Freitag, 17. Mai 2013

Kann ich Leere fühlen ?

„Kann man Leere eigentlich fühlen? Im Grunde ist Leere nichts, und nichts kann man nicht fühlen. Weil wenn man sagt, man fühle sich leer dann fühlt man ja etwas aber man kann nichts fühlen was nicht da ist, oder?“ http://www.dashieristkeinblog.blogspot.com

Ja Inka , Leere kannst Du fühlen, so Du es mit dem Herzen tust. Nur vom Denken her ist Leere ein Nichts. Genauer gesagt vom abstrakten Vorstellen einer Wirklichkeit her. Dazu habe ich unter dem Titel: „sexy man“ auf meinem Blog: www.ich-quelle.blogspot.com am 19.11.2011 schon einmal für Julian etwas geschrieben.
Deine Frage geht nun viel tiefer als die von Julian dazumal und ich will versuchen mich schrittweise ein wenig an eine mögliche Antwort heran zu tasten. Dies ist für mich nicht leicht, denn angemessene Worte dafür zu finden, was sich auf diesem inneren Erlebnisfeld abspielt, das ist wirklich schwierig.

Auf ein Fühlen der Leere kannst Du innerlich nicht zugehen, auf ein derartiges Erleben kannst Du nur hinreifen, das heisst du kommst nicht umhin Dich hier auf einen längeren, mitunter auch recht schmerzlichen Prozess einzulassen, in dessen Verlauf Du in jenen Reifezustand hinein wächst, der Dich „angstfrei“ die Gewissheit der Leere in Dir fühlen lässt. Die nicht geringe Schwierigkeit, mit der Du es hier zu tun bekommst, ist der Prozess, denn unsere überwiegende Weltauffassung ist heute immer noch, auch wenn manches dagegen zu sprechen scheint, eine Statische.
Wir bewegen uns an der Laufleine abstrakter Begriffe oder toter Vorstellungsgebilde durch unseren Alltag. Wir haben Gedanken, oft mehr als uns lieb ist, aber wir verfügen selten über eine innerlich bewusster gegriffene Erfahrung, was eigentlich Denken ist. Und weil dem so ist, weil wir nicht „wissen,“ was Denken ist, deshalb sind wir auch mitunter so äusserst schmerzlich unseren Gefühlen ausgeliefert, werden von ihnen hinauf und hinab gezogen, ganz nach deren Belieben, beherrschen diese aber nur sehr wenig durch eigene innere Führung.
So kommt es, dass wir uns leer fühlen, so leer oft, dass wir uns selber nicht mehr spüren und aus der Unerträglichkeit solcher Zustände zu wenig passenden oder gar gefährlichen Mitteln greifen, um uns wieder zu spüren. Wir sind der inneren Leere ausgeliefert ohne im eigentlichen Sinne zu wissen, was dies ist, dem wir ausgeliefert sind.

Ich will mich über ein Bild herantasten an das, was Dich zu einem ersten bewussteren erfühltem Erleben dessen, was Leere ist, führen kann. Wenn Du Dich am Ufer eines strömenden Gewässers flach ins Gras legst und Deine Hand so nah als nur irgend möglich über die strömende Wasseroberfläche hältst ohne diese zu berühren, wenn Du Dich ganz auf diese Grenzerfahrung, dieses sich Erleben zwischen zwei Erfahrungsebenen, zwischen gewissermassen zwei Welten einlassen kannst, innerlich loslässt, dann bekommst Du einen feinen Windhauch zu spüren. Dieser Windhauch ist gleichsam ein Ausdruck einer Zwischenwelt.
Er fordert Dich leise auf einen mutigen Schritt vorwärts zu machen oder Du weichst erschauernd zurück vor den Unwägbarkeiten Neuland zu betreten. Es sind feine, sehr feine Wahrnehmungen, die im seelisch geistigen Erleben an solchen Grenzen auftreten und die, so wir nicht geübt sind an uns vorbei huschen, ohne dass wir ihrer dauerhaft habhaft werden. Und genau darin liegt das Angst auslösende Erfahren innerhalb des Bestrebens Grenzen zu überschreiten. Wir scheinen den Boden unter unseren Füssen zu verlieren.
Übertragen auf Dein seelisches Innenerleben tritt Dir in solchen Augenblicken ein Gefühl der Leere, des inneren Stehens zwischen allen Stühlen, eines sich nicht zugehörig Fühlens, eines ins Äusserste getriebene Fremdsein sich selber gegenüber, das einem schlussendlich zu dem Erleben führt, ich bin tot, entgegen. Du fühlst Dich tot, leer gegenüber einer Welt, die sich rund um Dich virulent beständig ereignet, ohne dass Du aus Deiner Verfassung heraus noch einen auch nur annähernden Zugriff auf sie irgendwie glaubst leisten zu können. Du bist in solchen Zuständen verfangen in einen Schauder(Windhauch)vor dem unwägbaren Strömen des Lebens unter Dir.
Das Strömen in Deiner Seele, das Du bei einem tiefen und stillen in Dich Hinein Lauschen jenseits des Todes Erschauern an dieser inneren Wahrnehmungsgrenze erleben kannst, ist das, was Dir nach und nach als zunächst leerer Wille erlebbar werden kann.
Vor dieser Art Konfrontation mit einem Willen, der in sich als leer erlebt wird, muss beinahe ein jeder Mensch heute erst einmal Reissaus nehmen. Denn dieses Erleben, wenn Du es denn wagst Dich diesem wirklich auszusetzen, ist so stark, dass es ohne eine innere Vorbereitung über längere Zeit nicht auszuhalten ist. Die Angst, die Dich an dieser inneren Grenze beschleicht, fungiert also durchaus als eine Art Schutz vor zu schwerem Erleben.

Der Zugang zu einer Möglichkeit Leere „wach“ zu fühlen öffnet sich über ein „verlebendigtes Denken.“ Denken ist nämlich seiner tieferen inneren Natur nach ein Lichtprozess. Diese Erfahrungsmöglichkeit wiederum an die Oberfläche zu holen ist die Aufgabe unserer Zeit.
Wen diese Möglichkeit zunächst befremdet, der hat noch nie einen beliebigen Edelstein oder unter diesen sogar einen Diamanten wirklich in Händen gehalten und genauer betrachtet, sich auf sein Lichtspiel innerlich eingelassen. Im Grunde birgt nämlich „ein jeder Gedanke“ den wir so tagtäglich durch unser Bewusstsein wälzen einen derartigen blitzenden Diamanten in sich. Wir sind nur zu denkfaul geworden, zu armselig in unserem inneren Bewegungsverhalten, so dass wir unfähig sind zu sehen, was wir da beständig in Händen halten, - strahlend fliessende Edelsteine und damit eine überbordende Werde- und Gestaltungskraft aus innerer Freiheit heraus.
Unser gegenwärtig so verbreitetes abstraktes Denken hat diese leuchtende Kraft in uns verdunkelt, so dass sie unserem inneren Zugriff entschwunden ist, aber sie steht uns erneut und in gesteigertem Masse von dem Augenblick an zur Verfügung, in dem wir aus uns heraus zu einem inneren Metanoia finden, bereit sind unsere ängstliche Ego Schale zu sprengen und Ich - Verantwortung für uns zu übernehmen.
Lehrer, die uns auf diesem Weg führen könnten, gibt es heute nicht mehr, auch wenn ein Bischof, ein Guru dieses oder jenes Couleurs dies immer noch für sich in Anspruch nehmen möchten. Es gibt nur noch die stillen Geburtshelfer, die in einem jeden Du, das unsere Wege kreuzen mag, uns auf irgendetwas aufmerksam machen, mitunter auch sehr schmerzhaft, auf das wir aus uns heraus zuwachsen können, soweit wie wir es zu dem betreffenden Zeitpunkt, aus unserer Freiheit heraus können und wollen, Stufe um Stufe.
Den leeren Willen kann nur ein Ich schrittweise beleben und ihm dadurch seinen Schrecken, seine gähnende Leere nehmen, ihn gleichsam entzaubern als freiheitliche Gestaltungspotenz.
Inka, du kannst die Leere fühlen, als befreite Kraft schöpferischer Freude und sie wird Dich so stark durchpulsen, dass Du Dich fragen wirst, wie konnte ich nur so lange zaudern und mein wahres Lebenspotential derartig in die hinterste Ecke verbannen. Ich spüre diese Kraft in Dir, deshalb schreibe ich Dir. Ich habe das Vertrauen, dass Du „Deinen Weg findest und gehst“ und grüsse Dich herzlich,

Bernhard Albrecht Hartmann

Dienstag, 16. April 2013

Eine Antwort

auf den Eintrag vom 16.04.2013  http://www.dashieristkeinblog.blogspot.com 

Du bist nicht unsichtbar, denn Du schreibst für Deinen Blog, wirst sichtbar in dem, was Du schreibst. Ich und wer weiss wie viele andere tun genau in diesem Augenblick Kontakt mit Dir aufnehmen, indem sie lesen, was Du uns über Deinen Blog anvertraust. Wir gehen in Fühlung mit Dir, spüren durch Deine Worte hindurch Deinen Atem, nehmen Deine Beklemmungen wahr und Dein Stehen, zitternd auf schwachen Füssen.
Erinnere Dich, so wie Du jetzt stehst, bist Du vor langer Zeit einmal in Deinem Kinderbett gestanden und hast Dich mit aller Macht in diesen Stand, auf diese Deine wackeligen Beine hochgezogen. Damals war da keine Panik, nur ein unendlicher Drang diese Welt jenseits der Gitter Deines Bettes für dich zu erobern, einen festen Stand in ihr zu finden.
Was zwischen damals und heute geschehen ist, das hat Dich vielleicht entmutigt, die Kraft aber, die Dir damals verhalf in die Aufrechte zu gelangen, sie ist noch immer da. Sie schlummert tief unten in Dir, weil du glaubtest durch bestimmte Ereignisse in Deinem Leben sie dort hin zurückdrängen zu müssen, aber sie ist da, denn sonst würdest Du nicht so schreiben wie Du schreibst.
Du beobachtest Deine inneren Zustände sehr differenziert. Schau Dir das einmal an. Es gibt viele Menschen, die das nicht annähernd so gut können wie Du. Wenn das nicht ein Anzeichen von einer grossen Kraft ist, über die Du verfügst, in dieser Schwäche noch so klar die inneren Zustände Deiner Seele in Worte zu fassen.
Spüre diese deine Kraft und lenke sie von unten durch Deine Beine in Deinen Körper. Stehe auf und gehe. Es warten da draussen, jenseits des Niemandslands viele Menschen auf Dich, die von den leidvollen Erfahrungen einer Siegerin über sich selbst lernen wollen ihr eigenes Leid mit ihrem Körper und ihrer Seele zu bewältigen.
Ja Inka, Du bist schon jetzt eine Siegerin, indem Du schreibst wie Du schreibst. Steh auf und feiere Deinen Sieg über Dich selbst, Du hast die Kraft dazu!
Niemand ist hier irgendjemand, wie Du so schön sagst. Und weil das so ist, Du eingeschlossen, niemand hier irgendjemand ist, erlaube der Kraft in Dir sich zu zeigen und tritt als Inka die Siegerin in Erscheinung.
Ich grüsse Dich,

