Donnerstag, 20. Januar 2022

Mit den Augen des Falken ... (2)

Der nachfolgend mir per Mail übersandte Kommentar zu meinen Blogeintrag: Mit den Augen des Falken … (1) veranlasst mich diesem Beitrag einen zweiten Teil folgen zu lassen.

„Ein Falke ist von Natur aus sehr scheu. Wenn er von einem Falkner zu einem Jagdfalken ausgebildet werden soll, wird er ganz jung zu diesem kommen. Die ersten Schritte zum Zusammenfinden von Falke und Falkner erfolgen in einem abgedunkelten Raum. Der Falkner muss versuchen, sich durch ganz langsame Bewegungen „unsichtbar“ zu machen, um Flucht und Stress beim Vogel zu verhindern. Dann wird versucht, das Vertrauen des Greifs mit Leckereien aufzubauen. Dies dauert mehrere Tage. Um ihn anschließend dazu zu bewegen auf den Lederhandschuh des Falkners überzutreten, bedarf es vieler Lockversuche mit Futterbelohnung. Hat er sich an den Übertritt auf den Handschuh gewöhnt, kann man nach draußen gehen. Hier wird der Vogel wieder mit Leckerbissen darauf trainiert, auf immer größere Distanzen auf den Handschuh des Falkners zu kommen – dabei bleibt er aber zunächst mit einer feinen Schnur angebunden. Ist das Vertrauen groß genug, kann eines Tages die Schnur entfernt werden – der Falke kehrt gemäß Futterbelohnung immer auf den Handschuh des Falkners zurück. Ist diese Verbindung gelungen, kann im nächsten Schritt der natürliche Jagdinstinkt des Falken eingesetzt werden. Er lernt, dass er im Verbund mit dem Falkner erfolgreicher jagen kann, da dieser die passende Beute aufzuschrecken vermag. Um dem Falken seine Beute abzunehmen, muss der Falkner ihm als Ersatz wieder eine Futterbelohnung anbieten – teilweise wird er für eine langfristige Motivation auch gestatten, seine Beute selbst zu fressen. 

Es ist deutlich, wie schwer es unter normalen Umständen ist, das Vertrauen eines Falken zu gewinnen. Auch langfristige Beziehungen halten nicht für immer, manchmal verschwindet auch ein gut ausgebildeter Vogel noch von seinem Falkner. Niemals kommt ein Falke freiwillig, immer muss der Falkner den Vogel mit Futterbelohnung anziehen und sein Vertrauen gewinnen. 

Ich wähle absichtlich ein „technische“ Darstellung der äußeren Vorgänge bei der Ausbildung eines Falken, als größtmöglichen Kontrast zu Ihrer Darstellung. Damit soll – und das wird es vielleicht auch - deutlich werden, wie besonders der Vorgang ist, wenn der Falke von sich aus den Platz auf der Schulter der Touristin einnimmt. Dies spricht für ein erhebliches unsichtbares Band zwischen beiden – eine enorme seelisch-geistige Resonanz. Tiere bewegen sich ganz allgemein immer nur aufgrund eines Gefühls, das auf Sinneswahrnehmung beruht (z.B. Futter, Schrecken) oder aufgrund eines seelisch-geistigen Bandes. Das seelisch-geistige Band muss die Intensität einer Sinneswahrnehmung aufweisen. Mir sind keine weiteren Fälle bekannt, bei denen ein Falke sich auf die Schulter eines/r völlig Fremden gesetzt hätte.“

Ich bin sehr dankbar für diese sehr kontrastreiche Kommentierung meines Beitrages, weil mir gerade diese Herangehensweise ermöglicht einige tiefere Aspekte des Verhaltens des Falken mit den seelisch-geistigen Verhaltensweisen des Menschen, insbesondere daselbst des Umgangs mit dem Denken in einer Art erster Zusammenschau korrespondierend einander anzunähern. Wie das? Der Falke und das Denken?

Schauen wir uns die Ausführungen dieses Kommentars etwas genauer an. „Die ersten Schritte zum Zusammenfinden von Falke und Falkner erfolgen in einem abgedunkelten Raum. Der Falkner muss versuchen, sich durch ganz langsame Bewegungen „unsichtbar“ zu machen, um Flucht und Stress beim Vogel zu verhindern.“ Was bedeutet das für das entsprechende Erfassen des Denken? Unterziehe ich dieses einer näheren Untersuchung innerhalb meines seelischen Beobachten so muss ich immer deutlicher erfahren, dass dies gar nicht so leicht ist wie es auf ein Erstes hin scheinbar zu sein erscheint. Von Mal zu Mal wird in meinem Bemühen nämlich sichtbar, dass das Denken so nebenbei nicht zu erfahren, dass heisst in einem Verhältnis Auge in Auge im Innenverhältnis meines seelischen Erfahren zur Anschauung zu bringen ist. Gerade weil Denken von einer mittelmässigen Bildung an aufwärts für allgemein verfügbar gehalten wird weist die genauere Untersuchung schrittweise immer grössere Probleme für das tatsächliche Erfahren desselben aus. Um es bildhaft auszudrücken, das Denken scheint innerhalb der seelischen Erfahrungswelt des Menschen so etwas wie ein Fluchtvogel zu sein.

Ein Fluchtvogel? Die intellektuelle Grundfähigkeit denken zu können, welche heute gleichsam wie selbstverständlich als unverbrüchliches Bildungsgut angesehen wird, von daher also auf der Habenseite geistesgeschichtlicher Entwicklung zu verorten ist sei etwas so Flüchtiges, dass es möglicherweise nicht so ohne Weiteres als allgemein gültiges Bildungsgut verstanden werden könne und dürfe. Hm, ist die Annahme einer derartigen Einlassung nicht mehr als starker Tobak auf die Mühlen gängigen Philosophie Verständnisses? Ist in dieser Richtung zu denken von allem Anfang her also absurd. Der Philosoph Thomas Nagel(1) äussert sich jedoch gerade gegenüber einer sich zeigenden Absurdität im Umgang mit dem Denken nüchtern so: "Philosophie (und Wissenschaft?) darf keinesfalls zu ermässigten Ansprüchen ihre Zuflucht nehmen." Sie fusst auf der steten Weiterentwicklung "ihrer eigenen unterentwickelten Fähigkeiten" und was not tut, so ich in der unweigerlichen Kollision einander widerstreitender Perspektiven auf das "Absurde" stosse, "ist der Wille, es mit ihm aufzunehmen.“(1)

Schauen wir uns also diese Absurdität an. Was im Zusammenhang mit dem Hinschauen auf das Denken zunächst auffällt ist, dass mehr oder weniger geordnete Gedankengänge sich in unserem sogenannten Bewusstseinsraum beständig ineinander und umeinander herum bewegen. Gedanken sind gleichsam unsere unablässigen Begleiter durch und über den Tag hinweg. Doch denken wir deshalb schon, wenn wir derartige Vorgänge in uns konstatieren? Oder gilt hier eher die Aussage: „Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn Du denkst Du denkst, denkst Du nur Du denkst?“(2) Wenn dem aber so sein sollte, dass Gedanken haben bedeutet, dass ich innerhalb eines derartigen Verhaltens möglicherweise nicht wirklich denke, was hiesse dann „wirklich“ zu denken? Gehe ich diesbezüglich zunächst einmal von der Bedeutung des Wortes wirklich aus, dann werde ich auf ein Wirken, ein zu Erwirkendes, ein Verwirklichen verwiesen. Im eigentlichen Sinne also auf eine Tätigkeit aufmerksam gemacht, die (ich ?) im Denken zu vollziehen hätte. Dies berücksichtigend würde dann unabdingbar zur Folge haben, dass ich nur insoweit von Denken sprechen kann, wie ich mir ein zumindest anfängliches Bewusstsein von den Bewegungen erarbeitete, die innerhalb des Denken vonstatten gehen, sobald ich hier selbststeuernd unterwegs bin.

Selbststeuernd: Ein grosses Wort und (Hand aufs Herz) ein noch grösseres Vorhaben, das seiner Verwirklichung nach wie vor harrt. Eine Verwirklichung angesichts deren ungeheuerlich ambitionierter Herausforderung sogar ein so grosser der philosophischen Geistesgeschichte wie Emanuel Kant innerlich wie erschauert zu sein scheint, wenn er einerseits sagt, dass seine Philosophie die eigentlich erste(3) unter allen voraus gehenden philosophischen Bemühungen sei - womit ihm recht zu geben ist - auf der anderen Seite er hinter seiner eigenen Aussage wie zurückzuschrecken sich darstellt, wenn ich die Aussagen von ihm bezüglich des sogenannten Ding an sich meditativ bis auf ihren Grund hin zu untersuchen mich anschicke. Denn, lauschen sie liebe Leser einmal letzterer Aussage wirklich nachhaltig nach, liegt darin nicht unser aller schlafender Wille, den es allseitig seither zu entfalten gilt wie in einem Embryo Zustand zurückgehalten geborgen?

Der Falke ein Fluchttier. Das Denken so etwas wie ein Fluchtvogel, der sich beständig dem Zugriff entzieht. Das Denken und der Wille es hervorzubringen. Der Wille und das Problem des Zugriffs auf ihn in der Erfahrung. Ist intuitives Erfahren in einem transparent zu beschreibenden eigenen Vorgehen für das Erfahren anderer Menschen nachvollziehbar zu machen? Was könnte der Ausgangspunkt für ein derartiges Vorhaben sein? Ein Unterfangen, das auf je eigenen inneren Wegen das Fürchten zu lernen mit wachsendem inneren Mut dazu führt im Angesicht individueller Geschehnisse furchtlos zu werden. Der Dreh- und Angelpunkt für diesen Weg? Das tatsächliche Eingeständnis im Sinne des Sokrates, dass „ich weiss,“ dass ich nicht weis, auf das ich in meinen vorangehenden Blog Essays  unter verschiedenen Aspekten immer wieder einmal hingewiesen habe. Wenn sie also das Wagnis eingehen wollen eine tatsächliche Erfahrung machen zu wollen was es heisst ich weiss, dass ich nicht weiss, dann lassen sie sich vielleicht auf folgende praktische Übung ein. Gehen sie über eine längere Zeit eine Treppe regelmässig bedachtsam Schritt für Schritt nach oben und darauf achtsam auf jede einzelne Phase ihres Tuns achtend wieder langsam nach unten. Wenn sie das wirklich tun, dann werden sie zu einem ihnen gemässen Zeitpunkt von dem Schauer der Bodenlosigkeit berührt werden. Sie werden in diesem Augenblick die Erfahrung machen, dass sie bis dahin noch nie eine Treppe „wirklich“ hinauf und hinunter gegangen sind. Dass sie dies vielmehr taten gehalten von einer Vielfalt unterschiedlicher Vorstellungsleitplanken. Benützen sie deshalb zu ihrer eigenen Sicherheit ein Treppengeländer, um im Erfahren des Schauers von Bodenlosigkeit sich in dieser dennoch halten und dynamisch weiter bewegen zu können. 

