnitz. Kleinkariertes Worte Gerangel um die Meinungshoheit unter den Parteien jenseits eines ernsthaften Gespürs für ein inneres Aufstehen in eine "individuelle Kehrtwende" hinein zeichnen das gegenwärtige Bild sozialen mit- und gegeneinander.
Der Geist aber weht dort, wo ich ihn an meinem Vorurteil vorbei Einlass gewähre.
Ich halte die Mehrheit der heutigen Jugend innerlich für unterscheidungsfähig genug dem „lebendigen Geist“ auf die Spur kommen zu können!

Bernhard Albrecht

Dienstag, 19. Juli 2011

"sexy man"


Erstmals veröffentlicht als Kommentar in: http://natuerlich-man.blogspot.com/ 11.07.2011, siehe da selbst zum Thema auch, 4.2.2011

Das mit der Leere hatten wir ja schon einmal vor einiger Zeit!
Ich frage Dich heute: Wie kann ein Mann feststellen, dass er von nichts anderem als von Leere erfüllt ist, dass er die Leere selber ist? Kannst Du, Nick, Hand auf`s Herz, wirklich sagen, ohne ideell auf Metawellen fern der Wirklichkeit surfen zu gehen, Du habest Dich als Leere erfahren? Wie kann Leere sich selber als Leere erfahren? Das ist mehr als ein Paradoxon. Das scheint mir ein abstrakt intellektueller Kreiseltanz mit sehr wenig realem Bezug zur Wirklichkeit zu sein. Mit Tanzen in der Luft, fern einer genauen inneren Tatsachen Erkundung wirst du nicht zu einem sexy Mann, wie Du ihn Dir als ferne Zielerfüllung von heute her gesehen zu erträumen scheinst. 
Wenn Du einmal der Leere wenigstens peripher über die Aussenwelt begegnen willst, dann findest Du vielleicht in einer Psychiatrie eine Möglichkeit zu einem „Gespräch“ mit einem schwer depressiven Mann. Ich kann Dir vorweg schon sagen, in einem solchen Zustand „erlebt“ der Betreffende die Leere in einer Weise, dass alles Leben für ihn, ihm wie aus sich heraus gesaugt erscheint. Er torkelt buchstäblich durch ein Niemandland, aus dem ihn nichts als Leere anglotzt. Und so eine Erfahrung verleiht einem solchen Menschen alles andere als eine sexy Ausstrahlung. Er verliert in diesem Zustand alles, Zeit und Raumgefühl und im Extremfall verliert er sich selbst durch einen Selbstmord. 
Doch zurück zu meiner Frage: Wie kann Leere sich selber als Leere erfahren? Gibt es eine Möglichkeit jenseits eines pathologischen Krankheitszustandes zu einem Erfahren der Leere zu gelangen? Ich versuche eine Annäherung. Zunächst einmal: Um Leere zu erfahren muss da jemand sein der in die Leere hinein gehend diese dann erfährt. Wie aber kann einer, der von sich sagt selber die Leere zu sein die Leere erfahren. Leere ist Leere und wenn Leere Leere ist, dann ist da nichts mehr was Leere noch erfahren könnte. Leere als innere Erfahrung  ist Auflösung im Nichts.  
Spreche ich dennoch von der Möglichkeit eines Eingehen Könnens in die Leere, dann, schaue bitte genau in Dich hinein, dann träume ich, extrapoliere ich ein ideelles Gebilde, dem ich den Namen „Nichts“ oder „Leere“ gebe unkritisch, also ohne real beobachtbare, demnach erfahrbare innere Bezüge in eine abstrakte Wirklichkeit, mithin in eine Scheinwirklichkeit, weil dieser Art von Wirklichkeit, genauer betrachtet die innere Erfahrungsgrundlage fehlt.   
Im Umgang mit Abstraktionen, mögen sie auch noch so intellektuell geschliffen und scheinbar auch logisch plausibel daher kommen, habe ich noch keine Seinserfahrungen von dem worüber ich spreche, weil mir die real beobachtete Erfahrung dessen fehlt, was Denken seinem Wesen nach ist.  
Ich spreche ja denkend über die Leere. Wenn ich aber nicht weiss, was Denken als Seinserfahrung seinem Wesen nach ist, dann kann ich auch nicht wissen, was die Leere ist. Und noch tiefer gegriffen wenn ich im gärtnerisch beobachtenden Umgang mit dem Denken mir nicht eine Erfahrung vom inneren Proteus des Denkens zweifelsfrei überschaubar habe zugänglich machen können, dann, nichts für ungut ob meiner deutlichen Worte, dann bin ich möglicherweise einem pseudo-esoterischen Wunschdenken oder einem wie auch immer gearteten abstrakten Gedanken Konstrukt aufgesessen (zur hintergründigen Bedeutung der Abstraktion habe ich Dir ja schon in meinem ersten Kommentar an Dich einen ersten kleinen Hinweis gegeben). 
Ich weiss nicht, wo Du Dich im Internet, bei Facebook oder sonst wo, auf Deiner geistigen Suche sonst noch herum treibst, aber es gibt da einige Protagonisten, die das Mann Sein vor dem Hintergrund eigener so benannter Erleuchtung vertreten und missionarisch zu verbreiten als eine ihrer Aufgaben ansehen, ohne ihre eigenen Erfahrungsschritte auf diesem ihren Weg wirklich transparent machen zu können, vielleicht auch gar nicht wollen. Solche Menschen können einem faszinatorisch gleichsam ansaugen und an ihren eigenen Narzissmus binden, ohne dass du es sogleich bemerkst. Ich nenne das esotherische Manipulation und das ist kurz und knapp gesagt ein Missbrauch, mindestens aber ein unzulässiger Übergriff, weil damit unversehens die Freiheitsintegrität eines anderen Menschen verletzt wird. Selbst das beste an den Tag gelegte Wollen eines solchen Menschen rechtfertigt nicht einen derartigen Eingriff in die Freiheitssphäre. 
Wenn Du also ein „sexy man“ im tieferen Sinne des Wortes wirklich werden willst, dann schau gefälligst genau hin, in wie weit Du die Erfahrungsübersicht über Deine jeweiligen Schritte schon hast oder nur selbstvergessen träumend annimmst du habest diese Übersicht.  
Nun, dieser Kommentar ist mittlerweile schon recht lang geraten. Dennoch ist noch bei weitem nicht alles gesagt, was zu kommentieren wäre. Aber sei`s drum, wenn Du willst, mach Dich mit dem Gesagten weiter auf Deinen Weg und finde zu Erfahrungen, die Dir bis anhin noch gefehlt haben, in Freiheit und nicht ideell abgekupfert oder blind übernommen in Folge manipulativer Übergriffe. 
Solltest Du Dich mit dem Phänomen der Leere innerlich zu realen Erfahrungen vortasten wollen, dann ergibt sich daraus auch noch ein anderer Blick auf „die Frau“ von der Du gesprochen hast. Es ehrt Dich, dass Du die Frau nicht als ein Objekt betrachtest, das der Mann so nebenbei einmal aufreisst. Das tiefere Geheimnis, das die Frau für die Entwicklung des Mannes zum wirklich „sexy man,“ wie Du sagst, in sich trägt, ist damit noch nicht berührt.
Ich grüsse Dich,