Bernhard Albrecht

Donnerstag, 11. April 2013

Zuruf


Es sind nicht andere "qualifizierte" Menschen, die über "mich" so dies und das denken könnten, es bin immer nur ich der im Begegnen eines anderen Menschen, auf welche Weise auch immer, in den Spiegel schaut und "sich selber begegnet.“ Der andere Mensch sagt mir gar nichts, auch wenn es so erscheinen mag, es bin nur immer ich, der sich etwas zuspricht oder auch nicht, je nach dem wie tief ich bereit bin in den Spiegel zu schauen, darin einen für mich anstehenden Entwicklungsschritt konstatiere und "meinem" Anschauen folgend das Notwendige in die Wege leite.
Wenn ich den Augenblicken, in denen ich einem anderen Menschen begegne, auch nur ein ganz klein wenig vor mir selber innerlich zurück trete, mich unbefangen dabei selber in den Blick nehme, dann kann ich das, "mit einer gleichsam naturwissenschaftlichen exakten Sachlichkeit auf die Phänomene hin" feststellen. Tue ich das nicht, dann wird mir früher oder später klar werden, dass ich ein Träumer war. Nicht weil der andere Mensch das von mir denkt, sondern weil ich in diesem Augenblick noch nicht bereit war, es noch nicht konnte, tiefer in den Spiegel zu schauen. Es ist alles eine Frage der Entwicklung, des inneren Wachsens und wachsen und entwickeln tust Du Dich dadurch, dass Du fällst, Dir mehr oder weniger erheblich weh tust, vielleicht deshalb, weil Du zur rechten Zeit nicht wachsam, nicht achtsam genug für das warst, was Dir im Spiegel vor Augen getreten ist, Du etwas beiseite gewischt hast.
Nicht der andere Mensch ist der "Qualifiziertere". Dadurch, dass ich lebe, stehe ich vor der Notwendigkeit mich selber zu qualifizieren, sonst lebe ich, genau besehen" nicht wirklich. Entwicklung, die daraus resultiert, dass ich in den Spiegel schaue, diese Art von innerer Regsamkeit macht mich erst zu einem authentischen Menschen. Auf dem Weg dort hin kannst Du machen, was immer Du willst. Dein innerer Spiegel begleitet Dich geduldig auf dem Weg Deines Erwachens zu Dir selber hin.
Wenn Du magst, dann lies einmal den Roman von Franz Kafka: "Der Prozess." Die Beschreibung eines inneren Prozesses und seiner Auswirkungen, wenn ein Mensch zu sehr den tatsächlichen Hinweisen im Blick auf den eigenen inneren Spiegel ausweicht. Welche Verwicklungen sich ergeben, wenn hier immer wieder Augen Wischerei betrieben, alle möglichen anderen "qualifizierteren" Menschen in die Verantwortung gerufen werden, nur um meiner alleinigen Selbstverantwortung für mich wieder ein Stück des Weges aus dem Weg gehen zu können.
Erwachsen bin ich, wie landläufig so gedacht wird, nicht mit 21 Jahren, sondern werde ich „ein Leben lang“ in dem Masse, wie „ich mir zu wachse, also zu dem er-wach-se," der ich im Grunde meines Wesens von allem Anfang bin. Leben in dieser Welt heisst, sich „ent-falten,“  dem Ego-Ei entschlüpfen als ein Ich. Mit 21 Jahren endet die Verantwortung der Eltern, bin ich gefordert Schritt für Schritt Selbstverantwortung für alles und jedes zu übernehmen. In dem Masse wie mir das gelingt qualifiziere „ich“ mich als Mensch.
Indem ich „Ich“ sage bin ich noch nicht Ich, ich bin auf dem Wege meine Ich-Kraft zu entfalten, mich als Ich bewusst zu etablieren. Zu tun, was ich will, bedeutet ab dem 21 Lebensjahr das Fallen in einem tieferen und weiteren Sinn zu lernen und damit umzugehen. Tue also weiter, was immer Du willst, vergiss dabei nur nicht das Lachen über die Verrenkungen und Verwicklungen, die Du Dir selber dabei verursachst, wenn Dich Dein innerer Spiegel dann gelegentlich auch etwas unsanft darauf aufmerksam macht. Du wirst es schon merken, wie entwicklungsfördernd das Lachen über sich im rechten Augenblick sein kann, neben der Strenge des Lebens die Leichtigkeit, beides im rechten Gleichgewicht, nicht ausser Acht zu lassen.
Und noch einmal, ich bin nicht einer von den „Qualifizierteren,“ auf die Du leise mit Deinem Finger hin deutest. Ich lese das, was Du sagst und schaue dabei in „meinen inneren Spiegel.“ Schaust Du wirklich sachlich exakt auf das hin, was ich sage, so ist damit kein Urteil über Dich verbunden. Dieses Urteil Dir zu zu sprechen steht allein Dir zu. Hier bist Du keinem Richter unterworfen als Dir allein (siehe Kafka: Der Prozess). Dass dies so ist, darin liegt auch die Würde des Menschen in seiner tiefsten Bedeutung begründet.
Ich grüsse Dich,

Bernhard Albrecht

Samstag, 6. April 2013

Etwas über die Bedeutung des Fragens

Es ist eine, wie mir scheint, heute jedermann zugängliche Erfahrung, dass, so mir eine bestimmte Auffassung aus meinem sozialen Umfeld zugetragen wird, die mir unverständlich erscheint, mit der ich mich auf ein Erstes hin nicht vollumfänglich verbinden kann, zu der ich also in einer gewissen Nicht-Übereinstimmung mich befinde, dass ich geneigt bin diese Nicht-Übereinstimmung durch geeignete Argumente nach aussen hin, also in einer Auseinandersetzung mit dem Meinungskontrahenten auszutragen suche.
In Anbetracht einer derartigen Erfahrung sich selber in Frage zu stellen, erscheint eher seltener die erste Option zu sein, wie einer Nicht-Übereinstimmung begegnet wird.
Der erste Blick gilt zumeist dem, worin ich mich argumentativ von dem Gesagten des anderen Menschen unterscheide. Nicht das Übereinstimmende seiner Rede mit meiner Auffassung gerät ins Zentrum der eigenen Betrachtung, sondern das, was sich von meiner Auffassung zu dem angesprochenen Thema abhebt, was einen Missklang im Verhältnis zu meiner Auffassung erzeugt hat. Diesen Missklang zu beseitigen ist also das erste Anliegen.
Und genau das ist es, was allzu viele Diskussionen so schwer zu einem wirklichen, einem wirkkräftigen Ende kommen lässt. Die einzelnen Mitglieder derselben sind sich selbst nicht bewusstseinsmächtiger Mittelpunkt, sie agieren auf dieses oder jenes Gegenüber hin, aber nicht lebensecht und nondual aus sich heraus.
Nicht wenige soziale Gemeinschaften (von ganz kleinen privaten bis zu Staatsgebilden hin) ächzen heute geradezu beängstigend in ihren inneren Gefügen. Die tieferen Ursachen derenthalben das so ist scheinen mir jedoch nur selten wirklich gesehen zu werden und so doch, dann werden sie, wie ich aus zahlreichen eigenen Erfahrungen heraus weiss, mit einer ungenügend vernetzten individuellen, wie in Gemeinschaft untereinander verbundenen Sachlichkeit, Herzensgüte und Ressourcen Orientierung angegangen.
Dreigliederung als verinnerlichte Lebensgebärde.
Mangelnde Sachlichkeit und innere Feigheit, als eine dem eigenen Herzen gegenüber geschlossene Haltung nach aussen hin, sind aus meiner Sicht wesentliche Ursachen, dass so viele Misthaufen in sozialen Einrichtungen Fortbestand haben können auf denen Platzhirsche ihre Burgen errichten und mitunter beinahe endlos halten können.
Wenn ich mich aber selber nicht in Frage stellen kann und durch ein derartiges mich in Frage Stellen durch innere Nullpunkte immer wieder hindurch gehen konnte, dann kann ich in sozialen Zusammenhängen auch nicht wirkkräftig, d.h. mit Achtung vor der Würde des anderen Menschen tätig werden und sein.
Es kann doch nicht darum gehen  Menschen in sozialen Zusammenhängen aus dieser oder jener Position heraus zu drängen, selbst wenn noch so vieles für eine Notwendigkeit in dieser Richtung sprechen sollte. Der soziale Unfriede, vielleicht sogar die äussere und noch schlimmer die innere Spaltung einer sozialen Gemeinschaft begünstigt nur Kräfte, in deren Windschatten sich ein neuer Platzhirsch etablieren kann.
Soziale Kunst fusst auf der Fähigkeit Fragen so zu stellen, dass sie andere Menschen in die Lage versetzt sich selber in Frage stellen zu können.

© Bernhard Albrecht, 06.04.2013

Freitag, 5. April 2013

Offener Brief

Vorbemerkung: Die Begegnung mit einer Reihe junger Menschen in der letzten Zeit veranlasst mich auf einige Fragen, die in diesem Zusammenhang aufgekommen sind in der Form eines „Offenen Briefes“ zu antworten, da mir die Zeit nach allen Seiten zu antworten gegenwärtig nicht gegeben ist.

Ja „der Körper ist ein Tempel und wir sollten ihn hüten.“ Der Körper will sein ein Tempel für den Geist, wenn aber der Körper nicht kraftvoll durchgebildet ist, dann kann er auf Dauer auch keine wirksame Wohnstatt für den Geist sein. Der Geist braucht einen gesunden Körper, damit er durch ihn in Erscheinung treten kann. Es gibt heute genug Verwirrung und Bewusstlosigkeit auf der Welt und das liegt nicht wenig daran, dass allem Anschein nach eine zu grosse Anzahl von Menschen ihren Körper mehr in ihrem Alltag hinter sich her schleppt, anstatt ihn zu einem echten Werkzeug für den Geist zu formen.
Du musst dazu aber nicht zum Meister in bestimmten sportlichen Disziplinen werden, sondern einfach achtsamer in Deinem Alltag mit ihm umgehen, sportliche Betätigung kann Dir helfen. Übertreibung wirkt aber hier, wie überall sonst, auch wieder kontraproduktiv. Im Grunde kommt es auf mehr Achtsamkeit an in dem, was Du mit Deinem Körper tust. Und Du tust den langen Tag lang sehr viel mehr mit Deinem Körper, als wovon Du ein Bewusstsein hast. Salopp gesagt, Dein Körper läuft eben gerade so mit.
Mal ganz ehrlich betrachtet, möchtest Du, dass in einem Dir lieben Menschen die Empfindung aufkommt, Du liefest ihm/ihr einfach nur so hinter her ohne wirklich dabei zu sein? Aber genau diese Empfindung hat Dein Körper von Dir. Er fühlt sich zu wenig wahrgenommen, es fehlt ihm die Achtsamkeit im Umgang mit ihm.
Du läufst sicher täglich mindestens einmal zur U-Bahn oder einem sonstigen öffentlichen Verkehrsmittel, um Deinem Studium oder einer Arbeit nach zu kommen und benützt auf diesem Wege vermutlich auch eine Treppe. Bist Du dabei schon einmal die Treppe so hinunter gegangen, dass Du gespürt hast, was Du da tust? Vermutlich nein! Deine Gedanken sind irgendwo voraus geeilt und Dein Körper ist hinter her gehoppelt. War/ist es nicht so.
Du hältst Dich für einen Beobachter, der oben in seinem Turmzimmer sitzt und aus einer geweiteten Perspektive vieles sieht. Eines aber sieht er nicht, nimmt er nicht wahr, den Turm unter sich, der fest gegründet auf der Erde stehen sollte. Du kannst den Turm/Körper aber nicht wahrnehmen, weil Dein Blick nur bis zu den wallenden Nebeln reicht, die dicht unter dem Turmzimmer hindurch ziehen. Du bist ein Beobachter mit einer eingeschränkten Perspektive.
Menschliches Beobachten, muss es sich nicht notwendig am Leib brechen? Muss es  gewissermassen nicht wie hindurch gehen durch den Widerstand, den der Körper einer bewusster werdenden Aktivität entgegen setzt, immer? Wo dieser Widerstand nicht gespürt wird, bin ich da Mensch?
Du bist in diese Welt hinein geboren, in diesen Deinen Körper, nimm ihn also gefälligst mit. 
Erwache Du romantischer Tänzer, spür Deine Füsse.