Was vermittelt das tatsächliche Erfahren der Bodenlosigkeit? Es vermittelt ihnen ihr ganz und gar einzigartiges Erleben ihrer individuellen Freiheitsfähigkeit. Und noch etwas. Es stellt sie mit dieser Erfahrung abrupt auch unmittelbar hinein in die nur ihnen zu eigen sich gebende Verantwortlichkeit ihres Lebens. Denn ohne eine wie auch immer geartete Erfahrung der Bodenlosigkeit im Laufe des eigenen Lebens ist die lebensgemässe Verankerung einer ersten Philosophie im Sinne von Kant, bzw. die zeitgemässe Fortsetzung der Geisteswissenschaft im Sinne Rudolf Steiners nicht möglich. ✲

© Bernhard Albrecht Hartmann 20.01.2022


(1) Thomas Nagel, "Der Blick von Nirgendwo," Suhrkamp TB 2012, Seite 22 - 24

      https://ich-quelle.blogspot.com/2016/07/einige-anmerkungen-zu-thomas-nagel-der.html

(2) https://www.aphorismen.de  Quelle unbekannt

(3) Siehe Eckhart Förster: Die 25 Jahre der Philosophie, die rote Reihe Band 51  

     Vittorio Klostermann Verlag Frankfurt am Main 2. Auflage 2012

✲  Fortsetzung: https://ich-quelle.blogspot.com/2022/01/mit-den-augen-des-falken-3.html 

Donnerstag, 6. Januar 2022

Mit den Augen des Falken ... (1)

Ein kühner Titel und damit eine Herausforderung zugleich. Eine Herausforderung innere Ausdauer zu entwickeln und zu halten. Denn wer den Falken-Weg geht, der hat sich aufgemacht den Weg des Erwachens zu beschreiten, den Weg des Auge in Auge mit sich ohne Widerrede. Was heisst den vielfältigen Täuschungen, die Dir heute nicht selten im Sekundentakt von aussen wie gleichermassen von innen entgegen treten ohne Umlenkungen jedweder Art zu begegnen. Selbstbegegnung also in fortlaufenden seelischen Beobachtungen nach naturwissenschaftlicher Methode. Selbstbegegnung als Prozess im zeitgemässen Nachgang der Geisteshaltung des Sokrates … des „ich weiss, dass ich nicht weiss.“

Weiss ich, dass ich nicht weiss? Wenn ich hier bemüht ehrlich innehalte, dann irritiert mich diese Frage. Pointierter ausgedrückt muss sie mich im Rahmen eines echten Erkundungsversuches in dieser Richtung geradezu bestürzen, denn was mir in diesem Falle bis anhin als sicher in und durch mein Denken galt, das fängt innerlich dann zumindest für einen kurzen Augenblick zu wackeln an. Stürze ich Sie werte Leser damit in einen endlosen Regress des Zweifelns? Nein, ich lasse Sie hier wie bisher in meinen vorausgehenden Blog Beiträgen nur an meinen „inneren Bewegungen“ des Denkens teilhaben. Doch um von der Seite des eigenen inneren Erfahren mich den Tatsachen gemäss den Gegebenheiten rund um das Denken nähern zu können muss ich den Bogen der Beobachtungsbereitschaft sogleich noch ein wenig mehr spannen, indem ich ihnen kurzerhand zumute dieses ins Auge zu fassen. Denken wir überhaupt, wenn wir vermeinen zu denken? Denken wir „wirklich?“ 

Wirklich? Was heisst wirklich denken? Wenn ich mich genau besinne, dann habe ich bestenfalls eine diffuse Vorstellung davon weil ich mir diese Frage bisher noch nicht ernsthaft, also mit letzter Konsequenz bis an die Grenze dessen, dass „ich weiss“ dass ich „nicht“ weiss innerlich vor Augen gerückt habe. Was Denken ist, das versinkt für mich, ohne Selbstverblendung angeschaut, schlichtweg im Dunklen. Auch die diffizil durch deklinierte analytische Betrachtungsweise auf das Denken hin hat genauer besehen allein dessen verstandesmässig abstrakten Aspekt in die Sichtbarkeit gerückt. Eine erfahrungsbasierte Betrachtung auf das Denken hat Kant damit nicht eröffnet. Das mögliche bewusste Durchdringen des Denkens verblieb in der Formel des „Ding an sich“ wie in sich zurückgehalten.

Warum? Kant hat in seiner Forderung alle Weltzusammenhänge auf Erfahrung hin zu durchdringen und dabei das Denken, je tiefer er es gedankenmässig in seinen vielfältigen Gedanken Bezügen durchdrang wie vergegenständlicht. Verblieben sind als Ergebnis seiner analytisch kritischen Versuche das Denken erfahrungsmässig aufzuhellen am Ende schattenhaft abstrakte, leblose Gedankengebilde. Doch wir täten Kant mehr als unrecht, wenn wir es bei diesem Ergebnis belassen würden. Seine Bedeutung liegt aus meiner Sicht, soweit ich sein geistiges Schaffen überschaue jenseits seiner eigentlichen wissenschaftstheoretischen philosophischen Denkansätze und der technokratisch materialistischen Denk- und handlungsgeleiteten Verfahrensweisen, die ganz wesentlich aus seiner analytischen Philosophie hervorgegangen sind.

Es ist dies die besondere Art des Selbstbewusstsein, das sich als Folge seines abstrahierenden Umgangs mit dem Denken heraus gebildet hat. Dieses wird in der weiteren Entwicklung seither mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt menschlichen Ausdrucksverlangens durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Immer deutlicher werden in den Auswirkungen des kantischen Denkens alles denken zu können aber auch die Folgen der Teilhabe an seinem abstrakten Freiheitsbegriff. Nämlich:„Wenn >Du< denkst >Du< denkst, dann denkst >Du< nur >Du< denkst, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn >Du< denkst >Du< denkst, dann denkst >Du< nur >Du< denkst.“ Das gewonnene Selbstbewusstsein wird innerhalb seiner Tatsachenwelt immer unübersehbarer von allen Seiten herausgefordert in die Selbstverantwortung einzutreten.

Mit dem Selbst-Bewusstsein, dem Bewusstsein >Deiner< selbst, dem Erkenne Dich Selbst, zu dem Kant - so Du ihm innerlich bis an die Grenze des „ ich weiss, dass ich nicht weiss“ folgen willst,  das er durch seine abstrakte philosophischen Analysen eigentlich hintergründig aufdeckt - wenn Du ihm bis dahin folgen kannst, also >Dein< Selbstbewusstsein innerlich so glasklar, was heisst fortlaufend von jedweder Art Anhaften zu schleifen bereit bist, betrittst Du den Falken-Weg, den Weg der im Leben sich verankernden Freiheitsphilosophie. Du generierst Dich selbst durch das sogenannte Ding an sich hindurch als beständig sich in Bewegung haltender und selbst zu initialisierender Ich-Quell ins Leben hinein. Nur so macht die Behauptung Kants Sinn, dass mit seiner Philosophie der Anfang der Philosophie schlechthin gesetzt sei.

Selbstbewusstsein als Alpha und Omega der Entscheidungen, Deiner Entscheidungen zum Leben hin: Machen wir uns nichts vor,  die Analysen des Denkens mit dem wir es tagtäglich in unserem Alltag zu tun haben sind zumeist mehr als uns lieb ist Selbstzüchtungen eigenen Vermeinen über dies oder jenes, was wir von unserer Seite aus in dieses Denken unversehens hineinlegen als Tatsachen gerechtes Ausloten und Erfassen dessen was der Zuträger dieser Gedanken uns eigentlich in diesen vermitteln wollte. Die Diskrepanz zwischen dem Denken, das an uns herantritt und dem Verstehen, das wir diesem über die eigene bereitgestellte Resonanztiefe willens sind  angedeihen zu lassen ist unser tagtäglich Brot, das zu verdauen für uns die Aufgabe ist im Sinne der praktischen Vollendung der analytischen Philosophie - demütig. Versäumen wir es nicht uns zur rechten Zeit hier immer wieder jene Zeit zu geben um uns in so etwas wie einen schwarzen Umhang zu hüllen und alle Resonanzschichten, die diese Art des Denkens in uns hervorgerufen hat still auszuloten. So wie der Falke, der des nachts stundenlang auf einem Baum sitzend verweilen kann und alle Klänge der Nacht durch sich hindurchziehen lässt. Erst wenn sich im Zuge eines derartigen Bemühens in mir kein Widerspruch mehr regt, dann stehe ich an der Pforte dessen was es zu verstehen gilt. Dann regt sich aus meinen Seelentiefen heraus Geist-Erinnern und mein Selbstbewusstsein kann mir als ungetrübter Resonanzkörper echtes Verstehen vermitteln.

Doch was hat das rechte Verstehen mit Geist-Erinnern zu tun? Machen wir uns nichts vor, in den Denkabläufen die von je anderer Seite an uns herantreten, also auch meine Denkabläufe hier in diesem besonderen Augenblick, die ich Ihnen zumute, sie führen nur zu dem einen Ziele sich erinnernd ihrer selbst gegenwärtig zu werden - hier und jetzt. Zumindest dann, wenn sie diese nicht vor sich selbst in der einen oder anderen Art abwiegeln um sich möglichst schnell von Dannen schleichen zu können. Denken ist eben alles andere als eine leichte Sache und manchmal wirst Du dabei mit Denkbewegungen konfrontiert, die sich als nicht so leicht zu verdauen darstellen weil sie dein kunstvoll gestricktes Maskendasein bis in seine Grundfesten hinein erschüttern und ins Wanken bringen. Du weist in solchen Augenblicken unmittelbar, Du kannst das Spiel gegen Dich selbst nicht weiter so fortsetzen. Du kannst nur der werden zu dem Du im innersten veranlagt Dich selbst bestimmst.

Den Falken-Weg zu gehen bedeutet dabei stets bereit zu sein seinen äusseren Lebensweg durch das Innere leere Bewusstsein zu nehmen. Und wundern sie sich nicht wenn ich hier eine Bezugsbrücke zum Bergsteigen, genauer zur anspruchsvollen Kletterei daselbst schlage. Das macht den guten Kletterer nämlich erst zu einem exzellenten Kletterer, so er in allem was er tut, ob im Anstieg zu Kletterwand oder mitten in ihr hängend ruhig Ausschau hält nach dem nächst möglichen Griff oder Tritt auf seinem weiteren Weg, er also ganz in der Bewegung schwingt, die ihn bergan führt. In Bewegung trägt ihn der Augenblick, der ihm alles an Ausdauer und Mut zur Entscheidung im unwegsamen Gelände abfordert, der Augenblick wo Bewegung in leeres Bewusstsein übergeht und leeres Bewusstsein zur tragenden Kraft wird, zur Kraft die ihn nicht abstürzen lässt. 