Bernhard Albrecht


Dienstag, 12. Juli 2011

"Siehe, ich mache alles neu"


In voller Achtsamkeit im Augenblick stehen. Auf nichts anderes abheben, als das, was dieser Augenblick Dir eröffnet. Wenn dieses gelingt, dann erfährst Du, das sich ein Quell öffnet, der Dir schöpferisch ein Sagen ermöglicht, das im gleichen Atemzug auch eine Herausforderung für Dein eigenes Tun, Dein Umsetzen in weiteren Taten, ist.
Genauer besehen bist Du nur in solchen Augenblicken in einer Geistesgegenwart  und damit auf Augenhöhe mit dem anderen Menschen, mit dem Du gerade in Beziehung trittst.  Du bewegst dich in einer natürlichen Sphäre des Respekts, eben weil Du den anderen Menschen ganz aus diesem wachen  Erfassen im Augenblick begegnest, ohne abzuheben auf etwas, was er Dir vielleicht noch wenige Augenblicke zuvor von sich gezeigt hat. Du begegnest dem anderen Menschen als einem sich entwickelnden, zu innerer Freiheit strebenden Menschen und weil Du dies tust, erfährst Du deinerseits in genau diesem Augenblick etwas vom Atem einer Dich weitenden neuen inneren Freiheit. Durch diesen Deinen Aufmerksamkeitseinsatz lädst Du gleichsam die Freiheit als beflügelndes Wesen zum Gespräch mit ein.
Dies ist, sensibler betrachtet, das untergründig beflügelnde Geschehen von wirklicher Begegnung. Und der „grösste blinde Fleck“ in Dir ist der, Dich wider besseres Wissen immer wieder um diese Art von Aufmerksamkeit Gestalten herum zu drücken und lieber auf scheinbar bewährte Vorstellungen und Mutmassungen von und über den anderen Menschen oder diverse sogenannte allgemeinere Lebenserfahrungen oder Soll - Strategien abzuheben, mit der die Welt/Deine Welt sinnvoll in Ordnung zu halten sei/gehalten werden kann.
Die Sehnsucht nach einer höheren Welt als dem scheinbar grauen Alltag lebt heute in allen Menschen. Ebenso nimmt das Vermeinen um dieser höheren Welt willen sich  besonders innerlich abstrampeln zu müssen, in den Untergründen unserer Seelen immer wieder einen mehr oder weniger grossen Raum ein. Dass die Lösung vieler unterschiedlich und gleichwohl wieder ähnlicher Dilemmas auf diesem Weg nur einen Augenaufschlag von Dir, in Dir selber begründet liegt, das will Mensch so, wenn überhaupt, dann nur sehr widerwillig hinnehmen. Denn Blindheit für etwas derart Nahe Liegendes, dagegen laufen alle Helfer Affen des Ego Sturm.
Und dennoch die Ich - Tat belebt und weitet sich in ihren Möglichkeiten genau aus dieser Art von Bereitschaft ganz in den Augenblick zu gehen und das Wagnis einzugehen zu springen. Siehe, Ich mache alles neu.

