Seit bald 40 Jahren begleitet mich innerlich das Bild eines Holzschnitts (des anthroposophischen Malers Gerhard Reisch), das den Erzengel Michael mit seinem Schwert darstellt, wie er dieses sein Schwert mit der Spitze gegen den Boden gekehrt in einer einzigartigen Aufrechte an seiner Seite tragend von einem Hügel der Zerstörung in eine völlig zerstörte Landschaft hinein schaut.
Ich habe dieses Bild im Laufe der Jahre immer und immer wieder betrachtet, bis mir eines schönen Tages klar wurde, dass dieses Schwert leise auf eine vom Betrachter her zu vollziehende innere Umkehr seiner Kräfte weist.
Das Schwert, das die Zerstörung wie in sich hereinnimmt und in der Gegenbewegung eine heilende Präsenz kraftvoll abstrahlt und der Erzengel Michael Helfer im Vollzug einer derartigen Kräfteumkehr in jedem Betrachter, der durch das Bild an diese Erfahrung herangeführt wird.
Ich überlasse es dem Leser dieser Zeilen sich aus meinen wenigen Andeutungen über das Bild sich dieses imaginativ selber aufzubauen und im Hinschauen auf das Schwert seiner eigenen inneren Präsenz jene heilende Präsenz-Strahlung einzuarbeiten, die in meinen Augen heute zeitnotwendig ist.
Es liegt nur wenige Tage zurück, dass ich mit dem Einsatzleiter eines Rotkreuz Hilfsteams nach seiner Rückkehr von den Kriegsfronten in den Ruhestand hier sprechen durfte, der mir von seinen Einsätzen in Syrien, im Irak, Afghanistan und in Afrika erzählte und dabei von Erlebnissen und menschlichen Hintergründen berichtete, die noch weit schrecklicher waren, als wir sie über das Fernsehen kurzzeitig zu Gesicht bekommen, um sie meist allzu schnell wieder ins Vergessen abzuschieben. Während seines zweistündigen Berichts kehrte er immer wieder einmal für einige Augenblicke still wie in sich zurück, um dann, mich aus seinen klaren blauen Augen anschauend, in seinem Bericht fortzufahren. Ein Mann, der viele Male zwischen den Fronten unvorhersehbarem Geschütz- und Granaten Explosionen ausgesetzt, dem Tod immer wieder Aug in Auge begegnet war, markant in seinen Gesichtszügen und … einem ungebrochen offenen Herzen.
Bernhard Albrecht
Wen hast Du innerlich vor Augen, wenn Du zu einem Du sprichst? Wo liegt der innere Schwerpunkt Deiner blickenden Aufmerksamkeit im Augenblick, da Du dies tust? Wenn Du Dich auf diesen Augenblick einlassen kannst, wirst Du Dir innerlich vergegenwärtigen können, dass Du nichts über Dein jeweiliges Gegenüber erfahren kannst, solange Du Dir in solchen Momenten in erster Linie nicht selber bereit bist innerlich zu begegnen. Am Du erwacht Dein Ich. Was wirst Du also tun?
Donnerstag, 22. September 2016
Dienstag, 20. September 2016
Ein- und Aussicht des Alterns
Ist es wirklich so, dass „der im Mauerwerk der Begriffe fast unsichtbare Eingang ins Innere des Turms des Denkens … geschlossen (ist)?“
Unsichtbar ist dieser Eingang gewiss, denn ansonsten gäbe es für den zur Freiheit unterwegs seienden Menschen nicht die Möglichkeit ihn im eigenen Inneren aufzufinden, ihn mit dem Hineinwachsen in die eigene Freiheitsfähigkeit der eigenen Reife gemäss nach und nach in die Weite hinein öffnen zu können. Demnach lässt also erst ein gewisses Mass an Freiheitsfähigkeit oder mit anderen Worten auch erst dem reiferen Alter möglichen heiteren Gelassenheit diesen Eingang voll umfänglich sichtbar werden.
Und … entschliesse ich mich den Turm durch diese je ganz individuelle Pforte dann auch zu betreten oder lässt mich mein Geschick manchmal auch erst später bemerken, wie ich immer wieder schon ein gutes Stück die Aufwärtsspirale im Treppengang dieses Turms hinaufgestiegen bin, was dann?
Unsichtbar ist dieser Eingang gewiss, denn ansonsten gäbe es für den zur Freiheit unterwegs seienden Menschen nicht die Möglichkeit ihn im eigenen Inneren aufzufinden, ihn mit dem Hineinwachsen in die eigene Freiheitsfähigkeit der eigenen Reife gemäss nach und nach in die Weite hinein öffnen zu können. Demnach lässt also erst ein gewisses Mass an Freiheitsfähigkeit oder mit anderen Worten auch erst dem reiferen Alter möglichen heiteren Gelassenheit diesen Eingang voll umfänglich sichtbar werden.
Und … entschliesse ich mich den Turm durch diese je ganz individuelle Pforte dann auch zu betreten oder lässt mich mein Geschick manchmal auch erst später bemerken, wie ich immer wieder schon ein gutes Stück die Aufwärtsspirale im Treppengang dieses Turms hinaufgestiegen bin, was dann?
Aus meinem Erfahren tönt mir im inneren Aufgang dieses Turms nämlich ein „Erinnere Dich“ entgegen und das so laut, dass es mich zu Beginn meiner Aufstiegsbemühungen immer wieder wie vor den Eingang des Turms zurückdrängt und mich erst vor der Pforte wieder aus dem Traum meiner Selbstbefangenheit aufwachen lässt, im scheinbaren Anblick der geschlossenen Pforte. Die Tür aber erscheint mir nur solange geschlossen bis ich mich darauf besinnen kann, dass in meinen zahlreichen Menschenbegegnungen es nicht in erster Linie darauf ankam, dass der oder die anderen Menschen mich in meinem Sagen, bzw., tieferen Bestreben verstanden, sondern dass sie mir über so manche Schroffheiten, um nicht zu sagen Feindseligkeiten hinweg nur dazu bestimmt waren, dass ich lernte mich selber besser verstehen zu können.
Bin ich in meinem inneren Erfahren im Aufstieg durch den “Turm des Denkens“ an diesen Punkt gelangt, dann geht das „Erinnere Dich“ in ein „Besinne Dich“ über, dahingehend, dass ich eine ganze Reihe mehr Freunde hatte und unscheinbar habe, als ich bisher annahm. Und dass ich, soweit ich lernte mich daran zu erinnern, wer ich bin, also meinem Ich leise zum Leuchten i n der Dunkelheit verhalf, ich für weit weniger „ungelöste Beziehungen“ verantwortlich bin, als mir das der Irrwitz meiner Selbstbefangenheit bis an mein Lebensende da und dort weiter vorgaukeln mag.
Ob der oder die anderen Menschen an meinem Lebensweg ihrerseits zu diesem „Erinnere Dich“ gelangen, dafür trage ich nicht die Verantwortung.
Rudolf Steiner hat dieses „Erinnere Dich“ und das sich unmittelbar daran anschliessende „Besinne Dich“ in seinem Grundstein-Spruch niedergelegt. Er hat damit in meinen Augen den Keim einer gänzlich neuen Sozialordnung hinterlassen.
Lieber Jostein Saether, ich grüsse Sie aus der weiten Peripherie von Herzen,
Bernhard Albrecht Hartmann
Montag, 25. Juli 2016
Einige Anmerkungen zu Thomas Nagel: "Der Blick von Nirgendwo"
Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel veröffentlichte eine seiner wissenschaftlichen Arbeiten unter dem Titel: "Der Blick von Nirgendwo." Versuche ich mich dieser Aussage anzunähern, so werde ich sogleich vor ein Dilemma gestellt. Ist es möglich von Nirgendwo auf ein Etwas zu blicken? Der vermeintlich gesunde Menschenverstand wird auf ein derartiges Ansinnen antworten, dass dies nicht möglich sei und zwar mit der bündigen Bemerkung, ich weiss doch wo ich stehe, wenn ich auf ein Etwas blicke und tue dies nicht aus einem Nirgendwo heraus. Welcher Widersinn also von einem Nirgendwo aus etwas sehen zu wollen.
Und doch unternimmt Thomas Nagel mit höchst differenzierten Argumenten den Versuch dieses Nirgendwo ausfindig zu machen. Oder: Schiebt er dieses Nirgendwo etwa, indem er sich unter verschiedenen Perspektiven immer wieder um die Begriffe objektiv und subjektiv herum bewegt, um den Geltungszusammenhang, bzw. ihre Bedeutung jeweils voneinander abzugrenzen, durch viele Ungewissheiten letztlich nur vor sich her? Aus der Sichtweise des gesunden Menschenverstandes heraus betrachtet, bewegt er sich damit allerdings in abstrakten Räumen und nicht in jener landläufig gleichsam wie selbstverständlich beanspruchten praktischen Lebensnähe des Grossteil der Menschen.
So wie aber der "Blick von Nirgendwo," den Thomas Nagel in einer Art Leitgedanken seinen Überlegungen voranstellt, als reale Möglichkeit in Frage gestellt werden kann, so kann ich auch das, was der gesunde Menschenverstand als "praktische Lebensnähe" für sich beansprucht, in Frage stellen. Welche Art "Leben" beinhaltet diese sogenannte praktische Lebensnähe eigentlich in der Essenz?
Für mich stellt sich daran anknüpfend nämlich die weitere Frage: Gäbe es unter den Menschen ein oft so beklemmendes Jagen nach immer noch mehr materiellem Wohlstand, wenn im allgemeinen Bewusstsein ein tiefer gegründetes Verständnis von dem vorhanden wäre, was Leben ist? Und darin eingeschlossen: Haben wir etwa die Erfahrung von dem was Leben seiner Essenz nach ist im Zuge des Dualismus unmerklich irgendwie im Nirgendwo verloren? Trifft Thomas Nagel mit seiner Grundfrage also doch den Nerv der Zeit? Schickt er uns mit seinem "Blick von Nirgendwo" etwa gar auf eine existentiell an die Wurzel reichende Reise einer inneren Umkehr allen unseren Verstehens?
Thomas Nagel geht es in seinem unnachgiebigen Fragen um eine engagiert kritische Unmittelbarkeit und damit um die innere Lebensnähe in Bezug auf das mit dem er fragenden Umgang pflegt. Er untersucht mit prüfendem Auge wissenschaftliche Positionen, die genauer besehen nicht weniger Einfluss auf das Leben haben, wie irgendwelche Belange des praktischen Alltags. Er warnt vor einem Überschätzen, bzw. Unterschätzen der Begriffe subjektiv und objektiv und ihres Bedeuten im Verwenden derselben. Er bewegt sich virulent durch verschiedene wissenschaftlich perspektivische Anschauungsweisen hindurch. Er geht nahe und in meinen Augen sehr mutig an Grenzen heran, die sich allenthalben zwischen den Zeilen zeigen, wo er seine Anschauung in Bezug auf Probleme der Verwendung dieser Begriffe aufzuweisen sucht.
Was er aber nicht tut ist, jenseits der Abstraktion die Quelle einer im Denken möglicherweise vorhandenen Kraft beobachtend zu erschliessen, was nach Rudolf Steiner heissen würde in die seelische Beobachtung derselben einzutreten. Er verweist auf nicht wenige Punkte des Nichtwissens im wissenschaftlichen Diskurs um eine Klärung des Wirkzusammenhanges der Begriffe subjektiv und objektiv. Er spricht sein eigenes Nichtwissen im echt sokratischen Sinne an, hält sich aber bedeckt in einem abstrakten Frage-Verständnis, also in einem letztlich allein inhaltsbezogenen Begreifen von Wirklichkeitsbezügen.
Diesen abstrakten Verständigungsraum zu durchbrechen, in inneren Kraftbewegungen das Erfahren von Freiheitsprozessen zu erschliessen, das ist in meinen Augen das zutiefst innere Anliegen Rudolf Steiners in seinem Voranschreiten auf seinem monistisch ausgerichteten Weg in der und durch die Philosophie der Freiheit. Nach heutigem Verständnis wäre das der Weg der Überwindung des Dualismus aus dem langsam wachsenden Erfahren des Nondualen im Denken (des Elements des Ursprungs im Denken(1)). Die Möglichkeit zum inneren prozesshaften Erfahren des Nondualen setzt jedoch, wie Thomas Nagel aufzeigt, die Auseinandersetzung mit den Sperrriegeln eigener Vorstellungsbildungen in Bezug auf das was Wirklichkeit vermeintlich ist notwendig voraus.