In einer ganz ähnlichen Verfassung befindet sich der Falke, wenn er des nachts scheinbar bewegungslos in der Spitze eines Baumes sitzt, bewegt in Bewegung die ganze Fülle der Bewegungen dieser Nacht durch sein Federkleid hindurch filtert - auf den einen Augenblick der Entscheidung hin, der ihn seine Flügel spreizen und im Sturzflug das Lied der Freiheit anstimmen lässt. Der Falke - der Wächter der Freiheit Willigen. Lassen wir uns nicht täuschen, in einer Welt  in der das Leben des Falken verfügbar gemacht wird für spektakuläre Falken Schauen, der Falke lässt auch hier nicht über sich verfügen. Er geht weiter seiner Aufgabe nach die Freiheit Fähigen zu suchen und zu ermutigen. So wie es einer jungen Touristin vor einiger Zeit bei einer gross ausgelegten Falken-Schau in Dubai geschah, in der ein Falke unerwartet von seinem Sitzplatz aufflog, um im Tiefflug an einer Reihe von Zuschauern entlang zu gleiten und sich auf der Schulter dieser jungen Frau niederzulassen. Wie sie später erzählte, hatte er schon eine ganze Weile vorher in ihre Richtung geschaut.

Der Falke lässt sich nicht täuschen, er wählt seinen Menschen, den Menschen, der hindurchgegangen ist durch leeres Bewusstsein und diesem Erfahren standgehalten hat.


© Bernhard Albrecht Hartmann, 06.01.2022





Montag, 15. November 2021

Fragment 1/2021 - Aristoteles über das geistige Forschen

Auf Aristoteles geht die Peripatetik, zumindest in der stringenten Anwendung derselben zurück, das Denken und Sprechen im Schreiten, das Denken und Sprechen in und aus der Bewegung heraus. Es wird erzählt, dass er bei seinen Vorlesungen in Platons Akademie und später in seiner eigenen Akademie immer mit einem ein wenig geneigten Kopf vor seinen Schülern auf und ab schritt, während er sie „unterrichtete.“Von was „unterrichtete“ er sie? Er erzählte ihnen von seinem inneren Forschen in eben diesem Augenblick, während er zu ihnen sprach. Er berichtete ihnen von seinem inneren Grenzgang entlang des Nichtwissens, mit den Worten des Sokrates, wie sie von Platon übermittelt wurden, ausgedrückt, von seinem „ich weiss, dass ich nicht weiss.“ Aristoteles schritt, wenn er sprach immer entlang des Ursprungs im Denken, vermittelte die Ursprünglichkeit der Bewegung im Denken und was von daher in Erscheinung trat.

Er erzählte ihnen, dass „er“ sie nichts lehren könne, er könne ihnen alleine aufzeigen, was zu finden sei, wenn sie sich ihrerseits wie er an die Grenzen des ich weiss, dass ich nicht weiss vorwagten und im Zusammenschluss mit der stetig fliessenden Bewegung des Denkens Einblick erhielten, was in diesem ihren ureigenen forschenden biographischen Augenblick zu erfahren möglich sei. Er könne ihnen nur die von ihm weiter entwickelte Fragetechnik des Sokrates ans Herz legen und sie ermuntern in Selbstversuchen niemals nachzulassen. Ergebnisse seien eine Frage des Reifens, erwüchsen mithin aus dem stillen Erwarten im Inneren.

Aristoteles, der Meister des inneren Dialogs … mit dem Geist. Mithin: Die seelische Beobachtung, eine Methode um Denken und Wille wiederum miteinander neu zu verbinden und damit gegenüber dem Geistigen die jeweils Geist gemässe Plattform für sein aktuelles sich Ausdrücken aus dem tatsächlichen Nichtwissen zu ermöglichen. Das bedeutet, dass von heute her ein Erforschen der geistigen Welt nur aus gleichermassen nach innen, wie nach aussen unverstellten Dialogen entstehen kann.

Ohne tief innerliches Lauschen lässt sich keine zeitgemässe Brücke zum Geiste hin erbauen … und Freiheit über alle heute gewohnheitsmässigen Abstraktionen in landläufigen Kommunikationsprozessen hinweg in seiner ursprünglichen Essenz nicht lebendig verwirklichen.

© Bernhard Albrecht Hartmann 15.11.2021

Mittwoch, 10. November 2021

Freude

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf einen Kommentar des nachfolgenden Links

https://ich-quelle.blogspot.com/2021/03/einer-wagemutig-fragenden-freundin.html

Liebe Ursa

Du weisst gar nicht wie sehr ich mich über Deinen fragenden Kommentar gefreut habe. Dein „bedingungsloses Interesse“ ist es, das mich Dir offen und über das hinaus, was üblicherweise auf Blog Ebene offen gelegt wird, antworten lässt.

Ja, ich bin nicht aus dem Denken herausgefallen. Im Gegenteil, dieses mir eigene Denken hat mich, zu Ostern ohne jede vorausgehende Vorwarnung mit einer weit fortgeschrittenen, aggressiv  Metastasen bildenden Krebserkrankung konfrontiert, durch alles Folgende hindurch getragen. Heute, nachdem ich über das medizinische Netzwerk guter Freunde innerhalb weniger Tage in die europaweit bestmöglichen fachlichen Hände vermitteltet, umgehend mit einer streng getakteten, mehrmonatigen Therapie beginnen und diese zwischenzeitlich auch abschliessen konnte, darf ich sagen, dass ich entgegen der ursprünglichen Aussichten noch eine echte Lebenszeit vor mir liegt. Medizinisch ohne Symptome kann ich mich als geheilt betrachten.

Die Wochen nach der zuletzt auch physisch sehr herausfordernden Therapie habe ich seither damit zugebracht darüber nachzusinnen, was für mich nach diesem Lebenseinschnitt in der mir geschenkten Zeit als noch zu tun sich anzeige. Dass das was ich auf meinem Blog Ichquelle bisher zur Problematik gegenwärtigen Umgangs mit der Bildung von „Vorstellungen“ in heutiger Zeit, zum Ich Verständnis und Ich Erleben, zum Denken wie auch zu einem zu erweiternden Wissenschaftsverständnis da und dort an gedacht habe, was ich auf Wege der Befreiung als einen poetisch verklausulierten Weg seelischer Beobachtungen für mögliche individuelle Willensdynamisierungen niedergelegt habe, das ist Weg und Baustelle gleicherweise. Und das wird auch vom Ansatz her so bleiben.

Da mein Blog Wege der Befreiung seit Jahren vom Deutschen Literaturarchiv gelistet ist, sowie darüber hinaus per internationaler Bibliothekskennzahl von mittlerweile 16 grossen Bibliotheken, vorwiegend im süddeutschen Raum anscheinend auch registriert wird, ist eine Buchpublikation aus meiner Hand, um die ich mich offen gestanden bisher immer wieder herumgedrückt habe, wohl nicht mehr zu umgehen. Auf welche Weise ich in diese deutlich breitere öffentliche Wahrnehmung gelangen konnte, das weis ich offen gestanden bis heute nicht. Interesse geht offenkundig ihre ganz eigenen Wege, ein Interesse, das ich mir von Seiten spiritueller Kreise durchaus vermehrt gewünscht hätte. Und dies nicht aus persönlichen Gründen, sondern um der Sache praktischer, sozialer Willensdynamisierung willen, um die es im Grunde innerhalb unserer gegenwärtig unabweisbaren gesellschaftlichen Umbrüche geht.

Covid, die weltwirtschaftlich äusserst kritische monetäre Situation, das immer unverblümtere Ausufern des Hashtags in den sozialen Medien mit seinen unter anderem geradezu kruden, aller mitteleuropäisch entwickelten Denkkultur ins Gesicht spukenden Verschwörungsmythen (nicht zuletzt auch von spirituellen Menschen, die eigentlich über ein Basiswissen verfügten, von dem her eine derartige Entwicklung nicht hätte ausgehen dürfen) usw., dies alles scheint in einem Krisenmodus unaufhaltbar auf einen grossen Crash mit schwerwiegenden politischen und sozialen Folgen zu zulaufen. - Und die verdeckte Innwelt Krise, die Krise eines vor allem bewusster zu führenden Willens im Denken vor der gemeinhin kommunizierten Umweltkrise in nicht länger mehr zu verdrängender Weise sichtbar zu machen. Die gegenwärtige Klimakonferenz von Glasgow ist diesbezüglich geradezu ein grotesk tragisches Beispiel politischen Unvermögens zeitgemäss zu denken und zu handeln.

Damit lanciere ich nicht einen weiteren von vielen derzeit auf die eine oder andere Weise publizierten Kassandrarufen, sondern stelle nur, gleichsam wie ein Fremder mich von aussen her in den Blick nehmend der selbsterkennenden Zeitnotwendig, „habe ich in meinem bisherigen Leben über zu viele Situationen hinweg geschlafen, von denen her andere Weichenstellungen möglich gewesen wären?“ Gilt für mich von daher also das Wort: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben?“

Unter einem Gesichtspunkt will und muss ich diesem Gedankengang jedoch sogleich deutlich widersprechen. Ich bin verschiedentlich darauf angesprochen, um nicht zu sagen geradezu unfreundlich angerempelt worden meine auf Ichquelle geäusserten Gedankengänge wissenschaftlich mehr zu verdichten und zu systematisieren. Dies habe ich nicht getan und werde es auch in der nächsten Zeit nicht tun können. Denn die hier peripathetisch angelegten Gedankengänge bedürfen vor aller heute noch nicht absehbaren Systematisierung einer sozialen Praxiserfahrung, einer durch und durch sachlich und wertschätzend geführten Disputatio. Einer Gesprächsbereitschaft über alle etwa vorhandenen Grenzen und Vorbehalte unterschiedlich im Leben unterwegs seiender Menschen hinweg, die trotz mancherlei von meiner Seite in konkreten Situationen angestossener Bemühungen bis heute leider nicht zu Stande gekommen wollte. Der Wille muss auf breiterer Ebene im Denken zu einer Erfahrung werden bevor über ihn weiterreichender wissenschaftstauglich geschrieben werden kann.