Bernhard Albrecht

Montag, 11. Juli 2011

Ausnahmezustand


Was ist gemeint mit der Aussage Rudolf Steiners, dass eine gegenwärtige Beobachtung des Denkens nicht möglich sei (Philosophie der Freiheit, 3. Kapitel). Von welchem Denken schreibt da Rudolf Steiner. Es ist das Denken vor Erreichen des Ausnahmezustandes, das Denken in Vorstellungsbildern oder Abbildern des eigentlichen Denkens, das im Sinne von Platons Höhlengleichnis als eine Illusion von Denken durch die innere Umwendung und den nachfolgenden Sprung über das Feuer (alle Vorstellungen müssen innerlich verbrannt werden) vorgängig als dem eigentlichen Denken realitätsfern durchschaut werden muss. Erst im Durchgang gewissermassen durch die Desillusionierung in Bezug auf die so genannte Wirklichkeit des eigenen Denkens, kann eine allmähliche Annäherung an den so benannten „Ausnahmezustand“ erfolgen.
Dass dies nicht ganz einfach ist, das soll nicht bestritten werden, denn wer zieht sich schon ohne Absicherung durch einen Fallschirm selber den Boden unter den Füssen weg und lässt sich ins Bodenlose fallen. Wer löscht schon eigentätig von einer Leinwand alle Schriftzeichen und die damit verbundenen Vorstellungsbilder, kann sich ganz mit dem Weiss der  blossen Leinwand verbinden, ohne von Bewusstseinsturbulenzen aufgescheucht innerlich mit seiner anfangs instabilen Aufmerksamkeit weg zu dämmern oder sogar einzuschlafen.
An derartige Grenzerfahrungen eigener Bewusstseinstätigkeit im Umgang mit dem eigenen Denken auch nur peripher heran zu treten, ruft unterschwellig die denkbar heftigsten Abwehrreaktionen des Ego auf den Plan. Denn was im Bereich dieser Grenzerfahrungen geschieht, kommt bildhaft gesprochen einer Wildwasser Fahrt mit dem Kajak in schwierigen Gewässern gleich, bei der einem das Paddel bricht oder kenternd aus den Händen gerissen wird und bei der zu lernen ist einen hoch aktiven Ruhepunkt innerhalb extremer Bewegungen in sich zu finden. Gelingt dies, verzieht sich der Sturm, der einem bis an hin zwischen Scylla und Caryptis auf dem eigenen inneren Bewusstseinsfeld denkerlebend hin und her geworfen hat.
Dem Sturm folgt sodann die Herausforderung auf dem Feld innerer Beobachtung hoch aktiv ganz in diesem Ruhepunkt der Stille, dem Auge des Hurrikans, also ohne eine irgendwie geartete „duale“ Abstützung, allein im Bewegungsfeld dynamischen Denkerfahrens eine wenigstens vorübergehende Wachheit zu erlangen. Es beginnt das Krafttraining für den eigentlichen Ausnahmezustand des Denkens im Alltag.
Der Ausnahmezustand ist nämlich in einem durch verschiedene Stufungen hindurch entwickelten fortgeschritteneren Ereignen ganz und gar kein Zustand, der in der meditativen Zurückgezogenheit eines Arbeitszimmers  zu erlangen ist (Rudolf Steiner auf die Frage wie er zu seinen Fähigkeiten gelangt sei: „Ich habe mir mein ganzes Leben hindurch die Schuhe immer selber geputzt“).
Mit anderen Worten, erst wenn sich innerhalb der Lebenswelt des Alltags das Denken in einen Ausnahmezustand immer wieder und wieder umstülpen lässt, bekommt Geisteswissenschaft aus meiner Sicht eine Basis, auf der ein Forschen beginnen kann.
Das Reden von und über das reine Denken scheint mir in allzu vielen Fällen auf dem Hintergrund  nicht durchschauter Anhaftung an Abstraktionen geführt zu werden, welche von den Kreisel Bewegungen des Ego - Mahlstrom umnebelt wird. Wobei gegen die Abstraktion im Denken nichts zu sagen ist, wenn denn die in ihr äusserst fein verwobenen Vorstellungsbilder einer Auflösung zugeführt werden können. Die Abstraktion kann als janusköpfig beschrieben werden, mit zwei Toren: Einem das in die All - Leere führt und einem anderen, das den Wanderer im Erfahren des Ausnahmezustandes im Denken in die All - Fülle geleitet. Ego - Verhaftung oder Ich - Erkraften ist hier die Entscheidung!
Wenn Mieke Mosmuller eine ureigene Erfahrung des Ausnahmezustandes im eigenen Denken abgesprochen werden soll, dann wäre für diverse Opponenten vorweg zu klären inwieweit sie ihrerseits über eine Erfahrung des Ausnahmezustandes im Denken verfügen. Denn nur auf der Grundlage eigener Erfahrung dieses Zustandes kann die Erfahrung des Ausnahmezustandes eines anderen Menschen überhaupt ins Auge genommen werden. Eine Abstützung auf Aussagen Rudolf Steiners zu diesem Ausnahmezustand taugt  für die eigene Argumentation „wissenschaftlich“ in keiner Weise irgendetwas, solange nicht eigene Erfahrung hier ergänzend Klärung gebracht hat.
Und mit der eigenen Erfahrung im Hintergrund kann wechselseitig individuelle Erfahrung dieses Ausnahmezustandes nur zu einer Bereicherung im Forschen von verschiedenen Seiten her führen, zu Respekt vor dem Bemühen eines anderen Menschen auf einem Forschungsfeld, das erst ganz im Anfang seiner Erforschung steht.