"Der Blick von Nirgendwo." Wenn auch der gesunde Menschenverstand die Möglichkeit eines "Blick von Nirgendwo" als in sich widersinnig betrachtet, so frage ich dennoch, ist er das wirklich? Beobachten wir Kinder, vornehmlich in ihrem ersten Lebensjahr, so können wir durchaus immer wieder von einem leisen Erfahren wie berührt werden, dass diese noch gar nicht über einen in sich fest verankerten Blick verfügen, wenn sie auf ihre je eigene Weise in die Welt hinaus schauen. Sie erwecken den Eindruck, als ob sie in ihrem Welt-Begegnen, ihrem Wahrnehmen sich in einem gleichsam flüssigen Medium bewegten, ohne feste Haltepunkte. Erinnert das nicht an Heraklit, nach dessen Aussage es nicht möglich ist zweimal in den gleichen Fluss zu steigen? Kinder sind in diesem Alter im Fluss, sie besteigen ihn nicht immer wieder neu, sie leben fortlaufend in der Unmittelbarkeit des Augenblicks. Der Erwachsene hingegen scheint zunächst weit davon entfernt zu sein sich so fliessend(2) zwischen den Dingen, die er zu ergründen sucht, bewegen zu können. Von überall her strecken sich ihm Haltestangen eines Vor-Verstehens entgegen, auch wenn er die Zusammenhänge diesbezüglich zunächst nicht zu durchschauen weiss. Es ist dies die Folge seiner Erziehung und Bildung zu einem dualen Wirklichkeitsverständnis.
"Der Blick von Nirgendwo" - in einer über Thomas Nagel hinaus gehenden Weise -, als einer nondual dynamischen Ich-Präsenz kann sich aus meiner Sicht einem Menschen dann eröffnen, wenn er beherzigt, was Rudolf Steiner mit dem Bild der Feuerprobe in seinem Buch: "Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten" anspricht. Sagt er dort doch eindringlich, dass alle Vorstellungen von Menschen, die Geist-Berührung zu erfahren sich anschicken, verbrannt werden müssen. Und das was damit bewirkt werden kann, das hat in seinen Augen offenbar eine so weitreichende Bedeutung, dass er gegen Ende seines Lebens darauf noch einmal in gesteigerter Form zurückkommt. Angesichts der Neubegründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft spricht er nämlich in einer Weise über den neu zu bildenden Grundstock dieser Gesellschaft, der eine innere Umkehr menschlicher Haltungen in vieler Hinsicht mehr als nahe legt. Der Modus, "die subjektive Perspektive einer einzelnen und besonderen Person in der Welt" zu vermitteln "mit einer objektiven Auffassung von eben dieser Welt"(2) und diesem Menschen wird zur beständigen Herausforderung eines zu lebenden Respekts. Der andere Mensch ist nicht das, was ich subjektiv über ihn denke. Prüfe ich meine Haltung hier nicht fortlaufend, beginnt Karma zu walten. Wenn sich ein gegenwartsfähiger Grundstock einer solchen Gesellschaft also bilden will, dann wohl nur über ein sich Befähigen Vorstellungen zu verbrennen und der Bereitschaft in einer dynamischen Beziehung des Herzens über Klüfte hinweg auf Mitmensch und Welt in stetig zu erneuerndem Interesse zuzugehen.
Nehme ich die leise Aufforderung Rudolf Steiners an Menschen, die gewillt sind seinen Worten zu lauschen, wirklich ernst, so führt das mein daraus hervorgehendes Handeln in die Richtung, dass Anthroposophie nur Leben wird zeugen können, wenn ich in mir fortlaufend neu den Mut entfache in und um mich herum alle von mir fort und fort aufrecht erhaltenen Vorstellungen über mich, den anderen Menschen und die Welt in Brand zu stecken. Es bedeutet also einen Gang über und durch allenthalben einstürzendes Gebälk vielfältig überalterter Vorstellungsfestlegungen bzw. der eigenen Selbstillusion. Eines wird bei einem derartigen Unterfangen allerdings nicht geschehen, auch wenn es noch so sehr um mich und durch mich hindurch immer wieder neu aufflammend brennen wird, ich selbst verbrenne dabei nicht. Vielmehr kann ich erfahren, wie der "Blick von Nirgendwo" als dynamische Krafterfahrung eigener Ich-Gegenwärtigkeit sich in mir mehr und mehr verdichtet(3). Ich werde zu einem Neuland-Wanderer aus der "Kraftgestalt" eines in mir aktiv in innerer Willensumkehr erneuerten Denkens.
Mit dem von mir damit eingeführten Begriff der Kraftgestalt beziehe ich mich, so der Leser sich auf eine derartige innere Auseinandersetzung einlassen will, auf hochkomplexe individuell zu machende Erfahrungsabläufe, die im Rahmen dieses Beitrags angesichts ihrer weit reichenden Problem-Vernetzungen nicht einmal annäherungsweise erörtert werden können. So beschränke ich mich also auf ein Weniges unter vielfältig möglichen Ausgangspunkten auf diese Kraftgestalt hin. Aus einer vertieften Sicht von Descartes her betrachtet denke ich erst, insoweit ich mich dabei auf mich zu bewege und bisher mich tragende Vorstellungskonstrukte aufzulösen bereit bin. Ich entfalte mich also über ein in der Vergangenheit erschlossenes inneres Bild meines Selbst hinaus. Ich bin Ich, insoweit ich dabei Neulande betrete. Dass dies möglich sein könnte, genau damit komme ich aber an eine Hürde, die zu überspringen nach Thomas Nagel scheinbar nicht möglich ist. Er benennt das Problem so: ... dass "... unsere unmittelbare subjektive Auffassungsweise dieses Gegenstandes (unser Selbst) im jeweils eigenen Fall immer schon alles enthält, was ihm mit Notwendigkeit zukommt - wenn wir es nur aus ihr entfalten könnten. Es stellt sich dann aber heraus, dass es hier nichts zu entfalten gibt, noch nicht einmal eine Cartesianische Seele."(4) Ich merke hierzu nur an: Kann das Ich gegenständlich gedacht werden? Kommt dies, trete ich von innen dynamisch an den Rand dieser Aussage heran, nicht einem nur "abstrakten Blick" auf das Nichts gleich? Kann angesichts der heutigen Weltverhältnisse aber vor dem Nichts noch länger stehen geblieben werden, zumal die Aussage: "Der Blick von Nirgendwo," wie mir scheint, einen Gang durch das Nichts beinhaltet? Stete Vorstellungsauflösung und nachfolgende Neukonstituierung in einem inneren Fliessgeschehen? Gewiss ein mühevoller Weg zu einem dynamischen Welt-Anschauen zu gelangen, für die heutige Kulturlandschaft in meinen Augen aber ein notwendig zu beschreitender Weg.
Thomas Nagel sagt diesbezüglich: "Könnte man aufklären in welcher Beziehung die interne und die externe Perspektive" (die subjektseitig, bzw. objektseitig Perspektive in der Vorstellungsbildung) "zueinander stehen, auf welche Weise jede von ihnen so entwickelt und verändert werden kann, dass sie der anderen Rechnung trägt, und wie beide im Zusammenspiel das Denken und das Wirken jeder einzelnen Person bestimmen können, so käme dies einer Weltanschauung gleich(5)." Und Rudolf Steiner? Hat er nicht durch seinen auf vielfältige Weise beschriebenen Freiheitsweg das Tor zu einer solchen Weltanschauung geöffnet? Thomas Nagel klopft stellvertretend für viele Zeitgenossen heute an dieses Tor. Er stellt die Wurzelfragen, die Rudolf Steiner im Vorwort seiner Philosophie der Freiheit benennt, in einer neuen Weise. Ob er Rudolf Steiner gelesen hat ist dabei ohne Belang. Sein unnachgiebiges Erkenntnisstreben führt ihn eigenständig vor dieses Tor.
Die Fragen, die sich mir und vielleicht auch anderen Lesern angesichts dieser Tatsache stellen, sind: Kann es über alle Ängste der Selbstentgrenzung hinweg - das Verharren im Abstrakten -, was keineswegs nur die Wissenschaft betrifft, sondern unerkannt vielleicht(?) auch so manche spirituell ausgerichteten Verhaltensweisen, gelingen den Mut auf Neulande hin wirksam zum Tragen zu bringen? Kann im Verbrennen der jeweils eigenen Vorstellungseinschränkungen der innere Blick auf das hin sich öffnen, was Wirklichkeit in der Geist-Berührung ist? Und können dadurch für ein erneuertes Welt-Anschauen sich die Augen öffnen? Ist es möglich über die Schutthaufen abgelebter Vorstellungen hinweg - in innerer Umkehr (6) - ein tiefer dynamisiertes Denken zu entwickeln, das dem wissenschaftlichem Denken über Abstraktionen hinaus ein Geist-Anschauen nach und nach erschliesst? Und wird im Verbund mit diesem Geschehen ein Anschauen von dem, was Leben in seiner Tiefe sein kann, sich bilden?
Thomas Nagel bezeichnet das mit seinen Worten nüchtern so: "Philosophie (und Wissenschaft?) darf keinesfalls zu ermässigten Ansprüchen ihre Zuflucht nehmen (7)." Sie fusst auf der steten Weiterentwicklung "ihrer eigenen unterentwickelten Fähigkeiten (8)" und was not tut, so ich in der unweigerlichen Kollision einander widerstreitender Perspektiven auf das "Absurde" stosse, "ist der Wille, es mit ihm aufzunehmen (9)," den fremden Vorstellungskonstrukten ins Auge zu schauen und angesichts eigener nicht hinterfragter Vorstellungsgebilde diesen in Projektionen nach aussen hin nicht auszuweichen, um die möglicherweise notwendige innere Umkehr so zu umgehen.
Bernhard Albrecht Hartmann 25.07.2016
(1) siehe: https://ich-quelle.blogspot.com/2014_11_11_archive.html
(2) Seite 11, Abs.1 in: Thomas Nagel, "Der Blick von Nirgendwo," Suhrkamp TB 2012
(3) siehe: https://ich-quelle.blogspot.com/2015/04/ich_21.html
(4) Seite 64: Kapitel III/2, Das Ich als privater Gegenstand in: Thomas Nagel, dito
(5) Seite 11, Abs. 3, Vorrede in: Thomas Nagel, dito
(6) https://ich-quelle.blogspot.com/2015/07/von-der-inneren-umkehr.html
(7) Seite 22, Absatz 27, Vorrede in: Thomas Nagel, dito
(7) Seite 22, Absatz 27, Vorrede in: Thomas Nagel, dito
(8) Seite 23, Absatz 28 dito
(9) Seite 24, Absatz 29 dito
(9) Seite 24, Absatz 29 dito
Mittwoch, 30. März 2016
Kommentar Dialog im Nachgang zu meinem vorausgehenden Blog Beitrag
https://egoistenblog.blogspot.ch/2016/03/sich-mit-den-keimenden-kraften.html?showComment=1459269726254#c4057380707929952557
Michael Eggert Montag, 28. März 2016 um 22:26:00 MESZ
Michael Eggert Montag, 28. März 2016 um 22:26:00 MESZ
„Vielen Dank für die Hinweise! Ich denke, die spezifischen Verschärfungen der Auseinandersetzungen in spirituellen Gemeinschaften hat Steiner in seinen "Briefe an die Mitglieder" umfassend erklärt. Durch Anonymität im Netz, Neo- Guruismus und Rudelbildung bedingt, verstärken sich einerseits diese Probleme. Andererseits gibt es eine Menge Menschen, die an all dem längst gelernt haben, selbständig und konstruktiv arbeiten- vor allem auch uneitel. Solche Begegnungen sind immer sehr erfreulich. Im übrigen denke ich, dass Auseinandersetzungen nicht ausbleiben und auch nicht "aus spirituellen Gründen" vermieden werden sollten. Wie weit man sich hinein verwickeln lässt, ist eine andere Frage. Ein reflexhaftes Reagieren ist meist ebenso dumm wie Friedens- Bullshit- Gerede, das die Konflikte nur vernebelt. Strategisches Fechten aber- warum nicht?“
Bernhard Albrecht Dienstag, 29. März 2016 um 18:42:00 MESZ
Ich schätze Klarheit in der eigenen denkenden Blickweise. Deshalb beginne ich mit meiner Antwort vom Ende Deiner Antwort an mich.
„Strategisches Fechten aber - warum nicht?“
Nun Michael, ich kann wohl schlecht von der Notwendigkeit „einer weitaus grösseren Anstrengung zu sachlichem Umgang untereinander“ sprechen, wenn ich meinerseits mir hier nicht die jeweils grösstmögliche Anstrengung selber abverlange und mich gegen innere seelische Aufwallungen sorgsam abgrenze. Strategisch innerhalb sozialer Entwicklungsprozesse zu taktieren oder zu fechten setzt unterschwellig nur destruktive Kräfte frei, bzw. macht die Wände dünn durch die sie einbrechen können. Auf dem Boden aber einer sachlichen Zurückhaltung kann ich meinerseits dazu beitragen, dass sich ein „lebendiger“ dynamischer Freiraum bilden kann in dem Einander Widerstreitendes von sich aus mit sich in einen inneren Dialog einzutreten vermag, der ein keimhaft selbstkorrigierendes Umorientieren ermöglicht. Zurückhaltung als non-verbaler Ausdruck von Wertschätzung, in „aktiv“ innerer Teilhabe (Zeugenschaft) ohne sich „persönlich“ involvieren zu lassen und ohne eine implantierte eigene Erwartung. Eben durch und durch … seelischer Beobachter.