Doch die Protagonisten diverser unterschiedlicher Geistesrichtungen schienen letztlich wohl lieber in ihren eigene behüteten Zirkeln verbleiben zu wollen, als die sachlich gegenseitig befruchtende Auseinandersetzung zu suchen, bzw. längerfristig aufrecht zu erhalten oder vielleicht auch aushalten zu können, wenn es im weiteren Verlauf auch nur möglicherweise darum hätte gehen können eigene eingemachte Töpfe zu öffnen und die Zutaten bisheriger Denkbemühungen neu abgeschmeckt zu verkochen. Dass solches Verhalten weit ab davon liegt die Möglichkeiten eines freien Geisteslebens zu nutzen und praktisch innerhalb dieser weiter zu entwickeln, das schien mir dabei eher nicht in den Fokus gerückt zu werden.

So bin ich im Durchgang durch meine eigene Lebenskrise im Laufe dieses Jahres in einem modernen Sinne vor die Situation gestellt mich in meinem Denken, Fühlen und Wollen gleichsam an den „Jordan Fluss“ geführt zu sehen, den seit uralten Zeiten so benannten „Fluss der Reinigung oder auch des Metanoia.“

Mit Blick auf die gegenwärtige Gesellschaftslage in etwas anderen Worten sozialkritisch zum Ausdruck gebracht: Es wird zum wer weis wievielten Male „gegen“ Covid geimpft, bzw. freundlich gesagt mit den erstaunlichsten Argumenten sich gegen eine Impfung ausgesprochen. Was beidseitig in dieser gesellschaftlichen Lage aus meiner Sicht nicht wirklich bedacht wird, das ist die vertiefte Durchleuchtung der Hintergründe dieser Vorgänge und das sind mannigfaltige Vorstellungsverkrustungen hinsichtlich der zugrunde liegenden Wirklichkeitsbezüge, bzw. der notwendig zu dynamisierenden Denk- und Willensbewegungen innerhalb dieser Zusammenhänge, die eigentlich anstehen geistesgegenwärtig durch geputzt zu werden. Ein vom Bewusstsein her zu vertiefendes Erfahren von dem was Immunisierung ist bzw. an vielfältigen unterschiedlichen Faktoren eigentlich umfasst. Ein Bewusstsein für Immunisierung, das nicht nur auf Gefahrenabwehr beruht, sondern auch auf „atmender“ Weltoffenheit. Nicht umsonst offenbart sich uns Covid auch als Atemwege Erkrankung. Lernen wir von daher also wieder über Grenzen hinweg einander atmend zu begegnen. Zukunft beginnt in der Offenheit des Herzens eines rein menschlichen Interesses.

Liebe Ursa. 

Wir sind uns durch Deinen Kommentar auf der Hochseil-Brücke begegnet und Du hast mir auf die Beine geholfen (lächel). Denn: Ich habe in den vergangenen Wochen eine nicht unerhebliche Anzahl von Anläufen unternommen wieder zu schreiben, doch das meiste davon schon im Anflug verworfen, obwohl es vor meiner inneren Anschauung sich durchaus bedeutend genug zeigte es schreibend weiter zu entwickeln. Wenn es um lebendig Geistiges geht dann bedarf dieses eben eines aktiven sozialen Interesses, damit es in Erscheinung treten kann. Das ist mir in den letzten Wochen noch einmal verstärkt zum Bewusstsein gekommen. Ein Interesse nicht des anhaftenden zu Füsse Liegen um eine wie auch immer geartete Lehrerpersönlichkeit oder gar eine im Grunde kraftlos gewordene nostalgisch verbrämte Erinnerungskultur im Hinblicken auf eine verstorbene, ehedem bedeutende Geistespersönlichkeit der Vergangenheit. Nein, diese Art des Verbindung Schaffens zu geistigen Belangen ist vorbei. Was not tut ist, dass Schüler und Lehrer vergangener Zeiten im Hier und Heute sich beidseitig aufraffen zu einer aktiven Partnerschaft auf Augenhöhe. Die knospende Blüte des Gral will aufblühen in ein Morgenrot des Geistes hinein.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 10.11.2021






Sonntag, 3. Oktober 2021

Aus aktuellem Anlass - eine persönliche Anmerkung

Ich beobachte nicht erst seit heute durchaus sehr aufmerksam, was sich im Statistik-Verlauf meines Blogs abbildet. Ich sehe, was von meinen Essays aktuell gelesen wird und in welcher Reihenfolge dies geschieht.

So will ich heute dies anmerken: Werte Leserin, werter Leser, niemand kann sich - bewusst oder unbewusst - in den Rang versetzen mich zu irgendwelchen weiteren Verlautbarungen wie etwa zum Kräftebereich des Ich hier zu äussern. Was hierzu bisher gesagt ist, das ist gesagt. 

Und damit diesbezüglich nicht Missverständnisse ins Kraut wachsen, alles was dazu von mir bis anhin gesagt wurde, das sind Ergebnisse von Erlebnissen und Begegnungen auf den Fussgängerzonen  nahegelegener Städte, sind Zusammenfassungen von zahlreichen „Gesprächen“ da und dort, nicht wenige davon mit mir bis zu diesem Augenblick unbekannten Menschen, sind … darüber hinaus praktische Dynamisierungen auf das sogenannte „Ding an sich“ von Kant hin, das ja im Denken ergründend zu erfahren, sein Vermächtnis an unsere heutige Zeit ist.

Provokativ gesagt: Corona und die Folgen daraus lassen sich aus meiner Sicht nur bewältigen, soweit es einer grösseren Anzahl von Menschen gelingt das sogenannte „Ding an sich“ in und aus sich heraus zu beleben. Also liebe Leser, nehmen sie ein Streichholz zur Hand und entzünden sie es, halten sie es sich unter ihr Hinterteil und fangen sie Feuer, Feuer für allseitig offene Dialoge "hier" und auf den Strassen und Marktplätzen dieser Welt. 

Wichtiger als alles andere ist mir der Dialog. Freiheit kannst Du heute nicht mehr nur „rückfordernd“ einfach wieder herstellen, Du kannst sie nur leben. Denn: Der nicht ideologisch geführte offene Dialog ist die Geburtsstätte der modernen Freiheit. Freiheit kann kein Verfassungsgericht, so wichtig diese Institution nach wie vor ist, mehr von Gesetzes wegen anmahnen. Sie will aus denkenden, freiheitsliebenden und einander allseitig sich gegenseitig respektierenden Menschen in die Welt hinaus wachsen. Jetzt - und von diesem Augenblick an. Durch sie, die Sie dies lesen und hoffentlich individuell verinnerlichen.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 03.10.2021

Dienstag, 27. Juli 2021

Geistesgegenwart als Ich - Präsenz

Wer heute mit wachen Augen - nach aussen wie nach innen gerichtet - das gegenwärtige Weltgeschehen verfolgt, der kann nicht anders als besorgt sein über das, was da vor seinen Augen abläuft. Das  freiheitlich liberale Denken schafft sich durch intransparente Denkvorgänge innerhalb seiner eigenen Denkmöglichkeiten selbst ab. Überrumpelt von vielfältigen offenbaren wie auch schleichend herantretenden Denkereignissen an eben diese grundständig liberale Denkmöglichkeit übernimmt die Täuschung im Kleide biopolitisch sozialer Fürsorge, wie es scheint von Seiten des Staates, mit der Ansage der Bedrohung durch Corona die Macht. 

Was geht da vor sich? Ist es die Pandemie, die so bedrohlich ist, dass damit ein derartiges Vorgehen gerechtfertigt werden könnte oder hat die Täuschung, die im Zuge dieser Pandemie schleichend an die Oberfläche tritt noch ganz andere Ursachen? Stehen wir mit dieser Pandemie etwa vor der Tatsache, dass wir den Zugriff auf eigenständiges Fragen verlieren und ein von welcher Seite auch immer bedrängtes In-Fragestellen von Sachzusammenhängen allzu schnell im Begriff sind preiszugeben? Ist diese Pandemie demnach ein Ausdruck unserer schwärend um sich greifenden, nunmehr aber nicht länger mehr zu verbergenden Krise in Bezug auf eigenständig hervor zu bringende, Wirklichkeit bildende Denkakte aus geistesgegenwärtiger Ich-Präsenz heraus? 

Haben wir den Zugang zu der Logos Kraft, die im Denken in Erscheinung treten kann und will verloren oder wollen wir etwa keinen wirkkräftigen Gebrauch davon machen? Folge ich gewissen Geschehnis Abläufen wirklich allseitig kritisch, was heissen würde unter Einschluss der Achtsamkeit auch auf meine eigenen Argumentationslinien? 

Der Erwerb einer inneren Haltung, die von durchgängig sachlicher Haltbarkeit, um nicht zu sagen Nachhaltigkeit innerlich gefestigt in den Stürmen gegenwärtiger Auseinandersetzungen nicht die Orientierung verliert scheint mir jedenfalls alles andere als leicht zu sein. Sich angesichts der gegenwärtig über uns hereinbrechenden Tatsachen weg zu ducken, anstatt sich willenskräftig der Durchdringung und Überarbeitung unseres eigenen Denkens in den Interaktionen mit unserem jeweiligen sozialen Umfeld zu zu wenden stellt mich heute vor grosse Herausforderungen.

Ist die individuelle Verantwortlichkeit in dieser Richtung in der Breitenwirkung auch nur annähernd auf den Punkt gebracht? Schaue ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten z.B. in der anthroposophischen Szene um, so staune ich immer wieder welche Trennungen hier immer noch und immer wieder auf ein Neues hin untereinander stattfinden und mit welcher Verve dann über die Dächer hinweg Gehässigkeiten und Unterstellungen versandt werden. Kann sich so eine Bewusstseinsverdichtung mit einer starken Aussenwirkung bilden?

Ich pointiere hier nicht ohne Grund. Kann es sein, dass das Denken - und nicht wie es sich aufzudrängen scheint die Corona Pandemie die hintergründig eigentlich grosse Baustelle darstellt? Weit hergeholt, um nicht zu sagen weltfremd? Wir werden sehen. Dass sich unsere gesellschaftlich sozialen Verhältnisse durch eine Krise bewegen, zumindest dies kann wohl kaum noch bestritten werden.

Tritt so betrachtet über diese Pandemie gesamtgesellschaftlich die bisher eher weniger betrachtete Inn-Weltkrise in Erscheinung, die ihre Vorläuferin seit den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in dem wachsenden Bewusstsein für eine sich anbahnende Umweltkrise hatte? Unfrisierte Fragen, gewiss, die jedoch heute weitläufig und mutig, wie aus meiner Sicht unvoreingenommen noch tiefer heraus gearbeitet und sensibel differenziert zu stellen sind, wenn der Mensch die innere Ausrichtung für seine weitere Entwicklung nicht in höchstem Masse gefährden will. 