Bernhard Albrecht

Sonntag, 19. Juni 2011

"sexy man"

Kommentar zu dem Beitrag: „Eine Definition vom Mann“ auf http://natuerlich-mann.blogspot.com.

Der genannte Blog ist mittlerweile aufgelöst. Da mein Kommentar aber, wie ich aus Gesprächen weis, über den ursprünglichen Anlass hinaus für viele, vorallem jüngere Menschen, die sich mit diesem Problem herum schlagen, von Interesse ist, veröffentliche ich ihn mit einigen Ergänzungen erneut.

Das mit der Leere hatten wir ja schon einmal vor einiger Zeit (siehe Deinen Blog-Beitrag „Leere“ vom 28.01.2011/meine Antwort darauf). Dazumal schrieb ich: 
„Wie kann ein Nichts in der Leere feststellen, dass es nichts gibt? 
Und wie kann diese zweite Leere gefühlt, von einem Nichts seiend erfasst werden, das vordem festgestellt hat, dass diese zweite Leere nichts enthält, also logischerweise auch einen Betrachter der Situation nicht enthalten kann, denn ansonsten wäre ja etwas da in dieser Leere? ...
Statisch betrachtet, also von aussen her gesehen eine Unmöglichkeit!

Von einer dynamischen Innenansicht eine Möglichkeit, sofern die Wirklichkeit bildenden Kräfte von Wahrnehmung und Begriff als "Erfahrung" erfasst, also über die Abstraktion hinaus als Seinszustände innerlich vor Augen gerückt und in einem gleicherweise beständig sich innerlich vereinigenden wie lösenden Prozess erfasst werden kann. Wenn darüber hinaus in innerer Wachheit die Erfahrung dieser beiden in Gleichzeitigkeit, also "nondual" in der jeweiligen Verschmelzung Ereignis wird. Dann kommt es gewissermassen auf dem dynamischen Wellenberg dieser inneren Erfahrung zu einem realen Durchgang durch eine Art Nichts - Erfahrung, zu einer Erfahrung im Sinne der Worte des Sokrates: "Ich weis, dass ich nichts weis." Diese Erfahrung aber bedeutet mit entsprechend ausgebildeter innerer Wachheit, ein Hineingehen in eine geistige Wesenswelt hinein. 