Natürlich kann und darf ich mich gegebenenfalls auch nicht um Auseinandersetzungen herumschleichen, ein Konvolut spirituell eingefärbter Schleier vor mir her tragend. Die Frage ist nur, ob solche Auseinandersetzungen in einem Begegnungsraum oder in einem dualistisch aufgeheizten Streitraum stattfinden. Von welchem Raum aus hat ein Freies Geistesleben wohl die grössere Chance ins Leben kommen zu können?
Die Toleranz Tänzchen, die bei spirituellen Veranstaltungen um eines übergreifenden Zusammengehörigkeitsgefühls willen nicht selten geradezu zelebriert werden, entspringen aus meiner Sicht keinem lebendigen Freiheitsverständnis. Das Schwert kann und darf gezogen werden. Nur, muss ein derartiges Unterfangen auch das Köpfen meines Gegenüber zur Folge haben? Das Schwert aus einer nondualen Haltung heraus zu ziehen ist eine hohe Kunst.
Anonymität im Netz und Rudelbildung kannst du nur mit eigener Authentizität begegnen. Diese allerdings fortlaufend immer klarer aus sich heraus zu modellieren ist mit dem Mut zu einer inneren Seefahrt zwischen Skylla und Charibdis hindurch verbunden. Wenn andere Menschen die Durchfahrt durch diese innere Meerenge vermeiden wollen und wie einst Aeneas lieber um Sizilien herum segeln, dann sollen sie das tun. Mein Weg ist das nicht.
Abschliessend noch dies, damit es bezüglich meines Verweises auf Skylla und Charibdis zu keinen Fehlinterpretationen kommt: Skylla und Charibdis sind Prozessgebärden, die sich durch die seelische Beobachtung verifizieren lassen.
Bernhard Albrecht
Michael Eggert Dienstag, 29. März 2016 um 22:36:00 MESZ
Sehr schön, auch das Bild der Meerenge- Danke!
Anonym Dienstag, 29. März 2016 um 23:17:00 MESZ
..auch von mir..
Danke!
m.butty
Montag, 28. März 2016
Sich mit keimenden Kräften anfreunden ...
Anmerkungen zu einem Beitrag von Michael Eggert auf:
http://egoistenblog.blogspot.ch/2016/03/sich-mit-den-keimenden-kraften.html
http://egoistenblog.blogspot.ch/2016/03/guru-steiner-das-kuckucksheim-fur.html
Bernhard Albrecht
http://egoistenblog.blogspot.ch/2016/03/sich-mit-den-keimenden-kraften.html
Die Passage, die Michael Butty in seinem Kommentar zu Deinem Beitrag hervorhebt … Ich will sie der Anknüpfung halber noch um die unmittelbar nachfolgende Passage ergänzen.
„Die Keimkräfte gedeihen nicht, ohne dass im schlichten Schweigen die selbstbezogenen Schalen beiseite gelegt sind, die bislang Identität, innere seelische Strukturen und biografischen Kontext fixierten. Die Selbsterfahrung in reiner keimender Bewusstheit ist derart kraftvoll,“
(von hier ab erlaube ich mir Deinen Text in einer mir wesentlich erscheinenden Nuance ergänzend zu verändern)
dass ich sie in mir zwar beobachten kann, dass ich diese Kräfte aber nicht so einfach in der Lage bin sie nach dieser oder jener Seite hin auszuloten; ich kann sie in ihrer … Kraft - als Licht, als Dynamik oder in einer grossen Imagination - zwar erfahren, aber als dieser Mensch, der ich bin, nur in kleinen Dosen ertragen und gestaltend umsetzen.
Warum ist ein derartiges Unterfangen so schwierig? Weil es aus meiner Erfahrung heraus einfach „alleine“ nicht geht. Ich sehe mich gefordert zu lernen gerade die Menschen um mich herum wertzuschätzen, als meine Helfer anzuschauen, mit denen ich, salopp gesagt, es auf ein Erstes hin gar nicht kann, bzw. ich es sehr schwer habe einen Umgang auch nur ansatzweise zu finden. Diese Menschen sind nämlich, wie ansonsten wenige andere Menschen, in der Lage mein Unbewusstes im Spiegel ihres Denkens in einer Weise aufzubrechen, dass ich von daher meinerseits in seelischen Beobachtungen in die Gänge komme und festgefahrene eigene seelische Strukturen im stillen Anschauen umgestalte. Wer mir auf die Füsse tritt, der verdient aus meiner Sicht Beachtung nicht nur nebenbei, weil er mir Merkzeichen setzt, wie ich Karma zum Wahrhaftigen hin umgestalten kann. …
Ein fremdes Denken bekämpfen, es von oben herab abschätzig zu betrachten oder gar widerlegen zu wollen ist also in sich widersinnig, weil kontraproduktiv zu jeder sich entwickelnd wollenden Freiheitsbestrebung. Abgrenzung macht nur Sinn eigenen inneren Aufwallungen gegenüber. Alles andere wirkt genauer besehen nicht selten kränkend in Bezug auf den anderen Menschen oder provoziert den Dissens und kann demgemäss aus einer Gefühlslage heraus nicht verstanden worden zu sein diesen nur anstacheln zu weiteren, immer mehr ausufernden Attacken.
In menschlichen Zusammenhängen, innerhalb derer „Geisteswissenschaft“ aus den verschiedensten Zusammenhängen und Hintergründen heraus zu einem Interesse wird, bedarf es aus meiner mittlerweile langjährigen Erfahrung einer weitaus grösseren Anstrengung zu sachlichem Umgang untereinander, als in sozusagen klassischen wissenschaftlichen Diskurs Abläufen. Hier kann das abstrakte Denken eine gewisse abfedernde Schutzfunktion ausüben, wo andererseits keimende Bewusstseinskräfte viel stärker sich der Gefahr aussetzen unmittelbar in die Abgründe chaotischer Kräftewirkungen hinein gezogen zu werden.
Sobald ich es wage das Visier meines Gedankenhelms auch nur leicht anzuheben, also meine Vorstellungsschablonen hintenanstelle und in meiner inneren Ausrichtung von meinem jeweiligen Gegenüber her keimhaft versuche zu denken, mache ich mich verletzlich. Ich öffne damit aber zugleich den Weg zu einer Freiheit, die mehr als ein Wortspiel ist. Ich eröffne für den anderen Menschen, wie gleicherweise für mich, die Möglichkeit eine innere Wesensumkehr von der Ego-Perspektive hinein in eine nonduale Ich-Dynamik langsam vollziehen zu können.
http://egoistenblog.blogspot.ch/2016/03/guru-steiner-das-kuckucksheim-fur.html
Dieser Link hier bedarf vor dem oben Gesagten eigentlich keiner weiteren Erläuterung im Einzelnen. Er enthält viel, viele denkbare Ansätze und auch innere Herausforderungen, um knospend Keimendes in seelischen Beobachtungen in sich zu veranlagen und Prozesse dieser Art still zu pflegen, hin zu mehr innerem Wachstum von in die Tiefe gehender Überschau. Zeugenschaft erscheint mir wirkkräftig erst dort präsent zu werden, wo die Konsequenz eigener Umwandlung in inter-subjektiven Prozessen ohne wenn und aber schmerzlich angenommen und fortlaufend neu erfahren wird. Verdikte offen oder verdeckt, in der einen oder anderen Weise über wen auch immer auszuschütten sind letztlich nicht zielführend.
Um einen Begriff von Michael Butty aufzugreifen, der „Eiter“ der Strasse kann mich selbst aus unscheinbaren Ritzen in kommunikativen Interaktionen anfallen. Und wenn er mich anfällt, dann verweist dieser Umstand aus meiner Sicht nur auf schwärende Wunden, die ich, bisher vielleicht unerkannt, mit mir herum getragen habe.
Abschliessend noch einige Anmerkungen zu der mir sehr bedeutsam erscheinenden Frage, ob einem Eingeweihten widersprochen werden dürfe.
Ich kann einem Nobelpreisträger der Physik widersprechen, wenn ich mir das wissenschaftsmethodische Instrumentarium für eine durchgehend sachliche Argumentation innerhalb eines allfälligen Widerspruchs erarbeitet und darüber hinaus dieses auch verinnerlicht habe. Ich kann einem Eingeweihten widersprechen, wenn ich mich über ein sich Anfreunden mit einem keimenden Bewusstsein hinaus, wie es Michael Eggert in seinem Blog Beitrag in schöner Weise ausgebreitet hat, zu einem forschenden Bewusstsein auf dieser Grundlage aufrichten habe können. Da es meiner Kenntnis nach heute keinen Personenkreis gibt, der beratende Hilfe und Begleitung für Menschen gewährt, die einen inneren Entwicklungsweg zu geistigem Forschen gehen wollen, fällt die Selbstverantwortung nur um so schwerer ins Gewicht.
Für die Diskursfähigkeit einer „Geisteswissenschaft“ mit der klassischen Wissenschaft ist in meinen Augen hier Bewegung dringend geboten.
Frohe Ostern,
Bernhard Albrecht
Montag, 8. Februar 2016
Ein Koan
Zum innerlich prüfenden Nachgehen des Denkens in der Erfahrung:
Das Denken ist eine Ich - Erfahrung oder es ist kein Denken.
Bernhard Albrecht
Montag, 11. Januar 2016
Eine Antwort auf ...
"Entschuldigt,
ich noch einmal. Ich weiß nicht mal ob überhaupt noch jemand diesen Blog liest, da ich ja wirklich nur noch sporadisch hier aktiv bin.
Vor allem dann, wenn es wieder sehr dunkel wird und ich nicht weiß wohin oder an wen ich mich wenden könnte. Ich weiß auch nicht, wieso mich diese Schatten der Vergangenheit immer wieder einholen doch ich spüre sie wieder stärker werden in mir. Und ich bin alleine damit und ich weiß nicht, wie zur Hölle ich damit umgehen soll. Ich traue mich kaum, überhaupt daran zu denken, dass es wahr sein könnte was mir zwischenzeitlich vor die Augen gemalt wird. Ich könnte es nicht aussprechen. Aber es ist wieder da und es fühlt sich nicht so an als könnte ich es wieder in den Nebel scheuchen und ich drehe mich im Kreis und will weglaufen, doch das Licht ist schneller als ich und Schatten schneiden mir mit ihren eiskalten Fingern die Haut auf und lassen blutrote Erinnerungen in meinen Kopf fließen."
Auch wenn es so scheint, Du bist nicht alleine. Still verfolge ich Deinen Blog und Dein Schreiben darin immer wieder. Trotz vieler Aufgaben rund herum ist mir das wichtig.
Du bist auch nicht alleine in dem, was Du innerlich erlebst. So wie Dir ergeht es nicht wenigen anderen Menschen, jungen, wie Dir mit Deinen 20 Jahren und ebenso älteren Menschen mit 40 Jahren oder noch älter. Sie stehen nicht anders als Du in einem inneren Bewusstseinswandel darinnen und der fordert allen viel ab. Gewohnheiten die Welt in Dir oder um Dich herum, bzw. das was Du für die Wirklichkeit hältst zu betrachten, lassen sich eben nicht so ohne weiteres verändern. Solcherlei Unterfangen tut weh, muss weh tun, denn inneres Wachstum geht immer aus Schmerzen hervor, die Dich da oder dort auch schon einmal an die Grenzen des Wahnsinns heranführen können, wenn Dein Anhaften an alten Lebensbezügen hintergründig zu sehr mit Angst durchsetzt ist.
Diese Angst, die sich in vielfältigen schattenhaften Gedankengespinsten, in kaleidaskopartigen Vorstellungskarusellen zum Ausdruck bringt, hindert Dich ganz Deiner ureigenen Kraft vertrauen zu können. Deine wirkliche Kraft aber liegt in Deinen inneren Lichterfahrungen geborgen, die Du, wenn Du es vom Herzen her wirklich willst, als Quelle Deines weiteren Denkens und Handelns in Dir zentrieren kannst.
Denken hat etwas mit aktiver innerer Bewegung und mit Licht zu tun. Und damit verweise ich nicht auf gegenwärtige Erscheinungen innerhalb der Esotherikszene, sondern auf Aristoteles, der das schon wusste und verborgen seiner Philosophie zugrunde legte. Lerne im Bewusstsein der Denkbewegungen zu denken, im Bewusstsein der Kräfte, mit denen Du Deine Gedanken bildest, wie diese Gedanken Dich, sie fortlaufend umzubilden und zu erneuern, also innerlich nicht stehen zu bleiben, leise ermahnen.