Du findest die Welt, die Menschen in ihr zum Kotzen. Du erlebst die Leere in ihren Worten, das Nichts Sagende in ihren Wort Plänkeleien am Strassenrand und über den Mittagstisch hinweg. Es ekelt Dich an, dieses Lächeln, das nichts als Maske ist und Du möchtest schreiend davon laufen. Da dies aber nicht geht, Schreien und Weinen gilt als Schwäche, Empörung als Frechheit mit der Folge von Sanktionen, die in Dir die Wut nur noch mehr hochkochen lassen, schleppst Du Dich, wann immer es geht heimlich auf die Toilette, um mit der Nahrung all den Gefühls- und Gedanken Müll mit hinaus zu kotzen. Am liebsten möchtest du Dich aus dieser Welt hinaus beamen und Doch hängst Du an ihr, nicht wissend warum noch.
Könnte es nicht sein, dass ein gut Teil dessen, was Du als Müll um Dich und in Dir erlebst, was Dich immer wieder aufschreien lässt, so qualvoll rast dieser Müll über die Datenautobahnen Deiner inneren Welt, so rauschhaft gesucht von Dir türmt er sich hoch in Dir, hoch und höher, bis, ja bis Du ihn wieder heraus kotzt und eine Leere zurückbleibt die noch qualvoller ist, als alles, was Dich bis anhin quälte. Könnte es sein, „dass Du fasziniert“ von der Leere, dem sich selber nicht Spüren, als einer Art umgestülptem Erleben von Freiheit, diesem Erleben alles opferst und ... den Widerspruch spürend, Du für Deine Sucht Freiheit „zu erleben“ Dich nicht selber töten kannst, weil eben dann das von Dir so gesuchte Erleben der Freiheit im Gefühl der Leere hinfällig werden würde.
In einer Endlos Spirale Dich selbst verwickelt habend, kann es folgerichtig nicht anders sein, als dass Du Dich dafür selbst hasst. Deine Art mit dem Tod zu spielen lässt dich ekeln und dennoch kannst Du es nicht lassen, Tänzerin an der Grenze, Dir „das Lied vom Tod“ immer wieder neu durch Deine Adern zu jagen, mit einer raffiniert selber gesetzten psychischen Injektion.
Nicht die Welt um Dich herum macht Dich fertig, Du bist es der maliziös keine Möglichkeit aus lässt Dir selber in den Hintern zu treten. Damit will ich tatsächlich Dich hochgradig Belastendes in Deinem sozialen Umfeld nicht klein reden, was ich sagen will ist, schau „Deinen Anteil“ dabei an, der die Welt so grauenvoll aussehen lässt wie sie dann folgerichtig nur sein kann, weil Du sie innerlich so ausfilterst, dass nichts Schönes mehr übrig bleiben kann. Du willst es nicht anders.
Wie Deine Situation zu wenden ist, das willst Du nicht wirklich wissen. Jeder hier und an anderer Stelle vielleicht immer wieder ausgesprochene Ratschlag ödet Dich an. Ich weiss das und deshalb halte ich meinen Mund und sag nur, Du weisst, was zu tun ist!
Ich schliesse mit einem Erlebnis, das ich heute auf einem Spaziergang mit meinem Golden Retriever am See hatte. Obwohl am frühen Nachmittag geschehen klingt es in mir immer noch so nach, als sei es gerade eben erst geschehen. Zwei Schwäne paarten sich vor mir auf dem Wasser und jede ihrer Bewegungen waren dabei von einer solchen Anmut, einer Schönheit durchpulst, die mich tief berührte. Yin und Yang in vollendeter Harmonie, Freiheit ...
Ich grüsse Euch

Bernhard Albrecht, 05.04.2013

Montag, 25. März 2013

Das Böse


Das Gute „ist nicht,“ genau so wenig wie das Böse gegen das Gute kämpft. Vielmehr ist alles eine Frage des Finden und immer wieder neu Bilden Deines/meines inneren prozessualen Gleichgewichts im jeweiligen eigenen Seins-Ausdruck.
Das Böse ist mithin ein Ausdruck nicht gefundenen Gleichgewichts in mir, ist, da eine jede unserer gleicherweise inneren, wie äusseren Taten in Resonanzen nach aussen wirkt und sich fortpflanzt eine verdichtete Spiegelung vieler menschlicher Ungleichgewichte auf mich/uns zurück. Das Böse, aus einer Haltung der Abstraktion heraus gesehen, ist eine Fata Morgana.
Unmittelbar existenziell gesehen, werden wir im Blick auf unsere eigenen vielen Ungleichgewichts-Zustände in einen inneren Strudel hinein gerissen, der uns im „Erfahren der Furcht“ herausfordert unsere Existenz im Ich zu gründen.
Das Böse ist demnach eine schleichende Manifestation des Ego mit seinen vielfältigen Fangarmen das innere Gleichgewicht in Bezug auf unseren eigentlichen Wesenskern hin  beständig neu zu unterlaufen. In seiner möglichen Formvollendung, etwa in einer Diktatur, erblindet das Böse zunehmend für jeden menschlichen Ausdruck in seinem jeweiligen sozialen Umfeld, das Gefühl für Menschliches erstirbt. Es löst sich aus den inneren Zuständen des Ungleichgewichts vieler Einzelner heraus und wird zu einem eigenständigen Wesen, einem Moloch.
Zu begegnen ist dem Bösen einzig aus dem Ich, also dem ins Sein gebrachten, gelebten inneren Gleichgewicht. Hier liegt meine/Deine Verantwortung, ganz innen in mir/Dir und sonst nirgendwo.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 25.03.2013


Donnerstag, 21. März 2013

Die Katharsis des Willens

Will, wenn auch oft noch verborgen, nicht alles heute zu einer Wende im Willen führen? Läuten nicht allenthalben in unserer Welt die Sturmglocken und rufen zu einem Metanoia  im ganz konkreten Blick auf Dich und mich? Wozu lesen, Radio hören oder Fernsehen, wozu miteinander sprechen, wenn ich nicht bereit bin meinen Willen am Gelesenen, Gehörten, durch den anderen Menschen Erfahrenen selbst zu entzünden, mich berühren zu lassen.
Die Abstraktion hat uns die Freiheit gegeben sich zu entscheiden, ganz aus dem Ich heraus. Nichts drängt uns mehr, dies oder jenes zu tun, wir dürfen uns entscheiden, aus innerer Freiheit. Das macht Verantwortung mitunter höchst unangenehm, denn wir können immer weniger, wenn überhaupt darauf warten, bis ein anderer den ersten Schritt tut. Wir sind gerufen, durch das, was wir lesen oder auf eine andere Weise tun und erfahren, wir sind gerufen und können uns nicht mehr so leicht davon schleichen. Das spüren wir tief drinnen in uns. Die Wahrheitsfrage wird zur Willensfrage.
Zyklisation des Willens. Wie viel Scheitern sammelt ein jeder Mensch im Laufe seines Lebens ein, wie viel Überwindung kostet es ihm, sich aus kleinen oder auch grösseren Niederlagen immer wieder innerlich aufzurichten und einen Neubeginn zu wagen, zum wievielten Male? Wie viel Depression schwärt durch die Lande, weil der ursprüngliche Idealismus verbraucht und nichts an seine Stelle treten durfte?
Trotz dieser vielen Willenseinbrüche, der Wille, ganz für sich genommen, bleibt in seiner quasi Konsistenz, in der möglichen inneren Erfahrung seiner selbst, ein Geheimnis.
Erschreckend bei näherem Hinsehen und der mühseligen Destillation vieler Triebfedern und Motive, welche den Willen antreiben können, ihn, wie so schön gesagt wird, in die Gänge bringen, die Erfahrung, dass der Wille für sich genommen leer ist. Geradezu lähmend kann diese Erfahrung in der Depression und der sie begleitenden völligen Antriebslosigkeit erfahren werden. Der Wille ist leer!
Und weil diese Leere sich heute so weit verbreitet durch die Willensebenen so vieler Menschen unscheinbar hinzieht, sich immer mehr ausbreitet, kann Manipulation so weit um sich greifen. Täuschen wir uns nicht, wir seien davon nicht betroffen, wir sind es.
Innerlich ein wenig zurück tretend von uns selbst wissen wir genau, dass ohne das nüchterne Eingeständnis eigenen Betroffenseins der Wille in uns nicht befreit werden kann. Dabei nehme ich mich selbst von diesem Prozess des immer neu sich Heran Tasten an den Willen nicht aus. Ich deute lediglich auf einen aus meiner Sicht heute eminent wichtigen Prozess im Zuge der inneren Befreiung, für den sich ein jeder Mensch nur selber entscheiden kann sich darauf einzulassen.
Ein jeder auf seine ureigene Weise und in seinem Tempo, denn im Gegensatz zur äusseren Schnelllebigkeit und Hetze, zum Stress in unserem Alltag wirst Du in der Erforschung eigener Willensdynamik erkennen müssen, dass Du durch das Nadelöhr der Langsamkeit schlüpfen, d.h. die Langsamkeit zutiefst erfahren musst, bis Du zum Erfahren einer Umkehr in Deinem Willen vordringen kannst. Du musst Dich mit dem Scheitern ohne jedes Wehklagen versöhnen können.
Wenn ich dies so sage, dann muss ich sogleich nachfassen. Bei diesem Unternehmen geht es nicht um die ganz grosse Selbstanalyse, es geht vielmehr um die Entwicklung einer inneren Fragekultur sich selber gegenüber.
Sich in Frage stellen können in diesem oder jenem, was ein jeder so jeden Tag tun mag. Ausbrechen aus der Linearität etwas so und nicht anders zu tun, alternatives Handeln in dieser oder jener Situation seines Alltags sich innerlich als Möglichkeit im Nachgang eines vollzogenen Tuns vor Augen stellen, ohne ein grundständiges Zaudern gegenüber allem und jedem aufzubauen.
Täglich an Hand wenigstens einer selbst ausgewählten Willenshandlung, möglichst bildhaft, um dann diesen Alternativprozess loslassend, seine Aufgaben wieder aufzunehmen. Das wirkt mittelfristig wie eine langsame Erweckung des Ich in seinen Willenshandlungen. Es fördert eine Präsenz im Tun, da und dort.
Das Forcieren einer Rundum Präsenz kann nur nachteilige Nebenwirkungen erzeugen, derart, dass zum Beispiel Herzenskräfte in ihrer Entwicklung in die Hinterhand geraten. Wo ich nicht mehr über mich selbst und diese oder jene Fehlleistung lachen kann, da läuft etwas schief. Auf den inneren Baustellen ist homöopathische Prozessbewegung angesagt, ansonsten verhedderst Du Dich in selbstgestellten Ego Fallen.
Auf diesen Baustellen kann allein das fragend sich selbst in Frage stellen Dich davor bewahren über unscheinbar gespannte Fallstricke der Selbsttäuschung zu stolpern und in den Hochöfen des Ego immer wieder auf ein Neues zu verglühen, bis zum Dahin Torkeln am Rande des Nichts nach endlosem Aus- und Durchbrennen. 
Der Brandmeister der inneren Freiheit, an der Pforte des Ego zum Ichwerden, verfügt über ein unendliches Arsenal an Zangen, um Dich an die Kräfte des Ego zu binden, bzw. Dich immer wieder dort hin zurück zu holen. Lernen sich selbst wie einen Fremden anzuschauen will geübt sein. Es braucht einige Ausdauer bis Du hier ein gewisses Können erreichst, einfach weil das Verhaftet Sein in Ego Strukturen und daraus hervorgehend in ganz bestimmten Anschauungs- und Rechtfertigungsweisen weit verbreitet, Teil Deiner unterbewussten Wesensstruktur geworden ist.
Das Ego zieht ein Erblinden für tiefere Wesensschichten eines anderen Menschen nach sich. In der Mitarbeiter Beurteilung vieler Betriebe bist Du deshalb heute verpflichtet in Standortgesprächen das Abgleichen zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung als Qualifizierungsinstrument anzuwenden und sorgfältig zu protokollieren.
Zyklisation des Willens in Menschenbegegnungen, zurücktreten und nicht dem erstbesten Eindruck folgen und damit in mögliche eigene Denkmuster hinein stolpern, das öffnet Tore zum Ich des anderen Menschen, weil ich mir selber auf dem Weg über anschauende Zurückhaltung mehr Authentizität im Begegnungsaugenblick abverlange, das Du als Botschafter und Spiegel für mein mögliches eigenes und vertiefendes Ich Werden begreife.
In der Literatur ist es nicht anders, denn im Lesen werden Menschen vor meinem inneren Auge erweckt, denen nicht weniger sorgsam zu begegnen ist, wenn ich zu einem tieferen Verständnis des Gelesenen vordringen will. Die Welt des Geistes ist eine Lebendige, hier wie dort; und sie verlangt eine prozessorientierte innere Haltung von mir, um die Vielfalt dieser Welt auch nur ein wenig zu erfassen.
Insofern ist ein Leseprozess niemals wirklich abgeschlossen, genauso wie sich in Menschenbegegnungen immer neue Facetten des einander Kennenlernen ergeben können. Und das Geschenk, das wir aus Begegnungen im Lesen und sozialen Begegnungen empfangen, je nach dem wie weit wir uns selber prozessorientiert öffnen können, ist eine sich vertiefende Ich Erfahrung durch innere Katharsis.