Bis hierher war ich im Schreiben meines Essays gelangt als ich folgendes erlebte. Auf einem Spaziergang  ging ich  an einem etwa  3 - 4 jährigem Kind vorbei, das in einem Fahrrad Anhänger sitzend anscheinend auf seinen Vater wartete. Was ich da zu hören bekam lies mich abrupt stehenbleiben und lauschen. Das Kind spielte versonnen mit einer Perlenkette und wechselte in einer Art Dialog mit einem imaginären Gegenüber Worte, die wie ich schnell bemerkte einen bedeutungsschwerem Inhalt anzeigten. Mein Bemühen, das was da geschah zu entschlüsseln und die einzelnen Wortfolgen in einen inneren Zusammenhang zu bringen dauerte. 

Der denkwürdige Vorgang  in seiner Ganzheit, der, wie ich nicht verhehlen kann mich viele Tage danach immer wieder beschäftigte, umfasste  schlussendlich diese Worte: „Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn Du denkst Du denkst, dann denkst Du nur Du denkst.“ Erich Kästner (?)

Dass das Kind diese Worte irgendwann aus seinem sozialen Umfeld heraus zu hören bekam, das war für mich von allem Anfang an keine Frage. Was mich betroffen machte war wie dieses Kind damit umging. Bei meiner lebenslangen beruflichen Erfahrung im Umgang mit besonderen Kindern und Erwachsenen war es das „Wie“ mit dem dieses Kind seine Worte aneinander reihte, das mich betroffen machte. Es spielte, ja es spielte wie mit bunten Kugeln, fügte sie in immer neuer Weise zusammen um still zu verweilen und dann von Neuem zu beginnen. Es war in einer Weise mit seinem Spiel beschäftigt, dass es nichts von dem was um es geschah zu bemerken schien. Kindhafte Verbundenheit mit der Totalität der Lebenswelt, wie sie auf diese Weise kein Erwachsener zu Stande bringt.

Nach dem ich meine Arbeit wieder aufgenommen hatte merkte ich, wie sich in meinen inneren Dialogen die Diktion des Sagen da und dort leise veränderte. Das „denke nie gedacht zu haben“ lies mich meine Worte noch sorgfältiger abwägen. Um die Leser dieses Essays aber meinerseits frei zu lassen will ich hier meine ganz persönlichen Denkbewegungen dazu nicht näher beschreiben. Das individuelle Erfahren soll so weit als möglich unbeeinflusst bleiben, damit eigene Erinnerungen, welche die Mitteilung dieses Erlebnisses möglicherweise auslösen nicht durch mein Sagen verbaut werden. Ich will vielmehr meinen oben auf die Inn-Weltkrise gerichteten Gedankengang noch näherhin untersuchen. Die Inn-Weltkrise als Wirklichkeitskrise.

Wachen wir nicht “alle“ gegenwärtig in der einen oder anderen Weise in einer Welt auf, die durch die Pandemie nicht mehr die unsere zu sein scheint. Und was sich da in seelischen Tiefen-Schichten ereignet, ist aus meiner Sicht ein zumeist eher unwägbares Erfahren. Sind Gefühle wie zum Beispiel: Bin ich hier in einen falschen Film hinein geraten? Was sich dann so ausdrückt, dass der vertraute Boden für einen kurzen Moment unter den Füssen wie zu wanken scheint. Eine als solche kaum wahrnehmbare traumatische Erfahrung der Seele, die rasch wieder verschwindet, aber weit reichende Wirkungen nach sich zieht. 

Ein gebrochenes Wirklichkeitsverständnis bleibt zurück, denn die Wirklichkeit ist nicht mehr die gleiche. Und mit dem Versuch die alten Vertrautheiten für sich irgendwie wieder herzustellen zeigen sich Risse, die von überall her immer unabweisbarer auf mich zulaufen. Panik weht durch die Strassen, anfangs leise, dann immer deutlicher. Von allen Seiten versucht sie anzudocken und bedroht die Orientierung oder nimmt sie schleichend. 

Um dem eigenen Vermeinen nach in diesen schwierigen Zeiten nicht ganz den Boden unter den Füssen zu verlieren werden immer mehr Scheuklappen aus dunklen Winkeln hervorgeholt und mit fragwürdigen Argumenten versehen mehr oder weniger offen durch die Strassen getragen. Bildhaft  ausgedrückt, ist  die  Illusion etwa über die  rein  physische Ursachenebene auf dem Weg zu einer über viele Ebenen hinaus immer mehr sich ausdehnenden maskierten Täuschungsschleuder zu werden? 

Nur wird diese Art von „Seuche“ der etwas anderen Art anscheinend viel weniger wahrgenommen als die eigentliche Pandemie, in deren Schatten sie aus ihren dunklen Nestern hervor kriecht. Haben wir also genauer besehen zwei Pandemien, die nebeneinander herlaufen? Und auf was wären diese zurückzuführen oder liegen hier möglicherweise viel umfassendere Geschehnisse und das über einen weitaus grösseren zurückweisenden wie vorausdeutenden Zeitrahmen hinaus zugrunde?

Das Undenkbare tritt in Erscheinung. Wir werden aus einer Ecke unserer allzu sehr zur Gewohnheit gewordenen Wirklichkeitsauffassung nunmehr von der staatlichen Fürsorge in einer Weise ins Visier genommen, die uns ängstigt. Was schaukelt sich da hoch, erwecken doch die einzelnen Spieler auf dem Felde als Ereignisgeber nicht immer den Anschein als ob sie die Wirkungen ihres Sagen im voraus genügend bedacht hätten. Und das betrifft nicht nur die offiziellen staatlichen Spieler, sondern auch die Anderen, die als Staatsbürger nunmehr gegen ihren Staat monieren anstatt sich um eine ganz auf sich allein zu gründende freiheitliche Haltung vermehrt zu bemühen. Wo letzteres zu wenig geschieht hat dies vielerorts schleichend ein egozentrisches Belieben mit gefährlicher Schlagseite zur Folge. 

Genommen von den Ereignissen bauen sich Wellen auf, die das Sozialgefüge in seiner Belastbarkeit über seine Grenzen hinaus leicht unberechenbar, um nicht zu sagen unkontrollierbar machen können. Statt Weitblick und Umsicht begleitet das Geschehen die mannigfaltig verborgen gehaltene Angst das Heft des Handelns aus den jeweiligen Händen zu verlieren. Mit den Jägern um den notwendigen Erfolg wird die erstrebte Öffentlichkeitswirksamkeit zum verdeckten Fallbeil des Scheiterns. Eines Scheiterns das mit schnellläufigen Umdeutungen und allgemeinen Absichtsbekundungen die Unsicherheiten bezüglich der jeweiligen Wirklichkeitsbeurteilung exponentiell wachsen lässt. 

Was die Wirklichkeit „ist“ wird so in Schattenbereiche abgedrängt. Das wiederum wirft unumkehrbar die Frage auf, was Wirklichkeit in ihrer Essenz nach ausmacht und welchen eigen zu verantwortenden Anteil wir an der Wirklichkeitsbildung haben.

Dem Wort Wirklichkeit liegt als Tätigkeitswort wirken zu Grunde. Es geht also im Umgang mit der Wirklichkeit um Bewegung, um stete Veränderung. Von allem Anfang an war Wirklichkeit nicht etwas fest Gegebenes, sondern immer etwas, das es zu erringen und zu bilden galt durch die Art unserer jeweiligen Arbeit, der individuellen Anstrengung für Ihr in Erscheinung Treten. Wird Wirklichkeit zur festen Gewohnheit dann haben wir es nicht mehr mit Wirklichkeit in ihrem ursprünglichen Sinne zu tun, sondern nur noch mit dem schönen Schein von ihr. Es ist nur noch eine ihrer schöpferischen Kraft mehr oder weniger beraubte Wirklichkeit und hat sich von daher insoweit vom Leben abgekoppelt. 

Die heute so weit verbreitete Jagd nach immer neuen Events, nach immer ausgefalleneren Urlauben ist also letztlich eine Folge unseres beinahe allgemeinen Wirklichkeitsverlustes, ist eine Vorstellung vom Leben, das so nicht ist wie wir es uns als ein Art Lebens-Narrativ innerlich gerne vorzeichnen oder auch einbilden, dass es so sei wie wir es sehen wollen. Tief in uns wissen wir zumeist sehr genau wie unsere Geschichte, dass unser Lebens-Narrativ nicht das darstellt, was es wirklich ist, sondern allenfalls der Vorschein des in Wirklichkeit erst noch zu erschaffenden Lebens ist. Von daher gesehen ist das Leben also Schein und ist somit nicht das, was es zu vermitteln sich bemüht, sondern Selbsttäuschung und Täuschung aus einer Hand.

Leben hingegen das bereit ist sich des Scheins wirkkräftig zu entledigen ist ein Weg durch das eigene Erkenne dich Selbst hindurch, was heisst das Erwachen am anderen Menschen ohne wenn und aber. Leben verläuft demnach nicht in einem vorrangigen ja aber auf den oder die anderen Menschen, sowie in mehr oder weniger gut verpackten Selbstrechtfertigungen und Ausweichmanövern vor dem Aufräumen des eigenen Augiasstall hinaus. Wenn uns eines die gegenwärtige Corona Situation mit überdeutlichem Ernst zu verstehen geben will, dann dieses: Die eigene selbstbestimmte  michaelische Heldenreise anzutreten - noch heute. Und damit die Kehrtwende zu einer schöpferisch neu zu gestaltenden Wirklichkeit in die eigenen Hände zu nehmen.

Auf die wissenschaftliche Problematik in der gegenwärtigen Auseinandersetzung mit der Corona Pandemie hingeschaut bedeutet dies nicht weniger als sich der einstmals unvollendet gebliebenen Epoche der Aufklärung in unserer an stürmischen Auseinandersetzungen geschichtsträchtigen Zeit wieder zu erinnern und diesbezüglich an den Mut unserer Vorväter erneut tatkräftig anzuknüpfen. Was heisst die dazumal einseitig nach aussen gerichtete naturwissenschaftliche Forschungsgesinnung um eine ebenso naturwissenschaftlich exakt forschende Haltung in Bezug auf das Denken in seinen weitgehend noch unerforschten Bereichen zu erweitern. Die Dornenhecke um den Jahrhundert Schlaf unseres zutiefst in den analytisch abstrakten Schlaf versetzten Denkens zu durchdringen und die „Materia“ in ihrer tieferen Wesensgestalt mit neu aufgerüsteter Kraft wach zu küssen. Forschung mit Weitsicht ist also angesagt. Eine Forschung, die auf erweiterten Denkwegen schreiten darf ohne von wissenschaftlichen Dogmen behindert ins Abseits abgedrängt zu werden. Denn es wäre mehr als fatal für die menschliche Gesundheit, wenn die Forschung hier im Wesentlichen auf Impfen ausgerichtet bliebe und der Immunforschung das erweitert fragende Erforschen am Ende unterbunden würde. Die verschleierten klerikalen Denkwege innerhalb der gegenwärtigen Wissenschaftsauseinandersetzungen sind jedenfalls nicht zu übersehen. Verschliessen wir also gerade hier nicht die Augen im leichtfertigen Hinweg Ducken vor scheinbaren Hindernissen, um nicht Chancen preiszugeben dem Mut mit seinem ihm innewohnenden Entwicklungspotenzial Tore offen zu halten. 