Wie? Durch Schatten Bedrängnisse und Illusionen, die aus Nebelverwehungen heraus ihr gespensterhaftes Unwesen mit Dir treiben. Du aber flüchtest vor diesen Erscheinungen, anstatt sie still anzuschauen, denn dann können sie Dich nicht weiter bedrängen ... und die Grundbotschaft in all ihren Annäherungen zu verstehen, die da heisst: Wir schleifen Dich solange, bis Du Deine ureigene Lichtkraft in Dir zu entdecken bereit bist und auch Willens sie anzunehmen.
Dass das Licht schneller ist als die Schattenwelt, das weist Du schon, dass Du selber aber auch genau so schnell in Deinen inneren Bewegungen sein kannst wie das Licht, diese Erfahrung zu machen ist für Dich noch offen.
Vielleicht kann das Deinen Fragen ein wenig auf die Sprünge helfen. Wenn sich in Deinem Leben Nachsinnen weitere Fragen einstellen sollten, dann warte nicht und verkrieche Dich in Deinen Schattenwelten, sondern stelle Deine Fragen, so wie sie Dir über die Lippen springen, unverblümt. Ich werde Dir antworten, wenn vielleicht auch nicht immer unmittelbar.
baH, 11.01.2016
Samstag, 26. Dezember 2015
Ein Spaziergang mit dem Ego, Ich und Du im Denken
Für N., welche die Fragen zum Thema dieser Ausführungen gestellt hat und alle die auf dem Weg sind, sich mit mir aus gewissen lieb gewordenen und daher mitunter zu wenig hinterfragten Vorstellungen zu befreien.
Den eventuell philosophisch vor gebildeten Lesern will ich an dieser Stelle sagen: Wenn ihr diese Zeilen mit euren verrasterten Denkstrukturen verstehen wollt, dann schaltet diesen Monitor besser gleich ab und genehmigt euch ein Bier aus dem Kühlschrank oder sonst etwas, wonach es euch gerade gelüstet.
Hier geht es um die Bereitschaft zur inneren Beobachtung von Prozessen und das wird eine Berg- und Talfahrt mit dem „Mountainbike“ werden. Wer also Angst davor hat zu stürzen und mit dem Kopf aufschlagend die innere Orientierung momenthaft zu verlieren, der schalte seinen Computer spätestens hier ab.
Leitplanken verwöhnte Zeitgenossen, die dennoch zu neugierig sind, um hier aufzuhören mit zu lesen, ziehen sich besser warm an. Das Reich des „Nichtwissens,“ das ein jeder hier auf seine ureigene Art zu betreten wird den Mut entwickeln müssen, ist zunächst eine nicht unbedingt angenehme Erfahrung. Genauso wie es unangenehm ist, wenn sich einem innerlich der Boden urplötzlich entzieht. Und das wird geschehen.
Beobachten ohne zu Mogeln, das heisst ohne die Beobachtung zur Scheinbeobachtung zu degradieren, indem ihr sie durch die Hintertür unmerklich wieder mit Vorstellungen auffüllt, ist ein Feuerprozess. Und in diesem Feuerprozess werdet ihr, so ihr durch eure eigenen Bewusstseinstiefen diesen Weg gehen wollt, zunächst in die innere Dunkelheit, das auch bedrängende Nichtwissen abstürzen.
Diese Erfahrung kann sich mehr oder weniger stark so ausdrücken, dass ihr immer wieder alle nur denkbaren Abwehrmechanismen aufrufen werdet, um zwischen eure vertrauten Vorstellungsleitplanken zurückkehren zu können. Auch für scharfe Beobachter nach aussen hin wird die Erfahrung nicht zu umgehen sein, dass die Muskeln für das innere Beobachten zunächst schlaff durchhängen, also sich erst langsam entwickeln müssen, bevor sie tauglich werden innere Beobachtungen überhaupt machen zu können, bzw. sie auf die Reihe zu bekommen in einem Schrittweisen Verstehen und Überschauen von durch eigene Aktivität sich bildenden Beobachtungszusammenhängen im Denken.
Und damit ein grundsätzliches Missverständnis sich nicht von Anfang an einschleicht, mache ich sogleich auf diese Möglichkeit aufmerksam. Ihr folgt auf diesem Spaziergang nicht meinen Gedanken und versteht oder schüttelt verständnislos den Kopf an diesem oder jenem inneren Haltepunkt über meine Art zu denken, ihr folgt im S p i e g e l meines Denkens eurem eigenen Denken, das es gilt für euch aufzurufen. Und die erste und sehr schmerzliche Erfahrung, die sich über eine gewisse Zeit immer wieder einmal wiederholen wird, wird vielleicht für diesen oder jenen „Schein-Denkenden“ sein, dass er bisher zwar viele Gedanken gewälzt hat, aber dabei nicht wirklich dem eigenen Denken (und ich spreche von einem eigenen Denken erst dann, wenn ich die dem Denken zugrunde liegenden Denkbewegungen wenigstens anfänglich innerlich beobachtend in den Blick genommen werden können) begegnet ist.
Wenn euch also diese oder jene Kritik auf dem weiteren Weg aufstossen mag, dann … kritisiert ihr eigentlich eure Unschärfe im eigenen Beobachten. Diese Sicht ist ungewöhnlich, in diesem Zusammenhang aber einzunehmen, denn sonst wird sich keine Klarheit über das Denken heraus kristallisieren können.
Gedanken haben und Denken sind zweierlei Prozesse! Gedanken entlang einer Perlenschnur zu >zählen< ist das eine, Denken ist etwas gänzlich anderes! Die Gedanken, die ich aus meinem Denken heraus hier offen lege, sind lediglich T o r e, Wegweiser, hinein in das Reich eures Denkens. An euch ist es dem eigenen Denken an Hand einer zu entwickelnden inneren Prozess-Fokussierung, eines Beobachten nach innen, auf die Spur zu kommen.
Ich denke, hm! Ist das so?
Na klar, seit Descartes „cogito ergo sum“ kann das wohl niemand mehr so einfach bezweifeln, denn, wenn ich sagte, ich denke nicht, so würde das von Descartes her betrachtet heissen, dass ich nicht bin. „Ich“ denke nicht! Also bin „ich“ auch nicht!
Aber halten wir diesen Gedanken, selbst wenn er in den Augen so Mancher aufs Erste hin abwegig erscheinen mag, für einige weitere Betrachtungen einmal fest. Ich denke nicht, also bin ich nicht.
Wer aber denkt dann, wenn ich es nicht tue?
Ich denke doch, wenn ich diesen Gedanken hier lesend folge, oder? Nein, tue ich nicht, es sei denn, ich kann mich innerlich ganz in die Leere stellen und die Abfolge dieser Gedanken wie einen Strom in mir erlebend mir vergegenwärtigen. Mich als Teilhaber und bewegenden Hervorbringer dieser Gedanken begreifen. Und selbst dann, wenn dieses gelingen sollte, dann kann es im Anfang eines dahingehenden Vermögens geschehen, dass ich von diesem Gedankenstrom wie hinunter gezogen werde und nichts, aber auch gar nichts mehr verstehe - vorübergehend oder eine längere Zeit in nachfolgender innerer Betrachtung - was da vor meinem inneren Auge abgelaufen ist. Ich erblinde buchstäblich in meinem inneren Erleben in dem, was ich für mein Denken hielt. Und weil das zunächst kaum auszuhalten ist, mich dieser Tatsache innerlich zu stellen, treten schneller als mir das bewusst wird, Abwehrmechanismen auf den Plan, die mich >scheinbar< aus der Misere ziehen, mich von dem innerlich momenthaft erlebten Druck befreien, dass es eine Tatsache sein könnte, dass ich nicht denke, wenn ich vermeine zu denken.
Wer aber denkt dann, wenn ich es nicht tue?
Gedanken können sich wie Kraken verhalten. Sie umschlingen mich mit der ihnen eigenen Kraft und saugen sich unmerklich fest, haften sich gleichsam an meine Fersen, als ob es nichts anderes gäbe, als nur die eine Sichtweise auf die Welt und den Menschen, der gerade vor mir steht, nur diese Sichtweise und keine andere. Kennen wir das nicht alle?Und doch, wie oft geht ihr hier auch nur einen kleinen Schritt weiter und lasst am ferneren Horizont eures Bewusstseins die leise Frage zu, könnte es nicht auch ganz anders sein, als es mir gegenwärtig erscheint?
Und genau dies ist d e r Moment. Hier entscheiden wir, ob wir eigenständig denken oder es eben nicht tun, indem wir lediglich Gedanken aneinander reihen und sie je nach Bedarf mit diesem oder jenem Schleier einer uns gerade genehmen Umdeutung versehen, damit die Wirklichkeit wieder in unserem Sinne s t a b i l sich weiter vor unseren Augen so darbietet, wie wir geneigt sind sie als solche anzunehmen. Vorstellungen können wahre Aktionskünstler - Komödianten, Dramatiker und Kabarettisten in einem sein, - so willfährig betreten sie immer dann die Bühne unseres Bewusstseins, wenn es um die Sicherung ihres Überlebens geht. Kein Kotau ist ihnen zu viel, nur um uns zu gefallen. Kein Verzauberungstrank bleibt ungenutzt, der in ihrem Bemühen sich nicht als geeignet erweist das einmal mit ihnen manifest gewordene W i r k l i c h k e i t s b i l d bestätigen zu können.
Vorstellungen setzen auf unsere Trägheit uns fortwährend verändern, uns beständig neu erfinden zu wollen. Sie bauen auf unser Beharren im Ego - Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein begleitet uns bis an die Grenzen der ego-zentrierten Dualität, bis an den Tag, an dem wir gelernt haben uns furchtlos im Spiegel unseres Selbst anzuschauen. Bis zu jenem Tag, an dem wir bereit sind unsere selbstschöpferische Verantwortung anzunehmen, wir durch das T o r hindurch treten als selbsttätige Ich Wesen, die angstfrei alle Ego-Anhaftungen hinter sich lassen können.
Dies ist der Tag, an dem das Du zurücktreten kann, weil wir es, ein jeder auf seine Weise nicht mehr bekämpfen müssen, um uns in unseren Wirklichkeitsüberzeugungen zu behaupten. Uns selbst erkennend darf das Du, wie wir es selbst sein. Wir entlassen es aus dem Dienst als Sparring-Partner. Der treue Johannes in Gestalt des Du hat seine Mission erfüllt und darf sich freuen, dass der Prinz sein Gefährt hinfort selbsttätig führen kann. Dies ist auch der Tag, von dem an das Nichts keine Gewalt mehr über uns hat, denn wir sind im Jetzt angekommen, im Jetzt unserer Ich-Potentialität.
© Bernhard Albrecht Hartmann
Den eventuell philosophisch vor gebildeten Lesern will ich an dieser Stelle sagen: Wenn ihr diese Zeilen mit euren verrasterten Denkstrukturen verstehen wollt, dann schaltet diesen Monitor besser gleich ab und genehmigt euch ein Bier aus dem Kühlschrank oder sonst etwas, wonach es euch gerade gelüstet.
Hier geht es um die Bereitschaft zur inneren Beobachtung von Prozessen und das wird eine Berg- und Talfahrt mit dem „Mountainbike“ werden. Wer also Angst davor hat zu stürzen und mit dem Kopf aufschlagend die innere Orientierung momenthaft zu verlieren, der schalte seinen Computer spätestens hier ab.
Leitplanken verwöhnte Zeitgenossen, die dennoch zu neugierig sind, um hier aufzuhören mit zu lesen, ziehen sich besser warm an. Das Reich des „Nichtwissens,“ das ein jeder hier auf seine ureigene Art zu betreten wird den Mut entwickeln müssen, ist zunächst eine nicht unbedingt angenehme Erfahrung. Genauso wie es unangenehm ist, wenn sich einem innerlich der Boden urplötzlich entzieht. Und das wird geschehen.
Beobachten ohne zu Mogeln, das heisst ohne die Beobachtung zur Scheinbeobachtung zu degradieren, indem ihr sie durch die Hintertür unmerklich wieder mit Vorstellungen auffüllt, ist ein Feuerprozess. Und in diesem Feuerprozess werdet ihr, so ihr durch eure eigenen Bewusstseinstiefen diesen Weg gehen wollt, zunächst in die innere Dunkelheit, das auch bedrängende Nichtwissen abstürzen.