© Bernhard Albrecht, 19./21.03.2013
Angel Maria Perezano http://www.lebensmelodie.wordpress.com zugeeignet, dem ich verdanke, dass ich es wage diesem schwierigen Thema endlich eine erste schriftliche Form zu geben.





Montag, 18. März 2013

Wer bin Ich, eine Fortsetzung

Denkmuster bilden sich durch wiederholt kreisendes sich Bewegen, bezogen auf einen unmerklich festgelegten Denkraum, bilden sich unter der Verweigerung, diese (anfangs möglicherweise unmerklich) zu hinterfragen. Je mehr sich derartige Denkmuster aber durchstrukturieren und im Hinblick auf ein begegnendes Denken wie selbstverständlich ablaufen, desto herausfordernder werden fremde Denkbewegungen, die sich dem eignen Denken entgegen stellen, erlebt. Die Abwehr erfolgt so schnell auf dem Fuss, dass sie selber gar nicht mehr bemerkt wird, so sehr hat sie sich in einen inneren Zusammenklang dem eigen Denkmuster verbunden. Das „Richtige,“ sprich das eigene Denkmuster, muss um jeden Preis verteidigt werden.
Mit der eigenen Verhärtung in der Bewegungslosigkeit auf ein Richtiges selbst fixiert, geht Bewegung auf „das Leben hin“ verloren.
Ich gräbt sich selber die Wurzeln ab.
Leben gebiert sich nämlich aus dem Fragen und die Blüte des Fragens, des immer wieder neu fragend sich auf den Weg Begeben, führt Dich zur Geburt Deines Ich. Ich ist gewissermassen die Belichtung im Prozess, ist Fokussierung auf Neues hin, fragend, weltoffen und mutig. Ich ist die unmittelbare Erfahrung Deines Springens von einem Augenblick in den Nächsten. Ich ist die Prozessgebärde des Zwischenraumes.
Wer sich nicht selber immer wieder neu erfinden mag, der kann die Bewusstseinserfahrung des Ich nicht haben. Noch schärfer formuliert: Bewusstsein ist nur durch das Ich möglich, Fragen ist sein Treibstoff. Die nicht gestellten Fragen sind der Tod des Ich.
„Das Ich scheitert an seinem Zerbrochen-Sein,“(Angel Maria Perezano Fragment 25/1. www.lebensmelodie.wordpress.com 25.11.2012) weil in der fragenden Bewegung sich nicht Ende los neu und immer wieder neu selbst gebärend. Es erstickt in der eigenen Bewegungslosigkeit.
Mithin ist es nicht der materielle Kosmos, der mir vortäuscht, „alles kenne eine stabile Form,“ (Quelle siehe oben) es ist meine innere Bewegungslosigkeit, meine Fixierung auf Denkmuster, auf an der Welt gebildete Vorstellungen, ohne diese denkend fragend neu zu öffnen, welche die Illusion des Scheiterns, der Unmöglichkeit der Ich-Findung, des bewussten Einklangs mit sich im Ich, erzeugt.
Im Spiel der Relationen, in dem sich Bewegen durch die Zwischenräume derselben erfährt das Ego seine Katharsis in seiner Geburt zum Ich. Aus der Raupe schlüpft der Schmetterling.

Bernhard Albrecht


Dienstag, 12. März 2013

Wer bin Ich

Gesprächsnotiz zu dem Beitrag Fragment 25/1.
veröffentlicht auf http://www.lebensmelodie.wordpress.com am 25.01.2013
von Angel Maria Perezano

„Ich weiß heute immer noch nicht, wer ich wirklich bin. Ich kenne nur meine Rollen. Aber vielleicht ist die Frage nach meinem eigentlichen Ich eine leere Frage. Sie existiert nicht unabhängig von einem selbstreferentiellen Bewusstsein. Sie existiert nur in einem materiellen Kosmos, der uns vortäuscht, alles kenne eine stabile Form. Das Ich scheitert an seinem Zerbrochen-Sein. Es zu vervollkommnen hieße, den Sinn des Lebens falsch verstanden zu haben.“


Das Ich kann sich nicht finden in einem selbstreferentiellen Abgleich gegen ein wie auch immer geartetes Aussen. Auch die selbstreferentiellen Prozesse innerhalb des eigenen Innenlebens, das sich selbst Besinnen sind letztlich Abgleiche gegen ein Aussen, weil im Blick auf einen inneren, von mir abgerückten Spiegel gesehen. So fruchtbar solche Prozesse sein können, so können sie dennoch scheitern, wenn das Ich im Anschauen seiner selbst hängen bleibt, sich nicht erkraften kann in einem sich selbst bezeugenden schöpferischen Prozess.
Nur in einem derartigen Prozess kann es sich zur Erscheinung bringen, um gleichsam zu verlöschen, in den Hintergrund eines vorläufigen Nicht-Ausdrucks zu treten, wenn der schöpferische Prozess an ein Ende gelangt oder abgebrochen wird. Das Ich lebt also aus der schöpferischen Spannung heraus, aus der Unmittelbarkeit erlebenden sich Bewegens.
Das Ich ist somit eine Potentialität und tritt nur insoweit in Erscheinung, als seine Potentialität sich in schöpferischem Tätig Sein zur Entfaltung bringt. Andernfalls ist es nicht und das Ego übernimmt die Aufgabe eines Platzhalters, einer Stellvertreterschaft bis das Ich wieder in seine Kraft erwachen darf und kann.
Es ist das Ego, das es so überaus gut versteht über unser Innenleben die Illusion auszubreiten, das Ich bedürfe der Vervollkommnung. Nein. Das Ich ist Kraft seiner schöpferischen Potenz vollkommen.
Diese Potenz zu entfalten bedarf es des Mutes. Es ist letztlich wie ein Gang über das Wasser oder auch ein sich in der Bewegung selber den Grund schaffen über den, auf dem ich gehe.
So in Bewegung weiss ich wer ich bin.

Bernhard Albrecht,

Dienstag, 22. Januar 2013

Über den Widersinn des Erlebens von Grenze

Über das Nichts zu reden scheint in gewissen Kreisen heute um sich zu greifen. Eine Grenze wird irgendwie erlebt, über die es einem hinaus drängt, die jedoch bei näherer Betrachtung möglicherweise nicht in der Art überschritten werden kann, wie es auf den ersten Blick hin als dunkle Möglichkeit mir vor Augen zu treten scheint. Was liegt da näher, als dieses numinosen Zustand, der gerne am ultimativen Ende einer Erkenntnis- und Selbsterkenntnis Auseinandersetzung gesehen wird, als Jenseits - Nichts oder auch Leere zu bezeichnen.
Nun, in den Grenzen des auf sich selbst bezogen Seins, in dem das Ego sich bewegt, scheint dieses Jenseits - Nichts das einzig mögliche Konstrukt extrapolierender Vorstellungsbildung innerhalb eines möglichen Erkenntnis Horizontes zu sein, welche mir eine bestimmte meditative Erfahrung plausibel machen kann. Wie weit dieses Nichts dann auch tatsächlich erlebt wird und was es mit dem möglicherweise blossen  Anschein eines derartigen Erlebens auf sich hat, das ist eine andere Frage. Eindeutig ist wohl die Tatsache eines Bedürfnisses diese Grenze zu überschreiten, die Fesseln des Ego zu sprengen, dessen Grenzinnenraum doch immer wieder gerne aufgesucht wird, um bei auftretenden Unsicherheiten oder auch gegenüber etwas, das als Gefährdung unterschwellig erlebt wird, Halt findend sich abzuschotten.

Grenze: Taste ich mich an dieses Wort heran, so kann mir eines klar werden: Ich kann nicht aus meiner existenziellen Haut heraus schlüpfen, auch nicht auf dem Weg über einen sogenannten leibfreien Zustand. Ich erfahre mich auch in dieser Formdynamik des Seins als existierend. Wenn ich den Wechsel meines Bewusstseins in diese Daseinsdynamik hinein als eine Grenzüberwindung bezeichnen möchte, dann ist es kein Wechsel in ein so genanntes Nichts hinein. Die Frage ist zudem, ob ich damit auch tatsächlich eine Grenze überwinde oder zum Inhalt meines Erlebens einfach eine anders  geartete  K r ä f t e d y n a m i k  wird.

Mein Ego versucht mich gerne auf alle nur erdenkliche Weise innerlich anzuzünden, meinen Erlebnisraum nach dieser übersinnlichen Seite hin zu erweitern, es lässt mich aber wohl weisslich im Unklaren darüber, welche Kräfte ich dazu brauche, mich in diesem Bereich dann auch sicher bewegen zu können.
Gewisse heute, auch öffentlich geübte meditative Praktiken führen, nachdem der „Affentanz“ bestürmender Gedanken beruhigt ist, dem Anschein nach in eine Art Erfahrung von Nichts oder Leere. Dem Anschein nach, denn sobald der innere Beobachter in der Meditation mitgeführt wird, ergibt sich da für den Beobachter diesbezüglicher Prozess -Szenarien nicht ein anderes Bild von dem, was da geschieht und erlebt wird?
Es ist erstaunlich wie wenig im Ausüben derartiger Meditationspraktiken das Ich in den Fokus der Betrachtung rückt. Mitunter wird in andeutenden Beschreibungen des Geschehens um derartige Meditationsweisen von der Überwindung des Ich gesprochen, ohne dass dieses selbst, wenn auch nur versuchsweise, einer näheren Betrachtung unterzogen wird.
Mit dem Ausräumen der inneren Stube von bestürmenden Gedankenwelten, im Einstieg in eine tiefere Meditationsebene, scheint unversehens auch das Ich mit ausgeräumt zu werden. Jedenfalls wird rückblickend  auf in diesem Zusammenhang gemachte  Meditationserlebnisse nicht mehr vom Ich gesprochen, sondern von Erlebnissen kosmischen erfüllt Seins mit Blick auf visionäre Willensperspektiven. Interessanterweise wird der Blick auch ausschliesslich auf die Zielrichtungen des Willens gerichtet und nicht auf ihn selbst.
Was es mit dem Willen auf sich hat wird nicht geklärt auch eine mögliche Verbindung von Ich und Wille scheint nicht am inneren Horizont des Fragens auf zu tauchen.