© Bernhard Albrecht Hartmann,27.07.2021

(1) Eine Antwort mit einem etwas anderen Blickwinkel 

      auf Philip Kovce, Andreas Laudert & Salvatore Lavecchia  

      in die Drei 3/2021 www.diedrei.org


Freitag, 23. April 2021

Die grosse Täuschung

Was heute landauf und landab, in privaten, wie gleicherweise in öffentlichen Räumen geschieht kann im Grunde einen jeden Menschen nur betroffen machen. Das tut es aber nicht oder wenn doch dann viel zu wenig. Die Nachrichtenwelle überrollt etwaige Erlebnisansätze zu öffentlichen Ereignissen in breiter Front, bzw. ein bereits tief eingebranntes individuelles  Wahrnehmungsausschluss-Verhalten lässt diese Erlebnisse nur noch oberflächlich bis gar nicht mehr auf den Bildschirm des eigenen Bewusstseins gelangen. Die eigene tiefer reichende Logik wird im weiträumigeren Verfolgen dieser Nachrichten nicht selten unversehens ausgeschaltet und die Leser finden sich mehr oder weniger in einer Grauzone der Täuschung wieder ohne dass dies klar durchschaut wird. Und das nicht nur bei weniger gebildeten Menschen, nein schleichend geschieht des auch innerhalb höher gebildeter Menschenkreise.

Mit nur ein wenig innerem Abstand zu den Tagesnachrichten kann dieser Phänomen Komplex jedoch durchaus aufgelöst werden. Erinnern wir uns, so war der Begriff „Lügenpresse,“ vor nicht allzu langer Zeit noch eine Randerscheinung. Ja er war es. Neuerdings drängt er immer unverblümter in die Nachrichtenspalten und mischt sie auf die eine oder andere Weise auf. Differenziert? Der Tendenz nach eher nicht. 

Auch der Begriff „Verschwörungsdenken“ dringt, wenn auch etwas langsamer in  der Gesellschaft zunehmend weiter vor. In kruden Varianten, weltanschaulich rechtslastig, reichsbürgerlich, in Richtung kämpferische AFD Randbereiche oder Q-Anon gewendet. Auch Rudolf Steiner und die Waldorfschule meint so mancher damit in Verbindung bringen zu können. Genauer und tiefer reichender werden diese Vorgänge jedoch meiner bisherigen Überschau nach nicht untersucht. Warum auch, das würde einige Arbeit erfordern, bei Verfechtern dieser Begriffe, wie bei Bedenken Trägern. Der schnelle Punsch Ball ist in der Kommunikation einfach tagesaktuell in Nachrichten oder privaten Gesprächen wirksamer einzubauen. Verstärkung der eigenen Ego Position und oder Sensation als Geschäftsmodel. Nur für nicht wenige ist genau diese Haltung schon ausreichend, um von Lügenpresse zu sprechen, einfach weil die „eigene Meinung“ scheinbar überhaupt nicht, bzw. nur ungenügend einbezogen oder abgebildet wurde. Und das beidseitige Karussell wechselseitiger Täuschungen dreht und dreht sich.

Der Verfassungsschutz nimmt neuerdings auch Teile der sogenannten Querdenker-Bewegung unter Beobachtung. Wie weit hinein wurde meines Wissens nach nicht öffentlich kommuniziert. Das trifft gegebenenfalls auch Menschen, die sich nur um eine eigene tiefer reichende Meinungsbildung bemühen und darüber randständig da oder dort sprechen ohne sich an konkreten Querdenker Aktionen zu beteiligen. Das immer weiter um sich greifende Sicherheitsdenken öffnet Grauzonen, die immer schwieriger zu übersehen sind und demgemäss sachlich nicht mehr so ohne weiteres reguliert werden können. Der Argwohn, bzw. das erblindete verwaltungsmässige Agieren greifen um sich und erodieren in Schattenprozessen gesellschaftliche Strukturen. Über zahllose, meist nicht näher identifizierbare Kanäle - raunende Sprechblasen, Meinungssteige vom Hörensagen - bahnen sich Veränderungen am Gesellschaftskörper an, die eigentlich aufhorchen lassen müssten. 

Während über die richtigen Corona-Massnahmen gestritten wird - mit der Keule der Panikmache in der Hand - blubbert der Gedanke der Verhältnismässigkeit innerhalb aller dieser Erwägungen nur noch in Restbezügen angekündigter Verfassungsbeschwerden über Bordstein Kuppen. Die Logik, sprich die sachlich weiter und tiefer verknüpfte Argumentation - folge ich den Trendverlautbarungen der Meinungsbildung des öffentlichen Lebens zur Corona Lage - werden unscheinbar in Sackgassen abgedrängt. Durchgreifen ist die Ansage. Durchgreifen ohne zu bemerken, dass dies mit der Täuschung in der Hand selbst auf mittelfristige Sicht nicht zu machen sein wird, wenn nicht noch mehr Schwierigkeiten losgetreten werde sollen. Aber genau diese Blickrichtung wird von den Befürworten durchgreifender Massnahmen, bzw. privater kurzschlüssiger Ego Positionierungen in diesem Zusammenhang ausser Acht gelassen.

Und das geschieht an einem einfachen Vorgang aufgezeigt so: Die steigende Inzidenz ist in aller Munde, was aber nicht kommuniziert wird das ist, dass mit gesteigerter Testaktivität zwangsläufig auch mehr  Corona-Erkrankungen ans Licht kommen müssen. Die ins öffentliche Bewusstsein hinein primär verschobene Dritte Welle ist in ihrer benannten Ausprägung von daher nur eine Halbwahrheit und als Modus operandi eine Täuschung. Darüber hinaus ist auch das eine Täuschung, es gibt in Deutschland einiges mehr an Intensivbetten als aktuell in Betrieb. Nur können diese auf Lager stehenden Betten zu wenig aktiviert werden, weil das Fachpersonal für ihre Inbetriebnahme fehlt. Folgen des über Jahre hinweg tot gesparten Gesundheitssystems.

Mit solcherart Desinformation wird kein umfassend stabiles Mittragen der Corona- Massnahmen auf längere Dauer hin erreicht werden. Die Unzufriedenheiten bündeln sich und brechen von unterschiedlichen Orten her aus. Das ist zu erwarten. Dennoch in diesem Zusammenhang von Lügenpresse zu sprechen ist nicht richtig.

Das Dilemma: Über Jahrhunderte hinweg hat sich weltweit ein Verstandesdenken ausgebildet, das sich in seinen Grundstrukturen an die unterschiedlichsten Ego- Basispunkte gebunden hat. Und von diesen Punkten her hat es sich dual ausgerichtet. Dass dem so ist entspricht der geistigen Evolution auf die notwendige Ausbildung  des Ego hin. Kant hat vor dem Hintergrund dieser Entwicklungslinie gegen Swedenborg und, wie er es dazumal sah, dessen illusionär überbordenden Subjektivismus einen Wall errichtet, der in einer kaum zu überbietenden Abstraktheit in dem „Ding an sich“ seiner Transzendental Philosophie gipfelte. So angeschaut kann Kant als der Vater gegen jede Art von fake news in unserer Zeit angesehen werden.

Es mag manchem Querdenker unter den Lesern dieses Essays hart aufstossen, wenn ich hier sage, Lügenpresse ist ein abwehrendes fake new gegen eine vermeintliche Intransparenz der sogenannten Mainstream Presse. Denn: Die Mainstream Presse ist per se nicht intransparent, sie bewegt sich denkend im Allgemeinen nur innerhalb eines Ego Netzwerkes, welches durch das Verstandesdenken in einer langen Entwicklung entstanden ist. Und genau das tun Querdenker auf der anderen Seite auch. Das in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht weitgehend unerkannte Problem ist, dass Dualität im gesellschaftlichen Diskurs heute ein Auslaufmodel ist.

Haben wir von Kant genug gelernt, wenn wir behaupten die Mainstream Presse lüge? Oder schauen wir hier nur einem eigenen transzendentalen Begriff in die Augen, der weit davon entfernt ist von lebendigem Denken durchdrungen zu sein? Der von Kant geprägte Begriff „des Ding an sich“ kann, mühe ich mich ab über seine vordergründige Abstraktion hinaus in seine Tiefe vorzudringen die Erfahrung einer im höchsten Sinne dynamischen Begrifflichkeit vermitteln. Und diese Erfahrung könnte je nach Sichtweise auf unterschiedlichen Wegen allmählich dazu führen den Tanz um das goldene Kalb eigenen Vermeinens einzustellen und echte Entwicklungsbeiträge im Hinblick auf die Überwindung der Dualität im gesellschaftlichen Diskurs zu Tage fördern. 

Will die allseitige grosse Täuschung überwunden werden geht es also um die Entwicklung eines tief greifenden eigenen lebendigen Denkens. Dieses ist in meinen Augen aber nicht ohne sich wiederholende bittere Durchgänge im Hinblick auf eigene Selbsterkenntnisse zu erreichen. Über Kant hinausgehend stelle ich zum Ende dieses Essays daher die weitere Frage, haben ich von Rudolf Steiner genug gelernt, wenn wir vollmundig einem Verschwörungsdenken innerhalb unseres eigenen Denkens Platz einräumen? Und das 125 Jahre nach dem Erscheinen seiner Philosophie der Freiheit? Nicht was ich denke ist wichtig, sondern wie ich denke, d.h. ob und wie ich die beständig sich vertiefende Anschauung meines eigenen Denkprozesses weiter belebe. Durchschaue ich also immer besser die Täuschungen, die das Ego gegen mich verschwörerisch führt und erwache in die Aufrechte meines Ichs, so kann der Pfingstgeist die Verkrustungen meines Ego durchbrechen. In wie weit bin ich hier individuell unterwegs, das scheint mir die entscheidende zu klärende Frage im Angesicht der gegenwärtigen Corona Krise zu sein. Bin ich  fremdbestimmt von Anhaftungen der unterschiedlichsten Art oder ein im belebten Geist atmender Denker? Die grosse Täuschung ist eine vielfarbig individuelle Erfahrung, die es zu durchschauen gilt.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 23.04.2021 


Mittwoch, 21. April 2021

Der Pfingstgeist im Aufbruch

Ist es nicht so ? Du wartest auf ..., auf was? Du meinst, es ginge nicht weiter, wenn ... ich, Du, er nicht voraus ginge, dies oder das in Gang brächte, bevor Du das Deine einbringen könntest? Ist das Deine gegenwärtige Realität?