Diese Erfahrung kann sich mehr oder weniger stark so ausdrücken, dass ihr immer wieder alle nur denkbaren Abwehrmechanismen aufrufen werdet, um zwischen eure vertrauten Vorstellungsleitplanken zurückkehren zu können. Auch für scharfe Beobachter nach aussen hin wird die Erfahrung nicht zu umgehen sein, dass die Muskeln für das innere Beobachten zunächst schlaff durchhängen, also sich erst langsam entwickeln müssen, bevor sie tauglich werden innere Beobachtungen überhaupt machen zu können, bzw. sie auf die Reihe zu bekommen in einem Schrittweisen Verstehen und Überschauen von durch eigene Aktivität sich bildenden Beobachtungszusammenhängen im Denken.
Und damit ein grundsätzliches Missverständnis sich nicht von Anfang an einschleicht, mache ich sogleich auf diese Möglichkeit aufmerksam. Ihr folgt auf diesem Spaziergang nicht meinen Gedanken und versteht oder schüttelt verständnislos den Kopf an diesem oder jenem inneren Haltepunkt über meine Art zu denken, ihr folgt im S p i e g e l meines Denkens eurem eigenen Denken, das es gilt für euch aufzurufen. Und die erste und sehr schmerzliche Erfahrung, die sich über eine gewisse Zeit immer wieder einmal wiederholen wird, wird vielleicht für diesen oder jenen „Schein-Denkenden“ sein, dass er bisher zwar viele Gedanken gewälzt hat, aber dabei nicht wirklich dem eigenen Denken (und ich spreche von einem eigenen Denken erst dann, wenn ich die dem Denken zugrunde liegenden Denkbewegungen wenigstens anfänglich innerlich beobachtend in den Blick genommen werden können) begegnet ist.
Wenn euch also diese oder jene Kritik auf dem weiteren Weg aufstossen mag, dann … kritisiert ihr eigentlich eure Unschärfe im eigenen Beobachten. Diese Sicht ist ungewöhnlich, in diesem Zusammenhang aber einzunehmen, denn sonst wird sich keine Klarheit über das Denken heraus kristallisieren können.
Gedanken haben und Denken sind zweierlei Prozesse! Gedanken entlang einer Perlenschnur zu >zählen< ist das eine, Denken ist etwas gänzlich anderes! Die Gedanken, die ich aus meinem Denken heraus hier offen lege, sind lediglich T o r e, Wegweiser, hinein in das Reich eures Denkens. An euch ist es dem eigenen Denken an Hand einer zu entwickelnden inneren Prozess-Fokussierung, eines Beobachten nach innen, auf die Spur zu kommen.
Ich denke, hm! Ist das so?
Na klar, seit Descartes „cogito ergo sum“ kann das wohl niemand mehr so einfach bezweifeln, denn, wenn ich sagte, ich denke nicht, so würde das von Descartes her betrachtet heissen, dass ich nicht bin. „Ich“ denke nicht! Also bin „ich“ auch nicht!
Aber halten wir diesen Gedanken, selbst wenn er in den Augen so Mancher aufs Erste hin abwegig erscheinen mag, für einige weitere Betrachtungen einmal fest. Ich denke nicht, also bin ich nicht.
Wer aber denkt dann, wenn ich es nicht tue?
Ich denke doch, wenn ich diesen Gedanken hier lesend folge, oder? Nein, tue ich nicht, es sei denn, ich kann mich innerlich ganz in die Leere stellen und die Abfolge dieser Gedanken wie einen Strom in mir erlebend mir vergegenwärtigen. Mich als Teilhaber und bewegenden Hervorbringer dieser Gedanken begreifen. Und selbst dann, wenn dieses gelingen sollte, dann kann es im Anfang eines dahingehenden Vermögens geschehen, dass ich von diesem Gedankenstrom wie hinunter gezogen werde und nichts, aber auch gar nichts mehr verstehe - vorübergehend oder eine längere Zeit in nachfolgender innerer Betrachtung - was da vor meinem inneren Auge abgelaufen ist. Ich erblinde buchstäblich in meinem inneren Erleben in dem, was ich für mein Denken hielt. Und weil das zunächst kaum auszuhalten ist, mich dieser Tatsache innerlich zu stellen, treten schneller als mir das bewusst wird, Abwehrmechanismen auf den Plan, die mich >scheinbar< aus der Misere ziehen, mich von dem innerlich momenthaft erlebten Druck befreien, dass es eine Tatsache sein könnte, dass ich nicht denke, wenn ich vermeine zu denken.
Wer aber denkt dann, wenn ich es nicht tue?
Gedanken können sich wie Kraken verhalten. Sie umschlingen mich mit der ihnen eigenen Kraft und saugen sich unmerklich fest, haften sich gleichsam an meine Fersen, als ob es nichts anderes gäbe, als nur die eine Sichtweise auf die Welt und den Menschen, der gerade vor mir steht, nur diese Sichtweise und keine andere. Kennen wir das nicht alle?Und doch, wie oft geht ihr hier auch nur einen kleinen Schritt weiter und lasst am ferneren Horizont eures Bewusstseins die leise Frage zu, könnte es nicht auch ganz anders sein, als es mir gegenwärtig erscheint?
Und genau dies ist d e r Moment. Hier entscheiden wir, ob wir eigenständig denken oder es eben nicht tun, indem wir lediglich Gedanken aneinander reihen und sie je nach Bedarf mit diesem oder jenem Schleier einer uns gerade genehmen Umdeutung versehen, damit die Wirklichkeit wieder in unserem Sinne s t a b i l sich weiter vor unseren Augen so darbietet, wie wir geneigt sind sie als solche anzunehmen. Vorstellungen können wahre Aktionskünstler - Komödianten, Dramatiker und Kabarettisten in einem sein, - so willfährig betreten sie immer dann die Bühne unseres Bewusstseins, wenn es um die Sicherung ihres Überlebens geht. Kein Kotau ist ihnen zu viel, nur um uns zu gefallen. Kein Verzauberungstrank bleibt ungenutzt, der in ihrem Bemühen sich nicht als geeignet erweist das einmal mit ihnen manifest gewordene W i r k l i c h k e i t s b i l d bestätigen zu können.
Vorstellungen setzen auf unsere Trägheit uns fortwährend verändern, uns beständig neu erfinden zu wollen. Sie bauen auf unser Beharren im Ego - Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein begleitet uns bis an die Grenzen der ego-zentrierten Dualität, bis an den Tag, an dem wir gelernt haben uns furchtlos im Spiegel unseres Selbst anzuschauen. Bis zu jenem Tag, an dem wir bereit sind unsere selbstschöpferische Verantwortung anzunehmen, wir durch das T o r hindurch treten als selbsttätige Ich Wesen, die angstfrei alle Ego-Anhaftungen hinter sich lassen können.
Dies ist der Tag, an dem das Du zurücktreten kann, weil wir es, ein jeder auf seine Weise nicht mehr bekämpfen müssen, um uns in unseren Wirklichkeitsüberzeugungen zu behaupten. Uns selbst erkennend darf das Du, wie wir es selbst sein. Wir entlassen es aus dem Dienst als Sparring-Partner. Der treue Johannes in Gestalt des Du hat seine Mission erfüllt und darf sich freuen, dass der Prinz sein Gefährt hinfort selbsttätig führen kann. Dies ist auch der Tag, von dem an das Nichts keine Gewalt mehr über uns hat, denn wir sind im Jetzt angekommen, im Jetzt unserer Ich-Potentialität.
© Bernhard Albrecht Hartmann
Samstag, 5. Dezember 2015
Fragment
IS … Angst und Schrecken verbreiten diese Heckenschützen des Todes um sich und sind doch Getriebene ihrer selbst. Einem abstrakten, aller Menschlichkeit entleerten Religionsverständnis fanatisch unterworfen, suchen sie, sich selber entfremdet, mit vervielfältigter Hebelwirkung sich ins Paradies zu bomben, feiern, welch ein Widersinn, unter Drogen im Rausch des Anti - Mutes vermeintliche Siege. Und indem sie in ihrem Fanatismus die Ignoranz, die Verderbtheit und Ungläubigkeit der Mitteleuropäer im Namen Allahs glauben strafen zu dürfen begegnen sie nur ihrer eigenen dekadent, abstrakten Schattenwelt.
Doch die Brandfackel, die der IS glaubt nach Europa hereintragen zu müssen, damit alles im Sinne Allahs neu werden könne, sie bezeichnet auch die Unfähigkeit weiter Menschenkreise in Mitteleuropa sich auf die wesentliche Essenz ihrer eigenen Kulturentwicklung zurück besinnen zu können. Der zum selbst sich fort und fort entzündenden Handlungswahn mutierende Sicherheitsungeist, der niemals alle Lücken gegen diese Brandfanatiker wird schliessen können, er verschleiert nur das, um was es eigentlich geht - eine innere Umkehr aus der Kraft des Ich.
© Bernhard Albrecht Hartmann
Montag, 30. November 2015
Wenn das so einfach wäre ...
Eine nachträglich eingefügte Vorbemerkung.
Mitten im Schreiben an den nachfolgenden Ausführungen trat eine junge Frau an mich heran, die in einem inter-kulturellen geistigen Entwicklungs-Konflikt in hoch sich aufbäumende Wellen übereinander her stürzender gegensätzlicher Vorstellungswelten geraten war, die ihre physische Integrität bedrohten und noch bedrohen, wie ihre innere Welt in Katerakt Stürzen durch und durch wirbelte. Eine derartig kritische Schicksalssituation ist nicht mehr „aus überlieferten Vorstellungen“ heraus zu steuern und zu begleiten (siehe vergleichend dazu eine sinngemässe Bemerkung von Justus Wittich auf der erweiterten Klausur von Funktionären der AAG und der FHfG für eine geplante Michael - Konferenz 2016)
(Abschnitt: Geplante Michael-Konferenz 2016) Hier geht es um den Mut sich eigenen Scham-Welten stellen zu können und aus der Erfahrung daraus mit einem solchen Menschen zu sprechen, um ihn hilfreich erreichen zu können. Kurz und bündig gesagt, erübrigt sich damit die Frage: „Wie kann das weltverbundene Ich als geistige Tätigkeit in der eigenen Seele entdeckt werden?“
Denn die Erfahrung eigener Scham wird mir Quellpunkt jene Worte zu finden, aus denen heraus ein solcher Mensch in seine Ich-Aufrichte finden kann. Von daher sind die nachfolgenden Ausführungen aktueller und brisanter zu nehmen, als sie an der Oberfläche betrachtet zunächst erscheinen mögen. Dass ich, indem ich so denke mich um 180° gekehrt gegen die Auffassung von Bodo von Plato denkend bewege
(Abschnitt: Keine geführte Gruppenmeditation) ist mir klar. Mit einer Selbst- oder Fremd-Deckelung eigener Schamwelten im Hintergrund kann ich in Konfliktlagen wie der hier angesprochenen nicht aktiv tätig werden. Aus meiner Sicht ist es daher aller höchste Zeit die Mumifizierung der überlieferten einschneidenden Erfahrung Rudolf Steiners von seinem „Gestanden Haben vor dem Mysterium von Golgatha als Sondererleben durch seine Nachwelt auf ihn allein bezogen herunter zu kommen. Denn, gehe ich hier nur von meinem Erfahren aus, so zeigt sich mir nämlich, dass solche Erlebnisse mittleren bis sehr tief reichenden Grades unter jungen Menschen immer mehr Verbreitung finden. .......
Ohne die Gedankengänge von Burkhard Schildt
in Frage zu stellen, will ich im Folgenden diesen einige weitere Gedankengänge zur inneren forschenden Betrachtung im seelischen Beobachten an die Seite stellen. „Ein Bild“ … „ist jede Welt.“ Ob „des Ich,“ das will aus meiner Sicht genauer unter die Lupe genommen werden.
Versuchsweise Schritt 1: Ein Archiv-Bild, ein Archiv-Bild meiner inneren Welt ist jede Welt, die vermeintlich mir von aussen entgegen tritt, eine Ablagerung aus Seelentiefen mithin oder schlicht, meine Vorstellung, mein zurecht gezimmertes Bild von Welt.
Will ich mich versuchsweise auf diese Sicht einlassen, so bekomme ich es von allem Anfang an hier mit einem meist blitzschnell zur Seite geschobenen Widerwillen zu tun. Ist doch die Auffassung in mir von Grund auf verankert, ich hätte es mit dem Denken des Anderen zu tun, dem ich gerade zugewandt bin. Und jetzt das, ein Archiv-Bild (oder doch in weiten Teilen ein aus meinen inneren Archiven geschöpftes Bild) meiner inneren Welt ist das, was ich aus einer Äusserung des anderen Menschen „zunächst“ ablese, wenn ich denkend etwas über das Denken eines anderen Menschen zum Ausdruck bringe.