Eine anders geartete  K r ä f t e d y n a m i k ! Und - die Frage nach dem Willen rückt erneut vor das innere Auge.
Der Wille ist für mich, wie mir nach über viele Jahre hinweg anhaltendem Betrachten der Frage  vor Augen tritt, nicht in einem „über mich hinaus,“ sondern auf dem Weg mehr in mich hinein zu finden. Mehr in mich hinein, durch die Dunkelheit des Leiberlebens zu einer Zurückdrängung des Leibes vorzudringen, was nicht heisst den Leib abzustreifen. Der Leib ist nämlich der Schmiedemeister, der mir im Feuer der Begierden meine Sinne schärft.
Die Begierden nicht als lästige Fliegen zu betrachten, die auf dem Weg möglicher übersinnlicher Erfahrung zu überwinden sind, sondern sie als Lehrmeister für das Schärfen meiner Sinne anzuerkennen, das macht den Weg frei im Ergreifen und ichhaften Durchdringen dieser erweiterten Kräftedynamik nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren.
An der Pforte zur Dunkelheit des Leiberlebens gilt es, wie mir scheint, eine grundlegende Erfahrung zu meistern, die durch immer wiederkehrende, hartnäckige Nebel der Müdigkeit, die über mich herfallen, sich anzeigt. Auch das immer wieder sich ereignende, meist schnelle Aufgeben oder nicht konsequent Fortfahren im Üben auf dem Weg zum geistigen Erfahren,  ist eine Wirkung solcher innerer Nebelbildungen. Und letztlich ist es das Ego, in dessen Armen ich immer wieder lande.
Mit den Nebelbildungen sind, bei näherem Hinsehen aber immer mehr oder weniger bewusste Begierden oder Ängste verbunden. Sie ruhig und wertfrei anzuschauen erfordert einigen Mut. Mit anderen Worten, sich anhaltend lächelnd über die eigene Schulter wie ein Fremder zu schauen ist hier angezeigt - immer wieder - bis sich derartige Gedanken- und Empfindungskomplexe still aufzulösen beginnen. Das Bedrängende geht, wenn Du es nicht mehr fürchtest, es mit allerlei selbst erzeugten Verschleierungen zudeckst und damit die Augen vor ihm verschliesst.
Zurückdrängung des Leibes! Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, dass damit von einer Verdrängung des Leiblichen gesprochen wird, um an die eigentliche geistige Dimension herantreten zu können. Gemeint ist aber „durch den Leib hindurch“ und nicht am Leib vorbei zum Geiste vor zu dringen. Gemeint ist den eigenen Willen nach und nach so weit zu verdichten, ihn in innerer Präsenz, in seiner Prozessdynamik gegenwärtig zu halten, dass der Tanz der Begierden, wie er sich aus leiblichen Prozessen heraus im Seelenleben zum Ausdruck bringen kann, dass ich im Anschauen dieses Geschehens die Oberhand behalten kann. Darin liegt das eigentliche Thema von innerer Gelassenheit und Urteilsfreiheit.
Die Freiheit kann der Mensch sich nur selber nehmen, indem er sich durch Selbstverurteilungen in seinem Kräftewirken knebelt. Freiheit kann mir auch kein Mensch nehmen, ausser ich lasse es aus einer inneren Schwäche heraus zu. Insofern sind die Härten, die andere Menschen mit ihrem scheinbar unangemessenen Verhalten und ihren Übergriffen mir zumuten können meine Herausforderer im Ich zu erwachen.
Freiheit kann demgemäss auch nicht das Ziel einer fernen Zukunft sein. Sie ist und wird jetzt, in diesem Augenblick und das immer wieder neu und in einer sich vertiefenden Art und Weise, oder sie manifestiert sich nie. Von Freiheit zu träumen, sie in die Zukunft hinein zu verschieben ohne aktiv gestaltend etwas für sie zu tun ist in sich widersinnig. Freiheit ist die Aufgabe des Ich. Niemand wird sie mir geben , wenn ich sie mir nicht erwerbe, auf allen Ebenen des Seins.

Der Widersinn einer irgendwie gearteten Grenze fällt dort in sich zusammen, wo das Ich in seiner Unmittelbarkeit ins Leben eintritt, wo das Ego mit seinen selbstbezognen, Angst durchwirkten Seelenverstrebungen in dieser seiner Aktivität entlarvt wird. Und diese Aktivität kann unmerklich bis in ein Geistiges hinauf wirken.
Visionen kommen nicht wirklich aus dem Geistigen, sie sind Spiegelungen leiblicher Prozesse in einen scheinbar geistigen Raum hinein und werden demgemäss als Widerspiegelungen erfahren. Charakteristisch für sie ist, dass sie den Willen anzünden, ihn aber nicht freilassen.
Das Ego spiegelt tief unterbewusste eigene Wünsche und Sehnsüchte an die Wände seiner gleichsam „inneren Dunkelkammer,“ die in ihrer Schwärze als Nichts oder Leere erlebt wird und empfängt in einer Art Lichtreflex Visionen. Durch eine narzisstische Persönlichkeit übermittelt, können diese eine euphoriesierende Wirkung aussenden, die für den Moment begeistert, im Ansatz auch Transformation anstossen kann, aber letztendlich nicht nachhaltig wirkt, weil das Ich nicht angesprochen wird. Es werden latente Abhängigkeiten geschaffen und die Freiheit, die nur aus dem Ich heraus Leben gestaltende Wirklichkeit werden kann, bleibt aussen vor.
Die Unmittelbarkeit des Ich zu leben ist allerdings mehr als herausfordernd. Schon das  von Innen her sich Annähern an die Kräftewirkungen, die durch das Ich freigesetzt werden, erfordert Mut. Das ist kein schwereloser und auch kein abstrakter Zustand, wie mitunter angenommen, in dem der Erfahrende sich in Einheit mit einem Alleins erlebt. Es ist ein Zustand wachsender Kernung und zunehmend innerer Einsamkeit unter einem Gewicht von Verantwortung, die getragen sein will.
Die Wirklichkeit des Ich zieht die Erfahrung einer Form von Selbstkonfrontation nach sich, um die Du Dich nicht mehr herumschleichen kannst. Was es heisst sich „unbestechlich“ selber in die Augen zu schauen, das wird zum Erlebnis in den fortlaufend gegenwärtigen Möglichkeiten und tatsächlichen Ereignissen eines Absturzes, innerhalb permanenter Gleichgewichtsbemühungen im Gehen über steil abfallende Bergkämme. Und wenn ich dies sage, dann ist dies weit weniger ein Bildverweis, als wachsende unmittelbare Tatsächlichkeit im eigenen inneren seelischen Beobachten und Erleben.
Dabei geht es um das Wirksamwerden des Ich in meinem und Deinem Alltag und nicht um ein Verschieben an einen fernen sogenannten Entwicklungshorizont. Das Ich verbindet sich „jetzt“ oder nie mit Deiner Lebenswirklichkeit. Und hier gibt es nur eine scheinbare Grenze. Du vermeidest das tatsächlich tiefere Hineingehen in Deinen Willen und damit das Straffen Deiner Leiblichkeit. Der Weg, sich hier, nach Art des Mondlichtes gespiegelt, in ein Alleins hinein zu träumen scheint der leichtere Weg zu sein. Er suggeriert Dir das Erleben eines schnelleren Ankommen. Der Weg des Ich aber ist ein innerer Sonnenweg.

Bernhard Albrecht





Donnerstag, 10. Januar 2013

Nimm Deine Füsse mit

Wie gehst Du, wenn Du gehst? Hast Du mit Deinem inneren Blickorgan innerhalb Deines Gedanken-und Empfindungsnetzwerkes Kontakt zu Deinen Füssen, die Dich gerade da oder dorthin führen? Bist Du Lenker/in Deiner Schritte oder werden Deine Füsse von diesen oder jenen Gedanken (auch Idealen), Gefühlen oder Wunschvorstellungen einmal hierhin, dann wieder dorthin gezogen? Gehst Du Deine Wege mit einer klaren Intention oder trudelst Du mehr oder weniger im Schleudergang oder im innerlich abgeschotteten Gewohnheitstrott, gewürzt mit Sarkasmus durch Deinen Tag. Es ist nicht ganz einfach sich darüber einen nüchtern sachlichen und korrekten Aufschluss zu geben, ohne irgendwelche eingeflochtene Selbstbeschönigungen. Diesen blickst Du nämlich unmittelbar in die Augen, wenn Du einmal damit begonnen hast Dir gelegentlich selber über die Schulter zu schauen.
Das Ego ist ein Meister der Selbsttäuschung, wie du spätestens dann anfängst zu bemerken. Und wenn Du damit einmal angefangen hast, dann wird es Zug um Zug schwieriger derartige Manöver zur Selbstvertuschung einzufädeln.
Du hast mit der Übung Dir selber wie ein Fremder über die Schulter zu schauen einen Weg betreten, auf dem Du von einem gewissen Punkt an nicht mehr umkehren kannst. Es geht nicht mehr, ohne dass Dir leise, bzw. bis in der Art einer Sturzflut überdeutlich eine Schamröte ins Gesicht steigt. Nimm es als Fortschritt. Du kannst den erlebenden Teil Deiner Seele nicht mehr deckeln. Vom Leben berührt durchpulst Dich hinfort eine Bewegungskraft, mit der umzugehen Du nun lernen musst.
Im Bilde des Märchens gesprochen: Dem treuen Johannes springen seine drei Eisenringe auf, die er um die Brust getragen hat oder anders ausgedrückt, das Ego hat sein Werk getan und das Ich ist gefordert die Verantwortung für die weitere Entwicklung seines Königtums zu übernehmen.

Nimm Deine Füsse mit!
Deine Füsse haben etwas mit dem Willen zu tun, dem von Dir umgekehrten, dem Ego abgewandten Willen, dem Willen sich auf das Unterbewusste in Dir einzulassen, das Dir das Du in Teilen stets da und dort spiegelt.
Nur auf den ersten Blick scheint es so, als ob das Denken nichts mit den Füssen zu tun hätte. Es hat! Das Denken gründet nämlich auf einem Willensakt, was übersehen wird, solange es einfach im Alltagsgeschäft vor sich hin plätschert, ohne dass Du dabei wirklich bemerkst, was Du da eigentlich tust.
Mit den Füssen gehst Du in die Welt. Mit Deinem Denken, das für seinen Willensanteil in sich erwacht, gibst Du der Welt, den Menschen in Deinem Schicksalsumkreis durch Dein Vorbild die Gelegenheit ihrerseits einen Metanoia-Prozess zu initiieren. Indem Du an Deinem Gegenüber, dem Du anderer Menschen für  Dein Unterbewusstes erwachst, das Dir von dort her gespiegelt wird, indem Du nicht nur heftige, sondern auch leise Regungen, die sich in solchen Begegnungen in Dir auftun, nicht mehr sogleich zurück weist, sondern Dich darauf einlässt, beginnst Du für das, was Dein Ich in seinem Kern ist, aufzuwachen.
Deine Füsse tragen Dich also in die Welt, Deine Füsse führen Dich letztlich immer wieder zu Dir selbst.
Versuch es einmal, in einer Fussgängerzone oder auch auf einer Parkbank sitzend die Vorbeigehenden still zu beobachten - ohne dies oder jenes, was Du siehst zu bewerten. Du wirst sehen, dass dies gar nicht so einfach ist, dass Dir das Urteil schneller über die Schippe springt, als Du es zurückhalten kannst. Damit bist Du aber wieder bei Dir angekommen. Mit Deinem Willen Dich nicht in der blossen Anschauung der Geschehnisse zurückhalten zu können, gibst Du Dir  U n b e k a n n t e n  die Gelegenheit Dir so manche Kleingeistigkeit Deiner Unterwelt wider zu spiegeln.

Lass Dich darauf ein. Du kannst nur gewinnen, indem Du Dir in dieser Art zu begegnen bereit bist. 