Der Leere wohnt eine Fülle inne!
 
Die Abstraktion ist das Tor davor!
 
Und zum Mann wird der, der die Dornen der Abstraktion von innen her überwindet und Dornröschen (Sophia = die innere Weisheit) durch
 Philo = Liebe und innere Ausdauer wach küssen mag.
 Philosophia = Liebe zur Weisheit!

 
Der Gewinn ist ein Ich, das sich aus seinen Ego Schalen befreit hat.

"

Ich frage Dich heute: Wie kann ein Mann feststellen, dass er von nichts anderem als von Leere erfüllt ist, dass er die Leere selber ist? Kannst Du, Julian, Hand auf`s Herz, wirklich sagen, ohne auf ideellen Meta Wellen fern der Wirklichkeit surfen zu gehen, Du habest Dich als Leere erfahren? Wie kann Leere sich selber als Leere erfahren? Das ist mehr als ein Paradoxon. Das scheint mir ein abstrakt intellektueller Kreiseltanz, bzw. eine selbst induzierte Traumveranstaltung mit innerem Konturverlust, also sehr wenig realem Bezug zur Wirklichkeit zu sein. Mit Tanzen in der Luft, fern einer genauen inneren Tatsachen Erkundung wirst Du aber nicht zu einem sexy Mann, wie Du ihn Dir als ferne Zielerfüllung von heute her gesehen zu erträumen scheinst.
Wenn Du einmal der Leere wenigstens peripher über die Aussenwelt begegnen willst, dann findest Du vielleicht in einer Psychiatrie eine Möglichkeit zu einem „Gespräch“ mit einem schwer depressiven Mann. Ich kann Dir vorweg schon sagen, in einem solchen Zustand „erlebt“ der Betreffende die Leere in einer Weise, dass alles Leben für ihn, ihm wie aus sich heraus gesaugt erscheint. Er torkelt buchstäblich durch ein Niemandsland, aus dem ihn nichts als Leere anglotzt. Und so eine Erfahrung verleiht einem solchen Menschen alles andere als eine sexy Ausstrahlung. Er verliert in diesem Zustand alles, Zeit und Raumgefühl und im Extremfall verliert er sich selbst durch einen Selbstmord.
Doch zurück zu meiner Frage: Wie kann Leere sich selber als Leere erfahren? Gibt es eine Möglichkeit jenseits eines pathologischen Krankheitszustandes zu einem Erfahren der Leere zu gelangen.
Ich versuche eine Annäherung. Zunächst einmal: Um Leere zu erfahren muss da jemand sein der in die Leere hinein gehend diese dann erfährt. Wie aber kann einer, der von sich sagt selber die Leere zu sein die Leere erfahren. Leere ist Leere und wenn Leere Leere ist, dann ist da nichts mehr was Leere noch erfahren könnte. Leere als innere Erfahrung  ist so gesehen Auflösung im Nichts.
Spreche ich dennoch von der Möglichkeit eines Eingehen Könnens in die Leere, dann, schaue bitte genau in Dich hinein, dann extrapoliere ich in  einer träumerischen Haltung ein  ideelles Gebilde, dem ich den Namen „Nichts“ oder „Leere“ gebe unkritisch, also ohne eine in sich gegliederte Abfolge von beobachtend zu überschauenden Einzelschritten in eine Scheinwirklichkeit, weil dieser Art von Wirklichkeit, genauer betrachtet die innere Erfahrungsgrundlage fehlt. 
Im Umgang mit solcher Art träumerisch durchsetzter Abstraktionen, mögen sie auch noch so intellektuell geschliffen und scheinbar auch logisch plausibel daher kommen, habe ich noch keine Seinserfahrungen von dem worüber ich spreche, weil mir die real beobachtete Erfahrung dessen fehlt, was Denken seinem Wesen nach ist.
Ich spreche ja denkend über die Leere. Wenn ich aber nicht weiss, was Denken als Seinserfahrung seinem Wesen nach ist, dann kann ich auch nicht wissen, was die Leere ist. Und noch tiefer gegriffen wenn ich im gärtnerisch beobachtenden Umgang mit dem Denken mir nicht eine Erfahrung vom inneren Proteus des Denkens zweifelsfrei überschaubar habe zugänglich machen können, dann, nichts für ungut ob meiner deutlichen Worte, dann bin ich möglicherweise einem pseudo-esotherischen Wunschdenken oder einem abstrakten Gedanken Konstrukt aufgesessen.
Ich weiss nicht, wo Du Dich im Internet, bei Facebook oder sonst wo, auf Deiner geistigen Suche sonst noch herum treibst, aber es gibt da einige Protagonisten, die das Mann Sein vor dem Hintergrund eigener so benannter Erleuchtung vertreten und missionarisch zu verbreiten als eine ihrer Aufgaben ansehen, ohne ihre eigenen Erfahrungsschritte auf diesem ihren Weg wirklich transparent machen zu können, vielleicht auch gar nicht wollen. Solche Menschen können faszinieren und darüber gleichsam ansaugen, an ihren eigenen Narzissmus binden, ohne dass du es sogleich bemerkst. Ich nenne das esoterische Manipulation und das ist kurz und knapp gesagt ein Missbrauch, mindestens aber ein unzulässiger Übergriff, weil damit unversehens die Freiheitsintegrität eines anderen Menschen verletzt wird. Selbst das beste an den Tag gelegte Wollen eines solchen Menschen rechtfertigt nicht einen derartigen Eingriff in die Freiheitssphäre.
Wenn Du also ein „sexy man“ im tieferen Sinne des Wortes wirklich werden willst, dann schau gefälligst genau hin, in wie weit Du die Erfahrungsübersicht über Deine jeweiligen Schritte schon hast oder nur selbstvergessen träumend annimmst du habest diese Übersicht.