Versuchsweise Schritt 2: Bin ich bereit mich innerlich der Bestürzung, dem Wanken meines fest in mir verankerten Bildes vom Denken zu stellen, was kann sich daraus des Weiteren ergeben? Ich will hier nicht die gesamte Vielfalt aller Aspekte, die sich für eine ausforschende Untersuchung auf dem Felde des seelischen Beobachten hier anbieten können, gewissermassen nacheinander ins Auge fassen. Das zu tun wäre die Aufgabe langwieriger innerer Laborversuche, die ein jeder, dem es ein tieferes Anliegen wird, nur sukzessive an Hand der immer wiederkehrenden Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit den Denkweisen anderer Menschen wird vollziehen können. Insofern ist jeder andere Mensch eine sich anbietende neue Möglichkeit der Wirklichkeit des Denken jenseits der Verfremdungen, die es durch meine Archiv-Bild Überlagerungen beständig erfährt, näher zu treten.
Was ergibt sich also jenseits der Bestürzung, so ich durch sie mich nicht aus dem Tritt habe werfen lassen? Ich befinde mich in der Situation den Boden unter meinen Füssen zu verlieren und wehre mich dagegen … durch Beharren auf meinen Vorstellungen gegenüber anderen Menschen oder konkreter, indem ich dem Hinterfragen meines Verhältnisses zur Anthroposophie auf mehr individualisierte Tiefe hin weiter ausweiche.
Selbstkritisches Hinterfragen ist ein schmerzlicher Prozess und Menschen, die direkt oder indirekt einen derartigen Prozess anstossen, werden allzu schnell zu Gegnern in einem bestimmten Sachzusammenhang hoch stilisiert, wenn eigene gewohnte Denkweisen eruptiv erschüttert werden. Ob laut argumentierend in eine Auseinandersetzung eingreifend oder still den Kopf schüttelnd über dies oder das Gesagte. Der Boden, den ich unter meinen Füssen zu haben vermeine, er umschlingt mich, mehr als mir dies zunächst bewusst wird mit einer Vielfalt gleichsam klebriger Fangarme. Meine Vorstellungen von der Welt entfalten nämlich eine höchst differenzierte Eigendynamik. Warum? Um nicht als Illusionen von mir in Bezug auf die Welt entlarvt werden zu können.
Denn: Die Illusion als Mutter der Sicherheit stellt sich mir verschleiert immer dann in den Weg, wenn ich mich mit dem Denken eines anderen Menschen auseinander zu setzen beginne. Solange ich nämlich nicht eine besondere Achtsamkeit darauf verlege, nehme ich meist deutlich mehr Mass an meinen Vorstellungen, die ich mir (in der Vergangenheit) gebildet habe, als es mir im Augenblick des Geschehens zunächst bewusst wird. Kurz, ich setze sie in meinen Bemühungen mir das Denken eines anderen Menschen zu vergegenwärtigen, unmerklich als Marker, wenn nicht gar als fest einbetonierte Pylone in Szene.
Das Denken eines anderen Menschen unwidersprochen zunächst einmal gelten zu lassen und sich Zeit zu geben es je nach Sachlage auch über längere Zeit hinweg immer wieder unter neu eingenommenen Gesichtspunkten zu untersuchen - mit jeweils offenem Ende - diese Kunstfertigkeit, bildet sich aus meiner Erfahrung heraus sukzessive nur, wenn ich vor jedem Urteil über einen anderen Menschen zuerst einmal nachhaltig meine eigenen Vorstellungen, Vermutungen und Ängste, die im Zuge gewisser Gedankengänge von Seiten dieses anderen Menschen in mir in Erscheinung treten mögen, auf den Prüfstand stelle.
Lebendiges oder reines Denken bis in den Alltag hinein, entwickelt sich aus der Art und Weise ob und wie weit ich es gleichsam immer wieder schaffe verflüssigend auf eigene zu Tage tretende Vorstellungskomplexe Einfluss zu nehmen.
Die Märchengestalt des treuen Heinrich in dem Märchen der Gebrüder Grimm: „Der Froschkönig,“ kann sich in einer meditativen Betrachtung hier in der Weise tiefer erschliessen, dass mir klar wird, die eisernen Ringe fallen dem treuen Heinrich dann als Last ab, wenn es gelingt Vorstellungskomplexe in sozialen Interaktionen vom Herzen her aufzulösen. Gelingt das, indem ich Verantwortung ausschliesslich für mich übernehme und vorschnellen Widerspruch bändige, dann kann der „Prinz“(das Ich) in seiner Kutsche Fahrt aufnehmen, weil er die Kraft der Bewegung im eigenen Denken mehr und mehr erfährt, die ihn vorwärts trägt.
Mit dem Denken ist das also so eine Sache. Der Schein trügt. Das Erleben beständig innerlich mehr oder weniger von Gedanken umgeben zu sein gibt in meinen Augen noch keinen Aufschluss darüber zu wissen was Denken sei, geschweige denn so denken zu können, dass ich in meinen dahin gehenden Bemühungen nicht immer wieder in Illusionen hineinlaufe.
Doch wie kann ich dieser Gefahr begegnen? Vorstellungen haben es genauer betrachtet nämlich so an sich sich zu verfestigen und den einmal im Bewusstsein eingenommenen Platz von sich aus einfach so zu räumen liegt nicht in ihrem Sinne, es sei denn ich gehe immer wieder auf Neuland Wanderschaft und erweitere meine Innen- wie Ausseneinsichten und verändere meine Vorstellungen fortlaufend. Konkret gesagt: Ich bin bereit zu lernen, wie ich mir selber Feuer unter den Hintern legen kann. Etwas tiefer auseinander gefaltet, ich bin innerhalb meiner inneren, mich selbsterkundenden Höhlenwanderungen, bereit mich auf die Suche nach Brennholz zu machen. Und wo finde ich dieses (numinose) Brennholz? In meinen Vorstellungen, die letztlich nur darauf warten verbrannt zu werden!
Tue ich das nämlich von mir aus nicht regelmässig, Brennholz spalten und abfackeln, d.h. an die Stelle vielleicht vor Zeiten einmal gebildeter Vorstellungen in einem lebendigen Denkprozess beständig darauf bedacht zu sein neue zu entwickeln, ja dann geschieht das, was im Grunde ein jeder wissen könnte. Wenn abgelagertes Holz nämlich nicht in der rechten Weise belüftet oder zeitgerecht verbrannt wird, dann entzündet es sich irgendwann unerwartet von selbst und entfacht einen sozialen Netzwerkbrand.
Wie das? Muss ich das belegen? Ich denke, wer hier zur Sache gehen will, der kann in seiner eigenen Erinnerung Beispiele von Erfahrungen finden, wie er selbst schon diesen oder jenen sozialen Netzwerk-Brand durch unbedachten Umgang mit „Vorstellungsfeuerwerk“ ausgelöst oder befördert hat. Es ist also müssig sich diesbezüglich etwas vorzumachen. Was ich hier sage hat eine ganz praktische Seite, der sich ein jeder, nach innen hin forschend, wie gleichermassen nach aussen tätig, zuwenden kann. Und nebenbei noch hinzugefügt, könnten sich auf diese Weise zunehmend mehr Menschen auf den Weg begeben sich zu „Mit-Entwicklern“ zu befähigen im Hinblick auf die in meinen Augen dringend notwendige Erweiterung des gegenwärtigen Wissenschaftsverständnisses durch einen selbstkritischen Umgang mit dem eigenen Denken.
Und dieses scheint mir in einem laufenden Auseinandersetzungsprozess wechselseitig für beide Seiten, Gegner wie positive Vertreter in einer Streitfrage notwendig zu gelten. Im konkreten Falle aus meiner Sicht ganz besonders in den Auseinandersetzungen um die wissenschaftliche Edition der Grundwerke von Rudolf Steiner (SKA).
„Ein Bild“ … „ist jede Welt. Drum prüfe, wer ein Urteil fällt,“ … (was da von mir) „dem andern“ (möglicherweise)(auch posthum Rudolf Steiner)„ unterstellt“ wird, in vielleicht nicht tief genug hinterfragten eigenen Sach-Vorstellungen oder wie nebenbei übertragenen Angst - Komplexen, die dieser eine andere Mensch in mir leise (und damit für das seelische Beobachten zunächst auch zu überhören, bzw. blitzschnell beiseite gedrängt) auslösen mag, die aber für mich nur sichtbar an die Oberfläche treten, wo ich bereit bin „eigene Positionen“ mit einem langen Atem gründlich zu hinterfragen und andere Denkweisen wenigstens versuchsweise, ich wiederhole das hier mit Bedacht, ohne vorauseilenden Widerspruch, nicht nur auf diesen Menschen, sondern vielseitig vernetzt bezogen, mitzudenken.
Die seelische Beobachtung ist - ein weites, in die Tiefe reichendes Feld - das zur nachhaltigen Handhabung einen jeden Zeitgenossen immer wieder still auffordert. Individuell höchst variabel, befreit sie aus sich jene Kraft, die echten Erkundungswillen in die Erfahrung seiner Freiheit führt. Keine wie auch immer geartete Autorität, kein Anhaften an mehr oder weniger in Gewissheiten erstarrtem Geistesgut kann dies. Ich, wir, sie alle sind hier also zur Übernahme von einem Mehr an Initiative sich selber gegenüber, zu einer inneren Umkehr herausgefordert.
Nur mit Eigenverantwortung, mit einer Initiative zu nachhaltig mehr Eigentätigkeit und Selbstverantwortung kann es Entwicklung auf den Wegen eines sich weiter und tiefer entfalten wollenden „Anthropos“ geben. So sehe ich das und erzähle deshalb mit den hier niedergelegten Gedanken aus eigenem Erfahren. Vielleicht kann ich den einen oder anderen Leser damit auch ermuntern ganz in seiner Weise ein Ähnliches zu versuchen und wertschätzend dialogisch sich aus einer solchen Haltung heraus an geeigneter Stelle in soziale Netzwerke einzubringen, wo immer er dieses für sinnvoll erachten mag. Ich jedenfalls lausche dies der im unscheinbaren webenden Sprache des Zeitgeistes ab und lasse es durch meine Worte verlauten.
Doch ich möchte die oben ansatzweise aufgenommenen Gedankengänge noch etwas erweitern für ein eigenes, über meine Gedanken hinaus gehendes Sinnen und erkundendes Forschen im Felde des Denkens. Aus meiner Sicht ist nämlich das vielleicht wesentlichste Hindernisse auf ein zu entwickelndes lebendiges oder reines Denken bis in den Alltag hinein, also herunter aus einem unterschiedlich ausgerichteten Abgehoben Sein, herein in das Jetzt (ob anthroposophisch oder in wissenschaftlich Diskursen), hinein in ein fliessend gestaltetes Denken des jeweiligen Augenblicks, das Ausüben desselben als abstraktes Geschehen. Es ist gewissermassen unser Bildungserbe, dass wir damit ausschliesslich mehr oder weniger auf ein abstraktes Denken hin geschult wurden. Im abstrakten Denken haben wir aber die von innen her zu gewahrende Verbindung zur Bewegung als Kraftgestalt des Denkens verloren (R.Steiner spricht im Zusammenhang mit den Mysterien Dramen diesbezüglich verklausuliert vom Strader Mechanismus).
Selbst einem Geisteswissenschaftler nach dem heutigen Wissenschaftsverständnis entgeht bei seinen mitunter höchst differenzierten Reflexionen im allgemeinen die Verbindung derselben zu entsprechenden Bewegungen, weil er seine Ideen als ziselierte Vorstellungskonstrukte handhabt und nicht mehr wie einst Platon zu schauen vermag. Tiefer betrachtet steht er in der Abstraktion also vor einem eingefrorenen Lichtprozess, einer im intellektuellen Denken zurück gedimmten Lichterfahrung, die Aristoteles noch über die Sinne erlebend zugänglich war.
Dies denkend negativ zu besetzen wäre aber grundfalsch, denn die Abstraktion ermöglichte es dem Menschen sich als ein Selbst der Welt gegenüber stellen zu können und eröffnete ihm damit die „Möglichkeit“ zur Freiheit
Für die Auflösung der Abstraktion im Denken des heutigen Menschen, mit seinen tiefgreifenden Folgen für das Leben in sozialen Netzwerken könnte sich über die seelische Beobachtung zunehmend ein Weg eröffnen, wenn sie denn, breiter ins denkende Bewusstsein gerückt würde, wie oben aphoristisch skizziert. Für die akademische Wissenschaft könnte in der praktischen Auseinandersetzung in inneren Labor Feldversuchen am Ende eine erweiterte Phänomenologie der inneren Kraftgestalt des Denkens stehen, welche die Behauptung von Kant, vor ihm hätte es noch keine Philosophie gegeben (siehe Eckhart Förster: Die 25 Jahre der Philosophie), unter einem ganz neuen Licht zu lesen ermöglichte.