Du resignierst nach wenigen Übungseinheiten, weil Du keine oder in Deinen Augen nur eine zu geringe Veränderung zum Besseren an Dir feststellen kannst? Dein Ego hat Dir ein Bein gestellt, denn Du hast das Lächeln über Dich selber vergessen!
Mit dem Lächeln weitet sich Dein Herz, Gelassenheit kehrt ein. Du betrachtest Situationen, andere Menschen weniger unter Deinen, in der Regel kaum mit reflektierten, eng auf Deine Art der Weltbetrachtung bezogenen Gesichtspunkten. Du gibst innerlich Raum dafür andere Weggebärden wahrzunehmen und  w ü r d i g e n  zu können. Du brichst Deine Ordnungsmuster auf und beginnst nach und nach Dich auf ein  E r l e b e n  einlassen zu können, das andere Erfahrungs- und Entwicklungswege zulassen kann. Du fängst, vielleicht zunächst zögernd zu erfahren an, wie es ist tatsächlich den ein oder anderen Schritt „in den Schuhen eines anderen Menschen“ zu gehen.
Das Abrücken von Deinen (eingeengten) Gesichtspunkten schafft Dir inneren Raum zuerst leise, dann immer deutlicher zu erspüren, was es bedeutet ein Ich zu  s e i n  . Seltsam, nicht wahr, im Abrücken von Dir selbst, Deiner Art der Weltbetrachtung, findest Du Dich selbst, lernst du dich in Deinem Ich zu ergreifen und ... aus dem Ich zu leben.
Für Deine Wahrheit zu kämpfen und damit verdeckt die Möglichkeiten anderer Entwicklungswege zu bekämpfen, „leise“ gewalttätig zu verdrängen oder auch in Achtsamkeit verpackt sie letztlich nur scheinheilig zu tolerieren, weil Du nicht für Dich einstehen kannst, ist eines. Da wären wir erneut an der Klippe zwischen Ego und Ich, zwischen Angst und dem möglichen Sprung über einen, Deinen Abgrund.
Ein anderes ist es innerlich im Begegnen mit dem Du soweit loszulassen, dass alles, was Du bis an hin gewöhnlich so sagen konntest, wie vor Deinen Augen verbrennt, in einem Sturm Dir entrissen wird und Du in eine Erfahrungszone eintrittst, die Sokrates so beschrieben hat: „Ich weiss, dass ich nichts weiss.“ Eine sehr luftige Nullpunkt Erfahrung, wenn Du Dich im Durchgang durch die Unterwelt, im Annehmen der unterbewussten Seiten aus den Spiegelungen, wie Du sie durch die Du Begegnungen Deines Lebensumkreises erfahren kannst, innerlich in Deinem Willen mehr und mehr aufrichten konntest.

Nimm Deine Füsse mit!
Die Kunstgeschichte hat in ihren Archiven nicht wenige Bilder von Michael im Kampf mit dem Drachen. Lassen wir uns auf das eine oder andere Bild tiefer ein, so können wir eine unerwartete innere Erfahrung machen. Im Zentrum des Kampfgeschehens, dort wo der Speer den Drachen zu treffen scheint, kann sich ein Raum unerwarteter Stille auftun. Michael tötet den Drachen nicht, er schafft einen inneren Abstand, in dem er die Kräfte des Drachens sich zur Anschauung bringen kann. Und damit sind die Bilder Michaels mit dem Drachen Urbilder des Erwachens zum Ich.
Noch tiefer betrachtet sind es Bilder tiefster Demut, denn sie sprechen von der Integration der Schattenwelt und nicht von deren Bekämpfung und Verdrängung. Auch eine bestimmte Art postmoderner Abstraktion kann einen verborgenen Verdrängungsfilter leise beinhalten, kann!
Wie will das Ich je, in Quadranten verschoben, zu einer real erfahrbaren innerer Grösse heranwachsen können. In Abstraktionen sich scheinbar zu verständigen, visionär Absichtserklärungen zu pushen, erweckt das Ichkraft über einen kleinen Augenblick hinaus? Jemand tritt Dir damit auf die Zehen, mobilisiert zum wievielten Male Sisyphos Kräfte in Dir und der Stein entgleitet wieder und wieder im Anschieben auf ein Gipfel Erreichnis Deinen Händen. Willst Du im Ich wirklich erwachen, dann wirst Du nicht umhinkommen diese Schicht der Abstraktion mit Deinem Willen, die Drachenhaut in Dir belebend, zu durchdringen.
Und das bedeutet dem Du  o h n e  die Panzerungen Deiner Abstraktionen  e r l e b e n d  zu begegnen, die letzte Himalaya Hochburg aus freien Stücken zu verlassen und ins Tal, in das Tal Deiner Unterwelt hinab zu steigen. Dem Leben begegnest du dort in der Tiefe. Die Tiefe wird Dich von der hartnäckigsten Illusion befreien, Du könntest über die Abstraktion zu einem nachhaltigen Erwachen gelangen. Den in der Abstraktion verborgene Sternen Kranz, kannst Du ihn opfern?

Bernhard Albrecht

    

Dienstag, 1. Januar 2013

Ziehe Deine Schuhe aus ...

Und immer wieder die Frage nach dem Willen!
Ein ganz wesentliches Hindernis den eigenen Willen in den Blick zu bekommen scheint mir in den Bildern zu liegen die „ein jeder“ meist sehr, sehr unterschwellig von sich selber hat und mit sich herumträgt, in sein Denken und Sagen unversehens mit hinein flicht. Kommt es dann zu einer Antwort eines Du auf mein Sagen, so ist sogleich das Bild von mir, das eng verbunden ist mit dem, was ich sagend auszudrücken versucht habe, damit angesprochen - fühlt sich mehr oder weniger deutlich gedrängt sich zu verteidigen. Ich springe innerlich gleichsam der Antwort auf den Rücken, dresche ihr eins über, - das kann durchaus auch vornehmer sein - und übersehe, ja ich berühre in einer derartig reaktiven Haltung nicht annähernd die Sachebene des Gesagten.
In diesem ersten Augenblick des Hinschauens auf eine Antwort entscheidet sich, ob damit ein Erwachen am Anderen mit initiiert wird oder nicht.
Viele, viele Missverständnisse können so, ohne einen gewissen Abstand, indem ich gleichsam wie ein von meiner Seite aus unbeteiligter Fremder auf eine Antwort an mich hinblicke, unter Menschen entstehen, ziehen unscheinbare Gräben, richten Mauern auf und die eine oder andere Seite miteinander Reden Wollender überhört so die Oberton-Fanfaren, die durch das Du zu neuen Ufern durch innere Wandlung riefen.                            
Nicht selten schleppen sich derartige Brüche über Jahre hinweg durch eine Biographie als prägende Eindrücke weiter, können sich zu wahren inneren Komplexen erweitern und verseuchen als zunehmend giftiger werdender Bodensatz neue Begegnungen, blockieren oder behindern, allen Anstrengungen zum Trotz die weitere Entwicklung.  
Es ist also das Bild von mir, das ich unterschwellig zunächst in alles mit hinein trage, was ich kommuniziere, das mich daran hindert an den Ursprungsquell meines Willens innerlich herantreten zu können, solange ich aktiv von meiner Seite aus das Erwachen nicht mit initiiere. Solange ich also auf ein Antworten mich innerlich nicht abfragen kann, was hat diese Regung, dieser Drang in mir dies und das vermeintlich darauf erwidern, richtig stellen oder behauptend dem Anderen glauben gar unterstellen zu können, was hat das mit mir zu tun.
Oder auch: was hat dieses gegenüber dem Du, nicht selten gut kaschierte, zurück gehaltene innere Grollen und Giften, das sich zur Gänze innerlich auf dieses hin projizierend richtet, ohne die tief in mir verdeckt gehaltene Quelle eines derartigen Prozesses ins Auge zu nehmen; welche innerliche Unausgeglichenheit oder Unsachlichkeit in weiter zurückliegenden Geschehnissen, möglicherweise auf ganz anderen Geschehnis Feldern, drängen hier wieder an die Oberfläche und verleiten mich sie erneut zu verdrängen und auf das Du hin zu übertragen? Wenn derartige Regungen angesichts der Worte des anderen Menschen in mir mehr oder weniger hoch kochen, ohne dass ich sie auf seinen Bezug zu mir hin abfrage, bleibt mir die Tür über die seelische Beobachtung im Denken sehend werden zu können verschlossen.
Mein Selbstbild ist die Tür - und Interesse, ein Interesse ohne jeden Vorbehalt auf den anderen Menschen und sein Sagen hin kann diese Türe öffnen. Erwachen am Anderen ist meine Aufgabe. Den Anderen widerlegen und korrigieren zu wollen, in diesem oder jenem innerhalb seines Sagen, das ist nicht mein Ding, das kann er nur selber. Kein noch so gutes Argument kann, genau besehen, innerhalb von Entwicklungsprozessen da irgendetwas ausrichten.
Mein Erwachen am anderen, mein fortlaufendes Bemühen darum, das allein kann lebendige Kräfte freisetzen, die hilfreich sein können für den anderen Menschen seinerseits zu erwachen, mehr aber auch nicht. Durch seine Prozesse hindurch gehen, die Not wendenden Schritte dazu nach und nach ins Auge zu nehmen, das kann allein er selbst. 

Und immer wieder die Frage nach dem Willen!
Mit dem vorausgehend Gesagten ist immer wieder, wenn auch mehr indirekt, aber dennoch sehr präzise auf den Willen verwiesen, ohne ihn selber näher zu beschreiben. Beschreiben lässt sich der Wille nämlich nicht, denn non duale Vorgänge lassen sich nicht von Du zu Du adäquat beschreiben, sie lassen sich nur auf dem jeweils eigenen Geschehnis Untergrund selber beobachten und das erst dann, wenn du aufhörst das Du als Deine Projektionsfläche zu missbrauchen, wenn Du die Verschleierungen Deines Ich durch dein Ego bezogenes Selbstbild bereit bist erwachend zu durchdringen.
Das Feld auf dem das Ich, erwachend für sich selbst tätig werden kann, ist die Unmittelbarkeit. Die Unmittelbarkeit wiederum ist eng an den Zeiten-Raum der Stille geknüpft. In der Stille, dem Quellpunkt des Ich, wiederum ist der unbewegt bewegte Wille, der gleichsam jungfräuliche, noch nicht durch das Ego korrumpierte Wille beheimatet.
Es gehört ein sehr fein gestimmtes waches inneres Gleichgewichtsempfinden dazu, sich dieser Sphäre der Erfahrung, dem unbewegt bewegten Willen, dem Willen als schöpferische Potenz des Ich, innerlich auch nur annähern zu können. Hier gilt nämlich das Wort, das sich dem inneren Erfahren des Moses in einem  Moment des Erwachens einstmals offenbarte: „Ziehe Deine Schuhe aus, denn der Grund, den Du betrittst ist heiliger Boden.“

Bernhard Albrecht

Mittwoch, 28. März 2012

Der Pfad der Bestimmungslosigkeit


 In Weiterführung der beiden nachfolgend zitierten Texte von Burghard Schild vom 25.3.12
(www.Blog B.blogspot.com).
„Noch einmal. Wenn Freiheit schön wird. Wenn? Wie ist sie denn, bevor sie schön wird? Die Frage hinkt? So, wie sie auf einem Bein daher kommt? Das zweite Bein ist weiteres Fragen?
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.*? Eine jegliche Geburt bedarf der Empfängnis? Freifrau von Bestimmungslosigkeit empfängt im Zwischenraum das sündenfällig Gegebene? Sie erteilt Absolution? Aus absoluter Freiheit? In wessen Namen? In Namenslosigkeit? Also vor der Taufe? So wie neu geboren?
Du Schöne!“
*Schiller im 2. Brief seiner Brieffolge: „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

                                                                 Zueignung

                                                           Welche Glut freit;
                                            Ins Kreuz geschmiedeten Rosenduft?
                                                   Kein Königssohn nirgends!
                                                             Ich, wo bist Du?
                                           Noch namenslose Königin aus Nacht;
                                                               In Dir gebier
                                                         Den Sonnenwender.

                                                                        B.