Die Leere als dennoch mögliche Erfahrung ist an eine selbstlos aktiv beobachtende Tätigkeit des Ich im Denken gebunden, erfordert eine gleichsam naturwisenschaftliche Umgangsweise mit dem Denken. Diese Art des Umgangs mit dem Denken, denkend sich in der Vergegenwärtigung der eigenen willentlichen Prozessgebärden zu halten, dies kann sich im Denken mehr und mehr zu einer inneren Lichterfahrung umgestalten, die  dann in eine Fülle hinein wächst.
Leere ist somit die Erfahrung einer noch im Träumen verbleibenden inneren Befindlichkeit im Umgang mit dem Denken. Sobald das Denken am Du durch das Ich sich zu einem Erwachen für eigene Prozessgebärden umgestalten kann, öffnet es sich im Träger dieser Prozessgebärden, im Ich, hinein in eine Fülle. Da diese Fülle auf Grund der Erfahrung der hohen Virulenz, der im inneren Beobachten zu haltenden Prozessgebärden, einer dynamisch hohen inneren Standfestigkeit bedarf, bleibt sie einem solange verschlossen, bis das Ich sich in sich soweit gestärkt hat in diesem Kräfteweben auch bestehen zu können.
Erwachen ist kein Spaziergang, so wie echtes Berggehen kein Spaziergang sein kann.
Ich grüsse Dich,

Bernhard Albrecht


Soziale Erneuerung

Was ist die beinahe immer währende stille, wie gleicherweise dringliche Frage, die das Du im Begegnen Dir wie mir stell?
Was „erinnert“ Dich an oder in mir an das, was aus Dir erwachen, einen neuen Schritt des Werdens kreieren will, Dein Ich mehr in die Erscheinung zu treten verlangt? Hörst Du das Raunen, das Dich ruft Dich einzumitten und ... wesentlich in Deinem Tun zu werden.
Wie besonnt, besonnen, durch sonnt ist Dein Sagen auf das, was Dich aus Tiefen anspricht und ruft?
Letztendlich ruht alles soziale Leben auf zwei Säulen. Dem Erinnern und dem Besinnen. Der geistige Jordan Fluss fliesst zwischen beiden.
Derjenige der durch alle Zeiten bis an das Ende aller Zeiten mit uns geht, der einst den Wassern des physischen Jordan Flusses, von Johannes getauft entstieg, er tauft heute diejenigen aus dem Geiste, die immer wieder auf`s neue in  in den geistigen Jordan Fluss steigen und am Du sich ihres Werdens erinnernd, vom Friedensgeist durchsonnt, besonnen weitere Wege ihres Werdens zielstrebig und guten Mutes verfolgen.

Johanni - das grosse Fest der sozialen Erneuerung aus dem Geiste der Metanoia!

Bernhard Albrecht