Ich breche meine Gedankengänge hier ab, weil, wie in der Vorbemerkung angedeutet, wegen praktischer Handlungsnotwendigkeiten ich auch in der nächsten Woche keine Möglichkeit sehe weitere Notizen für diesen Blog Beitrag auszuarbeiten um ihn damit abzuschliessen. Für mich hat die konkrete menschliche Begegnung Vorrang vor jeder schriftlich „erwarteten“ weiteren Ausarbeitung zu Fragekomplexen um die seelische Beobachtung herum. Ich erlaube mir deshalb diese Gedankengänge als Fragment stehen zu lassen.
© Bernhard Albrecht Hartmann
Samstag, 14. November 2015
Entfesselung
Was gestern Abend und in der Nacht in Paris geschah scheint auf den ersten Blick ein bestürzendes Geschehen zu sein, das sich an einem von unserem Lebensbereich mehr oder weniger weit abgelegenen Ort ereignete. Ist das wirklich so?
Indem wir in diesen Stunden nach Paris blicken und unserer Mitgefühl mit den unmittelbar betroffenen Menschen teilen, wie zum Beispiel mit jenem jungen Mann, der gerade einmal zwei Monate verheiratet mich innerlich zutiefst aufgewühlt heute Morgen anrief, weil er seine Frau suchte, die berufsbedingt an diesem Wochenende in Paris weilt und der mitten in unserem Telefongespräch beinahe noch mehr innerlich zusammen knickte, vor Erleichterung und Freude, als er eine SMS erhielt, indem sie ihm mitteilte, dass es ihr gut gehe - reicht an diese inneren dramatischen Erlebnisweisen unser Erleben und Mitempfinden wirklich heran? Oder werden wir letztlich doch von den sich überstürzenden Meldungen der Nachrichtenpresse mitgerissen, in Hilflosigkeit erstarrend in unsere Fernsehsessel gedrückt und „wie gebannt“ festgehalten?
Von der Politik hören wir, es sei alles zu überprüfen, unsere Sicherheitslage müsse angesichts der Ereignisse von Grund auf durchforstet werden, um sich mit den entdeckten Konsequenzen noch besser aufstellen zu können. Wer mag da schon nein sagen.
Doch ist es damit getan das Netz von Sicherheitsvorkehrungen im Aussen zu verstärken? Zielt dieser Terrorangriff über das Aussen nicht viel tiefer mitten in unserer aller Bewusstseinsräume hinein? Was heisst es von dort her sich neu aufzustellen, sich „mehr zentriert“ auszurichten auf das, was in mir geschieht und daraus zu handeln?
Habe ich, haben wir diese entfesselnden Kräfte nicht schon mehr oder weniger leise viele Male vor unserem inneren Auge wie vorbei huschend auf dem Bewusstseinsschirm gehabt? Was haben wir dann getan im Umgang mit derartigen Kräften in uns? Ich will nicht wiederholen, was ich alleine heute im Zuge der Ereignisse von Paris an Wut, Zorn und selbst überhebenden Massnahmen Empfehlungen schon zu hören bekam. Und von daher frage ich mich, kann es angehen mich in meiner Verantwortung für das, was in Paris, im nahen Osten oder sonst wo in Menschen verachtender Weise geschieht, mich wie auszuklinken, am Rande zuschauend stehen zu bleiben oder gilt es die „Drachenkräfte“ in mir deutlicher ins Auge zu nehmen?
Es gibt viele Arten von feurigem Zunder, der in mir knisternd leise vor sich hin schwelt, Zunder den ich von Anderen kommend weiter reiche, Zunder den ich entflamme und gezielt in sozialen Netzwerken platziere, ohne mich um seine Wirkung dort weiter zu kümmern oder gar an meine Verantwortung auch nur zu denken, wenn ich derartige Gedankenbildungen von mir gebe.
Der Drache ist für den, der bereit ist sich tiefer in dieser Welt „gegenwärtig“ zu verankern kein blosses Bild. Es ist eine beobachtend klar zu identifizierende Kraft in mir, die es gilt anschauend zu bändigen. Mit einer derartigen inneren Haltung vollzieht sich in meinen Augen zeitgerechte Verantwortung.
Bernhard Albrecht Hartmann
Montag, 20. Juli 2015
Von der inneren Umkehr (überarbeitete Version)
Unser Weltzugang ist in Folge langer Entwicklung und damit aus gefestigter Gewohnheit gemeinhin ein dualer. Einen anderen Menschen s e h e n und a n n e h m e n lernen wie er ist, ihn sein lassen können, so wie das Leben ihn gerade jetzt sein lässt, das bedeutet einen steinigen Weg gehen. Denn was immer und überall mir in Bezug auf den anderen Menschen zunächst im Wege steht, ist, eine Vielzahl von Vorstellungen, die ich mir von der Welt gebildet habe und die ich nicht selten in Teilen dann auf den Menschen übertrage, der gerade vor mir steht.
Lauschen - machen wir uns diesbezüglich nichts vor, ist eine dem modernen Menschen, der aus seinen Lebensverhältnissen soviel eingelagerte Ruhelosigkeit in jede Begegnung unweigerlich zunächst mitbringt, Lauschen ist eine weit an den Rand unserer sozialen Lebenswelt gedrängte Fähigkeit. Sie ist in den Augen des Mainstream buchstäblich unter die Disteln des zu Vernachlässigenden geraten und steht den wenigsten Menschen heute noch in natürlicher Weise als handhabbare Handlungsmöglichkeit zur Verfügung. Auch wenn es in diversen Coach- und Manager Ausbildungen Angebote zum Erlernen und effizienten Handhaben des Zuhören gibt, so reicht das Lauschen gegenüber dem Zuhören doch sehr viel weiter und tiefer. Es nimmt gegenüber dem „Ist im Zuhörend Erfassten“ den Klang des Werdens, ein Ungeboren Werdendes im Umkreis gesprochener Worte in das Verstehen mit herein.
Wie aber kann es gelingen für den Klang des Werdens die rechten Worte zu finden? Ist doch schon das Tatsächliche meist nicht ganz leicht zu erfassen. Um wie viel schwerer muss es sein, ein Werdendes, also ein bestenfalls in Teilen Sichtbares mit geeigneten Gedanken einen sprachlich Ausdruck zu verleihen. Und in der Tat ist dahin zu gelangen nicht ohne eine innere Umkehr zu erreichen. Ich muss mich nämlich auf nicht weniger als dieses einlassen, davon Abstand zu nehmen, die Welt ausschliesslich unter meinem Blickwinkel zu betrachten. Von meinem jeweiligen Gegenüber her die Welt zu betrachten, mich in dessen Sichtweise auf die Welt einzuleben, an diesen unscheinbaren Schwellen entscheidet sich immer wieder auf ein Neues, ob in einem Gespräch durch mich ein aktiver Beitrag auf einen zu belebenden Humanismus hin geleistet wird oder eben unversehens nicht.
Der Humanismus ist in unserem Weltwissen breit verankert. Ideelle Absichten ihn zu verwirklichen gab und gibt es landauf landab nicht wenig. Wie aber ihn in „alltäglichen“ Lebensverhältnissen lebendig zur Erscheinung bringen? Selbstkritisch betrachtet ist es eine immense Herausforderung, die gleicherweise immer wieder auch mit einem Scheitern verbunden sein kann. In einem angesichts eigenen Scheiterns beständig neu zu erringenden inneren Gleichgewicht gleichsam wachsend immer mehr Einsitz in sich zu nehmen, kann dies einen Weg zum Lauschen eröffnen?
In mir Einsitz nehmen? Was soll das? Ist nicht der „Andere“ derjenige, der sich meinen Aussagen verstehend widersetzt? Wenn schon scheitern, ist dieses Scheitern dann nicht der „Dickhäutigkeit“ im Auffassen von Argumenten meinem Gegenüber anzulasten? Wenn differenziertes Sagen an ihm abprallt, was soll ich dann damit zu tun haben? So ähnlich läuft es doch in nicht wenigen Diskussionen, bzw. ansatzweisen Gesprächen, oder? Werde ich von irgendetwas in dieser Art innerlich berührt, begegne ich da vor meinem inneren Spiegel nicht auch einer eigenen Dickhäutigkeit? Wie denn? Könnte es sein, dass ich bei der Untersuchung dieses Phänomens im Rahmen eines selbstkritischen Durchforschen innerer Seelenprozesse, im Auf und Ab, im Vollzug eines Gedankenaufbaus, auf zu fest gefügte eigene Vorstellungsbildungen stosse, die sich bei näherem Hinsehen als nicht oder wenig geeignet erweisen sich transparent in die Sichtweise des anderen Menschen einfügen zu können? Muss es bei derartigen Kommunikationsvorläufen dann verwundern, wenn die Resonanz ein Nicht-Verstehen nach sich zieht oder gar emotionale Ausbrüche lostritt? Erinnere Dich …
Eine Kultur des Lauschen, bzw. eine Fähigkeit dieser Art unter abgelagerten Schlämmen der vielfältig heute offen oder verdeckt zu Tage tretenden sozialen Spannungen, Brüche und Gegensätze zu befördern scheint mir eine Herkulesaufgabe zu sein. Der Augias Stall ist aufzuräumen und es mag befremden, wenn ich aus meiner Erfahrung heraus betone, dass es dabei nur um den jeweils eigenen Augias Stall geht, der aufzuräumen ist. Ändern kann nämlich nur ich mich. Ich kann und darf ein sich Ändern von Niemandem sonst erwarten. Pointiert gefragt, zielt die seelische Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode dann in ihren ersten Schritten nicht genau auf das Aufräumen des eigenen Augias Stalles? Oder unter einer anderen Betrachtungsweise gefragt, führt mich eine tatsächliche Bereitschaft zum Erwachen am anderen Menschen zunächst nicht ebenfalls erst einmal alleine durch meinen Augias Stall hindurch?
Besinne Dich … Und im Nachgang solchen Besinnens ist Zuwendung in sozialen Prozessen, denn Lauschen bedarf einer ausserordentlichen Ausprägung davon, nicht mehr und mehr zu einer Unmöglichkeit verkommen? Oder anders ausgedrückt, ist ein achtsamer Abstand zu sich selbst als Raum schaffende Gebärde für einen anderen Menschen im Aufnehmen eines Gesprächsfaden noch etwas, dem von der eigenen Haltung her Bedeutung beigemessen wird, etwas, das vom Augenblick der Eröffnung des Gesprächs an aktiv geübt wird? Geht es in den gedanklichen Austauschbewegungen unter Menschen, wenn auch sachlich verschleiert nicht eher um Selbstdarstellung, fern der Anwendung einer Hebammen Kunst im Sinne des Sokrates? …
Von Sokrates ist bekannt, er hätte es verstanden Menschen so anzusprechen, dass ein bis anhin gesichertes Verständnis auf einen bestimmten Sachzusammenhang hin in Fragen erneut virulent werden konnte. Die Frage als bewegendes Element. Die Frage als neue Horizonte öffnendes Element. Die Frage mithin als eine Möglichkeit Ungeborenes zur Geburt zu bringen. Die Frage als Wegöffner für Verborgenes im sprachlichen Ausdruck, das „Lauschen“ in die Sichtbarkeit bringen kann. Sokrates stand zu seinen Lebzeiten noch in einer inneren Nähe zu Heraklit. Nach Heraklit konnte der um Lebenserkenntnis ringende Mensch aber nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen. Heraklit verstand das Leben als ein vielstimmiges Unisono Klanggeschehen, als ein auf den Menschen hin angelegtes unendliches Wortschaffen aus sich selbst heraus. Und nur der Selbsttätige konnte damals und kann heute „Einwohnung“ nehmen in diesem fort und fort Fliessgeschehen, in dem er z.B. mit dem Aufgeben wissenschaftlicher Standpunkte Wandlung in einer Weise signalisiert, die neue Sichtweisen und Zusammenklang-Verhältnisse ermöglichen.
Dass sich die heutige Wissenschaft durch viele Verschleierungen hindurch in einer mehr als ernsten Krise ihres Selbstverständnisses befindet, diese Erkenntnis weiter vor sich her zu schieben, kann aus meiner Sicht nur von Menschen bezweifelt werden, welche das „Erkenne dich Selbst“ in der Konfrontation mit den Gedankenbildungen, mit denen sie sich auf ihren Lebenswegen auseinander zu setzen haben durch die Flucht in immer neue Abstraktionen weiter glauben umschiffen zu können. Die moderne Quantenphysik bringt eine Tatsache unmissverständlich an das Tageslicht des Bewusstseins, dass der Beobachter das Versuchsgeschehen durch seine Teilhabe daran verändert. Diese Ein-Sicht aber verändert das Verhältnis von Objektivität und Subjektivität und ihr paradigmatisches Verständnis im heutigen Wissenschaftsbetrieb nachhaltig. In meinen Augen zeichnet sich damit die Notwendigkeit eines grundsätzlich neuen Verständnisses im Hinblick auf das Denken ab. Das Denken als ein inneres Blickorgan, das Denken als ein durch das Ich sich selbst hervorbringendes Geschehen? Fragen, Fragen, Fragen, die im Sinne des Gedichtes von R: M. Rilke:
„Was mich bewegt“
„Man muss den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen -
und dann
Gebären...
Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit ...
Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.“
... eines schönen Tages durch mutige philosophische Denker, die sich nicht länger von den abstrakten Purzelbäumen eines Skeptizismus gegenüber allem und jedem oder den vor sich selbst nicht wahrgenommenen Versteckspielen des Reduktionismus den freien inneren Blick durch scheinbar kunstfertig gewobene Gedankenschleier versperren lassen, einer Antwort entgegen wachsen.
Der kürzlich verstorbene Philosoph Wilfrid Jaensch war ein mutiger Querdenker in genau diesem Sinne. Sechs Wochen vor seinem Tod (1) spricht er, ausgehend von der Erklärung der Menschenrechte, von der Notwendigkeit einer Geisteswillenschaft. Was den Menschen in seinem Kern ausmache, was ihn in die Lage versetze sich als Mensch zu bezeichnen, das müsse dabei ins Auge gefasst werden. Und er gibt die verblüffende Antwort: „Erst wenn ich den anderen Menschen bedingungslos anerkenne, bin ich Mensch.“
Weiter gedacht, bedeutet das nicht, dass ich nur insoweit zu einem Menschen sukzessive werden kann, wie ich „selbsttätig“ meine Vorstellungen, die sich zwischen mich und meine Mitmenschen immer wieder stellen mögen, stets aufs neue übersteige, bereit bin sie gleichsam zu „verbrennen,“ durch meine Verschleierungen wie hindurch zu treten? Klingt das in einem Europa, in dem in Bezug auf muslimische Mitbürgerinnen ein Verschleierungsverbot immer wieder gefordert wird nicht sehr irritierend? Die europäische Menschheit in ihrer Gesamtheit unter dem Schleier. Dieses Bild, ohne wenn und aber innerlich einmal zugelassen, zeigt in meinen Augen welche immense Aufgabe mit einer Geisteswillenschaft verbunden ist, welches Vermächtnis uns da Wilfrid Jaensch hinterlassen hat.
Ich höre darin die Aufforderung, dass es an der Zeit ist die Erforschung der inneren Kraftgestalt im Denken gleicherweise wissenschaftlich, wie sozial ästhetisch, forschend und praktisch in die Hand zu nehmen. Fragen, die nicht nur Renè Descartes zu seiner Zeit anhaltend beschäftigt, sondern schon Aristoteles geleitet haben. In den Tiefen des eigenen Denkens abgelagert, zeigt sich diese Kraftgestalt meiner inneren Anschauung und Erfahrung nach mehr als widerspenstig, sobald ich auch nur anfänglich Fragen in der Richtung stelle, auf welchem Boden stehe ich eigentlich, wenn ich denke. Hat das Denken überhaupt einen Boden oder ist es von vorne herein widersinnig im inneren Blicken auf das Denken von einem Boden zu sprechen? Kann eine Kraftgestalt Boden geben, wenn es sie in Bezug auf das Denken denn überhaupt geben sollte? Dies alles und Vieles mehr scheinen mir Fragen zu sein, die sich aus den Wurzelfragen Rudolf Steiners seiner Einleitung zur Philosophie der Freiheit heute stellen und differenziert weiter entwickeln lassen.
Im Zuge der vorgesehenen Herausgabe der Erkenntniswissenschaftlichen Schriften Rudolf Steiners im Rahmen der Steiner Kritischen Ausgabe (SKA) durch Dr. Christian Clement im Verlag fromann- holzboog stellt sich mir die weitere Frage, welche die Bewertung Rudolf Steiners im Verhältnis zu Immanuel Kant ungemein versachlichen könnte. In der Vorrede zu seinem Frühwerk, „Gedanken zu der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte“ spricht Kant seine Leser wie folgt an: „Ich glaube, ich habe Ursache von dem Urteile der Welt, dem ich diese Blätter überliefere, eine so gute Meinung zu fassen, dass diejenige Freiheit, die ich mir herausnehme, grossen Männern zu widersprechen, mir für kein Verbrechen werde ausgelegt werden. Es war eine Zeit, da man bei einem solchen Unterfangen viel zu befürchten hatte, allein ich bilde mir ein, diese Zeit sei nunmehr vorbei, …“
Rudolf Steiner hat eine Reihe erkenntniswissenschaftlich philosophischer Schriften verfasst und darin neben Kant so manchem anderen Denkern widersprochen, gewagt diese in der einen oder anderen Weise weiter zu denken. Im Sinne der Freiheit hat er damit aber nicht weniger als Kant seinerzeit ausgedrückt, es möge ihm dies nicht als Verbrechen ausgelegt werden. Nun, Kant hat mit dem genannten Frühwerk zunächst auch nicht den Erfolg gehabt, den er sich vielleicht erhofft hatte. Professor in Königsberg wurde er erst nach langen Jahren des Hauslehrer Daseins. Diesbezüglich teilt Rudolf Steiner also in gewisser Hinsicht ein Schicksal der Nichtbeachtung mit ihm. Im Zuge der Herausgabe der SKA frage ich mich, ob diese Zeit jetzt vorbei ist und seine Gedanken nunmehr in einem „Blick von Nirgendwo“ von der akademischen Wissenschaft einer umfassend sachlichen Bewertung entgegen sehen können oder Neulande zumindest mit forschenden Fragen an sein Denken betreten werden.
„Der Blick von Nirgendwo“ ist der Titel eines Buches des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel. In seiner Fragehaltung ein erfrischendes Buch im sokratischen Sinne. Es wäre sehr zu begrüssen, wenn eine Fragehaltung wie sie Thomas Nagel in diesem seinen Buch pflegt im Umgang gerade mit den erkenntniswissenschaftlich, philosophischen Gedankengängen Rudolf Steiners von Seiten der Wissenschaft Schule machen könnte. Lausche ich in die Wortfolge: „Der Blick von Nirgendwo,“ im Sinne des gleichnamigen Buches des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel (2) hinein, so führt mich das unmittelbar an die erkenntniswissenschaftlichen Zeitfragen, die Gedankenzäune heran, wie sie Thomas Nagel im gegenwärtigen wissenschaftlichen Denken transparent zu machen weiss. Es weisst mich aber auch, um es vorsichtig auszudrücken, auf ein Versäumnis in anthroposophischen Zusammenhängen hin, die dynamische Kraft im erkenntniswissenschaftlichen Denken Rudolf Steiners angemessen zu würdigen und weiter zu entwickeln.
Versuche in dieser Richtung wurden von einem breiten Mainstream, hier nicht weniger wie im öffentlichen Raum der Wissenschaft, immer wieder in Randnischen abgedrängt. Was im wissenschaftlichen Raum, aus meiner Sicht bis heute, eine Tabu Zone bezeichnet, die „mögliche“ Kraftgestalt des Denkens einer wissenschaftlich forschenden Untersuchung zuzuführen, wurde auch hier wie nebenbei zu Tabu Zone erklärt. Die Philosophie der Freiheit und die damit verbundenen seelischen Beobachtungen „nach naturwissenschaftlicher Methode“ wie sie Rudolf Steiner in einer e r s t e n Versuchsanordnung auf den Weg brachte, fand auch hier nicht die Beachtung, wie er es sich ursprünglich erhofft hat. Und damit wurden Philosophische Denker wie zum Beispiel Herbert Witzenmann und Wilfrid Jaensch als Entwicklungsfermente in Randzonen abgedrängt. Tragischer Weise, so erscheint es mir jedenfalls, wenn ich mir die gegenwärtigen internen Auseinandersetzungen in anthroposophischen Zusammenhängen um die SKA anschaue, hat das duale Denken hier also nicht weniger Kraft, als im wissenschaftlichen Raum. Doch wenn ich mich besinne, war das duale Denken zu überwinden nicht das Grundanliegen Rudolf Steiners? Wo stehe ich also, wo stehen sie geneigte Leserinnen und Leser dieser Gedankengänge, wenn sie sich nach innen lauschend auf sie einlassen wollen?
„Der Blick von Nirgendwo,“ hier nunmehr zum vierten Mal aufgegriffen, er verweist mich auf ein äusserst dynamisches Denken, ein in sich bewegliches Denken, ein Denken, das sich beheimatet gewissermassen in einer Nullzone, ein Denken, welches die Illusion des Nichts als eine Membran des unendlichen Regresses innerlich umstülpt und damit mehr und mehr Zugang findet zu einer wachsenden inneren Kraftquelle. In diesem Denken treten die Begriffe „subjektiv“ und „objektiv“ als Hervorbringungen eben dieses Denkens in Erscheinung. Sie als dual ausgerichtete Grenzpunkte des wissenschaftlichen Forschen zu betrachten geht also nur insoweit und so lange wie die selbsttätig hervorbringende Kraft, ein bewegt in Bewegung sich fort und fort selbst dynamisierendes Denken aus dem wissenschaftlichen Forschen ausgeblendet wird.
Geht damit aber nicht aller Halt und alle Sicherheit verloren? Die Möglichkeit im wissenschaftlichen Diskurs sich hinter mehr oder weniger klaren Positionen zu verstecken und den jeweiligen Kontrahenten sachlich verbrämt der Lächerlichkeit zuzuführen, wenn dieser nicht im jeweils stillschweigend vorgegebenen Sinne systemkonform denken sollte, diese Möglichkeit, sowie die aus ihr abgeleitete Sicherheit wird auf Dauer nicht mehr Bestand haben können. Die Löcher in der eigenen Deckung, folge ich hier dem einen oder anderen Gedankengang von Thomas Nagel, werden mit weiteren Verschleierungen nur noch befristet abzudecken sein. Streitbare Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft dieser oder jener wissenschaftlichen Systemvariante scheinen mir der Vergangenheit anzugehören.
Auch wenn sich Beharrung in Überzeugungen auf vielen Ebenen menschlicher Kommunikation aus den unterschiedlichsten Gründen nicht selten anhaltend zu behaupten weiss, so scheint sie mir über ein im kommunikativen Tagesgeschäft gelegentliches Ärgernis hinaus zu weisen. Denn, kann dem Begriff Beharrung nicht Bewegung gleichsam entgegengesetzt werden? Wo also Beharrung sich in menschlichen, bzw. wissenschaftlichen Auseinandersetzungen breit macht, könnte das nicht ein Hinweis darauf sein, dass über alle Parteiungen hinweg sich zu wenig selbsttätige Denkkraft wirksam und authentisch bezeugt? Zeichnet sich in derartigen Phänomenen nicht zumindest indirekt eine Herausforderung ab dem Hervorbringungsaspekt des Denkens erfahrungsbasiert mehr Aufmerksamkeit entgegen zu bringen?
In meinen Augen stehen wir vor der Notwendigkeit einer grundständigen wissenschaftlichen Sichterweiterung. Es geht von der Seite der äusseren Wissenschaft, wie in internen Auseinandersetzungen von Menschen, denen Anthroposophie ein Anliegen ist, mit der Herausgabe der SKA nicht mehr um wissenschaftliches Denken kontra geisteswissenschaftliches Denken, sondern um eine existentiell erneuerte Sicht „auf das eigene Denken hin,“ mithin eine rundum zu erneuernde Denkhaltung und daraus zu entwickelnde, lebendig zu bezeugende neue Wissenschaftsgesinnung. Im Sinne von Wilfrid Jaensch bedeutet das aber auf den anderen Menschen zugehen, selbst wenn dieser konträr zum eigenen Denken steht. Gelebter Respekt dem fremden Denken gegenüber und ein aus dem Respekt heraus wachsendes Vermögen zu einem „Erkenne Dich selbst“ am fremden Denken, dies allein kann aus meiner Sicht für die kommende Zeit Freies Geistesleben lebendig bezeugen.
Sokrates prägte seinen Schülern gegenüber den Satz: „Ich weis, dass ich nicht weis“. Der Zusammenhang dieses Satzes mit dem Umstand, dass Sokrates späterhin sich nicht dem Tod durch den Schierlingsbecher entzog, obwohl er dies gekonnt hätte; die nach innen lauschende Beschäftigung mit diesem Zusammenhang hat mich für die gegenwärtige Zeit zu einer bestürzenden Erkenntnis geführt. Ich kann die ganze Kraft, die in dem Satz: „Ich weiss, dass ich nicht weiss“ gebunden ruht nur insoweit für mich frei setzen, wie ich bereit bin den Schierlingsbecher zu nehmen und mit ihm das Gift unangemessener Vorstellungen in meinem Denken gegenüber anderen Menschen verbrenne, bzw. in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen die Abstraktionen innerlich in Denkkraft Erfahrungen zu transformieren weiss.
© Bernhard Albrecht Hartmann 20.07.2015
(1) www.enzyklika.blogspot.de (unter Apr 30 Geisteswillenschaft)
(2) Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2035, 1. Auflage 2012
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