Lieber Burghard

Dein Eintrag auf Deinem, Blog regt mich zu einigen Gedankengängen an, die den Umfang eines blossen Kommentars überschreiten. Nimm also die nachfolgenden Gedanken als eine Art Fortführung der Deinen unter erweiternden Gesichtspunkten.
„Freifrau von Bestimmungslosigkeit!“ Die Bedeutung und Bestimmung auf ein Gesagtes hin fügst Du aus Deiner keimenden Erinnerungskraft, im Angesicht des im Spiegel meiner Worte bestimmunglos Aufscheinenden, also aus Deiner inneren Tätigkeit hinzu. Du bist es, was Du im Spiegel meiner Worte siehst. Wenn in Dir möglicherweise also ein „Ja Aber“ aufsteht, wenn auch noch so fein gestimmt ein wie auch immer Dagegen, „wogegen!“ vermeint aufzustehen zu müssen, dann stehst Du gegen Dich selbst auf, bist unmerklich im Begriff Dir selbst den Weg zum Ich hin abzuschneiden.
Die Tücke im Erwachen am anderen Menschen: Die unmerklich klammheimliche Flucht vor dem Eingehen in den „Grund,“ die Stille, die gleicherweise lichte, wie dunkle Stille, das sokratische Ich weiss, dass Ich nicht weiss.
Mal ganz ehrlich - und ich beziehe mich in diesen frei lassenden Prozess selber mit ein - so leicht ist das nicht, was ein jeder eventuell weitere wagemutige Leser dieser Zeilen für sich herausfinden kann, so er will, so er dem „Willen in selbst erhellender Tateinheit begegnen“ will. Der „fühlend“ zu erlebenden Demut. Der aus immer wieder neuer Selbstüberwindung hervorgehenden Ergebenheit dem „grossen Willen“ gegenüber.
Mache ich es mir in meinen Schritten selbsterhellend mir selber gegenüber zu treten nicht zu leicht, ist die hier beständig auf ein Neues hin zu prüfende Frage. Selbst auf einen einmal getanen Schritt hin, immer und immer wieder. Schon die zaghaft erlebend voraus tastend erahnte Nähe zum „Grund“ hin ist gewissermassen porös, ist unter meinen Füssen mit schwindelerregender Unsicherheit behaftet. Und damit verweise ich nicht auf ein Bildhaftes, sondern auf etwas real Erfahrbares hin.
Die Taschenspieler Tricks möglichen Erfahrungen dieser Art sich zu entziehen gehören zu den Schwellenerlebnissen vor dem tatsächlichen Eintritt in den „Grund.“ Was das Denken ist, weisst  Du es? ist, so sehe ich es aus meinem Erfahren heraus, vor einer tieferen Berührung mit dem Grund nicht zu sagen.
Hältst du Dich für aufgeklärt, was das Denken betrifft? Wirklich? Die wunderbaren, wenn auch schmerzhaft immer wieder neu zu erringenden Freiheitserlebnisse im Durchschreiten des weissen Formates für ein werdendes Bild, sie bieten noch keine Gewähr dafür im eigenen Denken nicht einem Mythos zu verfallen! Ich/Du wissen, dass Ich/Du nichts wissen. Mal ehrlich, ist das gerade „Jetzt“ so?! Dem leidenschaftlich, dem mit viel Herzblut ringenden Künstler steht nicht selten in eigener Person ein Denker im Glashaus, gefangen in selbst erzeugten Formalisierungen, gegenüber.
Siehst Du den Boxsack, der jetzt auf Dich zu taumelt? Kafkas Prügler, beschrieben in seinem Roman: „Der Prozess,“ ist keine Schimäre!
Bevor Du nicht durch derartige Prügel Erfahrungen  hindurch bist, bis zu dem Punkt, da in Dir keine Gegenwehr mehr aufsteht, kannst Du nicht erfahren, was Denken ist. Das haut Dich jetzt um. Hoffentlich! Denn Demut als durch und durch geklärte Erfahrung blüht in dir erst dann wirklich auf, wenn Du ohne Gegenwehr durch eine totale K.O. Erfahrung gehen konntest.
Du widersprichst?! Pass auf und siehe oben! Mein Sagen ist bestimmungslos, bis Du im „Spiegel“ meines Sagen aus Deinem Denken heraus ihm Bedeutung gibst. Wie soll ich ihm Bedeutung geben, wenn ich nicht weiss, was Denken ist?  Wunderbar! Die Demut eröffnet Dir das Tor zur realen Erfahrung des Grundes und ... aus dem Grund geht auf Dich zu Dein Ich, das Dir im lebendigen Denken Absolution erteilt. Das sündenfällig Gegebene zerfällt in sich und aus dem Namenlosen erblüht die Antwort des Geistes aus dem Urgrund des Ich.
„Welche Glut freit ins Kreuz geschmiedeten Rosenduft?“ Die schöpferische Glut Deines Ich. Du selbst bist der Königssohn, den Du erwartest und der nur aus Dir geboren werden kann. Die namenlose Königin aus der Nacht heisst: Erinnerung. Erinnere Dich Deiner selbst im Sagen des Du und Du gebierst den Sonnenwender aus Dir selbst.
Zum Grundstock einer Zeitenwende werden die Menschen, die am Du erwachend, auferstehen in die Kraft ihres eigenen Ich.
Bewegt in Bewegung!

Bernhard Albrecht

 






Freitag, 23. März 2012

Im Vorhof der Stille

Innerhalb der Prozessbewegungen im Sich-Begegnen von Ich und Du ist der Vorhof der Stille vielleicht das am schwierigsten mit innerem Erwachen zu durchdringende Prozessfeld. Geht es hier doch um die Auflösung der dualen Beziehung im wechselseitigen einander mehr oder weniger erlebendem Anschauen und Begegnen. Steht im Mittelpunkt das langsame Bewusst Werden der Beziehung zwischen einem im bisherigen Entwicklungsgang auf das eigene Selbstbild bezogenen Handeln, hin zu einer werdend bewegt in Bewegung hervor gebrachten inneren Ich - Dynamik, die gleichermassen im Denken, wie im Fühlen und Wollen verankert ist.

Die zahlreichen latenten Konfliktprozesse, die hier kalt auf diversen inneren  Abstraktionsregalen lagern oder mit der beständigen Möglichkeit zu explodieren in Druckkammern weggesperrt sind, oft über Jahre hin, sie fordern das werdend in die Wachheit zu sich aufstehende Ich heraus. Bist du bereit Dein Sein und Werden auf nichts anders als Dich selbst zu stellen, Dich den mit Bestimmtheit an Dich heran tretenden zahlreichen „inneren Ausflüchten“ ein jedes Mal neu zu stellen?
Nondualität, wie von Ken Wilber beschrieben, muss aus der Abstraktionsfalle oder Abstraktionszurückhaltung heraustretend, erlebend in seiner inneren Prozessbewegungen vergegenwärtigt werden. Wenn das geschehen kann, dann ersteht daraus ein wachsend wacher werdender Ich - Prozess. Ein Ich Prozess praxisnah auf den „Weltengrund“ hin bezogen, wie Rudolf Steiner es in seinen Grundlinien einer Erkenntnistheorie beschrieben hat, ein Ich - Prozess aus der Stille heraus, kreativ unterschiedliche spirituelle Strömungen zusammenführend, in exakter Wachheit, anstatt im Gegeneinander eine mögliche gemeinsame Zukunft zu verlieren.
Die Zeiten dualer Auseinandersetzungen sind vorbei, ob äusserlich geführt oder innerlich versteckt hinter allerlei „egoistischen“ Ängsten oder Überheblichkeiten. Die diesen zu Grunde liegenden inneren Prozesse treten immer unabweisbarer vor die Schranken  des eigenen selbstverantwortlichen Tuns.
Jedem tatsächlichen äusseren Entwicklungsgeschehen geht eine innere alchemistische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit inneren psychischen Strömungsvorgängen voraus. Wo diese Arbeit vorweg nicht geleistet wird, können sich auch soziale Prozesse im näheren eigenen Umfeld oder im weltweiten Geschehen nicht verändern. Und auf welchem Pulverfass wir hier sitzen, das kann ein Jeder heute wissen. Eine zukünftige Entschuldigungslinie: Das habe ich/wir nicht gewusst, diese ist schon von heute her ausgeschlossen.
Zu oft ist ein jeder, mich eingeschlossen, hier schon vor diverse Tore zum Ergreifen eigener Selbstverantwortlichkeiten gestellt worden und sei es nur dahin gehend, dass er mit diversen Aggressionspotentialen im Umgang mit Menschen seiner nächsten Umgebung innerlich „anders“ umgeht. Solche nicht selten still vor sich hin brodelnden Prozesse, selbst illusionierend mit dem Feigenblatt der Friedfertigkeit oder vordergründig formalisierender Sachlichkeit garniert, wirken letztendlich in verborgenen Stimmungslagen dennoch nach aussen. Sie wirken nachhaltiger, weil das aggressive Gift langsam soziale Bezüge unterwandert und auf diesem Weg unreflektierte antisoziale Haltungen an die Oberfläche des Geschehens treibt, ohne dass die beteiligten Menschen sogleich bemerken, was sie da eigentlich tun.
Die psychischen Vorgänge hier, finden ihre Widerspiegelung in  z.B. äusseren sozialen Gewaltprozessen. Alles ist mit allem verbunden und „Ich“ kann mich nicht mehr aus der Verantwortung für dieses oder jenes Geschehen herausnehmen. Dass dieses oder jenes geschieht, in Afghanistan oder vor meiner Haustüre in einer Schlägerei unter Jugendlichen, dazu habe ich mit beigetragen, in dem ich eigene Aggressionspotentiale unter den Teppich gekehrt habe, anstatt mich ihnen innerlich zu stellen und sie ohne Abspaltung nach aussen, sachlich vor dem eigenen inneren Auge anschaulich aufzulösen.
Für mein Denken und Empfinden bin ich und ist niemand sonst verantwortlich. Nicht der anderer Mensch ist der Auslöser für dieses oder jenes Empfinden in mir, sondern ich bin nicht wach genug, sodass mich ein Sagen aus meinem sozialen Umfeld schlicht auf dem falschen Fuss erwischt, ein bereits verborgen vorhandenes Aggressionsfeld in mir neu animiert und mich von dort her innerlich umhaut.
Dass ich aus dem Gleichgewicht geraten bin, dafür kann ich einen anderen Menschen ehrlicherweise nicht verantwortlich machen. Dafür, dass ich mich in einer Burg der Schöngeistigkeit oder des erkenntniswissenschaftlichen Purismus verschliesse, die Welt draussen nur über den Gartenzaun hinweg, ohne tatsächlichen Sinn für meine ganz konkret zu Tage liegenden  Selbstverantwortlichkeiten erlebe, dafür bin ich verantwortlich.
Stammtisch Verhalten zeigt sich nicht nur an diversen Stammtischen, sondern ist überall im „Mäkeln,“ z.B. mit meinem Wohnungsnachbarn im Treppenhaus, verborgen. Überall bei derartigen Anlässen meines Alltags bewege ich mich in verstecktem „Man - Gehabe“ anstatt im Ich. Ich bin nicht auf Augenhöhe zu mir und schon gar nicht zu dem Weltgeschehen, das ich unmittelbar vor Augen habe. Ich lebe abgekoppelt zu meiner Selbstverantwortung, die mich vielleicht gerade jetzt zur Tat ruft.
Mich ruft in Mitgefühl dem Menschen neben mir zuzuhören! Der Verzicht auf ein „dagegen“ Argumentieren, bewirkt, mit einem gewissen inneren Abstand betrachtet, nicht selten genau jene Lebenswendung, die kein unmittelbares Argumentieren hätte herbeiführen können. Vielleicht nicht kurzfristig, aber sicher genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Kehrtwendung durch eigene innere Einsicht, auf dem Boden geschenkten Mitgefühls.
Mitgefühl als  der Zündfunke durch den in anderen Menschen der innere Blick für selbstverantwortliches eigenes Tun aus dem Ich auferstehen kann. Stille innere Zuwendung, ein viel zu wenig beachteter, Wachstum fördernder Vorgang in heutiger Zeit.

Bewegt in Bewegung im Vorhof der Stille!

Bernhard Albrecht

Freitag, 16. März 2012

Einer Freundin

Bewegt in Bewegung.

Bewegt sein, sich berühren lassen durch das Sagen des Du, auch dann, wenn es mir vielleicht zunächst befremdlich daher kommen mag, das ist es, was mich in die tiefere Bewegung um, mit und schlussendlich in das Wort, welches das Du an mich heran trägt, erlebend hinein führt.