Na dann verkennst Du, ihr, die ihr dies lest die Welten-Wende, die sich leise, unabwendbar still vollzieht ... 

Niemandes Stille kann kraftvoller ein Flügelschlagen in die Welt hinaus versetzen, als das Wort, das Du aus Deiner Stille freigibst. Es ist immer Deine ... und nur Deine Stille, die etwas in der Welt wendet, "Dein guter Wille," in einem jeden Augenblick.

Die Welt mag von endlosen Hurrikan Stürmen und Tsunamis aufgewühlt werden. Das Auge im Zentrum dieser Stürme ruft nach Deiner Tat und sei sie scheinbar noch so klein. Dein Mut ist gefragt. Verorte Dich also im Zentrum Deiner inneren Stürme und gib den Geschehnissen um Dich herum genau die kleine Wende, die sie hier und jetzt in diesem einen Augenblick brauchen und die nur Deine uneigennützige Liebe in Gang bringen kann, nur Du allein.

Ein Schmetterling kann mit seinem Flügelschlag den Keim für einen Hurrikan legen. Sei Du der Schmetterling, der im Zentrum dieses Hurrikans die Saat uneigennütziger Liebe ausbringt.


Aus aktuellem Anlass erneut veröffentlicht. 

Montag, 12. April 2021

Zur Erinnerung in bewegter Zeit (überarbeitet)

Das Quadrat  im  Kreis, der Verweis auf die vier  Grundkräfte des  Geistes - Wille,  Gefühl, Intellekt und Bewusstsein - die über das Denken untereinander ins  Gleichgewicht zu bringen sind, lässt uns im Leben die Freiheit finden und damit die individuelle Erfüllung. 
Über  die  sokratische  innere  Haltung des in jedem  Einzelfall auf das Du hin ausgerichteten Fragen des "ich weis,  dass ich nicht weis" (was weis ich wirklich über Dich und was weis ich nicht in genau diesem Augenblick, klebe ich von daher an  Vorstellungen aus meinem  Gedankenfundus heraus über Dein tiefer gegründetes  "Sein)."  Das  Denken, das sich mir eben  "Jetzt"   offenbaren will,  so "Ich" es nur zulassen  will). Denn die innerer  Bewegung dieser sokratischen Frage  aushaltend kommen mir  im Lauschen "aus dem Leben" genau jene  Antworten zu, die ich jeweils brauche.                                                                            







Vertrauen ist hier alles und in diesem  Vertrauen das  jeweilige  Gleichgewicht zu  bewahren. Das lässt den Menschen in seine wahre innere Aufrechte in jeder Lebenslage immer  besser  hineinfinden. Hilft ihm sich von Innen her im Willen selbst dynamisierend aus der im Bild in der Kreuzigungshaltung hintergründig so dargestellten Selbstfesselung an Ängste bzw. an in eigenen Vorstellungen des Ego erstarrten Bewegungskräften zu befreien. Jene Kreuzigungshaltung, die den  Betrachter verborgen zum  "Aufrechten Stehen" im  Ich aus  selbst gefügten  Begrenzungen  auffordert. Zu einem in  innerem  Bewegen  gewagten Perspektivenwechsel, bewegt gezeugt von Augenblick zu Augenblick. 
Sich zu  öffnen für den  stetig zu vertiefenden  Zugriff in  den  ganzen  Kosmos des  Lebens  hinein, um in Hingabe dem Menschenleben zu dienen.

© Bernhard Albrecht Hartmann 12.04 2021

Mittwoch, 7. April 2021

Alpha und Omega

 Lieber Daryl

Erinnerst Du Dich noch an unsere kleine Kommentar-Begegnung auf meinem Blog (1 und 2)? Vermutlich eher nicht, denn die Begegnungen im Raum des Internet sind flüchtig, ähnlich vielleicht Begegnungen von der Art, die wir beim Gehen durch die Fussgängerzone einer Stadt haben können, wenn uns im Vorbeigehen irgend ein Gesicht kurz beeindruckt, ohne dass wir genau sagen können warum eigentlich, es tut es und dieses momenthaft Beeindruckt-Sein wieder verschwindet wie eine blühende Blume, die vor unseren Augen an einem Flussufer in der Strömung des Wassers an uns vorüber gleitet. Einfach so. 

Doch das Leben ist niemals oberflächlich, auch nicht in derartigen Begebenheiten. Es erinnert uns immer an irgendetwas, auch wenn wir diese Erinnerung nicht sogleich tiefer zu fassen vermögen oder innerlich auf längere Sicht gegenwärtig halten können. Mitunter kann es sogar Jahre dauern, bis in uns ein Verstehen aufsteht oder sich in einer mittlerweile vertieften Sicht aus den Strömungen des Lebens neu zusammensetzen kann. 

Das Leben ist ein Netzwerker, der grösste den es gibt - ohne jegliche technische Ausstattung. Leider vergessen wir das allzu oft oder bekommen es überhaupt nicht auf den Schirm unseres Bewusstseins. Und so tippen wir auf unseren Handys in der U-Bahn oder sonst wo vor uns hin und verlieren das tatsächliche Leben um uns oder in uns aus den Augen. Und was entsteht … Du beschreibst es auf Deinem Blog: „Die ewige Leier, es dreht sich im Kreis. Alpha und Omega, der Anfang und das Ende. Könnte gähnen, so ermüdend ist dieses Thema für mich. Lasst uns die Gewohnheit feiern, denn in der Gewohnheit liegt die Sicherheit und in der Sicherheit? Tja, da können wir uns verkriechen. Wer hat denn schon Lust den Kreis zu durchbrechen …“ (3).

Das Alpha und Omega. Grosse Worte, die Du hier - genauer besehen - in einem ihnen fremden Zusammenhang gebrauchst. Von ihrer Ursprungsbedeutung her sind es nämlich Worte der Schöpfung, Worte von Anfang und Ende, von Tod und Auferstehung. Sie weisen auf ein Kräftewirken des Mutes und des inneren sich Aufgerichtet-Haltens durch alle Wirrnisse des Lebens. Es sind Worte, die in ihrer einzigartigen Tiefen-Dimension auf ein Bewusstsein deuten, das mächtiger ist als gebündelte Atomkraft. Worte, die auf die Ur-Schöpfermacht verweisen, die als Keim in jedem Menschen schlummert, bis er sie durch sein Entscheiden nach und nach in ihrem Wirksamwerden zum Sein erweckt.

… „bis er sie durch sein Entscheiden …“: Hm, welche Entscheidungen wirst Du im Hinblicken auf das hier vorausgehend Gesagte bezüglich Deiner Gewohnheiten treffen? Wirst Du Dich der tief in Dir verankerten Kraft des „Alpha und Omega erinnern, in Tateinheit erinnern wollen? 

Gewohnheiten sind nämlich sehr hartnäckige seelische Kräftegebilde. Sie sind auf Ego-Einstellungen fussende und da allermeist auf sehr unbewusste, fort und fort auf Bequemlichkeit hin sich ausrichtende, wenig rationale Vorstellungen mit einem steigend irrationalen Charakter bezogen. Kurz gesagt sind sie von daher verdeckte Produkte der eigenen inneren Faulheit. Mithin also  Selbsterzeugnisse aus dem Ruder laufender Triebkräfte und alles andere als ein Alpha und Omega.

Das Alpha und Omega fusst nämlich auf der Fähigkeit zur Selbstbestimmung und stetig wachsender Selbstermächtigung. Sich in die Kraft des Alpha und Omega hineinstellen ist von daher alles andere als bequem. Es ist eine Entscheidung auf eigene Authentizität hin. Bedeutet für die Würde des Menschen in immer weiter reichender Weise durch den Alltag des Lebens einstehen zu wollen und zu können.

Das Alpha und Omega findet seinen Ausdruck in schöpferischen Ich-Taten, in Kreis-Durchbrecher-Taten. Es ist kein Selbstläufer im ewig Gleichen, sondern fordert leise und beständig die Entscheidung Deines Ich-Willens, der Dir allein die Freiheit wahren Menschseins immer mehr verleihen kann. Wenn Du also so dies und jenes in Deinem Leben beklagst siehst Du nur Dir selber in die Augen, denn allein Dein Ich-Wille kann die Schlösser zu Veränderungen in Deinem Leben öffnen. Oder siehst Du das etwa anders?

© Bernhard Albrecht Hartmann, 07.04.2021

(1)  https://ich-quelle.blogspot.ch/2013/04/zuruf.html  

(2)  https://gedankenpoesie.blogspot.ch/2013/04/hauptsache.html#comment-form 

(3)  https://gedankenpoesie.blogspot.ch/2020/06/850-keine-lust.html 




Freitag, 19. März 2021

Was hinterlasse ich am Ende an lebendigen Spuren auf dieser Welt?

Eine Replik auf: 

https://egoistenblog.blogspot.com/2021/03/ich-sah-die-aura-des-meisters-rudolf.html#more 

Lieber Michael

… „denn wer kommt schon gegen das Karma an?“

Ernsthaft Michael, ist das wirklich eine Deiner zentralen Erkenntnisse, wenn Du zum wievielten Male über Hintergründe anthroposophischen Gemeinschaftslebens berichtest … oder sollte ich vielleicht besser sagen in einem gehobenen Stammtisch Jargon tiefsinnig plauderst, damit Deine Leser nicht bemerken wie Du Oberflächen Ansichten der Geschehnisse mit Deinen ganz persönlichen Vorstellungen davon verklebst und so „gekonnt“ eine Melasse aufkochst, die in meinen Augen wenig geeignet erscheint die Fragilität des dazumal tatsächlich Geschehenen auch nur annähernd zu beschreiben oder gar tatsachengerecht durch mehrere (von Dir offenbar nicht gesamthaft ins Auge genommenen) Schichten hindurch einer Auflösung näher zu bringen. Warum tust Du das? Und das beinahe 100 Jahre nach Rudolf Steiners Tod?

Muss heute nicht viel tiefgreifender an die Frage des Karma herangetreten werden, um diesbezüglich über wechselseitiges Windel-Einnässen im Umgang mit dieser Frage hinauszugelangen?

Ich frage Dich, wäre es nicht zielführender diesbezüglich einmal strenger in die Innenschau zu gehen wie sich unser Bewusstsein in den letzten 100 Jahren dahingehend verändert haben könnte, dass die Antworten wie Karma jeweils zu lösen sei im Denken eines jeden Menschen nur darauf wartet „gesehen zu werden,“ damit eine neue Art sozial gestalterischer Dynamik sich mehr und mehr daraus entfalte. Essenz: Du musst also nicht mehr zwingend gegen das Karma ankämpfen oder es notgedrungen hinnehmen, es sei denn Du scheust davor zurück in die Kraft Deines Denkens hineinzugehen und bevorzugst das Begaffen der abstrakten Eisblumen-Konstrukte im Rückspiegel deines Denkens.