Bedacht sein darauf eigene Vorstellungen, die sich allzu schnell einstellen und unversehens hinein schwappen, sich übertragen auf das vom Du Gesagte und dieses damit in seinem ursprünglichen Gehalt verfremden, dass diese Vorstellungen zurückgehalten oder noch besser auf dem eigenen Denkbildschirm gelöscht werden, das schafft jenen Zwischenraum der Stille aus dem wir dann "bedacht" werden können, aus dem die Möglichkeit zu echter menschlicher Nähe erst wirklich entstehen kann.
Eigentlich fange ich dem Du erst von dem Augenblick an zu begegnen, in dem ich unter Verzicht auf Interpretation seines Sagen vor dem Hintergrund eigener Verstellungen oder Erwartungen jene erlebend fragende Offenheit herstellen kann, die das Rauschen im Blätterwald eigener Wortblähungen, die sich als Erwiderung aufdrängen wollen, einstelle.
Das Sagen des Du deutet sich durch sich selbst, wenn ich ihm in und aus dieser Stille heraus, die der fragenden Offenheit auf das Du hin folgt, entgegen trete, mich innerlich aufschliesse für sie, mich einlasse auf sie, die Stille  ... und in dieser inneren Stille einfach innerlich still hinschaue wiederum auf das Du.
Dies ist insofern nicht leicht getan, weil Mensch heute gemeinhin die grössten Schwierigkeiten damit hat den "Sokratischen Zustand," die innere Verfassung des "ich weiss, das ich nichts weiss" in solchen Momenten  zu zu lassen und "erlebend" aus und durch zu halten, bis eine Antwort durch sich selbst sich einstellt, bis Ich aus dem Raum der Stille heraus "bedacht" wird.
Die abstrakte intellektuelle Haltung, die heute als Verständigungsgrundlage weitgehend zu einem menschheitlichen Gemeingut geworden ist, sie ist Befreiung für den jeweils einzelnen Menschen selbst, aber zugleich auch tragisches Hindernis innerhalb der Möglichkeiten sozialer Begegnungen mit anderen Menschen. Die weltweit so zahlreichen offenen und verdeckten,  bis zur Unkenntlichkeit hin verschütteten inneren Konflikte unter den Menschen sprechen hier eine eindeutige Sprache.
Die Lösung liegt darin, aus der Stille heraus in neuer Weise handlungsfähig zu werden. Und wenn das nicht durch aktive Selbsterkenntnis möglich wird, dann werden eben Mächte des Chaos innerlich oder äusserlich auf diese oder jene Art zu schmerzlichen Lehrmeistern.
Für einen die Freiheit verwirklichen wollenden Menschen führt kein Weg mehr daran vorbei in seinem kleinen Lebensraum Ich- Verantwortung nach jeweils bestem wachsenden Vermögen zu ergreifen, erlebend in individuelle Gestaltungen zu prägen.
Du änderst die Welt, wenn Du Dich änderst - ganz bescheiden, ohne Angst, „Deinen“ möglichen Anteil an Erneuerung übernimmst, ohne darauf hin zu schielen, was der andere Mensch in Deiner jeweiligen Nähe nach Deinem Dafürhalten zu tun hätte. Wenn diese Erwartung nicht innerlich gestrichen werden kann, dann kann sich in einem sozialen Netzwerk, ob klein oder grösser gar nichts ändern.
Es mag ungewohnt sein, doch genau in dem Moment stehst Du, die Lesende dieser Zeilen im Zentrum der Verantwortung, die durch Dich wie auch immer gestaltet werden will, wenn Du vom Computerbildschirm Dich abwendest und in den Hintergrund Deines Wohnraumes trittst ... und niemand sonst. Was tust und denkst Du dann, zu was führt Dich dieses mein Denken und Tun. Wie begegnest Du diesen oder jenen inneren Anwandlungen usw.. Wie weit bist Du bereit in meinem Spiegel, im Spiegel vieler anderer Menschen aus Deinem sozialen Netzwerk, Dir selber zu begegnen, ... ohne warum auch immer, in dieser oder jener Weise innerlich ab zu blocken.
Hier werden Möglichkeiten sozialer Veränderung vorbereitet. Kein anderes Du kann durch irgendein Tor der Veränderung gehen, wenn ich nicht vorgängig durch mein Tor schreite, das im Spiegel des Du sich immer wieder neu auftut, Torbogen auf Torbogen, mich führend zum Erwachen zu mir selbst.
Ich in Balance. Der andere Mensch, das Du angenommen „auf Augenhöhe“, ohne Ärger, ohne inneres Verkrampfen, ohne ... wie auch immer. Still.

Frühling, Kraft der Erneuerung aus der morgendlichen Stille vor dem ersten Vogelruf. Frühling, kraftvolle Schritte hinein in den Morgen, hinein in den wachsenden Chor jubilierender Vögel. Frühling, ich werde selbst zum Sänger durch mein Tun. Frühling, Ich in Balance, Ermunterung aus tausend Vogelkehlen!

Bernhard Albrecht

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Stille als Quelle sozialen Wirkens

Kommentar auf einen Blog Eintrag von Junko Althaus.
http://philosophie-der-freiheit.blogspot.com/2011/10/moderne-christuserfahrung-teil-1-die.html#comments

Die Kulmination der anthroposophischen Bewegung der Jahrtausendwende ist bereits voll im Gange, wenn auch auf eine sehr stille Art. Und dennoch wirkt genau diese „Stille“ brüderlich über die gesamte Erde hin, in und durch viele Herzen, immer kraftvoller. Die Menschen, die ganz zu sich finden, sind die Träger dieses Impulses, durch alle Kulturen hindurch und über alle Länder hinweg. Lichtpunkte überall, für den, der mit dem Herzen hören und sehen will.
Sie benennen ja selbst einen derartigen Lichtpunkt, wenn sie die Rede eines amerikanischen Rechtsanwaltes für die Gerechtigkeit dem Vergessen entreissen.
Die Legalisierung des Krieges begründet keine Schuld, denn diese Legalisierung, der jeder Mensch heute verhaftet ist, wenn er Kriegsbilder in den Fernsehnachrichten auch nur zur Kenntnis nimmt, ist nicht der Grund unendlich schmerzvoller Erlebnisse vieler Menschen über die gesamte Erde hinweg.

Der Quellgrund ist die Untreue des Menschen gegenüber seinem eigenen Wesen, der Einheit zwischen seinem Denken, Fühlen und Wollen, die sich an dieser Stelle, wie angebunden an viele andere Ereignisse und Erlebnisse zeigt und die ein jeder Mensch in sich auffinden kann.

Das mitunter so leicht von der Hand gehende Zeigen mit dem Finger auf „Andere“ weisst nur aus, dass „Ich“ selber noch nicht denkend, fühlend und wollend mich weit genug fassen konnte, begriffen habe wie Ich mich in meiner eigenen Mitte einfinden und halten, damit aber auch umfassender meine Wesenskraft und Verantwortlichkeit zum Ausdruck bringen kann, in den Situationen vor die mich das Leben stellt. Was ja wiederum kein Versagen ausdrückt, sondern tiefer betrachtet letztendlich eine stille Aufforderung an mich ist der eigenen Wesenstiefe noch mehr Ausdrucksraum einzuräumen.
Tiefer betrachtet, zeige Ich mit dem Finger, der durch mich nach aussen weist, letztendlich auf mich selber. Im Aussen ändert sich nur soviel, wie ich vorauseilend an Vorleistung einzubringen bereit bin. Mein Vorbild wirkt und nichts anderes.
Solange aber noch Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen walten kann, mag ich auch sachlich betrachtet gute Gründe haben, deren Aussagen da und dort in Frage zu stellen, solange ich nicht zu unterscheiden weiss, zwischen der Sachaussage und dem Menschen, der sie tätigt, wird die Legalisierung des Krieges unter Völkern und in den Zwisten zwischen den Menschen weiter ihr verheerendes „Unwesen“ treiben können. Die Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft gibt dazu wohl mehr als genug Aufschluss.
Die Brüderlichkeit unter den Menschen wird aus der „Unterscheidung“ genau hier geboren. Sprechend mit einem anderen Menschen, ihn hörend oder vernehmend, wo auch immer, kann genau hier das umfassende Wesen des Ich-Bin anwesend werden lassen, das verbindet und damit schöpferische Kräfte zur Lösung waltender Konflikte im Denken, Fühlen und Wollen der beteiligten Menschen freisetzen.
Wenn Sie es so anschauen wollen, dann liegt in der Wiederbelebung des Geistes von Emaus die Geburt der Brüderlichkeit unter den Menschen begründet. Dieser Geist war und ist schon immer aus der Stille hervorgegangen.

Bernhard Albrecht

Montag, 19. September 2011

Gedenken

Dag Hammarskjöld liess vor 50 Jahren am 18.09.1961 bei einem Flugzeugabsturz sein Leben. Nur wenige Wochen vor seinem Tode, den er vorausschauend auf sich zu kommen sah, schrieb er am 11.06.1961 nachfolgendes Gedicht, das ich hier in der deutschen Version von Graf Knyphausen wiedergeben will. Eine freie Neuübersetzung durch mich aus dem Englischen füge ich an.
Dies Selbstzeugnis eines Grossen mag als unauslöschliche Ich-Tat in gegenwärtig politisch turbulenter Zeit für sich sprechen.


                    Berufen
                    ihn zu tragen,
                    ausgesondert
                    ihn zu prüfen,
                    erwählt
                    ihn zu leiden,
                    frei
                    ihn zu verneinen,
                    sah ich,
                    einen Augenblick,
                    das Segel
                    im Sonnensturm,
                    ferne,
                    seewärts fort vom Land.
                       
                    Sah ich,
                    einen Augenblick -

                    © für die Übersetzung
                    Graf Knyphausen, 1965

                       
                    Weg und Erfüllung

                    Berufen
                    Ihm Herberge zu geben,
                    vereinsamt,
                    zu erfahren
                    Erdendunkelnacht,
                    verlassen,
                    frei den Tod
                    zu bestehen,
                    ihn zu fliehen,
                    schaute ich –
                    für einen Augenblick
                    das Lichtsegel
                    im Sonnensturm
                    zerbrechender Zeit,
                    auf einer Woge
                    des Glücks,
                    einsam –
                    seewärts
                    geboren.

                    In eines Augen – Blickes
                    Ich – Schau.

                    © für die Übersetzung
                    Bernhard Albrecht Hartmann, 06.01.1976

Mittwoch, 14. September 2011

Ich-Werden

Im Augenblick sich ein zu binden und darüber hinaus die Verbindung zum Du zu suchen, das scheint heute des Menschen grösste Angst zu sein. Denn es bedeutet zugleich das Wagnis sich im eigenen Unvollendet-Sein zu „zeigen.“
Selber unvollendet könnte ja jemand auftreten, der Wunden in Dir bloss legt, einfach nur durch das, was er arglos oder beiläufig zu einem Sachverhalt aus seiner Kenntnis heraus sagt. Das aber ist dem Menschen tief eingeprägt, Du darfst Dich nicht nackt zeigen. Das Feigenblatt muss her und dazu ist jedwede Verstellung erlaubt. Auch um den Preis Gefängnisgitter um sich zu schliessen oder Andere hinter solchen einzuschliessen.
Und dennoch, bringt ein Mensch es fertig, dann erlebt er sich lebendig, dann ist er in diesem Augenblick ganz Mensch, ist er Ich.
Die allenthalben heute zu beobachtende Bindungsunfähigkeit wird so zum Fingerzeig auf ein zu Findendes in sich, das Bindung allein zeugen kann, das Ich. Das Ich wiederum ist, im Gegensatz zum Ego  ein dynamisch zu Bezeugendes, ist nur in und aus der Bewegung heraus.
Wo Mensch sich also auf irgendwelche Überzeugungen beruft, offen oder ganz still nur vor sich selbst, da dämmert das Ich in ihm vor sich hin und entschwindet im Niemandsland des Ungreifbaren irgendwann einmal ganz aus vage erahnter Sicht.
Die grösste Herausforderung scheint mir heute zu sein Ich-Kraft zu entfalten, wo von so vielen Seiten danach getrachtet wird sie still und leise abzuwürgen.
Die Kunst des Heilens erwächst aus Ich-Taten. Die heute so zahlreichen Verwerfungen im Sozialen Raum bedürfen dringend des Erwachens des eigenen Ich am Du.

Bernhard Albrecht