Dass im Rückspiegel Deines Denkens aber noch anderes unscheinbar gelagert ist das muss sich bei derartigen Eisblumen Scharaden im Hintergrund wie in einem Schattenreich verlieren. Und das so lange bis die zeitlos moderne Frage des Sokrates: „Ich weiss, dass ich nicht weiss“ soweit verinnerlicht werden konnte, dass sie im Herzen zu schwingen vermag, lebendig erfahrene Resonanzklänge hinterlassen kann.

Resonanz: Es gibt mittlerweile sich beständig erweiternde Forschungen zu den gesellschaftlichen Resonanzräumen. Du hast gewiss davon schon Kenntnis genommen. Nur ein klein wenig von diesen Erkenntnissen in ganz individuelle Erfahrungsbemühungen um das Denken im Geiste der Philosophie der Freiheit hereingenommen könnte in Aha-Erlebnissen sichtbar machen, dass das „Übe Geisterinnern“ längst nicht mehr nur auf ein Ereignis vor beinahe 100 Jahren zu beziehen ist, sondern mitten in der Welt von heute angekommen ist. 

Doch wer da nicht in individueller Selbstverantwortung hinzuschauen gewillt ist, den wird schlicht und einfach das Leben bestrafen. Selbst wenn Rudolf Steiner heute 100-fach dupliziert sich erneut in den sozialen Räumen dieser Welt um Erneuerung bemühen würde, er könnte nichts auf eine Wende der Verhältnisse hin bewirken, er könnte keinen einzigen Menschen über die Schwelle ziehen, wenn dieser dabei nicht aktiv mitwirkt. Seit Weihnachten 1923 ist es ausschliesslich in die individuelle Verantwortung eines jeden Menschen gelegt welche Entwicklung die Menschheit nehmen kann und wird.

„Den Egoismus zu überwinden und den Zug nach dem Allgemein- Menschlichen und Kosmischen sich anzueignen, ist nicht so leicht, wie mancher sich das vorstellt“ (Rudolf Steiner, „Okkulte Geschichte“ S. 60). Was wirst Du Michael von daher positiv aufbauend gestaltet auf dieser Welt an lebendigen Spuren hinterlassen, wenn Du in einer absehbaren Zukunft diese Welt wiederum verlassen wirst? Ich für meine Seite weiss das. Ich grüsse Dich herzlich.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 19.03.2021

Dienstag, 16. März 2021

Einer wagemutig fragenden Freundin zugeeignet

Zuerst einmal, Du bist eine sehr mutige Frau … und ich denke und empfinde das aus meinem tiefsten Herz-Denkkräften heraus, wenn ich dies an den Anfang meiner Antwort auf Dein Fragen hin hier sage. Du bist bereit Dich den zunächst unangenehmen Begleit-Empfindungen in der denkenden Auseinandersetzung um das Nichts zu stellen. Wenn ich mir vor Augen halte, dass allein im Januar diesen Jahres 1150 Menschen diesen Beitrag angeklickt haben, der Dein Fragen ausgelöst hat, dann frage ich mich, in welches Kästchen haben diese Menschen ihre Kenntnisnahme von dem dort Gesagten abgelegt? … Und sind weitergeschritten … ohne anscheinend innezuhalten und für sich „tiefer“ zu hinterfragen, was das dort Gesagte für sie bedeuten könnte, wenn sie sich ihm denn jenseits der Neugier öffnen würden.

Nun, es ist wie es ist. Wir sind in weiten Teilen zu einer „Klick-Gesellschaft“ degeneriert, zu einer Gesellschaft ohne vielerorts tiefer reichendes sowie anhaltendes Interesse für andere Menschen und deren Denkweisen … und noch weniger Interesse für die tatsächlich tiefer gelagerten Abläufe unseres eigenen Denkens. Unser Rückspiegel auf unser eigenes Denken hin ist, ja er ist „dauerhaft“ eingefrostet und vorstellungsverklebt … und niemanden „erschreckt“ das. Das Frostschutzmittel für den Rückspiegel unseres Autos haben wir zur Hand, nicht aber die Aufmerksamkeit für die krebsartigen Abstraktionen, die unser eigenes Denken von der Wirklichkeit abschnüren.

Soll sich das ändern, geht es also um Offenheit für das Sagen des Du schlechthin, um die lauschend bis auf den Grund hin fragend zu erschliessende, verschlüsselte Entwicklungsherausforderung, abgelegt als Botschaft des Geistes in den individuell unterschiedlichen Resonanzen, die ein Du (die ich) mit einem Sagen auslösen können. Mit der inneren Hinwendung auf die individuellen Resonanzräume wird nämlich jener Frageraum erschlossen, der einst schon Sokrates vor Augen stand, wenn er seine Schüler ermunterte denkend dem Geist auf den Grund zu gehen. Denkend bis an das Erfahren des „ich weiss, dass ich nicht weiss“ fragend vorzudringen. 

Was von heute her gesehen dann heisst: Das über die Abstraktion hinaus sich weitende Denken bringt vor die innere Anschauung einen in sich gelagerten gegenläufigen Willensprozess. Schöngeistig zu gepuderte verdeckte Ängste oder Mut. Ich bin die Lösung für alles, was in der Welt geschieht, ich bin die Kraft der Veränderung, die freizusetzen meine Verantwortung ist, eine Verantwortung, die nicht delegiert werden kann. Denn das Ich ist in seiner Kräftekonfiguration einmalig. Fehlt die besondere Kräftefarbe auch nur eines einzigen Ichs oder wird sie innerhalb der denkenden Auseinandersetzung mit ihr in einem bestimmten Lebensmoment nicht ernst genommen, so zieht das mehr Folgen in untereinander vielschichtig zugeordneten sozialen Kräfteverbindungen nach sich, als das auf ein Erstes hin zumeist sogleich konstatiert werden kann.

Was sich dazwischen schiebt … so diese oder jene Vorstellungen, Ängste … sie sind selbst gezimmerte Konstrukte. Du kannst nicht aus dem Denken herausfallen, wenn Du Dich nur immer tiefer in seine Eigenart hineinarbeiten willst. Langsam, ohne zu drängeln. Auf die eigenen Schritte dabei achtest. Viel wichtiger ist hier z.B. auf Deinen Umgang mit der Kassiererin beim Einkaufen im Supermarkt innerlich aufmerksam zu werden. Denn das öffnet die Wege zu einer tatsächlich realen Geist Erfahrung mehr als noch und noch … irgendwelche spirituellen Schatzsuchen. Oder es bläht Deinen spirituellen Egoismus leise ins Unermessliche anstatt aufzuwachen für das, was diese Frau „Dir“ gerade in diesem Augenblick non-verbal zuflüstert. Verschlafe solche Augenblicke also nicht und wache aus Deinem Tagträumen auf … dort wo es stattfindet, ohne dass Du es in der Regel zunächst bemerkst.

Ich will diese „unfrisierten“ Gedanken hier mit einer kleinen Geschichte beenden, die sich vor mittlerweile sieben Jahren genau so zutrug, wie ich sie hier erzähle(1).

Ich war 14 Tage, lose angebunden an eine Reisegruppe im Südwesten der USA unterwegs. Zum ersten Mal ... und auf der Grundlage eines Freundschaftsgeschenkes. Nach mancherlei Anstrengungen besuchten wir zum entspannten Auseinander-Gehen noch einen wunderschönen Erlebnis-Naturpark. Eigentlich hatte ich kein grosses Interesse an den Möglichkeiten die eigenen Kräfte zu erproben, welche dieser Naturpark bot … bis eine junge Frau an mich herantrat, mit der ich während der Reise nur einige Male eher peripher in Berührung gekommen war. Sie schaute mich an und sagte, ich würde eine so grosse innere Ruhe ausstrahlen, während sie selber von Ängsten geplagt werde, die sie schon lange zu überwinden bemüht sei, was ihr aber bisher nicht gelingen wollte. Dabei deutete sie auf eine 15 Meter über dem Erdboden schwebende Seilbrücke mit schmalen Holzbrettern, über die von den beiden Seiten her zwei Menschen aufeinander zuzugehen hätten, um in der Mitte ohne zu Fallen sich zu treffen, vorsichtig aneinander vorbei zugehen die andere Seite der Brücke zu erreichen. Ich sah das Ringen mit der Angst in ihren Augen und sagte ihr zu das Wagnis mit ihr einzugehen.

Ich begleitete sie also zur Seilleiter an ihrem Baumaufstieg zur Seilbrücke und ging nach einigen Worten, in denen ich sie bat geradeaus zu mir hinüber zu schauen und den Bohlen unter sich keine weitere Beachtung zukommen zu lassen - ihre Füsse würden von sich aus schon das Rechte zu tun wissen - einfach „langsam“ ohne innezuhalten loszugehen. Von meiner Seite der Seilbrücke aus gab ich ihr kurz darauf mit der rechten Hand noch ein aufmunterndes Zeichen loszugehen. Und sie ging langsam, aber zügig auf mich zu, bis sie kurz vor unser beider Begegnen wie aus der Konzentration, die sie leitete herausfiel und ihren Schritt ausbremste, was durch die abrupte Bewegung „mich“ zu Fall brachte.

Ich sah das Entsetzen in ihren Augen und reichte ihr mit dem Gedanken Du hast nur diesen einen Versuch meine rechte Hand und sagte, ihr in die Augen schauend verhalten bestimmt: Zieh - und sie zog, während ich mit meinen 80 kg mir einen Ruck gab und … stand, ohne das die Brücke allzu sehr schwankte. Meinerseits in der Konzentration lies ich keine Pause zu, sondern flüsterte nur - weiter - und wir fanden aneinander vorbei ohne dass die Brücke in ihren Seilen gross ausschlug und erreichten ein jeder sein Ende der Brücke. 

Unten angekommen lief die junge Frau auf mich zu, umarmte mich mit Tränen in den Augen und sprach, ich habe meine Angst überwunden.

Wie das Leben so spielt. Wir begegneten einander von diesem Zeitpunkt an nie mehr. Was zu lernen war haben wir voneinander gelernt. Du kannst nicht aus dem Denken herausfallen, es fängt Dich immer auf, wenn Du Dich von seinen Konstrukten nicht aus der anschauenden Konzentration verdrängen lässt. Bewegt in Bewegung zu bleiben erbaut das Ineinander von Sein und Leben.

© Bernhard Albrecht Hartmann, 16.03.2021